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Die 6 besten Newcomer-Bands auf dem Reeperbahn Festival 2022

Endlich kehrte am vergangenen Wochenende auch das Reeperbahn Festival für seine 2022 Edition wieder mit seiner vollen Strahlkraft zurück. Wie vor der Corona-Pandemie ließen sich zwischen Mittwoch und Samstag über 40.000 Musik-Fans und Branchen-Mitarbeiter gleichermaßen auf Hamburgs Amüsier-Meile von Club zu Club treiben. Natürlich waren wir auch dabei um für euch die besten neuen Bands, Musiker und Musikerinnen zu sichten.

Reeperbahn Festival 2022
Das Wiener Duo Cari Cari eröffnet im Michel. FOTO: Marvin Contessi

Das Reeperbahn Festival gilt nicht umsonst als eines der größten Musik-Branchentreffen im deutschsprachigen Raum. Traditionell ist das Reeperbahn Festival vor allem dafür bekannt jungen Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne zu bieten und diese sowohl dem Hamburger Publikum, als auch den massenhaft anwesenden Musikindustrie-Menschen vorzustellen.

Daneben fanden über die vier Festival Tage hinweg auch noch unzählige Panel-Talks zu Themen wie der systematischen Benachteiligung von Frauen innerhalb der Industrie oder der ungerechten Entlohnung von Musikerinnen und Musikern durch Streamingdienste, Award-Shows und andere Rahmenprogramm-Punkte statt.

So war das Reeperbahn Festival 2022

In den vergangenen Jahren hatten die Veranstalter aufgrund von vielen behördlichen Auflagen und den damit zusammenhängenden Kapazitätsbeschränkungen für die einzelnen Venues stark zu kämpfen. Nachdem das Festival im ersten Pandemie-Jahr noch viel Lob dafür einstreichen konnte, überhaupt ein Corona-kompatibles Konzept auf die Beine gestellt zu haben und als einziges großes Festival auch 2020 überhaupt stattfinden zu können, lief die Ausgabe 2021 eher schlecht.

Die meisten Clubs durften nur wenige Menschen rein lassen, viele Besucherinnen und Besucher warteten stundenlang vor den Venues, teilweise ohne überhaupt eine von innen zu sehen. Das Einzigartige am Reeperbahn Festival – sich einfach von Club zu Club, von Band zu Band treiben zu lassen und dabei die ungewöhnlichsten Locations und absolute Newcomer-Perlen zu entdecken – fehlte. 2022 konnte das Reeperbahn Festival dann endlich wieder ohne Beschränkungen und mit seinem vollen Glanz stattfinden.

Um dennoch auch auf längere Schlangen und volle Clubs vorbereitet zu sein, gab es in diesem Jahr ein Ampel-Konzept in der eigenen App, die die Lage in den Schlangen vor den Clubs in Echtzeit anzeigte. Meist stand die Ampel allerdings sowieso auf grün, Einlassstops waren wieder zur Seltenheit verkommen. Und so nutzten auch wir die Gunst der Stunde um reichlich neue Bands zu entdecken. Hier kommt unsere Top Sechs!

In der Magie des Michel: Cari Cari

Das besondere am Reeperbahn Festival sind natürlich auch die teilweise ungewöhnliche Spielstätten. So finden während der Festival-Tage auch Konzerte in einer Sparkassen Filiale sowie im FC St. Pauli Fanshop statt. Und natürlich darf auch die wichtigste Hamburger Kirche, also der wenige hundert Meter von der Reeperbahn entfernte Michel, nicht fehlen. Meist finden hier die besondersten Konzerte statt. Vor einigen Jahren beispielsweise ein bis heute einmaliges Konzert der Band Get Well Soon, welches noch immer zu den besten Konzerten zählt, denen ich bis dato beiwohnen durfte.

In diesem Jahr spielte das österreichische Duo Cari Cari das erste Konzert in der Kirche und traf mit dessen sehr dynamischer Mischung aus Psychedelic- und Indie-Rock perfekt die Atmosphäre des verhallten Gebäudes. Zugegeben, als Newcomer geht die Wiener Band, die kurz vor dem Festival ihr zweites Album “Welcome to Kookoo Island” auf den Markt gebracht hat, wohl nicht mehr durch.

Um den Sound von Cari Cari zu beschreiben, reicht eigentlich der Hinweis auf einen Mythos rund um die Bandgründung: Angeblich existiert das Projekt nur aufgrund des gemeinsamen Traums, einmal im Soundtrack eines Tarantino-Films aufzutauchen. Dementsprechend klingen auch die effektlastigen und sehr dynamischen Songs, die an einigen Stellen auch von einem Didgeridoo untermalt werden.

Die absolute Kerndisziplin der Österreicher ist zweifelsohne das Live-Spielen. Noch haben es Sängerin und Drummerin Stephanie Widmer und Gitarrist und Sänger Alexander Köck nicht vollends geschafft die Magie ihrer Konzerte auch auf Platte zu übertragen. Dafür ist wiederum der Michel wohl die perfekte Location für Cari Cari, da dieser auch atmosphärisch vollkommen die Energie der Band trifft. Zu unser aller Glück spielen Cari Cari deshalb auch so viel es eben geht. Nach dem Auftritt im Michel ging es direkt in den Flieger Ägypten für einige ausgewählte Konzerte.

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Zurück in Europa steht dann von Anfang Oktober bis Anfang Dezember eine sehr ausgedehnte Tour an, die an dieser Stelle nur wärmstens Empfohlen werden kann. Hoffentlich kann dort auch wieder das Bühnenhighlight der letzten großen Festival-Tour zum Einsatz kommen: ein feuerspeiendes Didgeridoo, das im Michel aus nachvollziehbaren Gründen fehlte.

Die Punk-Welle aus England trifft Hamburg: Stone

Losgetreten wohl von den Idles aus Bristol, baut sich seit gut drei Jahren eine Welle moderner Punk-Musik aus England auf, die immer höher auch nach Europa und Amerika überschwappt. Mittlerweile kommen immer mehr junge Bands mit Namen wie Squid, Shame oder Stone aus allen Ecken Englands nach und feilen an ihrer eigenen Version des gradlinigen Punkrock, der vor allem durch moderne Texte zwischen einem kritischen Umgang mit toxischer Männlichkeit sowie der akuten Smartphone-Abhängigkeit ihrer Generation heraussticht.

Die vierköpfige Band Stone aus Liverpool konnte direkt zum Festival Auftakt am Mittwoch im Molotow bestaunt werden. Schon bevor überhaupt ein Ton erklang, wurde im Publikum lautstark auf die Ähnlichkeit von Sänger Fin Power zu einem jungen Keith Richards hingewiesen. Bis auf das lockige Haar und die markanten Lippen, greift der Vergleich allerdings eher zu kurz.

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Stone gründeten sich kurz vor dem ersten Corona-Lockdown und nutzten die Zeit während der Pandemie um an ihrem Sound zu tüfteln. Und das mit Erfolg: Auf der Bühne des Molotow liefern die Briten eine energiegeladene und überraschend routinierte Show ab. Sänger Fin Power wirkt wenn er seine Gitarre während des Songs wie eine Waffe auf das Publikum richtet so, als würde er seit Jahrzehnten nichts anderes machen, als Konzerte zu spielen. Dabei stehen Stone noch wirklich am Anfang ihrer Karriere, erst eine Handvoll eigener Singles finden sich auf diversen Streamingdiensten.

Gleich drei Mal auf dem Reeperbahn Festival 2022: die Gruppe Fluppe

Im Knust gab die wohl fleissigste Band des Festivals ihren Auftakt für insgesamt drei Shows in verschiedenen Locations über das gesamte Wochenende verteilt. Die hamburger Band spielt dabei britisch orientierten Indie-Rock und zehrt vor allem von den Texten sowie dem Auftritt ihres Frontmanns Ashtray Joe.

Dieser tanzte, zappelte und marschierte während des einstündigen Gig am Mittwoch auch in gewohnter Manier über die Bühne und teilweise auch durch das Publikum um seine exzentrischen und durchaus komplexen Texte zum Besten zu geben und dabei auch mal sympathisch schief zu singen. Zwischendurch sucht und findet er mehrmals verschiedenste Gegenstände von einem Gin Tonic bis zu einem Schellenkranz, der dann am Ende lediglich imaginär gespielt werden kann.

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Generell kann man den sehr charmanten und von einem gewissen DIY-Charakter geprägten Auftritt der Band eigentlich nur sehr sympathisch und auch musikalisch hervorragend finden. Im Januar steht zudem bereits das zweite Album der Band innerhalb kürzester Zeit an, denn das großartige Debüt “Blüte” erschien erst vor gut einem Jahr.

Die Überraschung des Wochenendes: Blaue Blume

Um einen wirklichen Newcomer Act handelt es sich bei Blaue Blume wahrlich nicht. Auch auf dem Reeperbahn Festival war die dänische Band bereits zu Gast und dennoch kann man hier gut und gerne von einem echten Geheimtipp sprechen. Denn: Die Formation um Sänger und Songwriter Jonas Smith zieht sich angenehm aus dem Medienzirkus der Musikindustrie zurück.

Außerdem mussten die Dänen nach ihrem Debüt Album “Syzygy” von 2016 rund drei Jahre pausieren, da Sänger Smith an einer Depression erkrankte. 2019 feierte die Band dann auf dem Reeperbahn Festival ihr Comeback und ließ noch im selben Jahr das Album “Bell of Wool” folgen. Leider folgte diesem Comeback sehr schnell die nächste Zwangspause durch Corona. In diesem Jahr durfte die Band dann glücklicherweise auf das Festival zurückkehren und im Imperial Theater eine durchaus skurrile Show spielen.

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Skuril allein deshalb, weil im Imperial Theater aktuell Dracula aufgeführt wird und sämtliches Szenenbild auch noch auf der Bühne stand. So platzierte die Band ihr Equipment zwischen antiken Bücherregalen, renaissance-artiger Tapete und zwei durchaus gruseligen Portrait-Bildern, die so gemalt sind, dass einen die Augen der abgebildeten Personen durch den Raum verfolgen und es immer so aussieht, als würden sie genau dich ansehen.

Irgendwie passte diese ungewöhnliche Kulisse dann doch ganz gut zu den verträumten und experimentellen Songs von Blaue Blume. Das Grundgerüst hierbei bildet meist ein Soundgemisch aus einem Eurorack Synth, das dann von Post-Rockigen Gitarren-Flächen, Klavier, Bass und Schlagzeug ergänzt wird. Obendrauf thront der engelsgleiche Gesang von Smith. Die perfekte musikalische Untermalung für den in Hamburg langsam einsetzenden Herbst.

Kraftvoller Indie-Pop aus Chemnitz: Power Plush

Mit lediglich einer Handvoll Singles sowie einer EP mit dem aussagekräftigem Namen “Vomiting Emotions” im Gepäck reiste die Band Power Plush am frühen Festival-Freitag aus Chemnitz an. Die Mischung aus verträumten Riffs und fluffigem Indie-Pop hielt dabei im Bahnhof Pauli Einzug. Für eine noch so junge Band spielen Power Plush einfach sehr stilsicher.

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Das Wochenend-Highlight für die vierköpfige Band sollte sich allerdings nicht auf dem Reeperbahn Festival ereignen, sondern einen Tag später in Berlin beim Lollapalloza, wo Power Plush als Überraschungsgast bei den Headlinern Kraftklub auftreten durften. Letztere spielten derweil selbst ebenso als Überraschung auf den Reeperbahn Festival 2022 und ließen für ihren Auftritt mit den Stargästen Bill Kaulitz und Casper mal eben die gesamte Reeperbahn sperren und füllten diese für gut eine Stunde mit Menschen.

Den Namen Power Plush dagegen sollten sich nicht nur Fans von seichtem Indie merken. Im Februar 2023 steht endlich das Debüt-Album der Band an und die ersten Singles sowie natürlich der Auftritt im Bahnhof Pauli versprechen bereits viel Potential.

80s auf dem Reeperbahn Festival 2022: Betterov

Dass der Auftritt von Betterov im Michel eines der Highlights des Wochenendes werden würde, war bereits an der Schlange abzulesen, die sich über 30 Minuten vor Beginn der Show schon vor der Kirche aufbaute. Während sich die Venues auf dem Festival normalerweise erst kurz vor Beginn eines Konzerts füllen, waren bei Betterov bereits kurz nach Einlass die besten Plätze belegt. Draußen bleiben mussten dank der großen Venue glücklicherweise trotzdem niemand.

Der Schauspieler und Sänger Betterov, der mit bürgerlichem Namen Manuel Bittorf heißt, versprach im Vorfeld des Festivals eine besondere Show unter dem Titel “Betterov and Friends”. Ein Streichquartett sollte zudem eine passende Atmosphäre schaffen. Direkt zu Beginn äußerte sich der Protagonist bereits sehr demütig und bedankte sich innig bei Publikum und Festival-Veranstaltern. Letztere ermöglichten nämlich nicht nur das besondere Konzert am Freitag Abend, sondern luden den Sänger bereits zu seinem siebten Konzert auf dem Festival ein. Und das trotz der ungeschriebenen Regel, dass Musikerinnen und Musiker eigentlich nur ein einziges Mal auf dem Branchen-Festival spielen dürften.

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Betterov, dessen Debüt-Album im Oktober erscheint, zahlte es mit einer wirklich außergewöhnlichen Show zurück, die merklich auf die markante Stimme des 28-jährigen ausgelegt war. Neben Betterovs eigener Stimme, füllten auch dessen Gäste Novaa, Paula Hartmann, Fil Bo Riva und Olli Schulz den verhallten Saal der St. Michaelis Kirche aus. Mit allen Gästen gab der Wahl-Berliner jeweils einen Song aus seinem eigenen Oeuvre sowie eines aus dem des jeweiligen Gastes zum Besten. Vor allem in Kombination mit der Sängerin Paula Hartmann, die in ihrer Musik sehr ähnliche Themen zwischen eigenen Unzulänglichkeiten sowie einer allgemeinen Rastlosigkeit verhandelt, stimmte die Chemie.

Zweifelsohne waren in diesem Jahr die besonderen Konzerte, sei es im Michel oder in der Elbphilharmonie beispielsweise bei der Sängerin Mine, die Highlights des Reeperbahn Festivals. Endlich war es jedoch auch wieder möglich zwischen diesen Fixpunkten einfach wahllos in eine Konzert-Location zu stolpern und sich fast immer von einer wirklich guten Band überraschen zu lassen. An dieser Stelle sei nochmal ein Lob an die Bookerinnen und Booker des Reeperbahn Festival 2022 ausgesprochen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen bestach das Line Up auch in diesem Jahr wieder durch absolute Perlen hinter unbekannten Namen und liefert so ein wirklich wichtiges Kontrastprogramm zur restlichen Festivallandschaft in Deutschland, die zusehends auf immer dieselben großen Namen setzt.

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von Niklas Wilhelm

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