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22.03.2020

Die beste 808 - Software-Instrumente und Sampler im Vergleich

Acht 808 In-the-Box-Alternativen für den Sound der legendären Roland TR-808

Die TR-808 ist DIE lebende Legende: Kein anderer Klangerzeuger hat zur Erschaffung ganzer Musikarten mehr beigetragen und unser Verständnis von synthetischem Drum Sound so geprägt wie diese japanische Kult-Drum-Machine von Roland. Seit ihrer Erscheinung im Jahre 1981 war sie an unzähligen Chart-Hits beteiligt und auch heute noch sind ihre beliebten Sounds aus Hip-Hop, Dance, Trap und Pop nicht wegzudenken. Sogar Schuhe in ihrem Design kamen heraus!

Durch das simple Bedienkonzept mittels einfacher Parameter und Step-Programmierung der Rhythmen ist die Hardware zudem als Live-Werkzeug geradezu prädestiniert. Das 80er-Jahre-Original wird aber schon längst nicht mehr hergestellt und ihr Marktwert im Internet liegt im vierstelligen Bereich. Zudem ist die 808 bedingt durch ihre Größe in Zeiten von mobilen Controllern sowohl als Studiogerät als auch als mobiler Begleiter zu sperrig. Manch einer legt Wert auf In-the-Box-Produktionen und entscheidet sich deshalb sogar bewusst für reine Software-Lösungen. Daher greifen viele Producer auf kostengünstige Alternativen zurück, von denen wir euch fünf Varianten herausgepickt haben. Neben Emulationen und Sample-Librarys zeigen wir euch im Folgenden ebenfalls drei kostenlose Alternativen.

#1 - Wave Alchemy Revolution

Die Kontakt-Library Revolution von Wave Alchemy setzt auf Samples von insgesamt 14 Drum Machines, darunter auch die TR-808, 909, 606. Die Entwickler sampelten für jeden Drum Sound gleich mehrere Settings und stellten sie in einer insgesamt 8 GB großen Library zusammen.

Revolution bietet zwar nicht die Möglichkeit, den Grundsound selbst zu designen, jedoch eine große Auswahl an Samples unterschiedlicher Drum Machine Settings sowie Aufnahme- und Bearbeitungsketten, die sich mit den Parametern auf der Bedienoberfläche als sogenannte „Character“ auswählen lassen. Der Clou: Alle Drum Machines und Settings sind kombinierbar, wodurch individuelle Drum Kits zusammengestellt werden können. Eine umfangreiche Effekt-Sektion, Multi-Output sowie Sampler-Ausstattung zur nachträglichen Bearbeitung runden die Library ab.

Revolution überzeugt mit einem sehr authentischen Charakter, der den hochwertigen Samples und flexiblen Settings zu verdanken ist. Den lebendigsten Klang liefern Round Robin Samples, die jedoch nur in einem der zehn Character verfügbar sind. Zudem sind die vielen Settings der Drum Machines grob gerastert. Dennoch gehört Revolution ganz sicher zu den authentischsten Drum Machine Librarys auf dem Markt.

Kontakt Library mit vielen Sounds

#2 - D16 Group Nepheton

Die 808-Emulation Nepheton von D16 Group verfolgt einen ganz anderen Ansatz: Die Klangerzeugung erfolgt virtuell-analog – hier kommen also keine Samples zum Einsatz, vielmehr werden die Klänge selbst erzeugt. Dabei bildet die Emulation das analoge Vorbild nicht nur nach, sondern erweitert es mit nützlichen Parametern für jeden Drum Sound.

Alle Sounds der Emulation können gleichzeitig verwendet werden. So muss man sich beispielsweise nicht zwischen Clap oder Maracas entscheiden, wie es an der TR-808 der Fall ist. Auch wenn im direkten Vergleich zur Hardware deutliche Unterschiede zu vermerken sind, kommt die Emulation schon recht nah an den Grundsound heran. Zudem ist man in der Lage, die Sounds von Anfang an selbst zu schrauben und lebendige Klangverläufe zu performen!

Der interne Sequencer wurde um A/B-Variationen sowie eine Randomizer-Funktion zur Generierung von Zufallspatterns erweitert. Da der Sequencer ohne MIDI Drag and Drop auskommen muss, ist es sehr praktisch, dass er deaktiviert werden kann. Somit lassen sich die Sounds via DAW programmieren oder mit einem MIDI-Controller live spielen. Nephetons Bedienoberfläche bildet die Hardware hervorragend nach, wodurch sich alte 808-Hasen trotz vieler neuer Parameter schnell zurechtfinden. Um die einzelnen Drums an die DAW-Channels zu leiten und mit weiteren Plug-ins zu bearbeiten, verfügt Nepheton über ein intuitives Output-Routing. Eine praktische MIDI-Learn-Funktion ermöglicht es, Nepheton mit einem MIDI-Controller schnell und einfach fernzusteuern.

Der virtuelle Klassiker!

#3 - Roland Cloud TR-808 und TR-909

Roland ist Roland – und hat leider reichlich spät Plugins ihrer beliebten Drum Machines vorgestellt. Diese klingen für ein Plugin sehr gut, bieten aber kaum Extras – und es gibt sie auch nur im Abo Model Cloud. Der Vollständigkeit halber dürfen sie aber nicht fehlen. It is what it is.

#4 - Thenatan X-Eight

X-Eight von Thenatan versteht sich nicht als 808-Klon, sondern als Sounddesign-Tool und Ideenlieferant. In diesem Plugin sucht man vergeblich nach cleanen 808-Sounds. Dafür findet man hunderte Presets in vielen Kategorien, die brutal, fies, dreckig und hart klingen. Wozu ein Sample des Originals nehmen und es zeitaufwendig verzerren und verfremden? Schließlich gibt es dafür X-Eight.  

Das Plugin funktioniert wie ein Rompler, deshalb gibt es auch nicht allzu viele Controls, um den Sound klanglich an eine Produktion anzupassen. Hüllkurve, Amplitude, LFO und Glide-Controls für Glitch- und Pitch-Effekte. Nennenswert sind aber die über 1000 Presets, unter denen man definitiv den passenden Sound finden sollte.

Wenn es etwas härter sein darf …

#5 - Initial Audio 808 Studio

Wer ausschließlich die subbasstiefen 808-Bassdrums benötigt und diese auch wie einen Bass auf dem Keyboard spielen möchte, ist bei Ignite VST genau richtig. Die Düsseldorfer Softwareschmiede hat einen Software-Synthesizer im Programm, bei dem vor allem der sustainlastige Subbass der 808-Bassdrum im Fokus steht.

Die restlichen Drums und Percussions einer echten TR-808 bleiben außen vor. Erzeugt werden die Subbässe mit einem Kick- sowie Sub-Modul und zwei zusätzlichen Oszillatoren, die 70 auswählbare Wellenformen bereithalten. Zur Klangveredlung stehen Kompressor, 3-Band-Equalizer, Chorus und Amp inklusive Saturation zur Verfügung. Um Tonhöhenverläufe wie Bass-Slides zu realisieren – wie man sie aus aktuellen Trap-Produktionen kennt –, haben die Herrschaften von Initial Audio ein Pitch Slide Modul entwickelt, wodurch die 808-Bässe so richtig ins Rollen kommen.

Für 808-Bässe gibt es einen Spezialisten!

#6 - Hexloops XSub 808 Edition (Freeware)

Im Stile eines Romplers bietet auch XSub 808 Edition vor allem viele Presets, die man einfach so in Produktionen einbauen kann, ohne lange schrauben und tweaken zu müssen. 

Die Hüllkurve ist auch hier über die üblichen vier Regler steuerbar. Allerdings wird man die LFO- und Reverb-Controls in der Realität wohl eher weniger nutzen. Aber: better safe than sorry. Da das Tool nichts kostet kann es absolut nichts schaden, das Teil in seinem Arsenal zu haben und gegebenenfalls zu nutzen.  

#7 - Beatmaker RVK-808 (Freeware)

Die Softwareschmiede Beatmaker bietet mit RVK-808 den Sound der 808 zum Gratis-Download an. Der ROMpler ist als Stereo- und Multi-Output-Plug-in verfügbar. Dabei greift das Plug-RVK-808 auf 272 Samples zurück, die aus verschiedenen Settings der Roland-Drum-Machine aufgezeichnet und mit externen Effekten bearbeitet wurden.

Die Sounds können hier nicht sonderlich weiterbearbeitet werden, was für eine Gratis-Library aber durchaus in Ordnung geht. RVK-808 bietet insgesamt 17 Drum Kits, die aufeinander abgestimmte Samples beinhalten. Jeder Kanal ist überdies mit Pan, Release und Lautstärke ausgestattet. Hinzu kommen Bassdrum Tone, Reverb, Noise FX und ein globaler Pitch Bend, mit dem das gesamte Drum Kit in der Tonhöhe angepasst werden kann.

808s für umme – Part 2

#8 - Alternativ 808 Samples (Freeware)

Wer ganz auf Plug-ins verzichten möchte, kann in der DAW gleich mit einzelnen Samples arbeiten und sie als Audioregionen in DAW arrangieren. Das hat den Vorteil, dass kostbare Rechenleistung eingespart wird, da der Rechner nicht erst die MIDI-Noten des Instrument-Plug-ins in Samples umrechnen muss. Zudem bleibt ihr immer zu jeder DAW kompatibel, denn WAV-Dateien kann jede DAW öffnen, was man von Plug-in-Formaten nicht behaupten kann.

Außerdem sind die Plug-ins immer mobil, so könnt ihr an einem neuen System gleich eure Samples via Dropbox oder einem USB-Stick in die DAW vor Ort importieren und wie gewohnt loslegen. Die Arbeit mit Audio bringt zudem weitere Möglichkeiten, die mit MIDI-Noten nicht ohne weiteres möglich sind – etwa Reverse-Effekte und Editing. Der Nachteil von Samples ist, dass diese nicht Multi-Layer sind und sich demnach statischer anhören. Zudem ist ein eigenes Sounddesign nur eingeschränkt möglich, da die Samples vom Ersteller schon fertig geformt sind. In unserem Workshop „How to make a Trap Beat“ erfahrt ihr, wo es kostenlose, qualitativ hochwertige Samples gibt und erhaltet Tipps, wie ihr diese als Audioregion in eurer DAW arrangiert. nd wenn ihr einmal dabei seit, in unseren anderen beiden Prouction Workshops gibt es auch eine Menge Tipps!

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