Mit dem Fractal Audio AM4 legt der US-amerikanische Effektspezialist seinen bislang kompaktesten Amp-Modeler aufs Parkett. Die Floorboard-Einheit bietet die Amp-Modeling-Technologie des Axe-Fx III und kombiniert sie mit DynaCab-Speakersimulationen, IR-Slots und einer gigantischen Auswahl hochwertiger Effekte. Im Gegensatz zu FM3, FM9 oder Axe-Fx III setzt Fractal Audio jedoch auf eine bewusst vereinfachte Architektur mit vier Effektblöcken. Damit richtet sich das AM4 an Gitarristen, die den charakteristischen Fractal-Sound suchen, aber auf ein handliches Format und geradlinige Bedienung setzen.

- erstklassige Amp-, Cab- und Effekt-Sounds
- ausgezeichnetes Spielgefühl
- kompakte und robuste Bauweise
- umfangreiche Anschlussmöglichkeiten
- vier Scenes pro Preset und vier Channels pro Block
- (keins)
Fractal Audio AM4: kompakter Amp-Modeler mit übersichtlicher Bedienung
Das AM4 steckt in einem pulverbeschichteten Metallgehäuse mit den Maßen 254 × 160 × 75 mm. Damit beansprucht das Pedal deutlich weniger Platz als die größeren Brüder FM3 oder FM9 und eignet sich sowohl als eigenständige Bodenlösung als auch zur Integration auf einem Pedalboard. Die Bedienoberfläche wirkt übersichtlich: Links sitzt ein großer Level-Regler für die Haupt- und Kopfhörerausgänge, während in der Mitte ein hochauflösendes Farbdisplay thront. Darunter befinden sich vier Endlosregler sowie ein Select-Encoder zur Navigation durch Menüs und Parameter. Sechs Taster übernehmen Funktionen wie Home, Save, Page, Enter und Exit. In der hinteren Reihe finden sich vier konfigurierbare Fußschalter mit farbigen LED-Balken.
Umfangreiche Anschlüsse für Bühne, Studio und Pedalboard
Die Rückseite ist trotz der kompakten Abmessungen ziemlich üppig bestückt. Neben dem Instrumenteneingang stehen zwei symmetrische TRS-Ausgänge bereit, über die sich das AM4 mit passenden TRS-Kabeln ohne zusätzliche DI-Box direkt an ein Mischpult oder Audio-Interface anschließen lässt. Ein XLR-Ausgang wäre aus meiner Sicht dennoch komfortabler gewesen – nicht aus klanglichen Gründen, sondern weil Tontechniker in Live-Situationen meist ausreichend XLR-Kabel zur Hand haben. Passende TRS-auf-XLR-Kabel sind dagegen nicht immer verfügbar, sodass unter Umständen doch eine DI-Box benötigt wird. Das ist allerdings Kritik auf sehr hohem Niveau.
Ein Stereo-FX-Loop ermöglicht zudem das Einschleifen externer Effektgeräte. Der Einschleifweg sitzt unmittelbar vor den Hauptausgängen und lässt sich weder verschieben noch separat aktivieren. Diese feste Positionierung erscheint jedoch durchaus sinnvoll, da so kein zusätzlicher Effektblock für einen flexibel platzierbaren Einschleifweg „verbraucht“ wird. Hinzu kommen ein 3,5-mm-Kopfhörerausgang, zwei Anschlüsse für Expression-Pedale oder externe Taster, SPDIF-In und -Out sowie MIDI-In und -Out im 3,5-mm-TRS-Format. Die Stromversorgung übernimmt das mitgelieferte 9-Volt-Netzteil mit 1,5 A. Besonders clever ist die Auto-Z-Funktion des Instrumenteneingangs, die die Eingangsimpedanz automatisch anpasst.
Was steckt im kompakten Vier-Block-System des Fractal Audio AM4?
Die Architektur des AM4 zeigt sich gegenüber den frei konfigurierbaren Grids der größeren Fractal-Systeme reduzierter, dadurch aber auch deutlich geradliniger. Ein Preset setzt sich aus vier seriell angeordneten Blocks zusammen. Zur Auswahl stehen Amp, Chorus, Compressor, Drive, Delay, Enhancer, Filter, Flanger, Gate, grafischer und parametrischer EQ, Phaser, Reverb, Rotary, Tremolo, Volume und Wah. Im Amp-Block ist die Cab-Simulation bereits integriert, die sowohl Impulsantworten unterstützt als auch die flexiblen DynaCabs anbietet.
Vier Channels, vier Scenes – maximale Flexibilität trotz Limit?
Jeder Block verfügt über vier Channels. Ein Amp-Block kann somit vier unterschiedliche Verstärker- und Boxenkombinationen bereitstellen. Über die vier Scenes lässt sich anschließend festlegen, welcher Channel pro Block aktiv ist und welche Effekte ein- oder ausgeschaltet werden. Trotz der begrenzten Blockzahl bietet dieses Konzept eine erstaunlich hohe Flexibilität. So kann ein einziges Preset beispielsweise einen Clean-Amp, einen britischen Crunch-Sound, einen Plexi und einen High-Gain-Verstärker enthalten. Auch innerhalb einzelner Module finden sich einige „versteckte“ Zusatzfunktionen: der Amp-Block bietet unter anderem wählbare Boosts und einen EQ, während die Cab-Sektion einen regelbaren Raumhall bereithält.
Die Delay-Modelle verfügen zudem über Modulationsparameter, während einige Reverb-Typen weit über klassische Hallanwendungen hinausgehen. Zusätzlich zu den vier Blocks besitzt jedes Preset ein eigenes Input Gate, einen Master-EQ und separate Volume-Optionen. Die Gesamtlautstärke hinter dem Amp-Block lässt sich darüber hinaus global per Expression-Pedal steuern, ohne dafür weitere Blocks zu belegen. Klar: Wer mehrere Modulations- und Delay-Blöcke, komplexe Parallelroutings oder einen Looper benötigt, ist mit dem FM3, FM9 oder Axe-Fx III besser bedient. Für ein klassisches Gig-Rig sind die Möglichkeiten aus meiner Sicht jedoch mehr als ausreichend.
Wie steuert man Presets, Scenes und Effekte?
Fractal Audio stellt fünf Fußschaltermodi bereit: Presets, Scenes, Effects, Tuner/Tempo und Amp Mode. Über Kombinationen aus jeweils zwei Fußschaltern lassen sich wichtige Bereiche direkt aufrufen. Im Preset-Modus wählen die vier Schalter die Speicherplätze einer Bank an, während längeres Drücken des ersten oder vierten Tasters die Bänke wechselt. Im Scene-Modus ruft jeder Schalter eine der vier Scenes auf. Der Effects-Modus schaltet analog zu einem Pedalboard die vier Blocks ein und aus. Hält man einen Fußschalter gedrückt, lassen sich zusätzlich die vier Channels des jeweiligen Blocks auswählen. Im Amp-Mode übernehmen die vier Fußschalter direkt die Auswahl der vier Amp-Channels. Ein weiterer Tritt auf den bereits aktiven Kanal schaltet den integrierten Ausgangs-Boost ein. Die Mehrfachbelegung der vier Fußschalter erfordert anfangs etwas Eingewöhnung, bietet danach jedoch einen sehr flexiblen Zugriff auf die wichtigsten Funktionen.

Wie intuitiv lassen sich Amps, DynaCabs und Effekte editieren?
Die Bedienung des AM4 gestaltet sich ziemlich intuitiv und stellt gegenüber den Fractal-Geräten der ersten beiden Generationen ein deutliches Upgrade dar. Insgesamt muss man jedoch klar festhalten, dass das Sound-Tweaking direkt am Gerät immer noch komplex werden kann, möchte man die volle Tiefe der Möglichkeiten ausschöpfen. Dafür ist eine gewisse Einarbeitungszeit nötig, zumal sich der Workflow von vielen Modelern spürbar unterscheidet.
Die Amp-Auswahl umfasst 250 Modelle und deckt amerikanische Blackface- und Tweed-Amps ebenso ab wie britische Class-A-Schaltungen, Plexis, Boutique-Verstärker und moderne High-Gain-Varianten. Zu den Modellen gesellen sich auch Bass-Amps und ein neutraler Tube-Preamp, beispielsweise für die Verwendung mit akustischen Instrumenten. Besonders anwenderfreundlich ist die Editierstruktur: Wer nicht tief ins Tweaking einsteigen möchte, stellt den Grundsound über klassische Amp-Regler ein – ganz so, wie man es von einem echten Verstärker kennt. Für detailliertere Eingriffe stehen ein integrierter grafischer Equalizer sowie der Expert-Edit-Modus mit unzähligen Parametern wie Sag, Variac oder Preamp-Boost bereit.
Die Cab-Sektion bietet mehr als 45 DynaCab-Modelle. Dabei lassen sich zwei virtuelle Boxen beziehungsweise Mikrofone parallel nutzen, pannen oder miteinander mischen. Mikrofontyp, Position und Abstand können dabei grafisch angepasst werden. Zusätzlich stehen 256 Speicherplätze für eigene Impulsantworten im Standard- oder UltraRes-Format zur Verfügung. Auch die Effektsektion ist umfangreich ausgestattet und bietet die klassischen Kategorien in zahlreichen Varianten, darunter z. B. 78 Drive-Modelle und 79 Reverb-Typen. Die Editiertiefe fällt auch hier enorm aus, bleibt aber optional: Wer schnell zum Ziel kommen möchte, kommt mit den Basisparametern aus, während erfahrene Nutzer immense Möglichkeiten zur Klangformung erhalten.
Was bieten AM4-Edit, Block Library und USB-Audio-Interface?
Noch komfortabler gestaltet sich die Bearbeitung mit der kostenlosen Software AM4-Edit, die aus meiner Sicht zu den besten Editoren auf dem Multieffektmarkt zählt. Presets und Scenes lassen sich übersichtlich editieren, Blocks per Drag-and-drop anordnen und User Cabs verwalten. Darüber hinaus bietet der Editor Funktionen wie das Kopieren einzelner Blocks und Channels sowie das Austauschen von Scenes. Besonders praktisch ist die Block-Library, mit der sich bereits konfigurierte Amp- und Effektblöcke als Templates speichern und in anderen Presets wiederverwenden lassen. Über USB-C übernimmt das AM4 zudem die Rolle eines 24-Bit/48-kHz-Audio-Interfaces mit jeweils vier Ein- und Ausgängen. Das bearbeitete Signal und eine trockene DI-Spur lassen sich parallel aufnehmen, sodass Reamping direkt aus der DAW zurück in den AM4 möglich ist.

