Unser Autor Fritz Steger hat seit Anfang des neuen Jahrtausends in Vertrieb und Produktentwicklung der Firma Premier gearbeitet und die Entwicklung dieser Zeit bis ins Jahr 2020 hautnah miterlebt. Was das Besondere an Premier Drums ist und warum die Marke – wie so viele andere legendäre Drum Brands – scheiterte, erfahrt ihr hier.

- Die Premier-Story begann in den 1920er Jahren
- Das Aufkommen des Jazz feuerte die Nachfrage nach Premier Drums an
- Der Neubeginn nach dem 2. Weltkrieg
- Steiler Aufstieg in den 1960er-Jahren
- Nicht nur Ringo spielte Premier Drums
- Höher, schneller, weiter – 1977 entstand eine gigantische neue Fabrik
- Dunkle Wolken aus Fernost
- Der Niedergang der Traditionshersteller
- Ausgerechnet die Japaner retteten Premier Drums
- Die 1990er Jahre: Erfolge und Niederlagen wechseln sich ab
- Trotz aller Bemühungen spitzte sich die Krise ab 2008 zu
- Nach einem letzten Aufbäumen endete die Premier-Story im Jahr 2021
Die Premier-Story begann in den 1920er Jahren
Als in London nach dem 1. Weltkrieg das gesellschaftliche Leben langsam zurückkehrte, hielt auch die Jazzmusik Einzug. Ein 19-jähriger Schlagzeuger namens Albert Della Porta war mit der Qualität der damals verfügbaren Instrumente, die noch vollumfänglich auf Militärmusik ausgerichtet war, unzufrieden. Im Frühjahr 1922 nahm er einen Teilzeitjob bei der der Firma Boyle Drums an, um so die Zeit ohne Gigs zu überbrücken. Er sah seine Zukunft in der Schlagzeugindustrie, wo er hoffte, einige seiner Iden einfließen lassen zu können. Doch Boyle zeigte sich von Della Portas Einfällen wenig beeindruckt – im Gegensatz zu seinem Produktionsleiter George J. Smith, der ihn überzeugte, sich selbständig zu machen. Im Oktober 1922, mit 27 Pfund Startkapital, mieteten Albert und George einen Keller in der 42 Berwick Street im Londoner Stadtteil Soho.
Tagsüber arbeitete Albert in der Entwicklung neuer Instrumente und wurde nach Feierabend von George – nach dessen Tagesarbeit bei Boyle – in der technischen Umsetzung dieser unterstützt. Nach kurzer Zeit stieß Alberts jüngerer Bruder Fred, ein Saxophonist, zu ihnen, der die Verwaltung der Finanzen übernahm. Bereits zwei Jahre später konnten sie ihren Betrieb vergrößern. Hätte Albert seine Firma Della Porta genannt, so hätte er sich in die illustre Reihe der amerikanischen Hersteller Ludwig, Slingerland und Gretsch – die jeweils den Nachnamen ihres Firmengründers trugen – einreihen können. Aber er entschied sich für die Bezeichnung Premier Drums, um die hohe Qualität seiner Instrumente hervorzuheben.

Das Aufkommen des Jazz feuerte die Nachfrage nach Premier Drums an
Zunächst produzierte Premier Instrumente hauptsächlich für Großhändler, welche die Produkte mit ihrem Namen ausstatteten, maßgeblich für John E. Dallas mit seiner Marke Jetson Drums. Doch im Jahr 1925 entschloss sich Della Porta, seine Produkte selbst unter dem Namen Premier Drums anzubieten und auch direkt an Endkunden zu verkaufen. Die Produktion bezog zunächst Räumlichkeiten im Stadtteil Elephant and Castle im Südosten Londons, später im Park Royal im Westen Londons, während die Verkäufe von einem Showroom in der Nähe des Piccadilly Circus getätigt wurden.
Die Geschäfte liefen sehr gut, denn die Begeisterung für Jazzmusik steigerte die Nachfrage nach Trommeln und in den Stummfilmkinos bestand ein großer Bedarf an Perkussionsinstrumenten. Der Einzug des Tonfilms setzte dieser Entwicklung jedoch ein jähes Ende. Um dem entgegenzuwirken, brachte Premier sein eigenes Magazin „The Drummer“ heraus, um Schlagzeuger für die Marke zu begeistern. Im Jahr 1937 wurde die günstigere Olympic-Linie für Einsteiger ins Leben gerufen. Außerdem wurde die Produktpalette um Blasinstrumente und – für damalige Verhältnisse der Zeit weit voraus – um Solid Body Elektrogitarren unter dem Namen Premier Vox erweitert.

Der Neubeginn nach dem 2. Weltkrieg
Der 2. Weltkrieg brachte einige Veränderungen für Premier mit sich. Zeitweise musste man auf die Produktion von Schlaginstrumenten verzichten. Stattdessen wurden Visiereinrichtungen für Panzerabwehrraketen und Halterungen für Radargeräte hergestellt. Fred Della Porta sagte einmal: “ Der Krieg brachte uns etwas Wichtiges – Präzision! Alles musste genau sein, da war kein Raum für Ungenauigkeit“. Die Fabrik in Park Royal wurde im September 1940 zerstört. Das Ministerium für Versorgung siedelte Premier daraufhin im Ort Wigston in der Nähe der Stadt Leicester an.
George J. Smith zog sich 1956 aus dem Geschäft zurück, doch Albert und Fred Della Porta trieben, gemeinsam mit Alberts Sohn, dem jungen Ingenieur Clifford Della Porta, die Entwicklung des Unternehmens und des Exports voran. In dieser Zeit entstanden Details, welche für die nächsten Jahrzehnte das Gesicht der Marke prägen sollten. Dazu gehörten die stabile Flush-Base Hardware, die Kesselhardware im Design des Art Déco mit den optisch sehr gelungenen Guss-Spannreifen und das „All Chrome Plating“, für welches Premier weltweit höchste Anerkennung bekam. Das Metall wurde vor der Verchromung poliert, dann verkupfert, dann vernickelt und zum Schluss verchromt und nach jedem Vorgang nochmals poliert. Dieses aufwändige Verfahren sorgte für einen brillanten und tiefen Chromglanz mit extrem guter Haltbarkeit.

Steiler Aufstieg in den 1960er-Jahren
Im Jahr 1958, nur wenige Monate nach Remo, brachte auch Premier ein Kunststofffell auf den Markt. Gefertigt war das auf den Namen Everplay getaufte Fell aus der von der Firma ICI entwickelten Polyesterfolie Melinex. Im gleichen Jahr erwarb Premier die Beverley Drum Company, die parallel zu den Marken Premier und Olympic vermarktet wurde. Auch im Bereich Beckenproduktion war Premier mit den Marken Krut (rückwärts gelesen: Turk), Zyn und Super Zyn vertreten.
Die Royal Ace Snare mit ihrem doppelten Snareteppich „Double Ten“ und Parallelabhebung wurde von vielen bekannten Schlagzeugern rund um den Erdball gespielt, genauso wie das 250 Bassdrum-Pedal. Doch die Schlagzeuge stellten nur einen Teil der Produktion dar. Andere erfolgreiche Zweige waren Marching- und Pipe Band Trommeln, Symphonic Percussion sowie die musikalische Schulerziehung.
Albert Della Porta starb im Jahr 1965. Somit erlebte er nicht mehr das für Keith Moon aufwändig mit Pin-Ups der viktorianischen Schauspielerin Lillie Langtry gestaltete „Pictures of Lily“ Drumset, welches zu seiner Zeit das meistfotografierte Schlagzeug der Welt war. Er erlebte auch nicht, wie Moon es in der US-Fernsehshow „The Smothers Brothers“ in die Luft jagte. Und er erlebte nicht, dass seiner Firma ein Jahr nach seinem Tod der Queen’s Award der Industry für herausragende Exportleistungen verliehen wurde.

Der 1965 ins Leben gerufene Preis ist die höchste Auszeichnung Großbritanniens für Unternehmen mit außergewöhnlichem Wachstum bei Auslandseinnahmen und internationalem Handel. Premier exportierte zu dieser Zeit 50% seiner Produkte in über 120 Länder. Leider erlebte der Firmengründer auch nicht die im gleichen Jahr vorgestellte 2000 Snare Drum, die einen weiteren Meilenstein in der Firmengeschichte markierte. Doch Clifford und seine beiden Brüder Gerald und Raymond führten die Geschicke von Premier in Alberts Sinne fort.
Nicht nur Ringo spielte Premier Drums
Viele berühmte Drummer der Nachkriegszeit spielten Premier Drums, darunter auch die amerikanischen Bop-Drummer Art Blakey, Kenny Clarke und Philly Joe Jones. Als die Beat- und Rockmusik zu Beginn der 1960er Jahre die Welt eroberte, war Premier mit Namen wie Keith Moon (The Who), Bobby Elliot (The Hollies) und Kenny Jones (The Small Faces) gut vertreten. Selbst Ringo Starr begann seine Karriere bei den Beatles auf einem Mahogany Duroplastic Premier Set.
Hätte er sich nicht in das Finish Black Oyster Pearl der Firma Ludwig verliebt, das Premier nicht im Programm hatte, wäre die Geschichte der Firma Premier sicherlich etwas anders verlaufen. Doch darf man das sicherlich nicht überbewerten. Denn selbst wenn Ludwig durch den Erfolg der Beatles ein exorbitantes Wachstum verzeichnen konnte, so ereilte sie gegen Anfang der 1980er Jahre das gleiche Schicksal wie ihre Mitbewerber – dazu später mehr.
Höher, schneller, weiter – 1977 entstand eine gigantische neue Fabrik
Fred Della Porta zog sich 1972 aus dem Geschäft zurück. Die Entstehung einer neuen Musikrichtung ab Mitte der 1970er-Jahre prägte das Image und die Markenbildung von Premier in diesem Jahrzehnt maßgeblich: Punkrock eroberte die britische Musikszene im Sturm und brachte Bands hervor, die typischerweise Instrumente aus ihrem Heimatland spielten, wodurch Premier eng mit dieser Szene verbunden war. Rick Buckler von The Jam gilt hier als prominentes Beispiel, aber auch Paul Thompson (Roxy Music) und John Coghlan (Status Quo) waren berühmte Premier-Endorser. Dazu gesellten sich internationale Top-Drummer wie Clem Burke (Blondie) oder Phil Collins (Genesis) und wurden zum Aushängeschild des Unternehmens, wodurch die Entwicklung und das Wachstum von Premier-Schlagzeugen auf ein ganz neues Niveau gehoben wurden.
Diesem Erfolg geschuldet, bezog Premier im Jahr 1977 eine moderne Fabrik an der Blaby Road, deren Wahrzeichen ein markanter Turm mit einem Schlagzeug in der gläsernen Spitze darstellte. Auf gut 10.000qm Grundfläche stellten bis zu 450 Arbeiter nun Premier-Instrumente her. Die neue Fabrik ermöglichte einige innovative Neuerungen, allen voran das Resonator-Drumset (eine „Kessel-im-Kessel“ Konstruktion), das vom Schlagzeugbauer Alan Gilby entwickelt wurde. Daneben gab es die Elite-, Soundwave- und Club-Serien, mit denen Premier viele Stile und Bedürfnisse abzudecken vermochte.
Auch das Hardware-Sortiment wurde erweitert, um den Anforderungen moderner Spielstile gerecht zu werden. Die neue Trilok-Hardwareserie und das 252 Bassdrum-Pedal sollten eine robustere und stabilere Option für die immer kräftigere Spielweise auf immer ausladender werdenden Schlagzeugen bieten.

Dunkle Wolken aus Fernost
Doch genau hier begannen die Probleme für den britischen Traditionshersteller, denn die Fabriken in Fernost, die Premier sowie die meisten anderen Hersteller dieser Zeit in den Abgrund treiben sollten, arbeiteten bereits auf Hochtouren. Die neue Konkurrenz kam nicht auf einen Schlag und als man sie endlich bemerkte, war es bereits zu spät. Statt auf neue Technologien, progressive Marketingstrategien oder Verlagerung von Arbeitsplätzen zu investieren, hatte sich Premier ein Denkmal gesetzt. Eine gigantische Fabrik um veraltete Technologie und Strukturen. Die Fabrik, die die Zukunft der Firma für Generationen sichern sollte, war veraltet, zu groß und viel zu teuer. Ab hier nahm das Drama seinen Lauf.
Bereits 1973 hatte Pearl einen Teil seiner Produktion von Japan nach Taiwan verlegt und konnte damit die Produktionskosten effizient verringern. Weitere Hersteller folgten diesem Beispiel. Wurden die Hersteller aus Fernost, die zunächst noch die Vorbilder aus dem Westen kopierten, von den westlichen Herstellern anfangs milde belächelt, konnten sie dennoch mit modernen und preisgünstigeren Produktionsmethoden, aggressiven Endorser-gesteuertem Marketing und innovativem Design allmählich die Oberhand gewinnen.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenDer Niedergang der Traditionshersteller
Im Jahr 1974 hatte der japanische Hersteller Hoshino Gakki seine Schlagzeugmarke Star in Tama unbenannt und völlig neu aufgestellt. Die neuen Linien Imperialstar und Superstar schlugen ein wie eine Bombe und erlangten durch Top-Endorser wie Billy Cobham, Stewart Copeland und Neil Peart schnell eine breite Sichtbarkeit. Yamaha stellte kurz darauf die YD-9000 Serie vor, die bald zum Studio-Drumset Nummer 1 werden sollte und dadurch den Beinamen Recording Custom bekam. Doch vor allem zeigten diese Hersteller den Willen zu echten Innovationen und waren bereit, Schlagzeugern mit ihren Wünschen und Vorstellungen zuzuhören und diese auch zu erfüllen.
Probleme beim Aufbau der damals riesigen Trommelbatterien löste Tama mit seinem Multiclamp System, Pearl führte bald darauf das erste Drumrack ein. Gegen die neue Konkurrenz wirkte Premier mit seinen Art Déco Elementen, welche der Firma jahrzehntelang ihr Gesicht gegeben hatten, nun altmodisch und auf liebenswerte Weise schrullig.

Auch Rogers und Slingerland gerieten unter Druck
Doch wie zuvor erwähnt, stand Premier mit diesen Problemen nicht alleine da. Auch andere Traditionshersteller gerieten unter massiven Druck. Rogers und Slingerland verschwanden von der Bildfläche. Gretsch führe jahrelang ein Schattendasein, Sonor wurde an Hohner verkauft, die wiederum ein paar Jahre später an die taiwanesische KHS-Gruppe. Und auch Ludwig, der bis dato wichtigste amerikanische Hersteller für Schlagzeuge, wurde an Selmer verkauft. Ludwig verfügte über einen Stall der 400 wichtigsten Endorser der damaligen Zeit, welche sie stolz auf ihrem „Stable of Stars“-Plakat präsentierten.
Die neue Geschäftsleitung verfügte, dass man den Endorser-Rooster auf 30 Schlagzeuger verkleinert. Auf einen Schlag wurden an die 400 Topdrummer freigesetzt und die Hersteller aus Fernost gaben ihnen bereitwillig eine neue Heimat. Ian Paice ging zu Pearl, Cozy Powell, für ein paar Motorräder als Gegenleistung, zu Yamaha, während die Firma Premier durch den Tod von Keith Moon ihren wichtigsten Botschafter verlor. Und der berühmte Drumbreak des Phil Collins Songs „In the Air Tonight“ ertönte fortan von einem Gretsch Drumkit.

Ausgerechnet die Japaner retteten Premier Drums
Der Verkauf von Ludwig traf Premier besonders hart, denn Selmer war ihr äußerst erfolgreicher US-Importeur. Für ein Unternehmen, das zu 50% vom Export lebte, ein harter Schlag, den US-Markt von einem Moment auf den anderen zu verlieren. Der nachfolgende Importeur konnte an die Zahlen von Selmer nicht ansatzweise anknüpfen. Im Oktober 1983 meldete Premier nach über 60 Jahren in Familienbesitz den Konkurs an. Einem Team ehemaliger Premier-Mitarbeiter gelang es, unter Führung der Royal Bank of Scotland eine Auffanggesellschaft zu gründen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Marke noch einen britischen Marktanteil von 27%. Doch die neue Firma war kategorisch unterfinanziert auf einem Markt, der sich schneller veränderte als Premier ihm folgen konnte.
Die Firma Yamaha suchte zu dieser Zeit einen Produktionsstandort in Europa, um ihre Marktanteile in Europa zu vergrößern sowie Frachtkosten und Zölle zu sparen. Premier-Geschäftsführer Tony Doughty handelte ein Abkommen aus und im Oktober 1987 fusionierten die Firmen Yamaha und Premier. Yamaha steuerte das nötige Kapital für die dringend anstehende Modernisierung der Firma bei. Neue Produktionsstraßen mit dem Yamaha Air Seal System zur Herstellung moderner Kessel wurden montiert, die Arbeitskräfte im japanischen Hamamatsu geschult. Yamaha im Gegenzug profitierte von Premiers Erfahrung in der Verchromung, wodurch sie ihre eigene Chromqualität verbessern konnten.
Die beiden Herstellerlinien blieben jedoch eigenständig in Herstellung, Marketing und Verkauf. So gelang Premier zunächst erneut der Anschluss an den Schlagzeugmarkt. Gleichzeitig stellte Yamaha die speziell für Europa entwickelte Power V-Serie sowie europäische Versionen des Rock Tour- und des Recording Custom in Leicester her. Die vergleichsweisen hohen Produktionskosten in Europa stellten jedoch für sie ein zunehmendes Problem dar. Im Jahr 1992 verließ Yamaha Europa und überließ Tony Doughty die neuen Produktionsanlagen ohne Gegenleistung.
Die 1990er Jahre: Erfolge und Niederlagen wechseln sich ab
Noch im gleichen Jahr stellte die erstarkte Firma die neu designte Signia-Serie mit Ahornkesseln der Weltöffentlichkeit vor. Zwei Jahre später folgte die Genista-Serie mit Birkenkesseln. Beide Serien erfuhren weltweit eine große Anerkennung. Hergestellt in britischer Handwerkstradition mit japanischer Technologie von Arbeitern, die beide Qualitäten miteinander verbanden. Doch schon bald zogen erneut dunkle Wolken am Himmel auf. Im Jahr 1995 übernahm die Verity Group – eine britische Holdinggesellschaft, die in den 1990er Jahren eine bedeutende Rolle in der HiFi- und Audioindustrie spielte – die Geschicke bei Premier und verlegte die Hardwareproduktion nach Fernost, wodurch Premier ihr Alleinstellungsmerkmal des „All Chrome Plating“ einbüßte.

Allgemeine Qualitätsprobleme, strategische Fehlentscheidungen und ein häufig wechselndes, undurchsichtiges Portfolio prägten von nun an das Bild der Firma. Doch bereits nach wenigen Jahren entschloss sich die Verity Group, ihre Tochterfirmen außerhalb ihres Kerngeschäfts zu verkaufen. Der aus dem Dunstkreis der Bank of Scotland stammende Nigel Sims erzielte gegen Ende des Jahrtausends eine Vereinbarung zur Übernahme der Lizenzrechte und des Inventars. Schrittweise wurde die gesamte Produktion nach Fernost verlegt und die Fellproduktion wurde beendet.
Die Beckenherstellung war bereits in den 1980er Jahren eingestellt worden. Im Jahr 1925 hatte sich Albert Della Porta entschlossen, seine Instrumente nicht mehr an Großhändler zu verkaufen, die seine hochwertigen Instrumente unter ihrem Namen vertrieben, sondern seine Produkte ausschließlich selbst unter dem Namen Premier Drums zu verkaufen. Nun wurden minderwertige Instrumente unter dem Namen Premier verkauft.

Trotz aller Bemühungen spitzte sich die Krise ab 2008 zu
Das Werk in Wigston wurde 2008 endgültig geschlossen und die übrig gebliebene Belegschaft, die zu diesem Zeitpunkt aus etwa 15 Personen bestand, zog in den Industriepark in der Nähe der Ortschaft Kibworth. Unter Sims Führung entstand die Premier Series, die durchaus Anerkennung fand, jedoch nicht den erhofften Verkaufserfolg zu generieren vermochte. Erneut war die Firma hoffnungslos unterfinanziert. Das Geld fehlte an allen Ecken und Enden, was zu Lieferengpässen, mangelhafter Qualitätskontrolle und fehlenden Marketingbudgets führte.

Im Juli 2011 übernahm der britische Investor Ken Tonkin, der bereits eine ganze Reihe britischer Firmen erfolgreich saniert hatte, die Firma Premier. Im Dezember desselben Jahres wurde der Kauf des Custom-Herstellers KD Drums, hinter dem der angesehene Trommelbauers Keith Keough stand, sowie die Rückverlegung der Produktion der Topserien nach England bekannt gegeben. Keough war der Erste seit langer Zeit, der die Tradition der Marke verstand und unter dessen Leitung endlich wieder Trommeln entstanden, die den Namen Premier mit Stolz tragen durften. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass die Firma weiterhin an der notorischen Unterfinanzierung litt.
Von Anfang an wurde Keith Keough angehalten, KD-Komponenten zu verwenden. Seine Spitfire-Snares wurden unter dem Namen Premier neu aufgelegt, da kein Geld für neue Werkzeuge zur Verfügung stand. Seine Erklärungen, dass das nicht das sei, wofür Premier stand, fanden aber kein Gehör.
Nach einem letzten Aufbäumen endete die Premier-Story im Jahr 2021
Keith Keough war fest davon überzeugt, dass die Firma die ikonischen Designmerkmale wie die klassischen Spannböckchen oder- das rote „P“-Badge wieder aufnehmen müsse. Damals sagte er: „Als BMW Mini kaufte, machten sie daraus keinen BMW. Sie respektierten, was Mini ausmachte und modernisierten ihn für eine neue Ära.“ Genau darin lag seiner Meinung nach die Chance für Premier. Stattdessen fehlte es der gesamten Produktpalette an Kontinuität.

Ein gutes Beispiel dafür ist die damals aus der Not geborene One-Serie. Jede Trommel war ein Unikat, da verwendet wurde, was noch zur Verfügung stand, um Geld für die Entwicklung neuer Produkte zu generieren. Auch die mit dem Drummer Steve White entwickelte Modern Classic Serie entstand unter den gleichen Umständen und lediglich Keiths großer Kreativität ist es zu verdanken, dass einige Kenner der Szene das Modern Classic für das vielleicht beste Schlagzeug halten, das Premier je gebaut hat. Es erhielt im Jahr 2014 den MIA Award für das beste Schlagzeug des Jahres, zu dessen Verleihung der Erschaffer jedoch aus Kostengründen nicht kommen durfte. Ebenso konnten Entwürfe für neue Hardware und Kessel nicht mehr in die Tat umgesetzt werden.

Keough verließ im Juli 2015 die Firma und viele seiner Ideen flossen in die Schlagzeuge der von ihm gegründeten British Drum Company ein. Zuletzt bestand die einst so stolze Firma Premier aus vier Personen. Im Frühjahr 2021 kam es zu dem bis heute letzten Akt in diesem Drama, als Ken Tonkin die Firma an ein britisches Musikhaus verkaufte, das weiterhin fernöstliche Produkte unter britischer Flagge vertreibt. Heute steht auf dem Gelände der „Fabrik der Superlative“ ein Lidl Supermarkt. Nichts deutet mehr auf das Vermächtnis der Familie Della Porta hin, die Musikgeschichte schrieb und vielleicht einmal die besten Schlagzeuge der Welt baute.



























