Workshop_Folge
Workshop
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31.07.2015

10 Basis Drum-Grooves #9 - Jazz

Crashkurs Drums - Jazz Style

Workshop inklusive Noten und Play-Along zum Download

Dschäss! Vor wenigen Dingen haben wir Drummer so viel Respekt wie vor dieser sagenumwobenen, in den USA entstandenen Musikrichtung. Dabei ist Jazz hierzulande gar nicht sonderlich beliebt, denn die meisten Drummer spielen lieber Rock und andere Backbeat-betonte Stile. Trotzdem haftet diesem Genre der Ruch der komplizierten Insider-Musik an, deren Beherrschung einer Art musikalischem Ritterschlag gleicht. Das liegt nicht nur daran, dass praktisch jeder prominente Spieler in Interviews mindestens eine Jazzgröße vom Schlage eines Elvin Jones, Max Roach oder Buddy Rich als wichtigen Einfluss für die eigene Entwicklung nennt. Ein Grund ist auch, dass der Swing-Beat rein technisch eine größere Herausforderung darstellt als der Standard-AC/DC-Groove. Wie ihr diese spannende Stilistik trotzdem schnell zu meistern lernt, erfahrt ihr hier im bonedo Crashkurs.

Wer sich ein bisschen mit den Wurzeln seiner Lieblingsmusik beschäftigt, landet unweigerlich beim Jazz. Das liegt daran, dass die Entstehung des Drumsets, wie wir es heute kennen, eng mit dem Jazz bzw. dessen Vorläufern verbunden ist. In den fünfziger und sechziger Jahren waren es Jazzdrummer, welche das Instrument klanglich und musikalisch weiterentwickelt haben. Begriffe wie Swing, Shuffle und Ghost Note sind heutzutage auch in moderner Musik allgegenwärtig, und es ist kein Wunder, dass die einflussreichsten Rockdrummer wie beispielsweise John Bonham von Led Zeppelin und Ian Paice von Deep Purple selbst in den stampfendsten Grooves immer eine Prise Swing unterbringen. Diese Pioniere der modernen Musik haben ganz einfach sehr viel Jazz gehört und hatten Unterricht bei Jazz-Schlagzeugern. Somit gehörte nicht nur die geshufflete (triolische) Spielweise zum festen Programm, sondern auch die Beherrschung des sogenannten Compings, also der Einsatz sehr leise gespielter Snare-Schläge zur Unterstützung des Solisten. Lange Rede, kurzer Sinn: selbst wenn ihr an der Musikrichtung Jazz gar nicht so großes Interesse habt, kann sich die Beschäftigung mit dem Swing-Beat sehr lohnen, weil er eure Koordinationsfähigkeit und eure Dynamik enorm erweitert.

Der Song

Unser Play-Along hat eine übersichtliche Struktur und besteht aus sechzehn Takten. Getragen wird es vom klassischen Swing-Ride-Pattern mit der auf den Zählzeiten „Zwei“ und „Vier“ getretenen Hi-Hat. Meine Ridebecken-Hand spielt auf den Zählzeiten „Eins“, „Zwei“, „Zwei und“, „Drei“, „Vier“, sowie „Vier und“. Denkt daran, dass unsere Takteinteilung triolisch ist, was bedeutet, dass auf jedes Viertel drei Achteltriolen kommen. Alle „und“-Zählzeiten entsprechen also jeweils dem dritten Schlag der Triole.

Das „Comping“

Damit es noch mehr Spaß macht, habe ich in jedem vierten Takt eine Comping-Figur eingebaut. Das Comping unterstützt die Rhythmik der anderen Instrumente des Ensembles, kann aber auch Kontrapunkte setzen oder als Fill-In fungieren. Je nach Stück bleibt es mal sehr dezent, mit leise ausgeführten Ghost Notes auf Bassdrum und Snare, es kann aber auch brachial laut werden, beispielsweise im Bigband-Kontext. Unser Beispiel fällt eher zurückhaltend aus, der Snarestick fällt aus etwa vier Zentimetern Höhe auf das Fell, die Bassdrum erzeugt einen mittelleisen Impuls mit aufgelegter Ferse. Hier kommen zwei leichte Figuren, die ich in Takt vier und Takt acht als Variation spiele.

In den beiden letzten Comping-Beispielen (Takt 12 und Takt 16) starte ich jeweils schon im Takt davor, was die ganze Sache zu einem zwei-taktigen Figur ausdehnt. Wenn ihr mit den einfachen Compings aus dem ersten Beispiel vertraut seid, versucht es doch mal mit diesen beiden hier:

Und so hört sich das bei mir an:

Beginner-Tipp

„It don't mean a thing if it ain't got that swing!“ Der Titel dieses Duke Ellington Stücks sagt eigentlich alles. Nicht das Pattern selbst ist wichtig, sondern, dass es sich gut anfühlt. So ist es kein Wunder, dass das Swing-Pattern mitnichten in allen Jazz-Stücken vorkommt, oft werden tatsächlich nur Viertel gespielt. Und das empfehle ich euch auch, falls ihr am Anfang Schwierigkeiten mit der Koordination haben solltet. Achtet insgesamt auf die Bewegung der Ride-Hand zwischen den Schlägen und einen runden, möglichst von Kraftaufwand befreiten Spielfluss. Fühlt es sich eckig und angestrengt an, klingt es meistens auch so. Euer Ziel sollte es sein, das Swing-Pattern genauso unabhängig und entspannt laufen zu lassen wie eine Achtel Hi-Hat in einem Rock-Groove.

Profi-Tipp

Wenn euch das Ride- und Hi-Hat Pattern keine Schwierigkeiten mehr bereitet, gibt es viele Möglichkeiten der Variation. Eine davon ist die auf den Viertelnoten durchlaufende „feathering bassdrum“, also die mit aufgelegter Ferse gespielte Bassdrum-Figur, welche den „walking bass“ leicht unterstützt. Versucht hier, wirklich leise zu spielen, es geht nicht um einen sich durchsetzenden „Kick“-Sound, sondern um eine subtile Ergänzung. 

Beim Thema Comping empfehle ich euch, beliebige Snaredrum-Lesetexte als triolisch phrasierte Ghost Notes einzubauen. Solche Texte findet ihr in jedem Schlagzeugbuch. Wichtig: Mogelt nicht beim Swing-Pattern auf dem Ride, auch wenn es manchmal gar nicht so einfach ist, es bei komplexen Comping-Figuren konstant weiter zu spielen. Als Buchempfehlung kann ich euch John Riley's sehr effektives Werk „The Art of Bop Drumming“ ans Herz legen.

Verwendetes Equipment

Es gibt kaum eine Drumset-Konfiguration, die so eindeutig einer bestimmten Stilistik zugeordnet werden kann wie die Kombination aus 18x14 Zoll Bassdrum, 12x8 Hänge-Tom und 14x14 Stand-Tom. Ist die Bassdrum zudem kaum bedämpft und auf einen ausklingenden, runden Ton gestimmt und „singen“ die Toms deutlich höher als jene des typischen Rock/Pop-Kits, sind das erste Hinweise darauf, dass  hier „geschwungen“ wird. Eine nach vorne geneigte Snare und die aus der Stick-Tasche ragenden Besen sind ein weiteres Indiz, zwei große, leichte Ride-Becken räumen dann letzte Zweifel aus. Dass es auch anders geht, beweisen nicht nur moderne Jazzdrummer wie Steve Smith mit seinen zahlreichen Toms und Becken, auch Elvin Jones hat am Ende seiner Karriere ein Setup mit vier Toms verwendet.

Für das Play-Along habe ich eine 24x13 Zoll große Wahan Acryl Bassdrum mit Gretsch-artiger Gratung verwendet, dazu gab es eine 14x5“ Wahan Buchenholz-Snaredrum, eine 15 Zoll große Istanbul Agop Om Hi-Hat sowie ein Bosphorus Samba Ride in 22 Zoll.  

Viel Spaß beim Swingen, Feathern und Compen! 

 

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Play-Alongs zum Download

Hier könnt ihr euch Play-Alongs des Stücks ohne meine Drums, dafür einmal mit und einmal ohne Click herunterladen. Die Version mit Drum-Spur ist im Link aber auch dabei. (zip-Datei 18mb)

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