Anzeige

Brass & Drums: die Band MEUTE

Während Marching Bands vor allem bei amerikanischen Sportveranstaltungen den Massen einheizen, denkt man in Deutschland bei den Worten „Blaskapelle“ oder „Spielmannszug“ eher an Karneval oder Dorffeste, auf denen mäßig gelaunte Silberlocken sich mit Bierkrügen zuprosten. Dass das auch ganz anders geht, zeigt MEUTE. Die elfköpfige Formation aus Hamburg ist die wohl einzige Techno-Marching-Band und vermag es durch Disziplin und Präzision der elektronischen Musik, stoischen Minimalismus und die physische Wucht des Zusammenspiels so ziemlich jeden Ort in einen Club zu verwandeln. So geschehen auf der Straße in ihrem ersten Video vom Hamburger Schulterblatt aus, das sich viral verbreitete und einen kleinen Hype lostrat. Seitdem ist viel passiert. Die Band wurde mit Konzertanfragen überhäuft, ist mittlerweile europaweit auf Festivals ein gefeierter Live-Act und hat mit „Tumult“ nun ihr erstes Album veröffentlicht.

Bild: © Steffi Rettinger
Bild: © Steffi Rettinger


In den zehn Songs des Albums, darunter Coverversionen von Club-Klassikern der Szenegrößen Âme oder Laurent Garnier, löst die Band den Clubsound vom DJ-Pult und gibt einen Vorgeschmack auf ihre zahlreichen explosiven Liveshows, bei denen Blech, Schweiß und Trommeln auf der Bühne oder in der Menschenmasse für Stimmung sorgen. Hinter der genialen Idee zu MEUTE steckt Thomas Burhorn, ein studierter Jazz-Trompeter, der unter anderem für Fettes Brot, Kettcar oder Thomas D. spielte und heute Dozent für Selbstmarketing an der Hamburger Musikhochschule ist. Neben ihm toben sich in der Band Musiker aus, die sonst mit Stars wie Jan Delay, Samy Deluxe oder gar Helene Fischer unterwegs sind. Wir sprachen mit Thomas über die Idee, die Entstehung und Arbeit mit der Band und das erste Album.

Thomas, wie kam dir die Idee zur MEUTE?
Ich bin Trompeter, komme eigentlich aus dem Jazz und habe über die Jahre in verschiedensten Brass Ensembles und Bands gespielt. Lange Zeit war ich zum Beispiel Mitglied der Hamburger Band „Tätärä“. Irgendwann habe ich mich dann auch intensiver mit elektronischer Musik beschäftigt. Viele Künstler machen ja elektronische Beats und integrieren dabei Live-Instrumente. Ich habe mir gedacht, dass man das ja auch mal umdrehen könnte. Besonders interessant fand ich, herauszufinden, inwiefern sich in der elektronischen Musik ein gewisser Kompositionsstil entwickelt hat und wie dieser, wenn man ihn als Blaskapelle spielt, trotzdem noch als solcher erkennbar bleibt. Das Besondere ist ja, dass sich dabei zwei sehr unterschiedliche Energien potenzieren. Sowohl Techno als auch Blasmusik sind ja oftmals sehr kraftvoll. Ende September 2015 haben wir dann zum ersten Mal live gespielt, und seitdem ist die Band stetig gewachsen. Dieses Jahr haben wir alleine 130 Auftritte gespielt.

Fotostrecke: 3 Bilder Live fliegen bei MEUTE die Fetzen. Bild: © Steffi Rettinger
Fotostrecke

Hat sich dabei vor allem der Erfolg eures ersten Videos ausgezahlt?
Ja und Nein. Das Video hat anfangs schon geholfen, eine gewisse Aufmerksamkeit zu generieren, aber es ist natürlich illusorisch, zu glauben, dass nach einem Video alles von alleine geht. Wir arbeiten weiterhin sehr hart daran, den Leuten zu zeigen, wie gut die Band funktioniert. Und so richtig kann man das eben nur begreifen, wenn man es live erlebt hat. Nur durch ein Video bucht einen der Booker eines Festivals natürlich nicht zur besten Zeit auf die Hauptbühne. Da wir nicht ausschließlich auf Deutschland fokussiert sind, fängt man in jedem neuen Land von vorne an.
Sind eure Songs durcharrangiert oder spielt Improvisation eine große Rolle?
Die Songs bestehen aus ausnotierten Arrangements, haben aber hier und da auch freiere Passagen. Techno ist ja sehr „organisierte“ Musik, das würde als Jam wahrscheinlich nicht so gut funktionieren und meiner Meinung nach auch schnell beliebig werden.

Mit dem ersten Live-Video wurde der Band eine große Aufmerksamkeit zuteil:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Bist du allein dafür verantwortlich?
Entweder Hans Christian Stephan, der ebenfalls Trompeter ist, oder ich schreiben die Arrangements. Die Noten stehen dann fest und werden so gespielt. Natürlich gibt es in den Proben noch eine Art Feinjustierung, aber im Wesentlichen werden ungefähr 90 Prozent vorher festgelegt.
Ist ein Konzert von MEUTE wie ein DJ-Set?
Wir machen eine gute Mischung daraus, denke ich. Wir versuchen, die Energie aufrecht zu erhalten und lassen teilweise Stücke ineinander übergehen oder nur kurze Pausen dazwischen. Es gibt da schon eine Dramaturgie, und uns ist wichtig, dass man, der elektronischen Musik entsprechend, eigentlich die ganze Zeit weiter tanzen kann.

Fotostrecke: 2 Bilder Die elfköpfige Band wurde von Thomas Burhorn (stehend, zweiter v.l.) gegründet. Bild: © Steffi Rettinger
Fotostrecke

Wie gestaltete sich die Produktion zu eurem Album „Tumult“?
Alle Instrumente haben wir im Wesentlichen in Gruppen aufgenommen, damit man sie unabhängig voneinander mixen kann. Wir haben drei Schlagzeuger, die zusammen das Fundament durch den Beat gelegt haben, auf den dann wiederum die Bläser in Gruppen aufgenommen haben. Das kam natürlich immer auf das Arrangement des jeweiligen Songs an. Der Sound ist vielleicht ein bisschen artifizieller als live, aber man hört deutlich das Konzept der Band, elektronische Musik mit echten Instrumenten zu spielen.
Wurden bei den Drums auch beispielsweise Bassdrum-Signale getriggert? Gerade der Punch ist ja bei Techno wichtig.
Im Studio kann man durch Kompression und EQ ja sehr viel lösen. Vielleicht wurde hier und da noch ein Signal im Mix beigemischt, damit es sich besser durchsetzt, aber es gibt keine programmierten Beats oder sowas. Live ist als einziges Instrument die Bassdrum mit einem Trigger versehen. Unser Tonmann gestaltet den Sound auch hin und wieder mit, indem er beispielsweise auf einzelne Signale ein Delay legt.
Wieviele Mitglieder gibt es insgesamt bei euch?
Wir haben eine feste Besetzung von elf Leuten, da aber viele der Musiker auch andere musikalische Verpflichtungen oder eigene Leidenschaftsprojekte haben, gibt es auch immer wieder Vertretungen. Das erleichtert es natürlich ungemein, so viele Leute unter einen Hut zu kriegen. Wir haben da einen Pool an super Musikern, die dadurch so unterschiedlichen Input bringen, was unsere Band natürlich auch wieder bereichert.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Was steht für euch in der nächsten Zeit an?
Wir touren gerade mit unserem Album und werden 2018 auch wieder sehr viel auf Festivals spielen. Dabei sind wir natürlich oft im deutschsprachigen Raum unterwegs, werden aber auch Frankreich und die Benelux Länder unsicher machen.
Vielen Dank für’s Gespräch!

Mit ihrem Debütalbum „Tumult“ ist die Band ab sofort viel unterwegs. Bild: © Steffi Rettinger
Mit ihrem Debütalbum „Tumult“ ist die Band ab sofort viel unterwegs. Bild: © Steffi Rettinger

Link zur Band: www.meute.eu

Hot or Not
?
Mit ihrem Debütalbum „Tumult“ ist die Band ab sofort viel unterwegs. Bild: © Steffi Rettinger

Wie heiß findest Du diesen Artikel?

flame icon flame icon flame icon flame icon flame icon
Your browser does not support SVG files

von Alex Höffken

Kommentieren
Kommentare vorhanden
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Für dich ausgesucht
Pearl Drums stellt die Duoluxe Chrome / Brass Snares vor, auch Matt Halpern bekommt ein neues Signature-Modell
Drums / News

Mit den zwei neuen Duoluxe Snares, die Pearl dieses Jahr zum 75. Firmengeburtstag veröffentlicht, vollzieht der japanische Hersteller eine Rückschau auf ein anderes legendäres Snaremodell aus den 1970er Jahren mit Messingkessel, die Jupiter Chrome over Brass Snares.

Pearl Drums stellt die Duoluxe Chrome / Brass Snares vor, auch Matt Halpern bekommt ein neues Signature-Modell Artikelbild

Mit den zwei neuen Duoluxe Snares, die Pearl dieses Jahr zum 75. Firmengeburtstag veröffentlicht, vollzieht der japanische Hersteller eine Rückschau auf ein anderes legendäres Snaremodell  aus den 1970er Jahren mit Messingkessel, die Jupiter Chrome over Brass Snares. Diese gab es sowohl mit Parallelabhebung als auch mit einfachem Strainer. Letzteres Modell in der 14“ x 5“ Variante hat u.a. Stewart Copeland auf den ersten The Police Aufnahmen gespielt.

History of Drums: 75 Jahre Pearl Drums - der Schlagzeughersteller im Portrait
Drums / Feature

Im Jahr 2021 feiert die japanische Firma Pearl ihr 75stes Jubiläum. In dieser „History of Drums“-Folge stellen wir euch die wichtigsten Erfindungen und Instrumente des Herstellers vor.

History of Drums: 75 Jahre Pearl Drums - der Schlagzeughersteller im Portrait Artikelbild

Alle mal Hände heben, deren erste Trommelversuche auf einem Pearl Drumset stattgefunden haben! Ich nehme meine Hand mal wieder runter, sonst könnte ich diesen Jubiläumstext zum 75sten Firmengeburtstag nämlich nicht weiter schreiben. Denn meine allerersten „Grooves“ fanden auch an einem Pearl-Schlagzeug statt, genauer, am „Export“-Serie Set meines Cousins. Gefühlt wurden diese Schlagzeuge von jedem trommelnden Jugendlichen in den 90er Jahren gespielt.

Pearl 13x3 Piccolo Brass und Maple, 12x7, 10x6 Maple Effect Snaredrums Test
Drums / Test

Bei unseren heutigen Testobjekten, den Pearl 13x3 Brass und Maple Piccolo Snaredrums, sowie den 12x7 und 10x6 Maple Snares aus der Effects Serie, handelt es sich um Klassiker im Pearl-Programm. Zeit für einen Check.

Pearl 13x3 Piccolo Brass und Maple, 12x7, 10x6 Maple Effect Snaredrums Test Artikelbild

Es gibt Instrumente, die sind weder brandneu noch richtig „retro“, Legendenstatus besitzen sie auch noch nicht und trotzdem begegnet man ihnen immer wieder. In diese Kategorie lassen sich unsere heutigen Testobjekte einordnen. Es handelt sich um die beiden Pearl 13x3 Piccolo Snaredrums in Ahorn und Messing, ein sogenanntes „Soprano“ Modell mit 12x7 Zoll Ahornkessel sowie um die kompakte 10x6er „Popcorn“-Snare, ebenfalls mit Ahornkessel. Alle vier Teile gibt es schon eine gefühlte Ewigkeit, kleine Updates halten sie optisch und technisch frisch, sonst ändert sich wenig. 

Yamaha Recording Custom Brass 13“ x 6,5“ Snare Test
Drums / Test

Yamaha’s Recording Trommeln genießen einen legendären Ruf. Heute schauen wir uns das 13“ Messingmodell aus der vor ein paar Jahren gestarteten Neuauflage an.

Yamaha Recording Custom Brass 13“ x 6,5“ Snare Test Artikelbild

Mit der Recording Serie hat Yamaha seinerzeit einen Meilenstein in der Geschichte des modernen Schlagzeugbaus gesetzt. Mit kompromissloser Qualität und innovativen Hardware-Konzepten eroberten die japanischen Trommeln schnell die Herzen von Drummern rund um den Globus, bis heute sind sie ein gesetzter Standard im Arsenal von zahlreichen Tonstudios. Für die Neuauflage der Yamaha Recording Metallsnares war unter anderem der Langzeit-Endorser und „Studio King“ Steve Gadd beratend tätig. Heute checken wir die Qualitäten des 13“ x 6,5“ Messingmodells.

Bonedo YouTube
  • Millenium | Rookie E-Drum Set | Sound Demo (no talking)
  • Zultan | Aja Cymbals | Sound Demo (no talking)
  • Pearl | Jupiter COB | Vintage Brass Snares (no talking)