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9 einfache Tipps für Mix-Sessions – so mischt ihr schneller und besser

Musik abzumischen ist schon eine komplexe Aufgabe. Da wollen mitunter etliche Spuren angehört, beurteilt, bearbeitet und zu einander in ein ansprechendes Verhältnis gesetzt werden. Wer nicht als Profi unterwegs ist, hat es dabei besonders schwer.

Der vielleicht wichtigste Tipp: Lasst euch beim Mixing nicht ablenken!
Der vielleicht wichtigste Tipp: Lasst euch beim Mixing nicht ablenken!

Denn es stehen in der Regel weder separate Räumlichkeiten noch optimierte Arbeitsabläufe zur Verfügung. Vom nicht vorhandenen Budget einmal ganz zu schweigen… Deshalb scheitern so manche Heim-Produktionen daran, die mit viel Liebe erstellten Aufnahmen zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen. Falls ihr euch in dieser Beschreibung wiederfindet, können euch die nachfolgenden neun einfachen Ideen hoffentlich dabei helfen, eure Mix-Sessions effektiver zu gestalten und so den Spaß am Abmischen eurer Tracks beizubehalten.

Tipp 1: Anti-Multitasking

Entgegen weitverbreiteter Annahmen ist die menschliche Fähigkeit zum Multitasking mehr Legende als Tatsache. Das belegen verschiedene wissenschaftliche Studien. Wenn ihr den bestmöglichen Mix für eure hart erarbeiteten Tracks anlegen möchtet, solltet ihr deshalb besser darauf verzichten, mehrere Tätigkeiten parallel auszuführen. Das betrifft zum einen all jene Sachen, die nichts mit der selbst Abmischung zu tun haben. Smartphone und Tablet gehören beispielsweise weit, weit weg vom Mixraum abgelegt. Und auch Browser und E-Mail-Programme sollten während der Arbeit am Mix gar nicht erst geöffnet sein. Freunde und Familie sollten wissen, dass ihr für einen bestimmten Zeitraum nicht erreichbar seid, weil ihr konzentriert arbeiten möchtet. So kommt ihr weder in Versuchung, Dinge zu tun, die nichts mit eurem Mix zu tun haben, noch werdet ihr von außen in eurer Konzentration gestört. Zum anderen könnt ihr auch das Abmischen selbst in verschiedene Abschnitte unterteilen und bekommt so einen Plan, um Schritt für Schritt den Mix zu bewältigen statt alle offenen Enden zugleich zu bearbeiten. Denn nichts ist schlimmer, als sich im Mix-Flow zu verlieren und doch nicht zum Ende zu kommen… 

Tipp 2: Aufgabenkatalog für Editing und Mixing erstellen

Um das zu bewerkstelligen, könnt ihr euch einen Katalog von Aufgaben zusammenstellen, die ihr in der jeweiligen Session bewältigen möchtet. Das klingt zwar sehr nüchtern und beinahe so, als ob der Spaß auf der Strecke bleiben könnte – aber was könnte euch glücklicher machen als am Ende des Tages einen fertigen Song anhören zu können, den ihr selbst abgemischt habt? Alles was ihr dafür tun müsst, ist eine Bestandsaufnahme zu machen und euch realistische Ziele zu setzen. Es könnte zum Beispiel der Fall sein, dass ihr euch einem komplett neuen Song widmet, dessen Spuren ihr euch von A bis Z vornehmt. Dann würdet ihr euch eine Liste zusammenzustellen, die vom Einrichten der Mixumgebung in eurer DAW über die Beurteilung der einzelnen Spuren und das Anlegen eines Rough-Mixes bis hin zum ausgearbeiteten Balancing, einer detaillierten Signalaufbereitung, dem Einsatz von Effekten und Automation und auch dem Referenzieren auf verschiedenen Wiedergabesystemen reicht. Wenn ihr Schritte wie diese Stück für Stück abarbeitet, spricht nichts dagegen sie auch ein zweites oder drittes Mal zu durchlaufen. Dennoch werdet ihr mit einem zuvor erstellten Aufgabenkatalog deutlich gezielter an bestehende Baustellen herangehen können. Zu guter Letzt bedeutet das, dass ihr während des Abmischens mehr den Überblick behalten und euch deutlich sicherer fühlen könnt.

Klingt vielleicht spießig, hilft aber: Planung!
Klingt vielleicht spießig, hilft aber: Planung!

Tipp 3: Zeitplan für die Mischung ausarbeiten

Doch mit einem Aufgabenplan allein ist es noch nicht getan. Er verschafft euch zwar einen Überblick darüber, was getan werden muss, doch nicht wie und in welcher Tiefe ihr euch den Problemen widmen sollt und könnt. Erst wenn ihr auch den Faktor Zeit berücksichtigt, werdet ihr feststellen, ob die von euch gesetzten Ziele tatsächlich realistisch sind oder aber euer Vorhaben gefährden, weil sie für jeden eurer Tracks Wochen oder gar Monate in Anspruch nehmen würden. Außerdem müsst ihr durch das Einbringen einer Zeitplanung Schwerpunkte setzen. So wird schnell klar werden, ob tatsächlich jeder Snare-Schlag der heißgeliebten Drum-Aufnahmen separat bearbeitet werden sollte, ob die Background-Vocals in der Tat zehn Stunden lang per Pitch-Editing optimiert werden sollten oder etwa ein extrem kompliziertes Sidechaining-Monster sinnvoll ist, das schon bei der kleinsten Veränderung einzelner Parameter einen Rattenschwanz von neuen Arbeitsschritten nach sich zieht. Realistische Ziele in einem klar abgesteckten Zeitrahmen zu bewältigen, hilft euch Prioritäten zu setzen, die in der Regel der Schlüssel zum Erfolg sind.

Die Zeit sollte man sich nicht zum Feind machen – sondern zum Freund. Ein konkreter Plan hilft!
Die Zeit sollte man sich nicht zum Feind machen – sondern zum Freund. Ein konkreter Plan hilft!

Tipp 4: DAW-Templates erstellen und nutzen

Um mehr dieser Ziele innerhalb des vorgegebenen Zeitraums erreichen zu können, müsst ihr nicht etwa ganz besonders tolle Tontechniker oder Studio-Profis sein. Vielmehr reicht es in vielen Fällen schon aus, wenn Ihr euch gut organisiert und euch für verschiedene Arbeitsschritte Templates erstellt, die euch in null Komma nichts an den Start bringen, So dass ihr viel Vorbereitungszeit einspart. Es geht also weniger darum, ein wahrer DAW-Nerd zu werden, der wie ein wandelndes Lexikon sämtliche Tricks und Kniffe seiner Software auf Lager hat. Vielmehr sollen euch die Templates von solchen Arbeiten entlasten, die ihr ansonsten wieder und wieder für sehr ähnliche Aufgaben ausführen müsstet. Deshalb ist es sinnvoll nicht nur verschiedene Recording-Templates, sondern eben auch verschiedene Mix-Templates anzulegen, mit denen ihr euch die wichtigsten wiederkehrenden Arbeitsschritte sparen könnt. Ein Mix-Template für eure Rockband, eins für eure persönlichen Piano-Balladen, eins für den befreundeten Singer-Songwriter und was auch immer noch bei euch ansteht…

Tipp 5: Projekt organisieren

Optimal ist es, wenn ihr in diesen Projekten ähnliche Elemente immer wieder auf ähnliche Art und Weise organisiert. So ist es beispielsweise extrem hilfreich, ähnliche oder gleiche Spuren stets mit derselben Farbgebung auszustatten. Zusätzlich könnt ihr euch ein Set von Kürzeln für die Spurbezeichnungen zu Recht legen. Ich selbst benenne in meinen Mix-Projekten beispielsweise die Instrumente mit zwei bis drei Großbuchstaben, meist Konsonanten. Also etwa KK für Kick, SN für Snare, BS für Bass oder auch STR für Strings oder LDV für die Lead Vocals. Auch wenn es auf den ersten Blick banal erscheint, helfen mir diese Kürzel dabei, mich schnell in meinen Projekten orientieren zu können. Die Farbgebung von Spuren ist noch mal ein Thema für sich. Hier hat fast jeder Mixer seine eigenen Vorlieben. Wichtig ist nur, dass ihr euch auf eine bestimmte Kodierung festlegt, um in Rekordzeit von 0  auf 100 kommen zu können, wenn ihr ein neues DAW-Projekt bearbeitet. Und hier noch ein Extra-Tipp: Nutzt doch vielleicht auch beim Mixen die Möglichkeit, Marker oder besser gleich Loop/Cycle-Marker zu setzen. Sofern ihr sie pro Song-Part setzt, ermöglichen Sie euch einen schnellen Zugriff, um etwa einzelne Bereiche als Schleife wiederzugeben oder ähnliche Parts wesentlich schneller anspringen und diese miteinander vergleichen zu können. Im besten Fall färbt ihr solche Marker, die auf ähnliche Parts verweisen auch gleich in ähnlicher Farbgebung ein – also etwa Strophen gelb, Refrains rot und den C-Teil blau. Das wird den Ablauf eurer Mixes erheblich beschleunigen.        

Gute Organisation ist die halbe Miete!
Gute Organisation ist die halbe Miete!

Tipp 6: Shortcuts und Makros einrichten und benutzen

Doch nicht nur die Organisation eurer DAW-Projekte kann euch Zeit und Nerven sparen. Auch zahlreiche der einzelnen wiederkehrenden Arbeitsschritte könnt ihr problemlos mit einer simplen Tastenkombination erledigen, statt für das gewünschte Ergebnis wieder und wieder durch das Software-Menü zu irren. Sobald ihr feststellt, dass sich bestimmte Arbeitsschritte wiederholen, solltet ihr euch vergewissern, ob es nicht möglich ist, diese per bestehendem Shortcut umzusetzen oder eine entsprechende Tastenkombination flugs selbst zu definieren. Da sich bis auf ein paar Auserwählte unter euch kaum jemand eine Vielzahl solcher Shortcuts merken kann, könnt ihr euch kleine Kärtchen anlegen, auf denen ihr die wichtigsten Kombinationen notiert. Habt ihr sie erst einige Male eingesetzt, werdet ihr diese Gedächtnisstütze sicher nicht mehr benötigen. Ich arbeite beispielsweise mit verschiedenen Shortcut-Karten für unterschiedliche Software-Programme. Um ganze Kombinationen von Arbeitsschritten per Tastendruck abrufen zu können, solltet ihr auch die Möglichkeit nutzen, Makros zu erstellen. Falls eure Software diese Funktion nicht anbietet oder die Makros – aus welchem Grund auch immer – auf bestimmte Features nicht zugreifen können, könnt ihr eventuell auch auf Software von Drittanbietern zurückgreifen. Sie kann nicht selten auch Mausbewegungen aufzeichnen und abrufen. Ihr werdet erstaunt sein, wie viel Zeit, Mühe und Verdruss ihr euch erspart indem ihr Shortcuts und Makros einsetzt.

Shortcut_DAW_- Bild

Tipp 7: Bearbeitungs-Presets verwenden

Und wo wir gerade beim Vereinfachen sind: Ihr brecht euch keinen Zacken aus der Krone, wenn ihr für die grundlegende Signalaufbereitung, die Insert-Belegungen oder gleich für ganze Gruppen von Spuren auf DAW-Presets zurückgreift. Sicher, vorgefertigte Presets werden nur in den seltensten Fällen auf eure Spuren anwendbar sein. Doch wenn ihr häufiger mit der gleichen Band arbeitet, immer wieder die gleichen Instrumente und Mikrofone benutzt oder eure Mix-Projekte – wie oben beschrieben – stets ähnlich organisiert, könnt ihr euch mühelos eigene Spur-Presets erstellen, die euch zukünftig als guter Startpunkt dienen können und euren Workflow so enorm beschleunigen.

Tipp 8: Auf Referenzen achten

Bei aller Organisation ist es aber ebenso entscheidend, Maßstäbe für die klanglichen Aspekte eures Mixes zu haben. Denn was nützt der beste Plan, wenn das Ergebnis einfach nicht so klingt wie die Lieblingsscheiben, mit denen man die eigenen Stücke messen möchte? Aber auch hier gilt, dass die Referenz-Tracks realistische Ziele darstellen sollten. Denn dem besten Mix-Engineer wird es nichts bringen, wenn er seinen Mix eines Metal-Tracks mit einer Hip-Hop-Produktion vergleicht. O.K., dieses Beispiel ist vielleicht weit hergeholt. Aber auch schon Stücke mit deutlich feineren Unterschieden innerhalb eines Genres können bereits zu „far out“ sein, als dass sie euch gute Anhaltspunkte für entsprechende Mixentscheidungen liefern könnten. Auch solltet ihr euch bei der Anzahl der Referenz-Tracks im Zaum halten. Nicht nur, dass viele Köche den Brei verderben, sondern ebenso können viele Referenzen den Mix verderben. Schließlich dürft ihr nicht vergessen, dass euch eure Referenz-Tracks möglichst klare Anhaltspunkte liefern sollen, um euch in einem schier endlosen Meer möglicher Mix-Entscheidungen auf Kurs zu halten. Am besten beschränkt ihr euch auf zwei oder maximal drei Stücke, auf die ihr euch berufen werdet. Und vergesst nicht diese Referenzen lautstärketechnisch bereits an euren Mix anzupassen, um klangliche Vergleiche einfacher zu machen.

Können eine große Hilfe sein: Referenzproduktionen
Können eine große Hilfe sein: Referenzproduktionen

Tipp 9: Real-World-Check machen

Zu guter letzt noch ein Tipp, den viele von euch eventuell nicht mehr benötigen, weil sie ihn bereits anwenden. Da er aber so wichtig ist, möchte ich ihn hier nicht unerwähnt lassen. Denn ein Real-World-Check eurer Mixe ist stets das Beste, was ihr ihnen antun könnt. Wie oft klingt ein Stück in den eigenen vier Wänden absolut fantastisch und scheint mit den Top-Produktionen der ganz großen Namen mithalten zu können, entpuppt sich aber im eigenen Auto als echter Reinfall. Umso größer kann die Diskrepanz sogar noch sein, wenn ihr Musik abmischt, die üblicherweise auf großen Beschallungsanlagen gehört wird. Da kann die eigene Mainroom-House-Hymne schon mal zum dumpfen Rohrkrepierer werden. Aber keine Sorge: Diese Unzulänglichkeiten im eigenen Mix könnt ihr positiv nutzen. Notiert euch, was ihr besser machen solltet, woran es dem Mix mangelt, wovon er zu viel hat und welche Ziele ihr gegebenenfalls in einem weiteren Mix-Durchlauf angehen möchtet. Dann könnt ihr erneut angreifen und das Spiel geht von vorne los. Wenn ihr dabei wieder diese neun Ideen für effektivere Mix-Sessions einsetzt, sollte es aber kein Problem sein, diese Verbesserungen in Rekordzeit umzusetzen und dabei den Überblick zu behalten. Viel Erfolg dabei!

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von Carsten Kaiser

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