Zurzeit spiele ich ziemlich viele Livekonzerte – auf unterschiedlich großen Bühnen, in ganz verschiedenen Settings. Alles ist dabei: spontan, unverstärkt, Club, Festival. Dabei lerne ich ständig dazu. Aus diesen Erfahrungen ist auch meine aktuelle Liste mit den Hacks entstanden, auf die ich vor dem Auftritt schwöre.

- Sport machen – fit zum Auftritt
- Trinken – rechtzeitig ausreichend Flüssigkeit
- Notfallessen – die extra Portion Proteine
- Einsingen – niemals ohne Warm-up aus dem Haus
- Bandleading – Zuständigkeiten abgeben
- Rückfahrt – wer sitzt nachts hinterm Steuer?
- Notfalltasche – Dinge, die man auf der Bühne plötzlich braucht
- Packen – am Abend vorher
- FAQ
Sport machen – fit zum Auftritt
Am Auftrittsmorgen zum Sport zu gehen und ein leichtes Training zu absolvieren, bringt meinen Körper und meinen Geist in Schwung. Alle Muskeln werden bewegt, das Herz auf Touren gebracht und mein Körper ist danach so richtig wach. Gleichzeitig stärkt die Bewegung die Verbindung zwischen Kopf und Körper – läuft!
Entscheidet euch beim Krafttraining aber unbedingt für ein leichteres Gewicht, damit ihr die Muskeln anwerft, aber nicht auslaugt. Ich empfehle Ganzkörperübungen aus dem Functional- oder ein HIIT-Bereich auf einem nicht allzu hohen Level. Ein ausgiebiges Mobility-Warm-up vorab und ein anschließendes Dehnen solltet ihr außerdem nicht vergessen.

Wie Singen während der Bühnenperformance nicht zur körperlichen Grenzerfahrung wird.
Trinken – rechtzeitig ausreichend Flüssigkeit
Ausreichend zu trinken, ist natürlich immer wichtig. Am Auftrittstag ist es allerdings umso relevanter, damit eure Stimme optimal hydriert ist. Vor lauter Action oder Lampenfieber vergesse ich während des Aufbaus und des Soundchecks häufig das Trinken – bis ich mich daran erinnere, ist es dann oft fast zu spät, als dass mein Körper die Flüssigkeit noch rechtzeitig aufnehmen kann. Am besten ladet ihr euch eine Wasser-App aufs Handy, sodass ihr über den ganzen Tag verteilt genug Wasser trinkt. Eure Stimme wird es euch danken – denn auch eure Muskeln, Sehnen und Schleimhäute brauchen Flüssigkeit.

Die Stimme ist Teil des Körpers – logisch – und das bedeutet, dass der allgemeine Zustand des Körpers auch einen wesentlichen Einfluss auf die Funktion der Stimme hat.
Notfallessen – die extra Portion Proteine
Einen zweistündigen Auftritt ohne ausreichende Energiezufuhr zu absolvieren, kann mal gutgehen, ist gerade bei mehreren Gigs hintereinander aber alles andere als clever. Für mich hat sich ein ausgewogenes Frühstück, zum Beispiel Porridge mit veganem Eiweißpulver, Mandelmus, Banane und Skyr, sowie ein proteinreiches Mittagessen vor der Abfahrt bewährt. So habe ich schon mal zwei große Portionen Proteine intus. In meiner Notfalltasche habe ich außerdem immer Seitanwürstchen, da ich kein Fleisch esse. Wenn es im Club dann Reis und Gemüse oder Pizza gibt, kommen die Würstchen zum Einsatz – lecker ist das natürlich, aber es hält nicht lange satt. So bin ich zufrieden, esse weniger Süßes (am besten aus dem Catering streichen) oder belegte Brötchen und gehe mit maximaler Power auf die Bühne.
Einsingen – niemals ohne Warm-up aus dem Haus
Wie ich schon in verschiedenen Artikeln erwähnt habe: Ich verlasse niemals unaufgewärmt das Haus. Den körperlichen Teil meines Vocal-Warm-ups habe ich ja bereits morgens durch den Sport abgedeckt. Bevor ich losgehe, checke ich meinen Zustand trotzdem nochmal kurz ab und mache meine Lieblings-Warm-up-Übungen durch alle Lagen, Sounds und Dynamiken. So kann es mir nicht passieren, dass ich beim Soundcheck schon zu viel Energie verpulvere und meine Stimme darunter leidet. Außerdem bin ich davor gefeit, dass die Zeit zwischen Soundcheck und Show zu knapp wird. Das passiert öfter, als mir lieb ist: Dann muss ich meine Stimme neben Essen, Umziehen und vielleicht noch dem Merch-Aufbau irgendwie fit kriegen.

Grundlegendes und wertvolle Tipps für ein gelungenes Warm-Up.
Bandleading – Zuständigkeiten abgeben
Viele Sänger*innen fungieren gleichzeitig als Bandleader*innen – und diese Rolle nimmt unmittelbar vor dem Auftritt kostbare Zeit in Anspruch. Ihr müsst an 1.000 weitere Dinge denken: Habt ihr die GEMA-Liste dabei? Sind die Setlisten verteilt? Wer filmt den Soundcheck und ein paar Backstage-Szenen für Social Media mit? Habt ihr die Newsletterlisten dabei? Stehen Getränke für alle auf der Bühne? Wer macht die Abfrage für die Gästeliste?
Versucht nicht, alles alleine zu wuppen. Delegiert einzelne Aufgaben an eure Band. Wenn ihr das nicht wollt, bestimmt ihr einen Ansprechpartner aus der Band für die letzte halbe Stunde vor dem Konzert. Dann könnt ihr einmal richtig durchatmen und runterkommen.

Für einen guten Soundcheck gibt es Regeln. Dreizehn Stück davon, mit Schwerpunkt Gesang, findet ihr in diesem Feature.
Rückfahrt – wer sitzt nachts hinterm Steuer?
Wie oft habe ich vergessen, diese Frage schon während der Hinfahrt zum Gig zu klären. Macht das unbedingt, wenn ihr Mitfahrer*innen habt. Nach dem Gig ist es dafür nämlich meistens zu spät. „Oh, hab’ ich gar nicht drüber nachgedacht“ oder „Ich dachte, du fährst“ sind so die Standardausreden – egal, wie oft ihr genau diese Situation schon in der Band hattet. Täglich grüßt das Murmeltier. Deswegen: Klärt das, bevor ihr den Club betretet. Ihr dürft euch auch mal nach Hause fahren lassen und müsst nicht noch todmüde andere durch die Nacht kutschieren.
Notfalltasche – Dinge, die man auf der Bühne plötzlich braucht
Ein Notfall-Klinkenadapter von klein auf groß für die In-Ear-Kopfhörer.
Wäscheklammern, falls ihr Open Air spielt und mit Noten unterwegs seid.
Ersatzkontaktlinsen. Besser ist das.
Kopfschmerztabletten. You (oder deine Bandkolleg*innen) never know.
Gaffa. Braucht man immer – für alles, was nicht hält oder kaputt gehen könnte.
Eine 9-Volt-Block-Batterie für eure Effektpedale und eine Knopfzelle für den Tonabnehmer eurer Westerngitarre.
Stifte und Papier. Versteht sich von selbst.
Wechselgeld für die Merchkasse.
Dreier-Steckdose. Falls ihr ein zusätzliches Instrument spielt.
Ersatz-Ladekabel oder Powerbank für euer Smartphone.
Ersatzoutfit oder -teile wie Strumpfhose. Falls ihr euch auf einmal mit eurer Outfitauswahl unwohlfühlt oder die Strumpfhose irgendwo hängen bleibt.
Und natürlich ein Multitool wie einen Leatherman. Damit beeindruckt ihr immer.

Was haben hohe Schuhe mit eurer Gesangstechnik zu tun? Und warum gibt es in High Heels auf der Bühne nur Hop oder Top? 10 Tipps für alle, die hoch hinaus wollen.
Packen – am Abend vorher
Das Packen am Vorabend nimmt denn Stress am Auftrittstag. Wenn ihr was vergessen habt, fällt es euch noch rechtzeitig ein. Das mach ich übrigens nicht nur bei Gigs so, sondern auch bei Reisen. Ich lege alle Sachen auf das Sofa in meinem Arbeitszimmer, drucke die Setlisten aus, packe das Merch und meine Gitarre inklusive Effektboard, hole das Newsletterbuch, lege meine Outfits, mein Mikro, Kabel, eventuell Texte und besagte GEMA-Liste für den oder die Veranstalter*in raus. Außerdem checke ich, ob ich alle wichtigen Telefonnummern im Handy habe – genauso wie die Verkehrsprognose. So muss ich am Auftrittstag nur noch mal drüber schauen und habe eine Packkontrolle, wenn ich alle Dinge in meinen Taschen verstaue.

Vom Winde verweht – wie ein Open Air trotz widriger Umstände ein Erfolg wird
FAQ
Warum ist Sport vor einem Auftritt sinnvoll?
Leichtes Training am Auftrittstag bringt den Kreislauf in Schwung, aktiviert die Muskulatur und verbessert die Verbindung zwischen Körper und Stimme. Wichtig ist, nicht zu intensiv zu trainieren, um die Muskeln nicht zu ermüden.
Wie wichtig ist Hydration für die Stimme?
Sehr wichtig: Ausreichendes Trinken sorgt dafür, dass die Schleimhäute gut befeuchtet sind und die Stimme belastbar bleibt. Am besten über den ganzen Tag hinweg regelmäßig Wasser trinken, nicht erst kurz vor dem Auftritt.
Was sollte man vor einem Konzert essen?
Eine ausgewogene, proteinreiche Ernährung gibt Energie für den Auftritt. Empfehlenswert sind ein gutes Frühstück und ein nahrhaftes Mittagessen sowie ein kleiner Notfallsnack für später, um Leistungseinbrüche zu vermeiden.
Warum ist Einsingen vor dem Auftritt unverzichtbar?
Ein gezieltes Warm-up bereitet die Stimme vor. So reduziert man das Risiko von Überlastung und kann beim Soundcheck und Auftritt kontrollierter singen.
Wie reduziert man Stress vor dem Gig effektiv?
Durch gute Vorbereitung und klare Aufgabenverteilung. Dinge wie Packen am Vorabend und das Delegieren von Aufgaben in der Band helfen, Zeitdruck zu vermeiden und entspannter auf die Bühne zu gehen.























