Feature
10
24.12.2017

7 Tipps um die DAW Performance zu optimieren

Tricks und Kniffe für eine verbesserte & schnellere DAW

Nützliche Einstellung zur Optimierung eurer DAW-Performance

Eine Digitale Audio Workstation ist in heutiger Musikproduktion ein essentieller Bestandteil, um umfangreiche Mehrspuraufnahmen und Mixdowns zu realisieren. Wer seine Produktionen in-the-box durchführt, ist sicherlich schon mal an die Leistungsgrenzen der DAW gestoßen. Knackser, Aussetzer oder gar komplette Abstürze der DAW stören die Kreativität, den Workflow und letztlich auch die gesamte Produktion.

Neben leistungsfähiger Computer-Hardware gehören Einstellungen von DAW und Betriebssystem zu den ausschlaggebenden Punkten, die eine flüssig laufende Software gewährleisten. Hier sind die wesentlichen Faktoren, auf die ihr achten solltet, wenn eure DAW ins Stottern kommt.

1. Buffer Size anpassen

Die Justierung der Buffer Size bringt zwei Vorteile mit sich, zum einen im Recording, zum anderen beim Mixdown. Wer seine Aufnahmen ohne externes Hardware-Monitoring betreibt, wird abhängig von der verwendeten Audio-Schnittstelle mit mehr oder weniger langen Latenzzeiten zu kämpfen haben. Diese entstehen durch den sogenannten Audiobuffer: Ein kleiner Bereich des Arbeitsspeichers, den die DAW benötigt, um Audiodaten zu berechnen, bevor sie wiedergegeben werden. Je kleiner der Buffer, desto geringer die Latenzzeit. Der Buffer lässt sich in jeder DAW an die aktuelle Situation anpassen. Daher ist es sinnvoll, diesen vor jeder Aufnahmesession herunterzuregeln – Werte zwischen 64 und 256 sorgen bei aktuellen Systemen für akzeptable Latenzen, mit denen es sich arbeiten lässt, ohne dass Knackser oder Aussetzer entstehen.

Beim Abmischen eines Songs und bei umfangreichen Projekten mit vielen Plug-ins ist es genau andersherum. Durch viel verwendete Effekt- und Instrument-Plug-ins treten hier schneller Aussetzer und Knackser auf, da die DAW – vereinfacht ausgedrückt – wesentlich umfangreichere Datenmengen in den Buffer laden muss. Je größer der Buffer, desto mehr Audiodatenmengen können verarbeitet werden. Wer also mit den Recording Sessions durch ist und sich im Editing beziehungsweise Mixdown befindet, darf den Buffer gerne nach oben schrauben – Werte zwischen 1.024 und 2.048 sind dann keine Seltenheit. Jetzt stellt sich berechtigterweise die Frage, wie man vorgehen soll, wenn man umfangreiche Projekte mit vielen Plug-ins fährt und dennoch Aufnahmen mit geringen Latenzen tätigen möchte. In diesem Fall sollte man lieber separate Projekte anlegen.

2. Separate Projekte anlegen 

Besonders beim Recording sind Aussetzer und Knackser ebenso wenig zu gebrauchen wie lange Latenzzeiten. Daher lohnt es sich, das aktuelle Projekt als Stereofile zu exportieren und ein separates Projekt für die Recording Session anzulegen. In diesem sollte lediglich die exportierte Audiodatei abgespielt werden. Dadurch benötigt die DAW wieder weniger Ressourcen, folglich könnt ihr den Buffer – wie in Punkt 1 beschrieben – für die Recording Session wieder herunterschrauben. So hört ihr beim Recording euer bisheriges Arrangement, ohne auf Plug-ins verzichten zu müssen, und könnt dennoch latenzfrei recorden! Die Aufnahmen, die ihr in diesem Projekt durchführt, könnt ihr im Anschluss in euer ursprüngliches, umfangreiches Projekt importieren. Statt der Justierung des Audio-Buffers und dem Anlegen neuer Projekte könnt ihr auch… 

3. Plug-ins deaktivieren

Viele Producer schrauben bereits während des Arrangierens am Sound der Spuren. Viele Plug-in-Berechnungen, Parameter-Automationen und live berechnete Editings wie Tonhöhen- und Timingkorrekturen können die DAW ins Stottern bringen. Und das, obwohl der Buffer eventuell schon auf das Maximum eingestellt ist. In diesem Fall sollte man abwägen, ob nicht der ein oder andere Klangerzeuger oder Effekt deaktiviert werden kann, sofern es nicht maßgeblich zum Gesamtsound oder Wiedererkennungswert des Songs beiträgt. Falls ihr absolut nicht auf eure Plug-ins verzichten wollt, könnt ihr stattdessen Spuren rendern.

4. Spuren rendern

Statt der Deaktivierung eines Plug-ins könnt ihr gesamte Spuren „freezen“. Dabei wird die entsprechende Spur nicht wirklich „eingefroren“, sondern in eine separate Audiodatei umgerechnet und wieder ins Projekt eingefügt. Die Bearbeitungsmöglichkeiten der Spur werden samt Plug-ins, Automationen und Editings deaktiviert. Lediglich Lautstärke und Panorama sind für diese Spur oftmals noch regelbar, was aber für die meisten Belange ausreichend ist. Wenn ihr an der Spur noch etwas ändern wollt, müsst ihr sie wieder auftauen. Verfügt eure DAW über kein Freeze-Feature, könnt ihr stattdessen auch die Bounce-in-Place-Funktion oder einen Export und Reimport durchführen und die Plug-ins der ursprünglichen, ressourcenhungrigen Spur deaktivieren.

5. Plug-in-Ordner aufräumen

Dieser Tipp beschleunigt weniger die Performance des Abspielverhaltens als den Start-Vorgang eurer Software. Einige DAWs überprüfen nämlich bei jedem Start den Plug-in-Ordner auf neu hinzugefügte Instrumente und Effekte. In diesem Fall gilt: Je weniger Effekte und Klangerzeuger sich im Plug-in-Ordner befinden, desto schneller der DAW-Start. Im Laufe der Zeit sammelt man ja gerne mal einige nützliche Tools an und probiert auch viele Demos aus. Doch Hand aufs Herz: Braucht ihr sie wirklich alle? Wenn ihr euch von dem ein oder anderen Plug-in trennen wollt, schließt zunächst die DAW, bevor ihr Effekte oder Klangerzeuger deinstalliert oder aus dem Plug-in-Ordner entfernt.

6. Software aktualisieren

Abgesehen von einem aktuellen Betriebssystem sollten vor allem DAW, Plug-ins und der Treiber der Audio- und MIDI-Hardware auf aktuellem Stand sein. Neben Feature-Erweiterungen stehen durch Aktualisierungen nämlich oftmals auch Performance- und Stabilitätsverbesserungen an. So manche Software bietet automatische Update-Benachrichtigungen an, andere wiederum nicht. Daher lohnt es sich, hin und wieder die Hersteller-Websites und Autorisierungs-Manager-Apps zu checken.

Dieser Tipp ist allerdings mit höchster Vorsicht zu genießen: Gemeint sind nämlich nicht die Major-Updates, also die großen Versionssprünge auf „Version X.0.0“, sondern die kleinen, meist kostenlosen Updates. Die Major-Updates (manchmal als Upgrade deklariert) sind die direkten Nachfolger der Betaversionen und dementsprechend kaum an User-Erfahrungen angepasst.

7. Systemdienste deaktivieren

Im Gegensatz zu Standalone-Produktionsumgebungen wie beispielsweise einer AKAI MPC muss sich eine DAW die Rechenleistung des Computers mit vielen weiteren Programmen und Diensten teilen. Und dabei werden einige während einer Produktion nicht benötigt, erfordern aber vom Rechner ein gewisses Maß an Arbeitsspeicher-, Prozessor- und Grafik-Leistung.

Natürlich sollten wichtige Dienste aktiviert bleiben (beispielsweise Antiviren-Software). Dennoch dürfen Programme, die nichts mit eurer Produktion oder der Stabilität und Sicherheit des Betriebssystems zu tun haben, geschlossen werden. WLAN und Bluetooth werden meistens ebenso wenig während des Recordings und Mixdowns gebraucht wie „nicht immer offensichtliche Hintergrunddienste“, etwa Windows’ Sidebar, Kacheln oder macOS’ Mission Control, aktive Ecken oder Mitteilungen. Wenn ihr solche Dienste vor dem DAW-Start deaktiviert, habt ihr mehr Rechenpower für die Produktion übrig.

Abgesehen von der Performance entscheidet auch ein optimierter Workflow für gelungene Sessions in einer DAW. Wie ihr den Workflow an eure Bedürfnisse anpassen könnt, erfahrt ihr hier.

1 / 1

Verwandte Artikel

Der Audio-Editor von Logic Pro X

Apple Logic Pro X hat umfangreiche Bearbeitungsfunktionen für Audiomaterial. Wie man sie richtig einsetzt und was alles geht, zeigt dieses Tutorial.

Crashkurs Steinberg Cubase 9.5 für Einsteiger

Von der Idee zum ersten eigenen Demo: Dieser Cubase-Workshop erklärt Einsteigern und Umsteigern die ersten Schritte in Steinbergs DAW. Recording, Beat-Programming, Audio Editing und Mixdown sind die Bestandteile dieses Tutorials.

User Kommentare