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Boss EQ-200 Graphic EQ Test

Praxis

Wie schon vorab in der Detailbeschreibung angedeutet, ermöglicht das Pedal mit seinen Anschluss- und Routing-Möglichkeiten einen recht flexiblen Einsatz und ist damit beispielsweise auch für Keyboarder interessant. Im Praxisteil wird es heute aber ausschließlich mit verschiedenen Saiteninstrumenten auf Herz und Nieren geprüft.
Starten möchte ich den Test dabei mit einem Jazz Bass, dessen Signal durch den EQ in eine DI-Box geht. Wie sich zeigt, verhält sich der EQ im Signalweg völlig unauffällig und verändert neutral eingestellt bei der Aktivierung das Klangbild nicht. Die einzelnen Fader reagieren sehr feinfühlig, sodass der Sound recht präzise angepasst werden kann. Praktischerweise lässt sich nach der Bearbeitung die gewählte Einstellung auch verriegeln. Im Falle des Bass-Signals komme ich sehr schnell zu einem Ergebnis, das das ohnehin schon gut klingende Pickup-Signal noch etwas aufwerten kann. Im Detail wird durch eine dezente Absenkung in den Tiefmitten, einen leichte Boost im Bassbereich und eine ebenfalls sehr moderate Anhebung der Höhen das Signal einfach etwas luftiger und im Attack definierter. Wir hören dazu erst das Signal ohne Bearbeitung. Im zweiten Beispiel bekommt ihr einen Eindruck vom bearbeiteten Signal.

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Jazz Bass -> EQ -> D.I. – EQ Off Jazz Bass -> EQ -> D.I. – EQ On

Die nächste Disziplin, der sich der EQ-200 stellen muss, ist das Piezo-Pickup-Signal einer Stahlsaiten-Akustikgitarre. Piezo-Pickups gehören in Sachen Klang nicht gerade zu der charmantesten Gattung und wirken oft etwas hart und undynamisch. Auch hier lässt sich das Signal effektiv bearbeiten. Besonders durch eine moderate, aber breite Absenkung der Mitten verliert es seinen typischen „nöligen“ Charakter. Außerdem hebe ich die Bässe bei 120 Hz etwas an und gebe auch den oberen Frequenzen bei 6,4 kHz und 12,8 kHz einen Schub. Auch wenn die Höhen dadurch keineswegs charmanter werden, ist das Signal im Ergebnis deutlich präsenter und griffiger.  

Audio Samples
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Steelstring Acoustic -> EQ -> D.I. – EQ Off Steelstring Acoustic -> EQ -> D.I. – EQ On
Der Boss EQ-200 ist kein Sound-Färber, er arbeitet vielmehr analytisch und lässt sich sehr effektiv einsetzen.
Der Boss EQ-200 ist kein Sound-Färber, er arbeitet vielmehr analytisch und lässt sich sehr effektiv einsetzen.

Nun spannen wir das Pedal vor einen Gitarren-Amp. Die Gitarre meiner Wahl ist eine Telecaster, deren Signal durch das EQ-Pedal zunächst an einen cleanen Fender-Style-Amp geschickt wird. Das Ausgangssignal ist dabei recht voluminös und etwas muddy, sodass es zwar Charakter hat, sich im Bandkontext aber unter Umständen etwas schwerer behaupten könnte. Daher verschlanke ich in der Bearbeitung den Bassbereich sehr deutlich, geben den Mitten bei 1,6 kHz einen leichten Schub und hebe ebenfalls sehr offensiv die Höhen an. Wie das klingt, hört ihr in den nächsten beiden Beispielen.  

Audio Samples
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Telecaster -> EQ -> Amp (Clean) – EQ Off Telecaster -> EQ -> Amp (Clean) – EQ On

Wie sich zeigt, lässt sich der EQ effektiv und eindrucksvoll vor einem zerrenden Amp verwenden. Im folgenden Beispiel nutze ich weiterhin die Telecaster, deren Signal nun aber in einen schon weiter aufgerissenen Marshall-Amp geht. Besonders, wenn man das Amp-Signal isoliert hört, kann die Kombination aus Singlecoils und Marshall-Zerre eine etwas giftige Angelegenheit sein, die sich am EQ des Amps nur bedingt regeln lässt. Mit dem EQ vor dem Amp geht da einiges mehr. Wie man gut hören kann, bekommt das Signal durch eine beherzte Absenkung der Höhen und eine leichte Absenkung des oberen Mittenbandes im Zusammenspiel mit einem Boost in den tiefen Frequenzen, deutlich mehr Punch und einen insgesamt angenehmeren und runderen Anstrich.

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Telecaster -> EQ -> Amp (Overdrive) – EQ Off Telecaster -> EQ -> Amp (Overdrive) – EQ On

Abschließend legen wir in Sachen Gain noch eine Schippe drauf und ich tausche die Telecaster gegen eine Baritongitarre. Das Signal der Gitarre wird nun durch ein Zerrpedal in den EQ und anschließend an den Amp geschickt.
Das Ausgangssignal für das Heavy Riff ist sehr mittenbetont und hat dadurch einen gewissen Vintage-Anstrich. Mit dem EQ verpasse ich dem Sound in erster Linie einen moderaten, aber dennoch sehr hörbaren Mid-Scoop, der das Riff griffiger und durchsetzungsfähiger erscheinen lässt.

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Bariton -> Distortion -> EQ -> Amp – EQ Off Bariton -> Distortion -> EQ -> Amp – EQ On

Insgesamt ist der Boss EQ-200 kein Sound-Färber, der das Signal durch beherzten Zugriff einfach edler klingen zu lässt, wie man es von manchen Vintage-EQs oder Always-on-Pedalen kennt. Vielmehr lässt es sich mit seinem analytischen und gezielten Verhalten sehr effektiv einsetzen.  

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Freigeist sagt:

#1 - 12.11.2019 um 15:03 Uhr

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Wie können die Produktmanager von Boss heutzutage immer noch so beschränkt im Geiste sein, Pedale ohne True Bypass anzubieten? Und das auch noch bei der Preislage des oben getesteten Pedals...Dieser Equalizer wäre ansonsten sehr interessant - aber ohne True Bypass kaufe kein Pedal. Wenn ich einen Buffer in der Signalkette brauche, dann schalte ich selbst einen dazwischen. Und dazu muss man sich noch fragen, was für ein Blödsinn es von Boss ist, angenommen man hat 5 Boss-Pedale in der Signalkette - und jedes davon hat einen Buffer. Das geht nicht ohne deutliche Klangveränderungen! Deshalb sollte man dem Kunden die Wahl lasssen, ob er einen Buffer braucht oder nicht. Allenfalls könnte Boss ein Pedal mit wahlweise zuschaltbarem Buffer anbieten - aber ohne True Bypass ein Pedal zu verkaufen in der heutigen Zeit, muss mit Recht ein Flop werden.

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