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Waves Native Power Pack Test

PRAXIS

Insgesamt betrachtet blickt man hier auf GUIs, die nicht mehr ganz den heutigen optischen Standards entsprechen. Was irgendwie aber auch schon wieder cool ist. Immerhin lässt Waves seine verdienten Veteranen in der V8-Serie zumindest in etwas aufpoliertem Look dastehen. Schatten und Lichtreflexionen wurden in die Benutzeroberflächen integriert, was sie optisch frischer erscheinen lässt. Ob auch die Audiocodes aufgefrischt wurden, kann ich nicht sagen. Alle PlugIns dieses Bundles arbeiten mit einem A- und B-Setup. Das bedeutet, man kann per Maus zwischen zwei kompletten PlugIn-Settings hin und her schalten – das ist gut zum Vergleichen.

True Verb
Das True Verb kann man in einem Mono-Kanalzug als Mono oder Mono->Stereo PlugIn laden. In Stereokanälen steht es als Stereoversion zu Verfügung. Wer sich schon mal mit Hall-PlugIns beschäftigt hat, kommt mit der Bedienung des True Verb sofort zurecht. Die Presets decken einen weiten Anwendungsbereich ab, und die beiden Grafiken verdeutlichen gut, was man gerade hört bzw. editiert. Viele Parameterwerte kann man sogar durch Einzeichnen per Maus verändern. Insbesondere die mittleren und kleinen Räume gelingen mit dem True Verb gut. Bei Vocals, Gitarren und Drums entsteht schnell eine gute, realistische Räumlichkeit. Hässliches Klirren in den Höhen und Dröhnen in tieferen Frequenzbereichen kann man (falls nötig) mit dem integrierten EQ schnell abdämpfen. Um mal einen Vergleich zu ziehen: klanglich kann es mit dem Room- und Hallmodul des CSR von IK Multimedia gut mithalten, und auch aus dem Lexicon MPX Native Reverb habe ich auf die Schnelle nichts wirklich Besseres herausbekommen. Das hat mich überrascht! Aber bleiben wir mal auf dem Teppich: das True Verb ist nicht der Hall, der einem per Knopfdruck die Produktion veredelt. Es ist mehr als ein gutes, unaufgeregtes Arbeitsinstrument zu verstehen, auf das man sich verlassen kann. Dafür kostet es aber auch nur einen Bruchteil der aktuellen State-of-the-Art Konkurrenzprodukte. Möchte ich behalten!

Audio Samples
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Waves NPP 01 True Verb 1.bypassed 2.plus Early Refl 3.plus Reverb Waves NPP 02 True Verb Lead Synth Room Small Waves NPP 03 True Verb Lead Synth Room Medium Waves NPP 04 True Verb Lead Synth Big Plate

L1 Limiter / L1 Ultramaximizer
L1 und L1+  liegen als Mono- und Stereo-Versionen vor. Ihre Bedienung ist selbsterklärend, die Frage ist hier eigentlich immer nur: Wo liegt die Grenze vom lautem Mix zum überkomprimiertem Krach? Bis man unschöne Verzerrungen hört, braucht man hier zumindest lange, denn der L1 arbeitet sehr sauber und versteht es, die scharfen Höhen bei aller Kompression nicht über zu betonen. Die Extras des L1+ sind gute Features fürs Mastering oder auch eine interessante Möglichkeit für den kreativen Mixer. Ein Signal oder eine Subgruppe mal mit 12 Bit oder 8 Bit Dithering aufzurauen, kann durchaus willkommenen Druck oder „Schmutz” in die Produktion bringen. Einen gutes PlugIn zum Schleuderpreis – ist doch egal, dass es schon fast 20 Jahre auf dem Buckel hat. Eine gute Alternative zu den hauseigenen Lautmachern der großen DAWs oder auch dem grandiosen PSP Vintage Warmer. Trotzdem muss man feststellen: Brauchbare Lautmacher findet man mittlerweile an jeder Ecke und auch im Standardangebot der gängigen DAWs. Der L1 reiht sich hier qualitativ gut ein. Ob man ihn wirklich braucht, ist eine Geschmacksfrage – ebenso eine Frage, ob man den ganzen Lautheitswahn wirklich braucht. Hier soll jeder selber entscheiden.

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Waves NPP 05 L1 Mix bypassed Waves NPP 06 L1 Mix moderate Kompression Waves NPP 07 L1 Mix staerkere Kompression Waves NPP 08 L1plus Drums no FX Waves NPP 09 L1plus 8bit viel Kompression

Q10 Paragraphic Equalizer
Waves „Dinosaurier EQ” präsentiert sich vom ersten Moment an als ein gutes Arbeitswerkzeug. Leichte, breitbandige Anhebungen oder schmalbandige Absenkungen gelingen sofort, klanglich steht der Q10 beispielsweise Logic´s Channel Strip EQ in nichts nach. Die Flankensteilheit (Q-Wert) lässt sich für die Glocken-Bänder wählen, Absenkungen und Anhebungen bis zu 18dB sind möglich. Die Grafik hilft beim Suchen und Finden der Frequenzen. Hilfreich ist, dass man die Werte eines EQ-Bands per Copy/Paste schnell auf ein anderes übertragen kann. Die „EQ-Punkte” in der Grafik lassen sich sogar mit den Pfeiltasten der Tastatur bewegen! Features wie Phasendrehung, EQ Reset und Peak Hold-Anzeigen runden den guten Eindruck ab. Kritikpunkte wären ein fehlender grafischer Analyzer oder die Möglichkeit, auch für die Shelving-Filter eine Flankensteilheit wählen zu können. Starke Anhebungen in den Höhen klingen im Vergleich zu teureren EQs grell und schlechter aufgelöst. Der Q10 ist mehr ein EQ zum Entzerren, zum Rausdrehen also, als ein Tool zum Soundmachen. Alle Instanzen des Q10 (Q2, Q4, Q6, Q8 und Q10) stehen als Mono- und Stereo-Versionen zur Verfügung.

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Waves NPP 10 Q6 schlechter Mix no FX Waves NPP 11 Q6 Mixkorrektur Waves NPP 12 Q6 Mixkorrektur Hoehenanhebung Waves NPP 13 PSPNeon Mix Mixkorrektur Hoehenanhebung

C1 Parametric Compander
Mit diesem PlugIn kann man sich länger beschäftigen, länger als es ein Produkttest hergibt. Gerade die Möglichkeiten, die einem durch den EQ in Verbindung mit dem Side Chain EQ Feature gegeben sind, eröffnen ein weites Feld. Das Handbuch benötigt man hier schon mal ab und zu, alles in allem ist der C1 in seinen vier möglichen Gestalten Kompressor, Kompressor+Gate/Expander, Gate/Expander und Side Chain Variante ein Werkzeug, das sich bei näherer Betrachtung selbst erklärt. Schade, dass hier kein Limiter integriert ist, den Ausgang sollte man daher immer im Auge behalten. Trotz historischem Rauschebart ist der C1 immer noch ein gut klingendes und vielseitiges Mixingtool. Alle Varianten des C1 stehen ebenfalls als Mono- und Stereo-Versionen bereit.

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Waves NPP 15 C1 Bassline Kompr Gate Waves NPP 14 C1 Bassline Kompr Gate bypassed

IR-L Convolution Reverb
Der IR-L liegt als Mono-, Mono -> Stereo- und Stereo-Version sowie in den beiden Varianten „Efficient” und „Full” vor. „Efficient” verwendet nur zwei Impulsantworten (jeweils Mono) für seine Berechnungen. „Full” errechnet einen etwas detailreicheren Klang aus zwei Stereo-Impulsantworten, verbraucht aber auch deutlich mehr CPU-Ressourcen. Viel gibt es hier nicht auszukundschaften. 34 Impulsantworten aus den Kategorien Hall, Room, Plate und Studio werden mitgeliefert. Prinzipiell kann man mit diesem PlugIn gut arbeiten, die Räume wirken realistisch, besonders die großen Räume gefallen mir ganz gut. Tendenziell klingt hier aber alles etwas kühl und zischelig oben herum. Ungewöhnlich für ein Waves-Produkt. Um „das Kalte” oder das hochfrequente Gebritzel etwas abzudämpfen, sollte man sich einen EQ in den darauffolgenden Mixer-Slot seiner DAW laden. Denn auf eine integrierte Klangregelung muss man hier verzichten. Ganz subjektiv gesehen hat mich das Waves IR-L überhaupt nicht angemacht, das mies aussehende GUI tat sein Übriges dazu. Prädikat: „Kann man machen, muss man aber nicht.“

SuperTap
SuperTap ist nichts, was den Echo-Fan von den Socken haut. Ein solides PlugIn, das sich klanglich an guten alten Echoprozessoren orientiert, ohne dabei dumpf oder schepperig zu klingen – eher neutral. Es ist vergleichbar mit vielem, was sich da so an niederpreisiger oder auch kostenloser Software auf den Markt tummelt. Die Bedienung ist sehr einfach, die Ergebnisse brauchbar. Die Modulationsmöglichkeiten könnten größer sein, aber für ein PlugIn, das eigentlich nur Echos machen will, gibt es hier nichts zu meckern. Schön ist der Tap Tempo-Schalter, über den man per Mausklick das Tempo einklicken kann. Und auch, dass sich neben den Platzierungen der Echos auch die Position des Direktsignals im Stereopanorama verändern lässt, hat mir gefallen!

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Waves NPP 17 Super Tap Groove 2x Delay Waves NPP 16 Super Tap Groove Dry

S1 Stereo Imager
Dieses PlugIn ist ein Helfer für die berühmten „letzten 10%” beim Mixdown. Seine Auswirkungen sind nicht unbedingt signifikant und oft nur im Direktvergleich mit dem trockenen Signal zuhören. Insbesondere die „Shuffle”-Funktion mit gesondert regelbarem Bassanteil kann einem Stereoklang noch etwas mehr Leben einhauchen, indem sie Klanganteile im Stereobild leicht durcheinander morpht. Muss man hören, ist schwer mit Worten zu beschreiben. Wer noch kein Tool aus der „Spatial”-Kiste hat, könnte sich den S1 mal anschauen. Der Markt bietet hier aber auch viele andere gute und auch kostenlose Alternativen. S1 steht nur für Stereospuren zur Verfügung. So richtig spannend finde ich aber auch diese PlugIn nicht.

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Waves NPP 19 S1 Rhodes und IR-L Waves NPP 18 S1 Rhodes und IR-L bypassed

De-Esser
Der Waves De-Esser ist der kleine Bruder vom Waves Renaissance De-Esser, der für mich zu den besten günstigen Software-DeEssern gehört. Der (kleine) Waves De-Esser kann als Mono- oder Stereo-Variante geladen werden. Er verzichtet im Unterschied zu seinem großen Bruder auf einen editierbaren Side Chain EQ. Alles in allem ist der Waves De-Esser aber ein gutes, einfach zu bedienendes Arbeitswerkzeug, das beispielsweise den De-Esser aus Logic 9 locker in die Tasche steckt.

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