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12.10.2018

Akkorde lernen am Klavier

Lerne, wie Akkorde aufgebaut sind

Was du über Akkorde wissen musst, um sie erfolgreich verwenden zu können

Akkorde sind ein wichtiger Bestandteil der Musik. Sie bilden das Grundgerüst unseres musikalischen Verständnisses. Am Klavier spielen sie eine besonders große Rolle: Zum einen bietet das Instrument mit seinen 88 Tasten einen riesigen Tonumfang, es ist für Akkorde also genug Platz auf der Klaviatur gegeben. Und zum anderen erzeugen wir am Klavier, im Gegensatz zu den meisten anderen Instrumenten, mit beiden Händen Töne. So kann die linke Hand leicht einen Akkord spielen, während sich die rechte Hand um die Melodie kümmert. Außerdem bietet das Klavier mit seinem Dämpferpedal Möglichkeiten, Akkorde, die man gar nicht gleichzeitig greifen kann, zu Gehör zu bringen.

Am Klavier gibt es sehr viele Arten, Akkorde einzusetzen - mal in einer Hand, mal auf zwei Hände aufgeteilt, mal gleichzeitig oder nacheinander gespielt. Aber was genau ist eigentlich ein Akkord? 

Was ist ein Akkord?

Ein Akkord besteht aus drei Tönen und wird deshalb auch Dreiklang oder Harmonie genannt. Das an sich ist gar nicht schwer, oder? Besonders interessant ist es aber, welche Töne genau einen Akkord ergeben, denn man kann dafür nicht irgendwelche Töne nehmen. Die Namen Dreiklang und Harmonie weisen ja schon ein bisschen darauf hin, dass die drei Akkordtöne zusammen auch möglichst gut oder harmonisch klingen sollten. Denn wenn etwas nicht gut klingt, bezeichnet man es nicht als Klang, sondern eher als Lärm oder als unharmonisch. Und auch, wenn es zum großen Teil Geschmackssache ist, ob einem ein Klang gefällt oder nicht, wird das folgende Beispiel wahrscheinlich kein Akkord sein, so schauerlich klingt es nämlich.


Wie ist ein Akkord aufgebaut?

Ein richtiger Akkord besteht laut Definition immer aus dem ersten, dritten und fünften Ton der jeweiligen Tonleiter. Nehmen wir also zum Beispiel die A-Dur-Tonleiter.


 

Jetzt markieren wir den ersten, dritten und fünften Ton und erhalten somit A, Cis und E.


 

Spielt man genau diese drei Töne allerdings gleichzeitig, hört man einen A-Dur-Akkord.


Du musst zugeben, wirklich schwer ist das eigentlich nicht, oder? Es geht aber noch leichter! Das Problem bei dieser Definition ist ja, dass du immer die komplette Tonleiter kennen musst, um den Akkord herauszufinden. Spätestens bei Fis-Dur ist das nicht mehr ganz so leicht. Falls du nicht weißt, wie die Fis-Dur-Tonleiter genau aussieht und du die Wissenslücke schließen möchtest, kann ich dir den Artikel Tonleitern auf dem Klavier herausfinden wärmstens empfehlen, darin lernst du alles, was du zum Thema Tonleitern wissen musst. Für das Finden der Töne eines bestimmten Akkordes gibt es aber einen noch viel leichteren und schnelleren Weg, und den zeige ich dir jetzt.

Welche Akkordtypen gibt es und wo liegen die Unterschiede?

Man unterscheidet insgesamt vier Akkordtypen:

  1. Dur
  2. Moll
  3. Vermindert
  4. Übermäßig

Vom gleichen Startton aus sehen diese Akkordtypen so aus. Zur besseren Übersicht starten wir dieses Mal aber beim Ton C. 


 

Jetzt schauen wir uns zunächst an, wie genau der Dur-Akkord aufgebaut ist. Wie viele Halbtonschritte muss man vom unteren zum mittleren und vom mittleren zum oberen Akkordton gehen?

Beim Dur-Akkord geht man also zuerst 4 und dann 3 Halbtonschritte nach oben. Nun zu Moll.

Bei Moll ist es genau umgekehrt: Erst 3 und dann 4 Halbtonschritte. Als nächstes kommt der verminderte Akkord. 

Beim verminderten Akkord zählt man also zweimal drei Schritte. Zum Schluss nun der übermäßige Akkord.

Der übermäßige Akkord besteht aus 2 x 4 Halbtonschritten. Du siehst, eigentlich ist das Thema Akkorde wirklich einfach. Du musst dir lediglich die Halbtonschritt-Zusammensetzungen der vier Akkordtypen merken, und schon kannst du jeden Akkord bauen. Hier noch einmal alles zusammengefasst.

Wie kann ich Akkorde üben?

Am Anfang übst du Akkorde am besten dadurch, dass du sie oft konstruierst. Damit du bei diesem Thema immer sicherer und schneller wirst und irgendwann gar nicht mehr überlegen musst, wie ein bestimmter Akkord aussieht, musst du sehr viele Akkorde spielen. Denn zu Beginn sehen die für dich wahrscheinlich zunächst alle gleich aus. Wie du am besten übst, zeige ich dir im folgenden Video. 

Video: Akkorde bauen I

Später kannst du diese Übung erweitern. Suche dir wieder rein zufällig einen Ton auf der Klaviatur aus und baue auf diesem Ton einen Dur-Akkord auf. Vom obersten Akkordton aus baust du dann einen Moll-Akkord auf, usw. 

Video: Akkorde bauen II

Im nächsten Schritt ist es sehr wichtig, dass du dir die einzelnen Harmonien dabei intensiv anhörst. Wie genau klingt ein Dur- oder Moll-Akkord für dich? Verbinde zum Beispiel Bilder oder Gefühle mit dem Klang eines verminderten Akkordes, dann wirst du ihn immer sofort wiedererkennen. Mit der Zeit wirst du so zum Akkord-Profi und erkennst Harmonien sogar bereits an ihrem Klang.

Und du solltest jeden Akkord, der dir in deinen Noten begegnet, analysieren. Dadurch lernst du auch automatisch von den Komponisten, wie man die verschieden Harmonien einsetzen kann. Fangen wir am besten gleich damit an. 

Wie analysiert man Akkorde?

Analysieren wir zusammen diesen Akkord.

 

Bei dieser Analyse gehen wir nun genauso vor, wie wir es vorhin bei den vier Akkordtypen getan haben. Wir zählen einfach die Halbtonschritte vom unteren zum mittleren und vom mittleren zum oberen Ton.

Komisch, haben wir uns verzählt? Erst vier und dann fünf Schritte? Dieser Akkord befindet sich zwar gar nicht auf unserer Akkordtypenübersicht, aber es gibt ihn offensichtlich trotzdem.

Akkorde und ihre Umkehrungen. Was sind Umkehrungen?

Immer wenn du bei der Akkordanalyse fünf oder sechs Halbtonschritte zählst, hast du es mit einer so genannten Umkehrung zu tun. Dabei werden die Akkordtöne einfach anders angeordnet. Ich zeige dir das am besten wieder bei C-Dur. 

 

Ein C-Dur-Akkord besteht aus den Tönen C, E und G. Bei der sogenannten Grundstellung ist der Ton, der dem Akkord seinen Namen gibt, ganz unten, in unserem Beispiel ist das logischerweise das C. Schreiben oder spielen wir den Ton C nun eine Oktave höher, haben wir immer noch den Akkord C-Dur, allerdings ist das dem Akkord den Namen gebende C nun nicht mehr der untere Ton des Akkordes, somit haben wir auch keine Grundstellung mehr. In diesem Fall spricht man von der ersten Umkehrung. Und genau dann zählen wir die fünf Halbtonschritte. 

Gehen wir nun zurück zu unserem Beispiel von vorhin. Wir waren dabei diesen Akkord zu analysieren.

Inzwischen wissen wir, dass das eine Umkehrung ist. Und nur dann haben wir an einer Stelle fünf Halbtonschritte. Wenn wir den Akkord nun bestimmen wollen, müssen wir so lange Umkehrungen bilden, bis wir nur noch drei oder vier Halbtonschritte zählen, denn dann sind wir wieder in der Grundstellung angelangt und können ihn leicht bestimmen. Da sich bei unserem Beispiel das Intervall mit den fünf Halbtonschritten oben befindet, bringen wir nun also einfach den oberen Ton eine Oktave tiefer.

Jetzt zählen wir erst drei und dann vier Halbtonschritte, das ist also ein Moll-Akkord. Und da wir damit in der Grundstellung sind, ist der untere Ton auch der Grundton. Somit heißt dieser Akkord D-moll. Und in unserer ursprünglichen Aufgabe heißt der Akkord also ‚D-moll → 1. Umkehrung‘.

Wie kann ich Umkehrungen üben?

Auch Umkehrungen müssen praktisch geübt werden, das theoretische Verständnis reicht für das komplette Beherrschen des Themas nicht aus. Am besten integrierst du Akkorde und deren Umkehrungen in deinen täglichen Übe-Ablauf. Du suchst dir einen Akkord und spielst alle drei Lagen aufwärts und dann wieder abwärts. 

Video: Umkehrungen aufwärts und abwärts spielen

Das funktioniert auch hervorragend als Arpeggio. Das bedeutet, dass du die Akkordtöne nicht gleichzeitig, sondern nacheinander spielst. Das klingt dann so. 

Video: Umkehrungen aufwärts und abwärts als Arpeggio spielen

Als Erweiterung kannst du die Umkehrungen auch mit der vorhin beschriebenen Akkord-Übung kombinieren. Du suchst dir also zuerst per Zufall einen Ton auf der Klaviatur. Dann baust du auf diesem Ton einen Dur-Akkord auf und spielst ihn aufwärts und abwärts als Arpeggio. Auf dem oberen Ton des ersten Akkordes baust du dann den zweiten, dieses Mal einen Moll-Akkord, auf und spielst ihn wiederum aufwärts und abwärts als Arpeggio, usw. 

Video: Akkordübung mit Umkehrungen aufwärts und abwärts als Arpeggio

Wie kann ich mich zum Thema Akkorde und Umkehrungen noch verbessern?

Wenn du dann schon einige Routine im Umgang mit Akkorden und deren Umkehrungen erreicht hast, ist es an der Zeit, noch einen Schritt weiter zu gehen und sich mit Kadenzen zu beschäftigen. Eine Kadenz ist eine festgelegte Akkordfolge, die die Basis für viele Kompositionen bildet. Darin kommen nicht nur verschiedene Akkorde, sondern auch ihre Umkehrungen vor. Wenn du also auf der Suche nach neuen Herausforderungen bist, findest du im Artikel Kadenzen einfach erklärt eine genaue Anleitung zu diesem Thema.

Warum sind Akkorde so wichtig?

Die heutige Musik basiert fast ausschließlich auf Akkorden. Das war einmal ganz anders. Im Barock, zu Johann Sebastian Bachs Zeiten, wurde eine ganz andere Art der Komposition praktiziert. Damals war polyfone Musik der letzte Schrei. Polyfon bedeutet mehrstimmig und bei polyfoner Musik wird also nicht in Akkorden, sondern in einzelnen Stimmen gedacht. Ähnlich wie bei einem Kanon erledigen die Stimmen völlig unterschiedliche Dinge und trotzdem klingen sie im Zusammenspiel gut. Im Endeffekt ergeben sie an vielen Stellen tatsächlich auch bestimmte Akkorde. Aber jede einzelne Stimme funktioniert für sich alleine und stellt eine eigenständige Melodie dar. Am besten zeige ich dir ein Beispiel.

Letztendlich hat sich die Musik dann aber weiterentwickelt und schon bei Mozart bietet sich uns ein ganz anderes Bild. Hier sehen wir immer wieder Stellen, in denen eine bestimmte Harmonie die Basis für eine Melodie bildet, die Harmonie wird also zum Nährboden, auf dem die Melodie entsteht. Besonders bei Klavierliteratur sieht man das ganz deutlich, wenn nämlich die linke Hand einen Akkord und die rechte Hand darüber eine Melodie spielt. 

Später wurden dann wieder ganz andere Kompositionstechniken entwickelt, aber die sind an dieser Stelle nicht mehr so interessant. Machen wir also einen Sprung und schauen uns die heutige Popmusik an.

Diese Art der Notation nennt man 'Lead Sheet'. Außer der Melodie und der dazugehörigen Harmonie wird nichts notiert. Das zeigt, wie wichtig Akkorde in der heutigen Musik sind. Wenn du noch mehr über die Rolle von Akkorden in der Popmusik erfahren willst, solltest du den Artikel '4 Klavier-Akkorde mit denen du fast alle Songs spielen kannst' lesen.

Schlussfolgerung

Wie du weißt, fehlt jetzt noch der entscheidende Schritt: Du solltest Akkorde in der Praxis üben. Baue die oben gezeigten Übungen in deinen Übe-Alltag ein. Wenn du dich regelmäßig mit allen Harmonien beschäftigst, findest du bald alle Akkorde auf der Tastatur. Und spiele ab heute keinen Akkord mehr, ohne zu wissen, wie er heißt und in welcher Lage er notiert ist.

Ich wünsche dir viel Erfolg!

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