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Billy Sheehan: Karriere, Spieltechnik und Equipment des legendären Rockbassisten

Es gibt Musikerinnen und Musiker, die teilen die Zeitrechnung in ein „Davor“ und ein „Danach“. Zu dieser Kategorie gehört ohne Frage Billy Sheehan, denn es gibt das Rockbass-Spiel vor Billy Sheehan – und nach Billy Sheehan. Der Bassist aus Buffalo, New York, hob Themen wie Virtuosität, Showmanship, Sound und einige mehr auf ein vollkommen neues Level. Mit Mr. Big feierte er Welthits und spielte in den letzten fünf Jahrzehnten mit so ziemlich jeden namhaften Künstler aus dem Rockbereich. Last but not least ist der immer noch verblüffend jung und frisch wirkende 72jährige nicht nur ein unglaublicher Bassist, sondern auch ein ausgezeichneter Songwriter, was er sowohl auf seinen Soloalben als auch in Bands wie Mr. Big oder The Winery Dogs unter Beweis stellte. In diesem Artikel möchten wir den legendären Rockbassisten portraitieren.

Billy Sheehan Yamaha Bass
Billy Sheehan ist einer der inspirierendsten Rockbassisten unserer Zeit.
(Bild: Shutterstock / Dave Safley ModernPics)

Wie begann die Karriere von Billy Sheehan?

Billy Sheehan wurde am 19. März 1953 in Buffalo, New York, USA geboren. Bereits als Teenager wurde er mit dem „Bass-Virus“ infiziert: Ein Nachbar probte mit seiner Band bei sich zu Hause. Von der Straße aus hörte Billy bei den Proben zu, konnte aber durch die Wände nur den Bass und die Bassdrum wahrnehmen – und war begeistert! Eines Tages bat ihn der Nachbar herein, als er nur mit dem Drummer jammte und erklärte Billy, dass er „immer dann eine Note auf seinem Bass spielt, wenn aus der großen Trommel am Boden vorne Luft herauskommt.“

Bevor Billy überhaupt selbst Bass spielte, hatte er dadurch schon eine der wichtigsten Lektionen überhaupt gelernt. Nach einer kurzen Episode mit der Gitarre, kaufte Billy seinen ersten Bass: einen Fender Precision, welcher später unter dem Namen „The Wife“ berühmt wurde. Da der Precision aber noch auf sich warten ließ, bekam der junge Billy übergangsweise zunächst einen Gibson EB-0. Dieser besaß einen Pickup direkt am Ende des Griffbretts, und Billy verliebte sich in diesen extrem bassstarken „Mudbucker“-Sound. Später modifizierte er sogar „The Wife“ mit einem solchen Tonabnehmer direkt am Halsende, doch dazu kommen wir später unter dem Punkt „Equipment“. Billys Einflüsse zu dieser Zeit waren Rock-Bassisten wie Tim Bogert (Vanilla Fidge), John Entwistle (The Who), John Paul Jones (Led Zeppelin), Andy Fraser (Free) und viele andere.

Nach ersten Gehversuchen in einigen lokalen Bands gründete er mit Drummer Paul Varga und Gitarrist Dave Contantino die Band Talas. 1979 erschien ihr erstes Album, und die Band wurde vor allem im Nordosten Amerikas bekannt. 1982 folgte mit „Sink Your Teeth Into That“ das Talas-Album Nummer 2.

In dieser Zeit entwickelte Billy seinen virtuosen Stil – nicht, weil er sich als Solo-Bassist präsentieren wollte, sondern da er bei Cover-Versionen von Songs oft andere Instrumente nachahmte, um sie für ein Trio zu arrangieren. Der Lohn dieser ganzen Arbeit war unter anderem eine Support-Tour mit Van Halen, für welche Talas als Vorband auftreten durften.

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Wie stieß Billy Sheehan zur Band von David Lee Roth?

1985 verließ Van Halens Frontman David Lee Roth die legendäre Band, um seine Solokarriere zu verfolgen. Mit Gregg Bissonette an den Drums und einem jungen Saitenhexer namens Steve Vai an der Gitarre hatte „Diamond Dave“ bereits zwei absolute Größen an ihren Instrumenten engagiert. Billy hatte auf der gemeinsamen Tour mit Van Halen bleibenden Eindruck hinterlassen, und so bekam er den Job als Bassist in Davids neuer Band.

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Die beiden Alben „Eat Em And Smile“ (1986) und „Skyscraper“ (1988) gehören – zumindest für Instrumentalisten – zu den einflussreichsten Rockalben der 80er-Jahre und machten Billy dank MTV und internationaler Tourneen einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In dieser Zeit etablierte sich sein Ruf als „neuer Rockbass-Gott“. Leider kam es, wie bei so vielen anderen Bands auch, gegen Ende der 80er-Jahre zu „kreativen Differenzen“, sodass Billy schließlich die David Lee Roth Band verließ.

Billy Sheehan Steve Vai
Fotostrecke: 2 Bilder Sie gelten nicht nur in … (Bild: Alamy Stock Foto / ZUMA Press, Inc.)

Wie verlief die Bandgeschichte von Mr. Big?

Kurz darauf gründete Sheehan mit Sänger Eric Martin, Drummer Pat Torpey und Gitarrist Paul Gilbert die Band Mr. Big. Ihr gleichnamiges Debütalbum erschien im Jahr 1989 und war bereits ein Achtungserfolg. Vor allem in der Musikszene verbreitete sich schnell die Kunde, welch aufregende neue Formation sich da zusammengetan hatte.

Mit dem zweiten Album „Lean Into It“ (1991) ging es dann endgültig durch die Decke: Mr. Big zeigten eine geniale Mischung aus tollem Songwriting gepaart mit virtuosen instrumentalen Einlagen, die aber in der Regel im Dienste der Songs standen.

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Mit der eigentlich für die Band untypischen Ballade „To Be With You“ hatten sie einen Nummer-1-Hit in mehreren Ländern. Vor allem Paul Gilbert und Billy Sheehan zierten häufig die Cover von Gitarren- und Bass-Magazinen und wurden mit Awards überhäuft.

Unter der Oberfläche brodelte es leider bereits – die Spannungen innerhalb der Band nahmen zu. Dennoch wurde 1993 mit „Bump Ahead“ ein weiteres Album veröffentlicht. Erneut bewies die Band hier ihre Extraklasse, der Erfolg blieb jedoch leider aus und Mr. Big verschwanden langsam aus dem Licht der Öffentlichkeit.

Billy Sheehan Paul Gilbert
Ein Bild aus den Anfangstagen von Mr. Big: Billy Sheehan und Paul Gilbert live on stage.
(Bild: Alamy Stock Foto / John Atashian)

Die Zeit danach war durch verschiedene Auf und Abs, Neubesetzungen, Auflösungen, Reunions und Schicksalsschlägen geprägt. Im Jahr 2018 erlag Drummer Pat Torpey im Alter von nur 64 Jahren seiner Parkinson-Erkrankung.

Nachdem darauf (erneut) das Ende von Mr. Big verkündet wurde, entschloss man sich zu einer großen Abschieds-Tour unter dem Titel „The Big Finish“ inklusive eines Konzertfilms sowie eines Live-Albums. Trotzdem schenkte man den Fans 2024 mit „Ten“ noch ein letztes Studio-Album. Daraufhin wurde verkündet, dass es keine weiteren Zukunftspläne für Mr. Big gibt.

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Was waren weitere wichtige Projekte von und mit Billy Sheehan?

Bereits wie bei Mr. Big können wir aufgrund des unglaublichen Umfangs bei allen anderen Projekten und Kooperationen von Billy Sheehan nur auf die wichtigsten eingehen. Mitte der 90er-Jahre bis 2013 war Billy Mitglied des Pro-Rock-Trios Niacin, zu dem noch Organist/Keyboarder John Novello und Drummer Dennis Chambers gehörten. Mehrere Studio- und Live-Alben erschienen zwischen 1996 und 2013.

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Hinzu gesellt sich die Progressive-Metal-Supergroup Sons Of Apollo, die sich aus ehemaligen Mitgliedern von Dream Theater, Guns’n’Roses, Planet X und Journey zusammensetzt. Am Schlagzeug saß Mike Portnoy, der in der Schlagzeug-Welt einen ähnlichen Status genießt wie Billy in der Bassszene.

Zusammen Mike und seinem ehemaligen „Mr. Big“-Kollegen Richie Kotzen gründete Billy die nächste Supergroup mit Namen The Winery Dogs. Ähnlich wie bei Mr. Big sind die drei bisher erschienenen Alben eine explosive Mischung aus eingängigen Songs und virtuosen Einlagen.

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Hier noch eine stark verkürzte Liste von Billys Schaffen. Zuerst sind natürlich seine vier Soloalben zu nennen, welche im Zeitraum zwischen 2001 und 2009 erschienen sind. Auf Alben und Tourneen der hier folgenden Künstler wirkte er ebenfalls mit: Steve Vai, G3, Terry Bozzio, Greg Howe, Michael Schenker, Tony MacAlpine, Planet X, Glenn Hughes und Hunderte mehr.

In einem Interview erwähnte Billy einmal ganz beiläufig, dass er während der Corona-Pandemie auf ca. 400 (!) Alben unterschiedlichster Künstler aus der ganzen Welt mitgewirkt hat. Was die meisten von uns also in einem ganzen Leben nicht schaffen, hat Billy mal eben nebenher im Home-Office erledigt – verblüffend!

Billy Sheehan Paul Gilbert
Die Zusammenarbeit mit Paul Gilbert sollte in Billys Karriere einen ähnlichen Stellenwert einnehmen wie die mit Steve Vai. (Bild: Alamy Stock Foto / ZUMA Press, Inc.)

Wie ist der musikalische Stil von Billy Sheehan zu beschreiben?

Billy Sheehan gilt als einer der einflussreichsten Rock-Bassisten überhaupt. Sein Stil ist so umfangreich und vielfältig, dass ich ihn am besten in gleich zwei Kategorien unterteilen möchte. Zum einen ist da der „normale“ Song-Begleitungs-Billy, zum anderen natürlich der unfassbare Virtuose mit spektakulärer Technik.

Diese Merkmale kann man in Billy Sheehans Spiel in Songs beobachten:

  • Viele Steady Achtel- oder Sechzehntel-Rhythmen
  • Sehr tight mit Akzenten der Drums verbunden
  • Wenig „Umspielen“ der Drums
  • Viele melodische Elemente
  • Folgt gerne Melodie des Gesangs oder der Gitarre
  • Harmonisiert (zweite Stimme) gerne Melodie des Gesangs oder der Gitarre
  • Melodische Fills am Ende eines Song-Abschnitts
  • Unisono-Läufe mit Gitarre
  • Hervorragende Kenntnis des Griffbretts und Tonmaterials
  • Nutzt sowohl Moll-Pentatonik wie auch Skalen und Arpeggios
  • Lässt häufig die Oktave der Grundtöne liegen, um den Sound fetter zu machen
  • Gelegentliche Flageoletts als Klangfarbe
  • Double Stops wie Quinten und Quarten, um Power Chords darzustellen, vor allem bei Gitarrensoli

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Virtuose Elemente:

  • Drei-Finger-Anschlag (Abfolge: Ringfinger, Mittelfinger, Zeigefinger)
  • Two-Hand-Tapping für schnelle Läufe oder Akkordbegleitung
  • Viele Hammer-Ons und Pull-Offs für flüssiges Legato-Spiel
  • „Normale“ und künstliche Flagoletts
  • viele Bendings
  • Flageolett-Bending der Saiten auf Kopfplatte
  • Akkorde

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Welches Equipment benutzt Billy Sheehan?

Billys Suche nach „seinem“ Sound begann mit der Verschmelzung des besagten Gibson EB-0 und seinem Fender Precision, der über die Jahre den Spitznamen „The Wife“ trug. Den Humbucker am Ende des Griffbretts, den er beim EB-0 schätzen gelernt hatte, baute er einfach zusätzlich in seinen Precision ein.

Da er keine Ahnung von Elektronik hatte, leitete er den Humbucker und den Split Coil jeweils an einen eigenen Ausgang, und jedes dieser Signale ging dann an einen separaten Verstärker. Der Sound des Split Coil-Pickups sorgt dabei für Definition und Klarheit und kann bei Bedarf verzerrt werden. Der Humbucker ist für das cleane, fette Low End zuständig. Dieses Prinzip hat sich bis heute nicht geändert.

Auch sein aktuelles Signature Modell Yamaha Attitude Limited 3 basiert immer noch auf dem modifizierten „The Wife“-Preci. Billys Kooperation mit Yamaha reicht nun schon über mehrere Jahrzehnte. Sodass man sich Billy schlichtweg nicht mehr mit einem anderen Bass als einem seiner zahlreichen Yamaha Attitude Limiteds vorstellen kann.

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Seit den 70er-Jahren hat Billy natürlich so gut wie alles an Verstärker-Trends mitgemacht, was es gibt. Die Range reicht von Vollröhren-Boliden mit einer oder mehreren 8x10er-Boxen über mannshohen Racks in den 80er-Jahren, bis hin zu digitaler Technologie, wie dem Line 6 Helix und VTS-Plugins. Wir geben euch hier wieder lediglich eine kurze Liste der wichtigsten Stationen. Der entscheidende Faktor blieb über die Jahre jedoch immer gleich: Die separate Verstärkung und Signalbearbeitung der beiden Pickups.

  • zweikanaliger Pearce BC1 Preamp mit spezieller Modifikation
  • Diverse Ampeg SVT-Topteile und 8x10er-Boxen
  • Ampeg SVT Pro 4 Amps
  • Verschiedene Hartke-Amps und -Boxen (1×15 und 4×10)
  • Line 6 Helix (inklusive Emulationen von Billys Original-Equipment)
Billy Sheehan Yamaha Bass
Das “Drumherum” wechselte häufig, doch Billys Zusammenarbeit mit Yamaha währt nun schon seit Jahrzehnten. (Bild: Alamy Stock Foto / ZUMA Press, Inc.)

Billy Sheehan ist nicht bekannt dafür, im großen Stile Effekte zu benutzen. Integraler Bestandteil seines Sounds ist aber eine deutlich hörbare Kompression (Ashley Audio Rack Units, MXR oder Keeley Pedale) gepaart mit Overdrive in unterschiedlicher Intensität. Nur höchst selten ist er mit einem wirklich cleanen Sound zu hören. Ab und an gesellt sich ein Chorus oder Reverb dazu, das war es aber auch schon.

Billys zwei favorisierten Effekte haben die Sound-Spezialisten der schwedischen Company EBS im Billy Sheehan Ultimate Signature Drive zusammengeführt. Dies ermöglicht auch seinen Fans, in die Nähe seine Sounds zu kommen:

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Ebenfalls seit einer Ewigkeit setzt Billy auf die Saiten des britischen Traditions-Herstellers Rotosound. Um seinen speziellen Bedürfnissen gerecht zu werden, wurde ihm ein eigenes Signature Set auf den Leib geschneidert.

Für ein besonders fettes Low End ist hier die E-Saite etwas dicker, und für Techniken wie Tapping oder um die zahlreichen Bendings zu erleichtern, sind die G-, D- und A-Saite dafür etwas dünner als der Standard.

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Wir verneigen uns in Hochachtung vor deiner Lebensleistung, lieber Billy!

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