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Universal Audio Woodrow ’55 Test

Mit dem Universal Audio Woodrow ’55 Effektpedal realisiert der amerikanische Hersteller den Sound einer Amp-Legende aus den 1950er-Jahren auf digitaler Basis in einem kompakten Effektpedal. In der neuen Reihe für Gitarristen präsentiert er drei Gitarrenamp-Klassiker, jeden als eigenes Pedal. Unser Kandidat widmet sich dem Klang des legendären Fender Tweed Deluxe, einem Röhrencombo mit recht überschaubaren Regelmöglichkeiten, aber sehr vielfältigen Sounds.

Universal Audio Woodrow ’55 Test

Der Verstärker erblickte im Jahre 1955 das Licht der Welt und prägte vor allem im Studio den Sound vieler großartiger Aufnahmen. Zu den Fans dieses Amps zählen Billy Gibbons, Joe Bonamassa, Neil Young, Mike Campbell, The Edge, Larry Carlton und viele andere. Mit der OX-Box und diversen Effektpedalen (Astra, Starlight, Golden) hat Universal Audio bewiesen, dass nicht nur professionelles Recording-Equipment und hervorragende Plug-Ins auf dem Plan stehen, sondern auch ausgezeichnete Produkte für uns Gitarristen. Doch damit ist auch die Erwartungshaltung gewachsen, zumal knapp 400 Euro für ein Amp-Modeling-Pedal mit nur einem Amp-Modell recht üppig sind. Ob es seinen Preis wert ist, erfahrt ihr gleich.

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Tweed Deluxe Amp

Warum ist der Tweed Deluxe eigentlich so beliebt? Kann er doch lediglich mit zwei Lautstärkereglern für die einzelnen Kanäle aufwarten und zum Einstellen der Klangfarbe gibt es nur einen Tone-Regler. Und ein Zwei- oder Dreiband-EQ ist genauso wenig an Bord wie ein Gain-Regler. Klar, Master-Volume gab es 1955 noch nicht und On-Board-Effekte machten sich ebenfalls noch ziemlich rar. Aber genau diese Schlichtheit und der klare Ton sind es, die den Tweed Deluxe ausmachen. Vor allem die Klangvielfalt, die aus der Tatsache resultiert, dass jede Reglerbewegung den Sound und die Einstellung der anderen Potis mit beeinflusst.

Daher kurz ein paar Worte zur Architektur des Amps: Generell hat der Tweed Deluxe zwei Kanäle (Instrument, Microphone) mit jeweils zwei Eingängen mit unterschiedlicher Eingangsempfindlichkeit. Der Instrumentenkanal hat etwas mehr Höhen und übersteuert etwas früher, während der Mikrofonkanal höhere Cleanreserven besitzt. Je weiter man aufdreht, desto mehr zerrt und komprimiert der Amp – der typische growlige und fuzzige Sound, den man von Billy Gibbons oder Neil Young kennt. Aber auch wenn man nur den Instrumentenkanal belegt, kann man mit dem Mic Volume-Regler ein wenig Einfluss auf den Sound nehmen. Da wird es bei höheren Einstellungen auch mal etwas dünner und leiser – paradox, aber ist so! Wer beide Kanäle gleichzeitig nutzen möchte brückt die Eingänge mit einem Kabel. Dann sind beide gleichzeitig aktiv und können mit den Lautstärkereglern gemischt werden. Dazu kommt, dass der Tone-Regler vor der Gainstufe sitzt und bei höheren Einstellungen auch etwas zum Zerrverhalten beitragen kann. Ich habe mir 2021 einen Tweed Deluxe Klon mit handverdrahteter 5E3-Schaltung gegönnt und bin absolut begeistert vom Sound und der Vielfalt, die man mit nur drei Reglern erzeugen kann. Auch beim Woodrow war ein Tweed Deluxe mit 5E3 Schaltung das Objekt der Wahl, dort selbstverständlich ein Original aus dem Jahr 1955. Allerdings haben die Entwickler ihre Kreation zusätzlich mit ein paar Extras bestückt, mehr dazu gleich.

Fotostrecke: 3 Bilder Hinter dem Universal Audio Woodrow ’55 verbirgt sich ein Amp & Cab Modeling Effektpedal, dass sich dem legendären Fender Tweed Deluxe widmet.
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Details

Das Pedal kommt im soliden Druckgussgehäuse in Silber mit einem eingelassenen Bedienfeld, das bronzefarben unterlegt ist. Es misst 91 x 146 x 61 mm (B x T x H) und bringt 584 Gramm auf die Waage. Auf der leicht angeschrägten Oberseite sind alle Bedienelemente untergebracht, sechs Regler, drei Kippschalter und zwei Fußschalter mit ihren dazugehörigen Status-LEDs. Alle Bauteile sind hochwertig, die Potis laufen gleichmäßig, die Fußschalter (Relais) sind knackfrei und auch die Kippschalter machen einen sehr stabilen Eindruck. Die Reglerknöpfe haben einen weißen Marker am Rand und schwarze Punkte auf der silbernen Oberseite, wodurch die Einstellungen auch bei schummrigem Bühnenlicht noch gut zu erkennen sind.

Die Anschlüsse sind allesamt an der Stirnseite zu finden, darunter zwei Eingänge und zwei Ausgänge im 6,3 mm Klinkenformat. Bei den Eingängen weicht Universal Audio allerdings vom Original ab: Es gibt einen Mono-Input (1) für die Gitarre oder von Mono-Effekten her kommend, Stereoeffekte nutzen beide Eingänge (1,2). Generell ist die Eingangsschaltung des Woodrow-Pedals so konzipiert wie das Original mit gebrücktem Input und beiden Kanälen aktiv. Auch die Verwendung der 4-Kabel-Methode mit einem normalen Amp mit Einschleifweg ist möglich. Dann kann man zwischen dem Original-Preamp des Verstärkers und dem Woodrow als Preamp hin- und herschalten.

Fotostrecke: 2 Bilder Das Woodrow besitzt zwei Eingänge und zwei Ausgänge, so dass das Pedal sowohl mono als auch in Stereo betrieben werden kann.
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Unser Proband wird nur mit Netzstrom betrieben (9 V – Minuspol innen liegend), denn die digitale Klangerzeugung verlangt 372 mA Strom, gemessen mit einem 1Spot mA Meter. Der Hersteller rundet das Ganze auf 400 mA auf, die eure Mehrfachstromversorgung im Pedalboard auch liefern sollte, damit alles reibungslos funktioniert. Unter dem Netzteilanschluss befindet sich die USB-C Buchse, über die man das Woodrow Pedal mit einem Computer (Mac, PC) verbindet. Dort können dann über die kostenlose UAFX Control App Presets verwaltet, diverse Schaltmöglichkeiten eingestellt und Firmware-Updates auf das Gerät gespielt werden. Alternativ zur USB-Verbindung über Kabel besteht auch die Möglichkeit, die UAFX Control App auf einem Smartphone oder Tablet (Android, iOS) einzusetzen, das per Bluetooth mit dem Pedal verbunden ist. Dazu muss der Pair-Taster an der Stirnseite gedrückt werden und bei Verbindung leuchtet die blaue LED über dem Taster. Zum Zeitpunkt des Tests funktionierte dieses Feature leider noch nicht. Die Verbindung zu den entsprechenden Geräten wurde hergestellt, aber nicht die zum Universal Audio Server, sodass die App mangels Registrierung nicht genutzt werden konnte.

Bedienung

Das Woodrow verfügt selbstverständlich über die drei Bedienelemente des Originals, in der oberen Reihe Instrument Volume (Inst Vol), Microphone Volume (Mic Vol) und der Output-Regler für die Gesamtlautstärke. Der fungiert als Master-Volume am Ende der Kette und hat keinen Einfluss auf den Klang. Der Tone-Regler befindet sich in der zweiten Reihe und links daneben der Room-Regler. Da der Verstärker keinen Hall hat, sorgen die Raum-Mikrofone für etwas Dreidimensionalität. Neben den normalen Direkt-Mikrofonen am Cab selbst wurden für die Erstellung der Cab-Simulation zusätzlich Raummikrofone eingesetzt, deren Signal über den Room-Regler dem Originalsignal hinzugemischt wird. Die simulierten Cabs können über den linken Kippschalter (Speaker) angewählt werden. Ab Werk sind drei verschiedene Varianten im Angebot, nach der Registrierung gibt es drei weitere gratis obendrauf, die bei meinem Testmodell bereits aufgespielt waren. Die Werks-Cabs sind mit einer roten LED gekennzeichnet, für die zusätzlichen Cabs gibt es grünes Licht.

Fotostrecke: 3 Bilder Die Bedienelemente auf der Oberseite sind unterteilt in zwei Reihen mit je drei Potis, eine Reihe mit drei Kippschaltern und den beiden Fußschaltern.
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Folgende Speaker-Simulationen sind an Bord:

Blu15

15 Watt Celestion Blue Speaker in einem 1×12 Tweed Combo. Abgenommen mit einem Neumann U67.

JP12

Jensen P12R in einem 1×12 Tweed Combo. Abgenommen mit einem Shure SM57.

GB25

25 Watt Celestion Greenback Speaker in einem 1×12 Tweed Combo. Abgenommen mit einem Shure SM57.

Vee30

Marshall 4×12 Cab mit Vintage 30 Speakern. Abgenommen mit einem Beyerdynamic M421.

B-Man

Fender Bassman Cab mit Jensen P10R Speakern. Abgenommen mit einem Shure SM57.

JB120

Fender 1×12 Cab mit Vintage JBL D-120F Speaker. Abgenommen mit einem AKG 414.

Off

Kein simuliertes Cab. Für den Fall, dass man das Woodrow-Pedal mit einem normalen Amp oder einer Endstufe als Preamp nutzen möchte. Dann ist auch die Room-Funktion deaktiviert, der Room-Regler hat keine Auswirkung auf den Sound.

Auf der rechten Seite wartet der Boost-Regler, mit dem die Eingangsstufe des Amps etwas heißer angeblasen werden kann. Die Intensität des Boosts wird mit dem Regler eingestellt, bei Linksanschlag ist die Boost-Funktion deaktiviert. Mit dem darüberliegenden Kippschalter werden drei unterschiedliche Boost-Sounds ausgewählt:

KP-3K

Boost und Sound von einem 80er-Rack-Delay-Preamp (Korg SDD-3000). Diese Boost-Einstellung simuliert auch das Anschließen des Instruments an den Low-Input des Verstärkers für einen etwas weniger verzerrten Startpunkt.

Stock

Der normale Amp-Schaltkreis mit einem neutralen Clean-Boost. Bei dieser Boost-Funktion wird das Anschließen an den High-Input des Amps simuliert.

EP-III

Die Simulation des Preamps eines Echoplex-Bandechos. Bei dieser Boost-Funktion wird das Anschließen an den High-Input des Amps simuliert.

Fußschalter

Ab Werk sind die beiden Fußschalter so programmiert, dass mit dem linken der Amp aktiviert wird und der Sound der aktuellen Reglereinstellung entspricht – der sogenannte Live-Mode. Mit dem rechten Schalter wird der Preset-Mode aufgerufen und damit der Sound eines abgespeicherten Presets. Das Speichern geht relativ einfach: Man stellt den gewünschten Sound mit den Reglern und Schaltern ein und drückt dann den mittleren Kippschalter nach unten. Die Einstellungen werden gesichert und können über den Preset-Fußschalter abgerufen werden. Man kann die Schalter aber auch für andere Funktionen nutzen, zum Beispiel mit dem linken Schalter den Boost aktivieren und mit dem rechten zwischen Live-Mode und Preset-Mode hin- und herschalten. In der UAFX Control App kann die Funktion umgestellt werden.

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