Es wird nicht verwundern, dass das Austrian Audio OC18 die im Funktionsumfang reduzierte Variante des Austrian Audio OC818 ist. Das Großmembran-Kondensatormikrofon 818 hat im Test reichlich Eindruck hinterlassen, was an seinem Konzept, seinem Preis und natürlich seinem Sound liegt.

- sehr edler und hochwertiger Klangcharakter
- auch ohne Spinne gute Trittschalldämpfung
- hervorragende Fein- und Grobdynamik
- fairer Preis
- keins
Ist das OC18, welches mit 699 Euro den Preis des 818 um 300 Euro unterbietet, nur das unwichtige Nebenprodukt? Oder hat das ebenfalls in Wien hergestellte Mikrofon auch das Zeug dazu, das große Erbe österreichischer Mikrofonbaukunst anzutreten?
Details
Herzensangelegenheit
Das Herzstück des Austrian Audio OC818 ist eine reine Nierenkapsel, die aber mit der Doppelkapsel des OC818 bis auf die rückwärtige Membran (und somit der Patterneinstellung) weitestgehend identisch ist. Damit entfallen natürlich Twin-Funktionalität und der Wunsch nach Fernsteuerung, entsprechend gibt es auch keinen zusätzlichen XLR-Anschluss. Und auch der nur außerhalb des Audiosignalwegs genutzte Mikroprozessor des OC818 wird im OC18 nicht verwendet, bedeutet: Auf Acht, Kugel und Co. sowie Bluetooth-Option muss beim AA OC18 verzichtet werden.
Weniger ist nicht nichts
Zwar verzichtet man als Käufer des AA OC18 im Vergleich zum AA OC818 auf genannte Dinge, Pad und Hochpassfilter stellt das Nierenmikrofon dennoch bereit. Das Pad ist zweistufig mit 10 oder sogar 20 dB zuschaltbar, die verschiedenen HPF greifen mit 40, 80 oder 160 Hz Grenzfrequenz. Die Unterschiede beider Mikros sind hier noch einmal in einer Tabelle verdeutlicht:
Unterschiede Austrian Audio OC818 zu Austrian Audio OC18
| Mikrofon | Austrian Audio OC818 | Austrian Audio OC18 | |
|---|---|---|---|
| Kapsel | CKR12 | CKR12 | |
| Richtcharakteristika | Kugel, Niere, Hyperniere, Acht | Niere | |
| Zwischenstufen über App | |||
| Twin-Funktionalität | ja, über Mini-XLR 5pin-Adapter | nein | |
| Hochpassfilter | 40, 80 und 160 Hz | 40, 80 und 160 Hz | |
| Pad | 0, 10, 20 dB | 0, 10, 20 dB | |
| Fernsteuerbarkeit | mit optionalem OCR8-Modul | nein | |
| Farbe | champagner | schwarz | |
| Preis | € 999,– | € 699,– |
Lieferumfang und Daten
Zum Austrian Audio OC18 gehört neben dem eigentlichen Mikrofon ein einfacher Mikrofonhalter (AA OCH8) und eine kompakte Spinne (OCS8). Zudem findet man im Köfferchen einen Windschutz und das übliche Papierwerk. Diesem ist zu entnehmen, dass die Empfindlichkeit bei 13 mV/Pa liegt – und auch sonst die Werte dem entsprechen, was das OC18 ist: ein sehr naher Verwandter des doppelmembranigen 818ers.
Praxis
Ganz kurz und banal
Im Grunde könnte dieser Abschnitt ganz kurz und banal gehalten werden: „Das Austrian Audio OC18 klingt genauso wie das AA OC818 in Nierenstellung.“ Das wäre natürlich ein wenig sehr plump. Außerdem sollte die Gelegenheit genutzt werden, die Klangeigenschaften ein weiteres Mal hervorzuheben.

Klangbild
Es ist wohl kein Wunder, dass die Detailliertheit auch des OC18 enorm ist. Hier machen sich hochwertige Preamps und Wandler durchaus bemerkbar, wenn sie die feinen Texturen von Signalen genau nachzeichnen. Das Airband ist minimal zurückhaltend (wie aufgrund der Membrangröße nicht anders zu erwarten). Die Höhen sind insgesamt generell deutlich, bleiben dabei aber glücklicherweise sehr natürlich und unaufgeregt. Vor bissigen S-Lauten muss man sich bei Verwendung des Austrian Audio OC18 nicht sorgen, denn die Schärfe ist ein wenig zurückgefahren, schnell, aber „breit“ und bekommt eine für eine Vielzahl Stimmen und Einsatzzwecke passende Ladung reichhaltigen Glanz mit auf den Weg. Für Konsonanten mit höheren Spektralanteilen, aber eben auch für Anschlaggeräusche beispielsweise von Akustikgitarren oder ein rauchiges Washing mancher modernerer Becken ist das der wesentliche Punkt, der klarmacht: Hier hat man es mit einem wirklich edel klingenden Mikrofon zu tun.
Auf die Spinne kann auch mal verzichtet werden
Sonderlich harsch klingt das OC18 nie, was auch daran liegt, dass es Signale mit einem sehr selbstbewussten Fundament einfängt. Über die Entfernung kann beim Mikrofonieren oder Einspielen/Einsingen sehr schön der Bassanteil geregelt werden. Selbst dann, wenn er zu viel Anteil am Gesamtsignal bekommt, bleibt auch bei niedrigeren Frequenzen das Signal detailreich, konturiert und franst nicht aus. Und wenn es doch mal zu viel ist: An den drei Hochpassfiltern wurde nicht gespart. Sie arbeiten allesamt sehr sauber und lassen offenbar die Phase im Passband bis an die Grenzfrequenz nahezu unbehelligt.
Der Windschutz tut seine Dienste, bei Vocal-Recordings mit geringerem Abstand und/oder zentrierter Mikrofonierung und sehr treffsicheren Vokalkünstlern ist man mit einem Poppfilter aber auf der sichereren Seite. Bei gutem Ständerwerk und stabilem Fußboden kann auf die Spinne auch mal verzichtet werden, da die Kapselaufhängung im Inneren des Korbes gut gelungen ist.
Das zeichnet wirklich gute Mikrofone aus
Axial besprochen klingen viele Mikrofone ordentlich. Dass ein mit 699 Euro nun wirklich nicht übertrieben teures Großmembranmikro eine derart stabile und „überraschungsfreie“ Richtungsempfindlichkeit aufweist, ist keine Selbstverständlichkeit. Bewusstes Miteinbeziehen von seitlich eintreffendem Schall, Bleeding, aber eben auch Rauminformationen sind damit hervorragend nutzbar. Nebensächlich ist so etwas nicht, denn im Zweifel lässt sich im Studio damit die Anzahl an Mikrofonen gering halten, was unter vielerlei Gesichtspunkten im Mix von Vorteil sein kann. In jedem Fall ist es gut zu wissen, dass auch Signale weit jenseits der 45/315 Grad noch absolut komplett klingen.
Dynamisch hervorragend
Grobdynamisch ist das Austrian Audio OC18 trotz seiner Tradition durchweg ein Kind der heutigen Zeit: Das Rauschen ist nicht nur den Angaben nach gering, es ist auch spektral ausgeglichen und zeigt keinerlei gröbere Struktur. Damit lassen sich bei späterer Bearbeitung mit EQ und vor allem Kompressoren enorme Hübe durchführen, ohne dass die Qualität darunter leiden würde.
Fazit
Wie schon das AA OC818 ist auch das Austrian Audio OC18 ein hervorragend klingendes Mikrofon. Für erstaunlich kleines Geld erhält man ein einfaches Großembranmikro mit Festniere und einem wirklich ganz, ganz großen Klangcharakter. Wenn man die wesentlichen Fakten einmal zusammenrechnet (Klangcharakter, technische Performance, Ausstattung, Herstellung von Hand in Österreich, mehr als angemessener Preis) und die Abwesenheit von Kritikpunkten oder Makeln herrscht, dann muss unter diesem Testbericht einfach die höchstmögliche Punktzahl stehen.
Jeder Interessent sollte sich allerdings fragen, ob nicht noch irgendwo dreihundert Euro im Sparsäckel zu finden sind, mit denen man sich eine hohe Funktionalität dazukauft. Dennoch: Wer einfach ein erhaben klingendes, technisch grandioses Mikrofon mit C12/C414(BK)-Grundcharakter sein Eigen nennen möchte und lieber „Made in Europe“ kauft, der kann das OC18 auch ohne vorheriges Hören einfach anschaffen.

Features und Spezifikationen

- Großmembran-Kondensatormikro
- Randkontaktierte Kapsel
- Richtcharakteristik: Niere
- Pad: 10 und 20 dB
- Hochpassfilterung: 40, 80 und 160 Hz
- Lieferumfang: Halterung, Spinne, Windschutz, Köfferchen
- Preis OC18 Einzelmikrofon: € 699,– (Straßenpreis am 7.8.2019)























