Mit Swayed holt Stryde Audio die Sound-Engine des Yamaha SY77 erstmals als modernes Software-Instrument auf den Rechner. Die junge Firma aus den Niederlanden widmet sich damit einer der spannendsten Syntheseformen der späten 80er-Jahre: der erweiterten FM-Synthese in Kombination mit Sample-Playback.

Bei mir werden schnell Erinnerungen wach: In den frühen 90ern war ich live mit dem Yamaha SY99 unterwegs und habe Sounds für die damals aufkommenden Dance- und Techno-Produktionen programmiert. Umso mehr freue ich mich, diese leistungsstarke Engine endlich als Plugin nutzen zu können – ein kleines Wunder für mich.
Für die Jüngeren unter euch spulen wir kurz zurück: Der Yamaha SY77 und die Rack-Variante Yamaha TG77 kamen 1989 auf den Markt. Sie setzten damals auf eine hybride Klangerzeugung aus erweiterter FM-Synthese (AFM) und Sample-Playback (AWM). Trotz der bis zu 32-stimmigen Polyphonie und des integrierten Sequenzers verstand man das Instrument weniger als klassische Workstation, wie etwa die Korg M1, sondern mehr als vielseitigen Performance-Synthesizer.
Mit dem Yamaha SY99 folgte 1991 das Flaggschiff der Serie: mehr Tasten, eine deutlich erweiterte Effektsektion und endlich auch die Möglichkeit, eigene Samples zu importieren. Entsprechend groß war das Angebot an Soundbibliotheken. Und genau hier wird es spannend: Swayed verspricht, diese Inhalte nicht nur zu laden, sondern sie auch klanglich originalgetreu wiederzugeben. Ob das tatsächlich gelingt, klären wir in diesem Test.
- Sound-Engine des Yamaha SY77
- Import von SysEx Files
- Authentischer SY-Klang
- Günstiger Preis
- Zugriff auf viele Preset-Bibliotheken
- Programmierung komplex
DETAILS & PRAXIS
Welche Variante der FM-Synthese steckt hinter Swayed?
Wie sein prominentes Vorbild, der Yamaha SY77, kombiniert Swayed eine FM-Synthese aus sechs Operatoren und 45 Algorithmen (AFM) mit Yamahas Multisample-Playback-Engine (AWM2). Der Clou daran ist, dass man die Samples auch für FM-Operatoren nutzen kann

Bei den 112 Preset-Waveforms handelt es sich um eigens produzierte Multisamples, die die Wellenformen des SY77 überzeugend nachbilden – was nicht zuletzt auf rechtliche Gründen zurückzuführen ist. Swayed enthält die 81 Expansion Card Waveforms exklusiv. Ein Update für den Import eigener Samples ist bereits geplant.

Ansonsten bietet der Soft-Synth einen Dual Filter aus Tief-, Hoch- und weiterem Tiefpass. Für die Stereobreite gibt es ein dynamisches Panning mit 64 Hüllkurven, während das Effektsystem das Klangbild mit 44 Effekten abrundet.

Bedienung? Für Hardcore-User möglich!
Wie ihr es euch schon denken könnt: Man braucht schon einiges an Erfahrung, um sich die AFM-Synthese des Swayed erschließen zu können. Ihr werdet hier nämlich mit vielen Parametern und komplexen Strukturen konfrontiert. Immerhin gibt es Filter und Hüllkurven, mit denen ihr einige Presets abwandeln könnt. Andernfalls gilt hier die Trial-and-Error-Methode, die nicht wirklich Spaß macht.

Nicht zu vergessen: Als Editor für den SY77/TG77 ist das Plugin ebenfalls eine praktische Lösung – auch ohne die Hardware.
Wie gut funktioniert der Import von SY77-Voices?
Beim Import wird es nochmal spannend: Das Plugin umfasst ein Sound-Ökosystem, mit dem ihr SY77-Voices importieren und sogar auf die originale Hardware übertragen könnt. Ich habe es mit der Yamaha Vintage SY77/TG77 Voice Collection von Easy Sounds probiert, einer kommerziellen Library, die es noch heute zu kaufen gibt.
Wichtig zu wissen: Die Soundbänke kommen im .MID- statt im SysEx-Format. Mit einem Gratis-Tool wie dem Snoize SysEx Librarian ist die Umwandlung von MIDI zu SysEx aber schnell erledigt.

Nach dem Import und dem ersten Anspielen wundere ich mich kurz über den sehr präsenten und charaktervollen Sound – klang der SY77 damals wirklich schon so gut? Scherz beiseite: Der Import von SY77/TG77 Voices funktioniert problemlos und ist eines der besten Features des Swayed-Plugins.
Soundbeispiele zum Stryde Audio Swayed
Die Factory Library mit 128 Presets und die zusätzlichen 140 Kreationen von Saif Sameer machen zwar Appetit, fallen aber nicht gerade üppig aus. Zu den Stärken von Swayed gehören unverkennbar die charismatischen E-Pianos, die tighten Bässe und die metallischen Sounds. Aber auch die Evolving Pads und einige hybride Fantasy-Sounds gefallen mir. Dieser spezifische SY-Sound hebt sich von anderen FM-Synth-Plugins ab.

Insgesamt habe ich zwölf Voices angespielt – aus dem Factory Set, dem Sameer-Pack und der Easy Sounds Vintage Collection. Hand aufs Herz: Welches eurer Plugins deckt genau dieses Klangspektrum ab? Vermutlich keines. Ob man solche Presets braucht, ist Geschmackssache – für Pop, Rock, Jazz, Funk und andere, eher traditionelle Genres funktionieren sie jedenfalls hervorragend.
Andere Plugins mit FM-Synthese
Swayed ist schon ein besonderes Vintage-Software-Instrument, das sich sehr dicht an der Engine des Yamaha SY77/TG77 bewegt – das bekommt ihr sonst nirgendwo. Am nächsten dran sind alle Plugins, die DX7 Voices importieren, so etwa Arturia DX7 V, Native Instruments FM8, Korg Opsix native. Wenn es euch nur um die FM-Synthese geht, kommen auch andere Plugins in Frage. Tipp: Lasst euch von unserem Feature Die besten FM-Synthesizer – Soft-Synths im Vergleich inspirieren.
FAZIT – Stryde Audio Swayed Test
Swayed ist ein äußerst leistungsfähiges Plugin, das die erweiterte FM-Synthese im Stile des Yamaha SY77 in die Gegenwart holt. Die Zielgruppe ist klar umrissen: Swayed spricht Synth-Enthusiasten, Retro-Fans und Sounddesigner an, die tief in die Materie eintauchen wollen. Für den schnellen Preset-Spaß zwischendurch ist Swayed nicht gedacht – und auch als klassischer Brot-und-Butter-Soundlieferant kommt das Plugin seine Stärken nicht unbedingt aus.
Ein großes Kompliment an Stryde Audio für das starke Debüt: Swayed erweist sich als beeindruckend authentische Emulation des Yamaha SY77 und erfüllt nicht nur erfahrenen Musikern einen lang gehegten Wunsch. Klang und Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugen – starke 4,5 Sterne.
Features
- Emulation des Yamaha SY77/TG77
- Erweiterte FM-Synthese und PCM-Engine
- WEBSEITE: strydeaudio.com/swayed
- Systemvoraussetzungen: Ab Windows 8, Mac OS 12 (M1 Support), Online-Aktivierung, VST3, AU.
- PREIS: 99 Euro (Straßenpreis vom 28.04.2026)

