REV OCEAN ist ein starker Name für ein Reverb, der Sounds nicht nur in den Raum stellt, sondern sie absaufen, treiben oder im Wet-Anteil baden lässt. Selbst die Bezeichnung der Zusatzmodule – Abyss, Foam und Tide – spart nicht an maritimer Assoziation und macht klar, das der Tauchgang keine nüchterne Raumabbildung zum Ziel hat. Zeit, die Badekappe zu pudern.

In der FX Collection 6 Pro versammelt Arturia bereits mehrere klassisch inspirierte Reverbs. Mit REV OCEAN geht das französische Unternehmen nun einen eigenständigen Weg: Statt Vintage-Hardware setzt das Plugin auf starke Bewegungen innerhalb der Hallwolke. Was REV OCEAN sonst besonders macht und wie sich der Reverb im bonedo-Test schlägt, klären wir im Folgenden.
- Performance-orientierter Reverb mit dichten Tail
- einfache Bedienung, übersichtliches GUI
- 3 Algos: Tide, Abyss & Foam
- mehr Detail-Parameter ggfls. wünschenswert
DETAILS
Rev OCEAN : FDN-Klassiker neu gedacht
Das Rev OCEAN Reverb-Plugin von Arturia basiert ganz klassisch auf einem Feedback Delay Network (FDN) und kombiniert dazu mehrstufige Diffusion sowie umfangreiche Modulation. Im Vordergrund steht gezielte Formung: weiches Einschwingen und dichte Fahnen.
Besonders prägend sind dazu die Modi ABYSS, TIDE und FOAM. Sie werden über nun einen Regler gesteuert, greifen aber komplex und an unterschiedlichen Stellen in den Nachhall ein. Je nach Modus verändern sie die Tonalität, die Modulation oder das Einschwingverhalten.
Kurz & knapp: die drei Modi des Rev Ocean Reverb Plugins
ABYSS ergänzt den Reverb um Reverse-Texturen mit Pitch-Shifting. Dadurch wird der Nachhall harmonisch und fetter. Der Modus eignet sich für Sounds, die nicht nur verlängert, sondern auch verfremdet werden sollen – etwa Pads, Vocals, Gitarren oder einzelne Synths. Zeitlichen Einfluss auf die Repeats hat man allerdings nicht, da hätte ich mir mehr Rhythm abseits des Pre-Delay gewünscht.

TIDE indes arbeitet mit modulierter Filterung. Dadurch entstehen Bewegungen im Spektrum, die weitestgehend subtil bleibe, aber auch in Richtung Phaser oder Flanger kippen können. Sinnvoll bei langen Hallfahnen, Arpeggios, Flächen sowie rhythmischem Material, bei dem der Reverb nicht nur statisch im Mix liegen soll.
FOAM wiederum beeinflusst den Attack-Bereich des Reverbs. Der Hall setzt weicher ein, Transienten werden verwischt und die Hallfahne baut sich diffuser auf. Das kann perkussives Material entschärfen und Flächen breiter machen – ja und teilweise klingt es halt auch etwas nach schaumigen Meeresrauschen, was den Namen etwas erklären könnte.
Something new under the hood
Neben klassischen Reverb-Parametern wie Dry/Wet und Pre-Delay bietet Rev OCEAN aber auch Width sowie eine Ducking sowie Transient-Bearbeitung, eine einfach Band-Filterung mit unteren und oberen Grenzen sowie Brightness zur Färbung des Tail. Allesamt helfen diese, die dichte Hallstruktur kontrollierbar zu halten.
Die Trennung von Decay und Size erlaubt es darüber hinaus, Nachhalllänge und wahrgenommene Raumgröße unabhängig voneinander einzustellen. So kann der Hall groß wirken, ohne zwangsläufig lange auszuklingen. Umgekehrt lässt sich die Raumgröße bei gleichbleibender Decay-Zeit modulieren – gerade per Automation ein sehr wirkungsvolles Mittel.

Apropos: Wird Decay auf den Maximalwert gesetzt, friert Rev OCEAN die Hallfahne ein und deaktiviert den Eingang. Der eingefrorene Nachhall steht dann allein für sich.
Ducking nimmt ferner den Effektanteil zurück, solange ein starkes Direktsignal anliegt, und lässt den Hall in ruhigeren Momenten damit stärker hervortreten. Das sorgt für Übersicht im Mix. Bei höheren Einstellungen entsteht ein hörbarer Pump-Effekt. Etwas mehr Kontrolle über Zeitparameter wäre wünschenswert gewesen.
Die Transient-Kontrolle bestimmt außerdem, wie stark kurze Signalspitzen in den Reverb übernommen werden. Bei perkussivem Material lässt sich der Nachhall dadurch entweder deutlicher herausarbeiten oder bewusst glätten.

So weit zu den Parametern und ihren Funktionen. Hinzu kommen eine Library mit guten Presets sowie eine frei skalierbare GUI. Ebenfalls praktisch sind das integrierte Tutorial, die Hilfe-Blasen und die A/B-Vergleichsmöglichkeit. Bei der Benutzerfreundlichkeit gibt es, wie bei den neueren Arturia-Plugins üblich, wenig zu beanstanden. Lediglich optisch setzt sich Rev OCEAN etwas vom Rest ab – vor allem durch die Dot-Matrix-Animation, die sich bei Bedarf aber auch deaktivieren lässt.


























