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Akai MPC1000 Test

Praxis
Da ich inzwischen eigentlich die Produktion am Rechner bevorzuge und mich an den dort gebotenen Bearbeitungskomfort gewöhnt habe, war ich sehr gespannt darauf, mit einem Klassiker des Beatbastelns zu arbeiten. Für den schnellen Einstieg in die Arbeitsweise der MPC führte leider kein Weg am Studium der Bedienungsanleitung vorbei. Das beiliegende Quickstart-Manual macht einem die ersten Schritte aber relativ einfach. Für die Verwendung der komplexeren Funktionen muss jedoch zum ausführlicheren Benutzerhandbuch gegriffen werden. Hierbei sollte man allerdings vorher checken, ob beim verwendeten Gerät bereits das aktuelle Betriebssystem aufgespielt ist. So erspart man sich das unfreiwillige  Lesen mehrerer Manuals. Bei der MPC1000 hat man die Wahl zwischen dem alten OS1, dem aktuellen OS2 und sogar einem japanischen Drittanbietersystem namens JJOS. Das OS2 ist auf der Internetseite von Akai frei verfügbar und verleiht dem Gerät zusätzliche Funktionen. Das kostenpflichtige japanische Betriebssystem JJOS schafft darüber hinaus sowohl eine übersichtlichere Darstellungen als auch weitere Features, die sonst nur mit der MPC2500 möglich sind.

Trotz der etwas kleineren und härteren Pads kam der von mir erhoffte MPC-Spaß sofort auf. Auch die Anzahl und Anordnung der verfügbaren Tasten bewährte sich bereits nach einer kurzen Einarbeitungsphase. Der Workflow geht grundsätzlich gut von der Hand. Die unterschiedlichen Modi und Programme können über Shift-Funktionen der Pads direkt erreicht werden (z.B. Mixer, Seq Edit, Load/Save, etc.). Zusätzlich stehen mit F1-F6 direkt unter dem Display sogenannte Softkeys zur Verfügung, die je nach Menü weitere Unterpunkte zugänglich machen. Hauptverantwortlich für die Navigation ist neben den rechts angeordneten Cursortasten das Data-Wheel, mit dem es sich komfortabel durch die Menüs wandern lässt. Auch an das Display gewöhnt man sich relativ schnell – wobei man sich schon fragen darf, ob ein 240 x 64 Punke großes 2-Farb-Display noch zeitgemäß ist. Jedes Handy hat mittlerweile mehr als zwei Farben. Aber das ist wahrscheinlich auch gleichzeitig der Charme einer MPC.
Die Arbeit mit der MPC entspricht einer Rückbesinnung auf die wesentlichen Arbeitsschritte des Beatbastelns – und das ist durchaus positiv gemeint.  Man wird von der schier unendlichen Funktionsvielfalt einer typischen DAW nicht gleich erschlagen, sondern hat alles zum Beat-Bauen im unmittelbaren Zugriff: Die Kombination von Tongenerator, Sequenzer, Mischer und Effekten in einer autarken Produktionsumgebung beschleunigt den Workflow. Man ist weniger abgelenkt von einem großen Bildschirm und direkt am Sound dran. Es gibt keine langwierige Vorkonfiguration, und man kann gleich starten: Samples laden oder aufnehmen, schneiden und slicen, bearbeiten, auf die Pads legen – und los geht’s.

Die großen Transporttasten liegen in direkter Nachbarschaft der Pads und erlauben so eine sichere Steuerung der Beats. Beats werden im Overdub-Verfahren aufgebaut. Die Struktur ist nach kurzer Einarbeitung schnell erlernt. So hat man auf einer Oberfläche beispielsweise alle Sequenzen für ein Stück und kann dabei die einzelnen Tracks mit ihren Samples muten und per Slider verändern. Leider sind nicht alle Bearbeitungen während der laufenden Wiedergabe möglich. Hier hat sich allerdings im Vergleich zu älteren Modellen schon eine Menge getan. Weiterhin ist in den Sequenzen Quantisierung oder Shuffle möglich sowie die Automation von einzelnen Parametern oder das Modellieren von Hüllkurven. Über die sogenannten Tracks erfolgt dann eine zusätzliche Organisation der Beat-Elemente. Man weist also z.B. die Kick einem Track zu, und die Snare einem anderen. Nun kann man mit dem Slider die Parameter, Track-spezifische Effekte oder das zeitweise Muten steuern. Trennt man die Tracks nicht, nimmt man sich die Möglichkeit, die Sounds einzeln zu bearbeiten. Zusammen mit dem internen Mixer ergeben sich so komfortable Bearbeitungsmöglichkeiten auch während einer Performance. In den Sequenzen kann hierdurch schnell Abwechslung geschaffen werden, um später für den Songmodus Stücke weiter auszuarbeiten – oder mit dem Gerät im Live-Betrieb Monotonie zu verhindern.

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Im Mix-Environment stehen jeweils zwei gleichzeitig einsetzbare Effekte/Dynamics zur Verfügung. Diese lassen sich von den einzelnen Kanälen aus ansteuern. Zur Auswahl stehen Bit Grunger, Compressor, Chorus, Flanger, 4-Band EQ, Phase Shifter, Tremolo, Flying Pan, Reverb und Delay. Die Effekte werden über Kanal-Sends mit beliebiger Intensität angesteuert. EQ oder Kompressor können insertiert werden, wobei hier aber leider nur eine Einstellung für alle darauf zugreifenden Kanäle/Pads möglich ist. 

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Es ist also nicht möglich, verschiedene Mixerkanäle mit unterschiedlichen Kompressoreinstellungen zu versehen. Des Weiteren können hier die Effekte auch noch miteinander verschaltet werden, um komplexere Ergebnisse zu erreichen. So kann beispielsweise das Delay noch zusätzlich in den Reverb-Prozessor geroutet werden. Außerdem lassen sich für jeden Kanal jeweils zwei Filter individuell aktivieren, wodurch es möglich wird, Rough-Mixes mit einer Art Frequenzstaffelung zu erstellen.
Man hat die Wahl zwischen mehreren Low/Band/HiPass-Filtern –  die sich auch in Serie schalten, um drastischere Klangverformungen vorzunehmen. Legt man sich die Filterfrequenz auf einen der Q-Slider, lassen sich zudem schöne Modulationen/Automationen erzeugen. Auch Pitch Shift, Sample-Länge/Startpunkt oder Attack/Decay aus der Hüllkurven-Bearbeitung sind in Kombination mit den Slidern veränderbar (mögliche weitere Parameter: Level, Filterresonanz, Pan, Layering und Velocity). Die damit durchgeführten Manöver lassen sich, genau wie die Mixer und FX-Sends, als Automation aufzeichnen oder können zur Variation der bereits vorproduzierten Sequenzen benutzt werden. Dabei wird der Song nicht dauerhaft verändert, was eine ganze Reihe kreativer Gestaltungsmöglichkeiten ergibt, die beispielsweise einem etwas monoton wirkenden HiHat-Pattern mit wenigen Handgriffen viel Leben einhauchen können. Ein typischer Ragga-Jungle Break ist mit den zur Verfügung stehenden Werkzeugen schnell und mit viel Spaß gebaut: Stotter- und  Timestretch-FX sowie von oben nach unten durchgepitchte Snare-Rolls werden dabei zum Kinderspiel. Die Slider wirken stets Track-spezifisch.
Bei dem optionalen JJ OS lässt sich zusätzlich festlegen, dass nur einzelne Kanäle/Pads vom Slider-Parameter beeinflusst werden. Auch im Bereich des Effekteinsatzes lohnt sich also der Gedanke, JJs Betriebssystem auszuprobieren. Die Effektpalette wird hier um ein verbessertes Delay, Realtime-Pitchshifting, Timestretch- und Reverse-Funktionen erweitert, womit es sogar möglich ist, externes Audiomaterial (über den Audio-In) in Echtzeit in der Tonhöhe zu beeinflussen.
Mit den Sample-Bearbeitungsfunktionen lässt sich das Audio selbst verbiegen. Neben dem einfachen Trimmen von Samples wird auch „Slicen“ zum Unterteilen längerer und ungeschnittener Samples angeboten. Die Trim-Funktion für schon unterteilte Samples wirkt am Anfang noch etwas ungenau, aber mit dem Data-Wheel ist auch hier eine präzise Bearbeitung möglich. Hier hat das JJ OS übrigens ebenfalls die Nase vorn, es vereinfacht die Sample-Bearbeitung erheblich. Es besteht zudem auch die Option, Wertebereiche numerisch einzugeben. Zum Erlernen des Slicens/Choppens (das leider Stereo-Files immer in Mono-Files umwandelt) bieten übrigens neben dem Anwenderhandbuch auch zahlreiche Internet-Tutorials praktische Hilfe http://www.youtube.com/watch?v=Aq-T6eQBDQE. Hierbei ist bei den Netzinhalten die praktische Anwendung oft stärker betont und Zusammenhänge werden vereinfacht und anhand von Beispielen dargestellt. Es gibt eine starke Community rund um die MPC1000 im Netz. Hier findet man auch Erfahrungswerte zu den Funktionen der verschiedenen Betriebssysteme und –versionen.

Für besonders kreative Soundmöglichkeiten gibt es das Multisampling. Dank Druckempfindlichkeit der Pads kann man das auch gleich in der Performance ausreizen. Hierbei stehen pro Pad bis zu vier Layer zur Verfügung, in denen man jeweils unterschiedliche Samples einem Velocity-Level frei zuweisen kann. Jedem Layer kann darüber hinaus z. B. eine andere Filtereinstellung mitgegeben werden.
Eine Sache, die mich etwas gestört hat, ist das Vorgehen beim nachträglichen Editieren von Eingespieltem: Auch bei längeren Samples, die nicht hundertprozentig im Groove liegen, wirkt das Verschieben im Step-Edit etwas umständlich und nicht intuitiv. Dabei hat man am Rechner einfach mehr Möglichkeiten einzugreifen und Samples bequem zu platzieren. Natürlich will ich nicht ausschließen, dass man damit besser klarkommt, wenn man mit dem Gerät so richtig vertraut ist. Ansonsten bietet sich auf jeden Fall die Synchronisation mit der DAW an, um solche kleinen Feinheiten zu lösen. Sequenzen können als MIDI-File in jeder Software geöffnet und bearbeitet werden. Überhaupt bietet die MPC vielfältige Möglichkeiten, externe Klangerzeuger in die Produktion mit einzubauen. So lässt sich ohne Probleme ein Synthesizer damit steuern oder per MIDI-Keyboard Sequenzen einspielen und Samples triggern.

Audio Samples
0:00
fulrsttry hypnotic second try second try: einzelne samples

Licht und Schatten: Beim Testen des Gerätes kam es zu keinerlei Abstürzen. Zur Erstellung der Demo-Beats habe ich die MPC stundenlang immer wieder aufs Neue gefordert. Das Einzige, was laut Erfahrungsberichten von MPeteC als MPC-Hardcore-User, zu Stabilitätsproblemen führen kann, sind Ladefehler von Samples bei empfindlichen Speicherkarten. Das hat bei ihm manchmal zu Abstürzen geführt – ich blieb davon allerdings verschont.
Zudem sollte auch das Speichern gelernt sein, denn beim Ein- und Ausschalten des Gerätes ist alles weg, was nicht gespeichert wurde. Hierfür stehen verschiedene Speicherfunktionen zur Verfügung. Das Sicherste ist definitiv der Modus für das Speichern aller Sequenzen und Samples. So geht garantiert nichts verloren, dafür muss aber auch eine Karte mit entsprechend viel Platz zur Verfügung stehen! Von den Ladezeiten ist die MPC1000 etwas schneller ist als die älteren Modelle. Am Besten benutzt man eine schnelle CF-Karte – oder gleich eine interne Festplatte. Auch dann ist sie noch etwas langsamer als ein PC. Das Gerät braucht bei einem Beat mit mehreren Samples etwa so lange wie ein Rechner, der ein komplexes Logic-Arrangement mit vielen Dateien und Spuren zu laden hat. Hier bleibt immer mal wieder Zeit, zwischendurch Luft zu holen, bevor es dann losgehen kann …

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