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Yamaha PSR-EW425 Test

Praxis

Display & Bedienung

Das Display des PSR-EW425 zeigt sich neugestaltet. Auf die Einblendung gespielter Noten in einem grafischen Notensystem wie beim Vorgänger hat Yamaha beim PSR-EW425 verzichtet. Die Darstellung der gespielten Tasten auf einer stilisierten Keyboardtastatur bleibt jedoch erhalten.

Yamaha PSR-EW425: Display Aufteilung
Fotostrecke: 2 Bilder Das Display des PSR-EW425 wurde neu gestaltet …
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Der gewonnene Platz dient der Anzeige neuer Features, wie z. B. der Mikrofoneinstellung oder des aktuell genutzten Motion Effects. Auch die Bank und die Nummer der ausgewählten Registration sowie der augenblickliche Status (Voice, Style, Groove, Song oder Audio) wird jetzt angezeigt. Die Auswahl-Prozedur einer Voice läuft am besten über die Kategorie-Taster des Zahlenfelds. Beim erstmaligen Tippen auf die Kategorie wird der erste Sound dieser Klangfamilie eingestellt. Anschließend scrollt man mit dem Datenrad oder den +/-Tasten weiter, oder man betätigt erneut denselben Kategorietaster und steppt sich so schrittweise durch die Klänge. Klänge lassen sich auch mittels der Nummern-Taster gezielt anwählen. Dasselbe gilt auch z. B. für Styles. Insgesamt hat Yamaha die Bedienung intuitiver gemacht. Das Display ist klarer strukturiert und zeigt mehr Parameter an.

Tastatur und Lautsprecher

Die Tastatur des PSR-EW425 ist nur leicht gewichtet, lässt sich aber gut spielen. Auch die Piano-Klänge lassen sich gut umsetzen. Natürlich bieten die 76-Tasten des PSR-EW425 mehr pianistische Möglichkeiten, als das auf fünf Oktaven beschränkte PSR-E473. Die schwarzen Tasten bieten eine leicht angeraute Oberfläche und sorgen so für guten Grip. Die Anschlagdynamik stellt man in vier Stufen ein. Das Lautsprechersystem des PSR-EW425 ist mit 2x 12 Watt doppelt so stark wie das des PSR-E473 (2x 6 Watt), überdies sind die beiden 12 cm-Speaker durch feinporige schwarze Metallgitter geschützt. Der Klang der eingebauten Lautsprecher ist ausgewogen und kann über die MEGA BOOST Taste nochmals in zwei Stufen um jeweils 3dB angehoben werden.

Die Keyboard-Tastatur
Fotostrecke: 2 Bilder Die Tastatur des Yamaha PSR-EW425 bietet leicht angeraute schwarze Tasten.
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Sounds und Klangqualität

Das Yamaha PSR-EW425 bietet 820 Sounds, davon 294 sogenannte Bedienfeld-Voices, 28 Drumkits und 40 Arpeggio-Voices. Diese wählt man über die Kategorie-Tasten aus. Außerdem stehen 458 XGlite-Sounds, für MIDI-Files zur Verfügung. Alle Klänge des Vorgängers sind weiterhin vorhanden und wurden durch den leistungsfähigeren Soundchip und die verbesserten DSP-Effekte stark aufgewertet. Einige Bedienfeld-Sounds wie z. B. „Piano & Strings“ schaltet beim Auswählen automatisch den Dual-Modus ein, weil hier zwei Klänge übereinander liegen.

Piano- | Orgel-Kategorie

Der erste Sound – das Live! Concert Grand Piano – ist für diese Preisklasse bemerkenswert gut. Der Zusatz „Live!“, der dem Sound in der Voice-List gegeben wird, weist bei Yamaha darauf hin, dass der Klang „in Stereo gesampelt wurde, um einen wirklich authentischen, vollen Sound zu erzeugen, der viel Atmosphäre und Raumklang besitzt“. Das PSR-EW425 hat außer diesem Live! Concert Grand Piano noch ein zweite Stereo-Flügel-Wellenform, die in der Voice 002 „Live! Grand Piano“ zu hören ist. Das zweite „Grand Piano“ klingt etwas weicher und ist eher für klassische Stücke oder Balladen einsetzbar. Das erste „Concert Grand Piano“ klingt dynamischer, was auch daran liegt, dass die Töne etwas perkussiver sind, also schneller abklingen.

Audio Samples
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Live Concert Grand Piano Live Grand Piano

Auch die Qualität der weiteren Piano- und Keyboardsounds kann sich hören lassen. Beim Sound „Piano & Strings“ konnte ich die Lautstärke des String-Layers im Function Menü „D.Volume“ während des Spiels einstellen. Dem Suitcase Rhodes habe ich DSP2 mit einem Tremolo zugeschaltet und die Effekt-Parameter mit den Live Control Reglern in Echtzeit verändert. Bei dem Wha Clavinet sind die Regler dem Auto Wha Effekt von DSP1 zugewiesen. Solche Möglichkeiten, um Sounds beim Spielen derart zu verändern, waren in dieser Preiskategorie bisher nicht selbstverständlich.

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Octave Harpsichord Piano Strings Cool Suitcase Electric Piano Wha Clavi

Die Voices 28-37 tragen beim PSR-E473 und beim PSR-EW425 im Display die gleichen Bezeichnungen. Beim PSR-EW425 wurden jedoch ein perkussiver Klick-Sound für Key-On und Key-Off sowie ein Leakage-Sound hinzugefügt. Diese bewirken einen noch realistischeren Vintage-Orgelsound. Es folgt die Progressive Rock Organ mit einem Overdrive-Effekt in  DSP1. Mit demRotary Effekt auf DSP2 wird dieser Sound richtig lebendig. Die Verbesserung der DSP-Effekte im Vergleich zum Vorgänger ist deutlich. Hatte das PSR-E463 nur einen DSP mit 10 verschiedenen Typen, so gibt es jetzt 2 DSPs mit 41 bzw. 12 Effekttypen.

Audio Samples
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Progressive Rock Organ

Gitarren, Streicher, Bläser und Synthesizer

Die neu hinzugekommenen Super Articulation Lite Sounds bieten typische Klangartikulationen, die durch Betätigen der ARTICULATION Taste hörbar werden. Hier die Gitarrensounds, die Flageolets, Slides und andere Spieltechniken beinhalten:

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SArtLite Nylon Guitar Harmonics SArtLite Steel Guitar Slide SArtLite Distortion Guitar

Die Streicher und Bläser sind toll. Beim Sound „Live Brass“ schaltete ich den DUAL Modus ein, wodurch automatisch ein passendes Trombone-Ensemble unterlegt wird. Das macht die Bläser-Sounds noch fetter.

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Live Strings Octave Pizzicato Strings SArtLite Brass Section Live Brass plus Dual Voice Sweet Trumpet Sweet Tenor Sweet Harmonica

Die Synthesizer-Sounds sind durch die Live-Control-Regler und den neuen Motion Effect ebenfalls gut beeinflussbar. Die Motion Effects hat Yamaha übrigens erstmals im kleinen Portasound PSS-A50 verbaut. Bei „Gemini“ habe ich den Motion Effect auf einen Filter-Verlauf und bei den anderen Beispielen auf eine Pitch-Veränderung eingestellt. Insgesamt gibt es 57 verschiedene Motion Effect Typen, die auch auf die Styles wirken. Auch der Arpeggiator ist ein gutes Werkzeug, um moderne Synth-Sounds effektvoll einzusetzen.

Audio Samples
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Gemini Saw Lead Analogon 1

Chöre und Drumloops

Auch bei den Chören sind Super Articulation Lite Voices hinzugekommen. Die Pads klingen sehr ansprechend und erscheinen durch den DSP1 stark aufgewertet. Interessant sind auch diverse Drumloops, die man auf der Tastatur spielt und die synchron zum Style-Tempo laufen.

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SArtLite Shoo Bee Doo Bah SArtLite Gospel Choir Stardust Equinox Drumloop Mix

Insgesamt ist die Qualität der Sounds sehr gut und reicht fast an die der PSR-SX-Serie heran. Vor allem die Möglichkeiten der Echtzeit-Beeinflussung der Filter und Effekte macht die Klänge lebendig.

Styles

Das PSR-EW425 ist mit 290 Styles der unterschiedlichsten Genres ausgestattet. Jeder Style besteht aus einem Intro, zwei Variationen A und B und einem Ending. Beim Umschalten von einer Variation zur anderen spielt ein Fill In automatisch. Es folgt eine bunte Auswahl an Styles, die in den meisten Fällen mit dem auf Voice-Nr. 000 bereitgestellten OTS-Sound für die rechte Hand begleitet werden.

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80s Guitar Pop Viva Pop Dance Hall Pop 16 Beat Big Band Ballad Swing 1 90s Indie Rock Boogie 2 Pop Bossa Mambo

Die Begleitarrangements sind geschmackvoll programmiert und man kann die einzelnen Parts des Arrangers muten, was die oft etwas überfrachteten Styles ausdünnt. Die Lautstärken der einzelnen Parts sind nicht einstellbar, es gibt nur „an“ oder „aus“. Ein schönes Feature des PSR-EW425 ist es, die Voices der Begleitspuren zu tauschen (Style Revoicing), um den Charakter eines Styles nach den eigenen Vorstellungen ändern. Das ist ein echter Pluspunkt. Leider lassen sich im Gerät keine eigenen User-Styles erstellen. Immerhin können zehn extern erstellte Styles (Endung .sty) auf die Speicherplätze 291 – 300 geladen werden. Styles, die man durch Revoicing im PSR-EW425 ändert, speichert man in einer Registration Memory. Hier ein Beispiel, bei dem ich das Drumkit und auch den Bass-Sound eines Dance-Styles verändert habe:

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Style West Coast Dance Revoicing

Groove Creator

Der Groove Creator im PSR-EW425 gestattet Performances im DJ-Style. Für diesen Zweck dienen 35 Dance-Grooves, die aus sechs Tracks und vier Sections bestehen. Die Sections sind zu vergleichen mit Variationen eines Styles, jedoch besteht eine Section aus einer kompletten Akkordfolge. Einzelne Tracks lassen sich zudem stummgeschalten (Mute). In der Vorgehensweise steuert die linke Hand die Tonart, die rechte Hand spielt Sounds für Melodien oder Arpeggios. Die fünfte, zusätzliche Section MUSICAL CLIMAX liefert eine Steigerung des Arrangements, das in seinem Höhepunkt endet. Mit den Tastern der Arrangersteuerung und der TRACK CONTROL-Einheit improvisiert man – zusammen mit den LIVE CONTROL Reglern – eine interessante Performance in Echtzeit.

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Groove Euro Dance 1

Quick Sampling

Schon das Vorgängermodell bot Quick Sampling, es gab jedoch keine Pads, vielmehr wurden die Samples auf die Tastatur gelegt. Damit war es beispielsweise möglich, einen gesungenen Ton zu sampeln und damit Melodien zu spielen. Das ist beim PSR-EW425 nicht mehr möglich, denn Yamaha hat sich dafür entschieden, die Samples jetzt auf vier Pads zu legen. Drei verschiedene Audiosignale können gesampelt werden: AUX IN (u. a. von einem Smartphone), Mikrofon-Eingang oder USB (z. B. vom Computer). Auch WAV-Dateien, die sich auf einem USB-Stick befinden, können eingeladen werden. Neben der „One-Shot“-Wiedergabe sind Samples auch als „Loop“, also in Schleife abspielbar. Gespeichert werden alle Samples auf einem USB-Stick .

Mikrofon

Nachdem die Empfindlichkeit des Mikrofoneingangs mit dem Gainregler auf der Rückseite angepasst wurde, wird die Lautstärke des Mikrofons im entsprechenden Menü eingestellt. Dem Gesang fügt man dann nach Geschmack Reverb und Chorus hinzu. Der Druck auf die Taste „TALK“, schaltet die Effekte ab. Das ist sinnvoll, um beispielsweise eine Ansage zu machen.

Recorder

Der Recorder erlaubt die Aufnahme von MIDI- und Audio-Signalen und bietet Platz für zehn MIDI-User-Songs mit insgesamt bis zu 19.000 Noten auf sechs Spuren. Die User-Songs werden im internen Speicher abgelegt.  Einzelne Spuren können gelöscht und neu aufgenommen werden. Die Audio-Beispiele dieses Testberichts habe ich mit der Funktion AUDIO REC direkt im WAV-Format auf einen USB-Stick gespielt. Die maximale Aufnahmedauer einer Audio-Datei beträgt 80 Minuten.

USB-Audio und MIDI

Dieses Feature des PSR-EW425 ist mittlerweile in dieser Preisklasse selbstverständlich geworden. Während der USB-Port noch vor wenigen Jahren nur MIDI-Signale übertragen konnte, macht er das jetzt auch mit Audio-Daten. Die DAW auf dem Computer erkennt das PSR-EW425 als Audio-Interface mit dem Namen „Digital Keyboard“. So angeschlossen, können die Klänge des Keyboards ohne Verlust auf digitaler Ebene im Computer verarbeitet werden; umgekehrt sind die Computer-Sounds über das PSR-EW425 hörbar. Weitere Möglichkeiten bietet ein an das Instrument angeschlossenes iOS-Gerät, wozu man lediglich einen USB-Lightning-Adapter (Camera Connection Kit) benötigt. So kann man schnell eine Piano-App oder einen Software-Synth auf dem iPad mit in das Setup des PSR-EW425 einbinden. Mit der praktischen Yamaha „Rec´n´Share“-App für iOS und Android, nimmt man Videos auf, während gleichzeitig das Audio-Signal des Instruments in digitaler Qualität und ohne störende Nebengeräusche mit aufgezeichnet wird. Anschließend wird das Video einfach gespeichert, verschickt oder in sozialen Netzen gepostet.

Yamaha Rec´n´Share: Hardware
Fotostrecke: 3 Bilder Mit nur einem USB-Kabel verbindet man das iPhone mit dem PSR-EW425 ,…
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Sonstiges

Das PSR-EW425 bietet eine neue Funktion für die Akkorderkennung. „Fingering Type“ einfach auf „Smart Chord“ stellen, sodass mit nur einem Finger der linken Hand die Akkorde gewechselt werden. Dazu muss zuvor der Parameter „Smart Chord Key“ auf eine Tonart eingestellt werden. Wählt man beispielsweise die Tonart C-Dur, so erklingt ein D-Moll-Akkord, wenn die Taste „d“ gespielt wird, ein a-Moll, wenn man den Ton „a“ spielt und F-Dur, wenn die linke Hand ein „f“ drückt. Es erklingen also immer die innerhalb einer Tonart passenden diatonischen Dreiklänge. Diese Funktion ist ideal für Einsteiger, denn sie spielen mit ihr sofort die passenden Akkorde, obwohl die linke Hand nur die Grundtöne der Harmonien drückt. Wie bereits beim Vorgänger gibt es 32 Registrations, die in 8 Bänken á 4 Registerspeichern abgelegt werden. Alle User-Daten, also User-Songs, Registrations, eigene Samples und externe Style-Daten, werden auf einem USB-Laufwerk archiviert.

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Thomas H. sagt:

#1 - 22.08.2022 um 16:08 Uhr

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Das ist in der Tat ein sehr gutes Preis- Leistungsverhältnis. Ich besitze noch das PSR E433 mit 61 Tasten. Der Sound hat sich zu diesem Vorgängermodell bei manchen Voices enorm verbessert (z.B. Gitarren, Piano, Orgeln). Auch einige Styles sind aufgefrischt und klingen insgesamt viel runder. Die S.ArtLite-Voices machen Spass - vor allem bei den Gitarren und der Flöte. Schade, dass man die Form der Artikulation nicht ändern kann. Trotzdem ein nettes Feature mit jedoch einem Schönheitsfehler: Die S.ArtLite-Voice beim Slap Bass klingt wie das Anlassen eines Motors. Dieser Effekt lässt sich überhaupt nicht verwenden und diesen habe ich im Zusammenhang mit einem SlapBass noch nie wahrgenommen. Für die Tastatur benötigte ich etwas Einspielzeit und sie erschien im ersten Moment etwas billig (fühlt sich beim E433 etwas wertiger an) - jedoch nach einigen Tagen geht die Tastatur und ich bin mittlerweile damit ganz zufrieden. Sehr von Vorteil ist das Gewicht des Keyboards, da ich es auch live (für ein paar Lieder) einsetze und daher umherschleppe. Wichtig, ist mit eine Tastatur mit 73/76 Tasten (in diesem Fall 76), da ich sehr viel "splitte" und sowohl für die linke, als auch für die rechte Hand etwas Platz benötige. Da ist ein 61er-Keyboard kaum ausreichend. Die Ausgangsleistung des Keyboards, über 2x Monoklinke ins Mischpult, ist jedoch sehr gering. Ich muss schon kräftig am Mischer drehen, damit man im Bandkontext auf einen durchsetzungsfähigen Sound kommt, ohne ein Feedback zu provozieren. Die MegaBoost-Taste hilft hier ein wenig, aber nicht viel. Fazit: Für den aktuellen Preis, ist das Keyboard absolut zu empfehlen. Es ist sehr leicht zu bedienen und übersichtlich gestaltet. Die Sounds sind klasse, wenn auch nicht immer Oberklasse, aber für einen Einsatz auf der Bühne tauglich. zumal sich die Voices durch DSP und Live Controller prima ändern und anpassen lassen, damit ein individueller Sound entsteht, ohne dass man sich mit Hüllkurven, XY-Parametern und Filtern auseinandersetzen muss.

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