Wenn es einen Schlagzeuger aus dem Rock/Pop-Bereich gab, der Technik, Power und Finesse in idealer Weise kombinierte und dazu noch einen Jahrhundert-Groove kreiert hat, dann ist es Jeff Porcaro. Auch wenn der ehemalige Drummer der Band Toto bereits im Jahr 1992 überraschend verstorben ist, gilt er noch heute als Stil-Ikone und Vorbild für kraftvolles, songdienliches und kreatives Drumming. Die Liste der Künstler, deren Songs er mit seinen Grooves veredelt hat, ist schier endlos und Michael Jackson, Steely Dan, Diana Ross, Pink Floyd, Madonna, Eric Clapton oder Bruce Springsteen sind nur einige davon. Wir geben euch hier einen Einblick in sein Leben und erklären euch, was Jeff Porcaro so einzigartig machte.

- Jeff Porcaro war ein musikalisches Wunderkind
- Mit Toto wurde er weltberühmt
- Porcaros Vermächtnis: Der Rosanna-Shuffle
- Welche Musiker haben Jeff Porcaros Style inspiriert und beeinflusst?
- „My time sucks“
- Der Tod von Jeff Porcaro im Jahr 1992
- Jeff Porcaros Drumkits bis 1982: Live Ludwig, im Studio Gretsch
- 1982 wurde Jeff Porcaro Pearl-Endorser
Jeff Porcaro war ein musikalisches Wunderkind
Jeff Porcaro wurde am 1. April 1954 in Hartford/Connecticut geboren und stammt aus einer Familie, in der die Musik einen hohen Stellenwert hatte. Sein Vater Joe Porcaro, ebenfalls Drummer, spielte mit Legenden wie Miles Davis, Frank Sinatra oder Stan Getz und seine Brüder Mike und Steve waren, wie auch Jeff, Mitglieder von Toto. Joe Porcaro erteilte seinem Sohn Jeff ab dem achten Lebensjahr für einige Jahre Schlagzeugunterricht und legte damit den Grundstein für dessen Karriere. Bereits als 17-jähriger stand Jeff das erste Mal für eine Albumproduktion im Aufnahmestudio, dem Ort, der für ihn im Laufe seines Lebens zu seinem zweiten Zuhause werden sollte. Kurz darauf verließ er die Schule, um mit Sonny & Cher auf Tour zu gehen. Aus dieser Zeit stammt auch das folgende Video des Blues-Musikers Clarence Carter mit dem 19-jährigen Jeff Porcaro an den Drums.
Kaum ein Jahr später engagierten ihn Walter Becker und Donald Fagen von Steely Dan für ihr drittes Album „Pretzel Logic“ (1974), nachdem sie Jeff in einem Club spielen sahen. Auch wenn Porcaro nur auf zwei Tracks des Albums zu hören ist – für den Großteil war Jim Gordon verantwortlich –, hinterließ er offenbar einen so starken Eindruck, dass er auf dem ein Jahr später folgenden Album „Katy Lied“ (1975) bis auf eine einzige Ausnahme alle Tracks einspielen durfte. Nur kurze Zeit später, im Jahr 1977, wurde die Single „Lowdown“ von Boz Scaggs mit Jeff Porcaro an den Drums, mit einem Grammy in der Kategorie „Rhythm & Blues“ ausgezeichnet.
Mit Toto wurde er weltberühmt
Im selben Jahr begann für den 23-jährigen Jeff Porcaro mit der Band Toto das wichtigste Kapitel seiner Laufbahn. Die Band produzierte in den 70er/80er-Jahren diverse Hitsingles (z.B. „Hold The Line“, „Africa“, „Rosanna“) und versammelte die damals angesagtesten LA-Studiomusiker unter einem Dach. Auch im Jahr 2025, also 23 Jahre nach Jeff Porcaros Tod und 48 Jahre nach der Bandgründung, waren Toto noch live unterwegs.
Seine Studioarbeit setzte Jeff Porcaro natürlich auch während seiner 15-jährigen Mitgliedschaft bei Toto fort. Zu den frühen Meilensteinen zählt der Track „Mother“ vom 1979er Pink Floyd Album „The Wall“. Der Song lag dem eigentlichen Pink Floyd-Drummer Nick Mason nicht so sehr, sodass man sich flugs Meister Porcaro ins Studio holte, der hier – wie nicht anders zu erwarten – eine Top-Performance ablieferte.

Nur drei Jahre später erschien mit „Thriller“ von Michael Jackson das nächste Monsteralbum, auf dem Jeff Porcaro mitwirkte. Hier spielte er die Drums auf der No1-Single „Beat It“ sowie auf der Ballade „Human Nature“. Alleine diese beiden Alben brachten Jeff Porcaros Drumming in mehr als 100 Millionen Haushalte weltweit. Auch auf Michael Jacksons Album „Dangerous“ spielte Jeff, und mit Elton John („Blue Eyes“), Paul McCartney („Silly Love Songs“), Madonna („Cherish“), Dire Straits („Calling Elvis“) oder Bruce Springsteen („Human Touch“) lässt sich die Liste der Chartbreaker endlos fortsetzen.
Porcaros Vermächtnis: Der Rosanna-Shuffle
„I hate Shuffles!“… Kaum zu glauben, aber dieser Satz stammt von Jeff Porcaro. Dabei sind Tracks wie „Black Friday“ von Steely Dan, „Lido Shuffle“ von Boz Scaggs oder natürlich der berühmte Halftime-Shuffle auf „Rosanna“ von Toto Paradebeispiele für traumhaft groovende, auf den Punkt getrommelte Shuffles. Angeblich brauchte Jeff nur einen einzigen Versuch, um den Rosanna-Drumtrack, wie wir ihn alle kennen, einzuspielen. Für den Groove ließ sich Jeff nach eigener Aussage sowohl von Bernard Purdie („Home At Last“ / Steely Dan) als auch von John Bonham („Fool In The Rain“ / Led Zeppelin) inspirieren. Aus diesen beiden Grooves kreierte er seine eigene Variante, an der sich Drummer aus aller Welt bis heute die Zähne ausbeißen – was auch am recht flotten Tempo des Songs liegt.
Welche Musiker haben Jeff Porcaros Style inspiriert und beeinflusst?
Neben seinen umwerfenden Shuffle-Fähigkeiten besteht ein weiteres Porcaro-Markenzeichen in Jeffs äußerst subtilen Umgang mit Dynamik, wodurch seine Grooves so lebendig klangen. Er konnte durchaus kräftig zulangen, wenn es denn nötig war, aber auf der anderen Seite auch extrem feinfühlig agieren, wie man es bei vielen Steely Dan-Songs hören kann. Herausragend sind auch seine 16tel-Hi-Hat-Grooves, die er stets mit einer Hand spielte und die immer so unglaublich leicht und smooth klingen – wie bei diesem Track von George Benson:
Jeff betonte immer wieder, dass all seine Grooves inspiriert waren von seinen Vorbildern:
„I copied Gordon and Keltner and all these guys. I remember realising this, but after a while the accumulation of all the guys you copy becomes your own thing – hopefully.” (DRUM! Interview 1991)
Auffallend ist, dass alle seine Drum Heroes – neben Jim Gordon und Jim Keltner auch Harvey Mason und Steve Gadd – Drummer sind bzw. waren, denen es nicht um flashy Licks, Technik und Geschwindigkeit, sondern um songdienliches Spiel und vor allem Groove ging. Trotzdem verfügte jeder von ihnen, ebenso wie Jeff, über eine hervorragende Technik. Das gilt vor allem für Steve Gadd, der die Vorlage für den Toto-Track „Mushanga“ lieferte:
„Steve Gadd had made a trip to PIT to give a clinic, and my father happened to be there. Then, later, my father showed me this fast samba that Steve played for the class. It had to do with an inverted paradiddle. “Mushanga” is basically the sticking from that same thing. Then I added some stuff to it. The tom pattern came from listening to Floyd Sneed of Three Dog Night on the tune “King Solomon’s Mines.”“ (DRUM! Interview 1991)
Auch wenn Jeff Porcaro in den frühen Jahren einmal behauptete, es interessiere ihn nicht, Odd Time Grooves zu spielen, dafür seien Leute wie Vinnie Colaiuta – den er sehr bewunderte – da, finden sich in seiner Diskographie doch einige Gegenbeispiele. Neben dem bereits erwähnten „Mother“ von Pink Floyd findet sich beispielsweise auch auf dem 1992er Toto-Album „Kingdom Of Desire“ ein Track mit einem ungeraden Groove:
„My time sucks“
Jeff Porcaro betonte stets, dass der Song für ihn oberste Priorität hat und es ihm niemals darum ging, sich in irgendeiner Art und Weise zu profilieren oder in den Vordergrund zu spielen. Somit erscheint es auch absolut logisch, dass er kein Freund von Drumsoli war: „I’ve never done a solo in my life… I just like playing time“ erklärte er 1986 in einer Drumclinic seinem Publikum.
Seinen Tipp für eine erfolgreiche Tätigkeit als Studiodrummer formulierte er folgendermaßen:
„When you get your first studio call, you’d better not play any of the crap you’ve been rehearsing or reading out of books. You’d better just play time. Period! Really good time. And make it tasty. And have dynamics, listen to the lyrics of the song, and be there as a timekeeper.“
Trotz seiner unbestrittenen Fähigkeiten war Jeff gegenüber seinem eigenen Spiel stets extrem selbstkritisch. Während alle Welt ihn für sein überragendes Timing feierte, lautet eines seiner berühmtesten Zitate: „My time sucks!“. Offenbar war er nur sehr selten zufrieden mit seiner Performance, wie das folgende Zitat aus seinem DRUM!-Interview von 1991 belegt:
„I can honestly say that, out of all the sessions I’ve done, there’s probably only one where I was satisfied with the way it felt.“
Gemeint war hier der Track „FM“ von Steely Dan aus dem Jahr 1978.

Der Tod von Jeff Porcaro im Jahr 1992
Jeff Porcaro starb am 5. August 1992 im Alter von nur 38 Jahren an einem Herzinfarkt. Über die Gründe hierfür kursieren verschiedene Versionen: Die einen sprechen von einem angeborenen Herzfehler, andere von einer Folge des Einatmens von Pestiziden bei der Gartenarbeit, wieder andere von Kokainkonsum. Aber völlig egal, welcher Erzählung man Glauben schenken möchte, sind sich doch alle einig darüber, dass Jeff Porcaro eine riesige Lücke hinterlassen hat. Davon zeugen die folgenden Zitate von Band- und Drummerkollegen.
„ I could play just straight 8th notes, and he could play something and it would make me sound Godlike. It’s all finesse. It’s that little extra something. You either have it or you don’t. He was touched by God when he was born.“ –Steve Lukather (Toto)
“When we did a take on a record, he was usually the first one to get a good take. Having grown up in a time before drum machines, I think he had the best time and groove of any drummer I’ve ever played with.” –David Paich (Toto)
Sein Nachfolger bei Toto, Simon Philipps, meint:
“I always felt he played with such maturity – he sounded older than he was. He has a wonderful knack of knowing exactly what to play and when to play it and he always played for the song. Such musicality and I appreciated that so much!”
Die von Jeff bewunderte Session-Drummer-Legende Jim Keltner:
„Jeff’s playing will be studied and enjoyed for many years to come, alongside all of the greats. His overall musicality and incredible timekeeping will be emulated.“
Vinnie Colaiuta sagt über Jeff:
„Double drumming with Jeff was one of the high points of my career and my life. I finally got a firsthand glimpse at what it must feel like for musicians to play with him. It was like floating on a cloud.“

Jeff Porcaros Drumkits bis 1982: Live Ludwig, im Studio Gretsch
Jeffs Verhältnis zu seinem Equipment beschrieb er einmal mit den folgenden Worten:
“Drums are drums, depending on the choice of head and how you tune them. Sometimes just the look of one will make me partial to that one for two weeks – just because it looks different and it’s new.“
Allerdings war er beispielsweise im Studio doch sehr wählerisch, denn hier verwendete er – unabhängig von seinem jeweiligen Endorsement – fast ausnahmslos Gretsch Drums.
Jeffs erstes Drumkit war ein Slingerland in Champagne Sparkle mit einer Messingsnare, das ein Freund von Joe Porcaro beim Pokerspiel gewann und welches Joe ihm dann für seinen Sohn Jeff abkaufte. In den Jahren vor Beginn der Toto-Ära war Jeff sowohl mit einem schwarzen Camco-Kit als auch immer wieder mit Ludwig-Sets zu sehen. Die Konfigurationen variierten dabei. Im Kern handelte es sich meist um einen „2 up – 1 down“- oder „2 up – 2 down“- Aufbau, der teilweise – unter anderem auch bei der ersten Toto-Tour 1979 – um einige Concert Toms ergänzt wurde.
Auf dem ersten Toto-Album kam – laut Paul Jamieson, der von 1975 bis 1988 Jeffs Drumtech war und eine 1930er-Jahre Slingerland Radio King Snare für ihn restaurierte – ein 70s Ludwig 3-ply Kit zum Einsatz. Während seines Ludwig-Endorsements zwischen 1977 und 1982 spielte Jeff live auch ein Vistalite Kit (Toto-Tour 1980) mit zwei Racktoms, zwei Floortoms und einem zusätzlichen schwarzen 10“ Tom über der Hi-Hat.

1982 wurde Jeff Porcaro Pearl-Endorser
Ab 1982 war Jeff Porcaro Pearl-Endorser und spielte auf der Bühne fast ausnahmslos seine typische Konfiguration mit drei Racktoms (10“ x 8“, 12 “x 8“, 13“ x 9“) sowie einem oder zwei Floortoms in 14“, 16“ oder 18“. Seine bevorzugte Bassdrumgröße war 22“ x 16“, teilweise auch 22“ x 18“. Er verfügte über ein großes Arsenal an Snaredrums, darunter Ludwig Black Beauties und Supraphonics, Pearl Piccolo Brass- oder Standard Size Stahlkesselmodelle, Gretsch Holzsnares, Slingerland Radio Kings sowie Snares von Brady und Solid.
Erwähnenswert ist auch das Pearl DR-1 Drumrack – das 1983 vorgestellte erste serienmäßige Drumrack überhaupt –, das Jeff zusammen mit Paul Jamieson entwickelte.
In Sachen Cymbals bevorzugte Jeff etwa ab Beginn seines Pearl-Endorsements Paiste. Bis etwa 1987 setzte sich sein Set vorwiegend aus Modellen der Serien Formula 602 und 2002 zusammen. All-Time Favourites waren seine 14“ 602 Heavy Hi-Hat und sein 20“ 602 Medium Ride, während er bei den Crashes gerne große 2002-Modelle zwischen 18“ und 21“ verwendete. Ab 1988 mischten sich auch 2000er- und 3000er-Modelle darunter, und ab 1989 sah man Jeff dann fast ausschließlich mit Paiste Signature Series Cymbals (13“ oder 14“ Heavy Hi-Hats, 16“ und 18“ Fast oder Full Crashes, 20“ oder 22“ Full Rides, 10“ Splash und 20“ oder 22“ Thin Chinas).























