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t.akustik Vocal Head Booth Test

Praxis

Gut austariert

Wer die t.akustik Vocal Head Booth nutzen möchte, benötigt ein Lautsprecherstativ mit 35 mm Durchmesser. In unserem Test nutze ich ein leichtes Aluminium-Stativ von Gravity. Es gibt der Head Booth ausreichend stand. Ein (meist) teureres Stahlrohr-Stativ ist hier nicht unbedingt erforderlich. Die Kabine auf das Stativ zu setzen erfordert nicht viel Kraft, ist aber ein wenig umständlich. Einmal auf das Stativ gesetzt und ausgerichtet, kann die Head Booth per Fixierschraube daran gehindert werden, sich auf dem Stativ zu drehen. Ein dreibeiniges Lautsprecherstativ sollte dabei unbedingt so aufgestellt werden, dass Sänger oder Sprecher ausreichend Beinfreiheit haben. Keine Sorge: Das Stativ kann auch dann nicht nach vorn kippen, weil das Gewicht der mobilen Gesangskabine wirklich gut austariert ist.

Der Flansch für die Stativbefestigung kann gegen horizontales Verdrehen fixiert werden.
Der Flansch für die Stativbefestigung kann gegen horizontales Verdrehen fixiert werden.

Einfache Befestigungen

Das Anbringen der LED-Leuchte ist dank Magnethalterung super einfach. Überraschenderweise liegen der Lampe keine Batterien bei. Gleich drei AAA-Batterien werden benötigt, um sie zum Leuchten zu bringen. Sind sie zur Hand, heißt es einfach den Deckel auf der Rückseite mit einer kurzen Drehung öffnen und die Batterien im Dreieck einlegen. Und schon kann mit einem Druck auf die Leuchtfläche Licht ins Dunkle gebracht werden. Die LED ist hell genug, um ein unter ihr befestigtes Textblatt gut lesbar zu beleuchten. Auch die Kopfhörerhalterung auf der linken Unterseite der Vocal Head Booth ist wirklich praktisch. Hier lassen sich auch Kopfhörer mit relativ breitem Kopfband parken und sind dann stets griffbereit.

Fotostrecke: 5 Bilder Die LED-Leuchte wird per Magnethalterung in der Kabine befestigt.
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Die Platte zur Befestigung einer Mikrofonspinne oder -halterung wird in eine Aussparung über der Bodenplatte der Vocal Head Booth eingeschoben. Hier kann stufenlos gewählt werden, wie weit entfernt das Mikrofon platziert werden soll. Der Spielraum beträgt dabei insgesamt etwa 18 bis maximal 19 cm. Der vertikale “Stift” der Halterung kann in der Höhe verstellt werden. Leider lässt sich beim Testgerät die zugehörige Fixierschraube nicht lösen, so dass dieser Test mit feststehender Höhe der Mikrofonhalterung gemacht werden muss. Beim Aufbau wird auch schnell der Sinn der mittleren Aussparung im Boden der Kabine deutlich. Hier kann unter anderem das Mikrofonkabel zum Mikrofon geführt werden.

Fotostrecke: 4 Bilder Das Einschieben der Mikrofonhalterung gelingt mühelos.
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Eine echte Zugentlastung ist zwar nicht vorhanden. Die Zuleitung lässt sich aber mit einem einfachen Bogen an dem unter der Vocal Head Booth angebrachten Aluminiumrohr verlegen. Bereits diese einfache Schlaufe bringt ausreichend Zugentlastung. Das kleine Aluminiumrohr dient aber eigentlich dazu die Halterung eines Poppschutzes befestigen zu können. Sein Arm kann dann ebenfalls durch die Aussparung in der Mitte der Unterplatte reichen. Insgesamt macht der Aufbau des Mikrofons im Inneren den Eindruck, dass er sich sehr nah am unteren Ende der Vocal Head Booth befindet. Ich bin deshalb gespannt, wie stark der Effekt der PET Polyester-Platten letztlich bei einer Aufnahme in einem reflexionsstarken Raum ist.

Fotostrecke: 5 Bilder Für den Anschluss des Mikrofonkabels steht eine Aussparung bereit.
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Soundvergleich

Um die Wirkung der t.akustik Vocal Head Booth zu testen, mache ich für diesen Test Gesangsaufnahmen in zwei verschiedenen Räumen. Zunächst baue ich die Kabine in einem großen Wohnzimmer auf, in dem nur wenige Möbel stehen. Durch die parallelen Wände und den ebenfalls schallharten, weil gefliesten Boden sind hier etliche frühe und späte Reflexionen zu hören. Im Audiodemo hört Ihr wie stark diese Hallanteile im Recording-Signal sind. Damit Ihr euch den bestmöglichen Eindruck machen könnt, solltet Ihr die Audiobeispiele per Kopfhörer anhören.

Die rückseitige Dämmung lässt sich hochschieben und so ein offener Sound erzeugen.
Die rückseitige Dämmung lässt sich hochschieben und so ein offener Sound erzeugen.

Ich wiedehole die Aufnahme, indem ich das Mikrofon an derselben Stelle im Raum platziert in der Vocal Head Booth installiere. Die Aufnahme mache ich dann zuerst mit “offenen Visier”, also mit offener Kabinenrückseite. Obwohl es sich um ein Mikrofon mit Nierencharakteristik handelt, das rückwärtigen Schall kaum und seitlich auftreffenden Schall nur geringfügig aufgreift, ist der Sound der Aufnahme auf einen Schlag deutlich trockener als bei der Aufnahme ohne die Kabine. Die Raumklanganteile im Signal sind nun wesentlich geringer und beinahe nur noch per Kopfhörer wahrnehmbar. Noch einen Schritt weiter in puncto trockener Sound bringt mich das Herunterfahren der rückwärtigen Dämmung hinter dem Kopf. Sie sorgt noch dafür, dass die Raumreflexionen noch ein weiteres Mal im Mikrofonsignal gedämpft werden. Wenngleich der resultierende Klang nicht vollends frei von Reflexionen ist. Dazu befindet sich das Mikrofon schlichtweg zu nah am Boden der Vocal Head Booth, beziehungsweise reicht die Kabine nicht weit genug herab.

Audio Samples
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Raum mit starkem Hall, ohne Booth Raum mit starkem Hall, mit Booth (offene Rückseite) Raum mit starkem Hall, mit Booth (geschlossene Rückseite) Raum mit geringerem Hall, ohne Booth Raum mit geringerem Hall, mit Booth (offene Rückseite) Raum mit geringerem Hall, mit Booth (geschlossene Rückseite)

Danach baue ich die Vocal Head Booth in einem Raum mit deutlich weniger Hallanteilen auf. Auch hier liefert die Aufnahme mit offener Rückwand gute, die Aufnahme mit geschlossener Rückwand noch bessere Ergebnisse, was die “Trockenheit” des Mikrofonsignals angeht. Was mir beim Vergleich der Ergebnisse der verschiedenen Aufnahmeorte auffällt: Die Resultate sind tatsächlich vergleichbar. Das bedeutet, dass unabhängig von den jeweiligen Recording-Räumen und deren akustischem Fingerabdruck mit dieser Kabine Aufnahmen angefertigt werden können, die nahezu wie aus einem Guss klingen. Das gilt insbesondere dann, wenn die aufgenommenen Spuren auch noch in einen musikalischen Kontext wie einen Song, ein Hörspiel oder eine Dokumentation eingebunden werden oder bei einer Podcast-Moderation zusätzlich Hintergrundmusik läuft. Was mir außerdem positiv auffällt, ist dass die Aufnahmen keine super-störenden Frequenz-Anomalien aufweisen. Die Recording-Signale sind deshalb durchgehend absolut brauchbar.

Zielgruppensuche

Bleibt die Frage, für wen die t.akustik Vocal Head Booth eine passende Recording-Lösung ist. Wer nicht so viel Geld ausgeben möchte wie für eine ausgewachsene Gesangskabine oder schlichtweg nicht den Platz dafür hat, ist bei der Vocal Head Booth gut aufgehoben. Dasselbe gilt für diejenigen, die einen stark verhallten Raum für ihre Vocal-Recordings nutzen müssen, den sie nicht mit Akustikmaßnahmen aufbereiten können. Aufgrund der Größe und der fehlenden Zerlegbarkeit der Kabine ist ihr Transport allerdings mit einigem Aufwand verbunden. Hier wäre es schön, die Vocal Head Booth für den Transport auseinanderbauen zu können. So, wie sie momentan angeboten wird, eignet sich diese Kabine in erster Linie für den stationären Einsatz und nur sehr gelegentlich für einen Transport. Solltet Ihr eher Wert auf Mobilität legen, dann schaut auch mal in unsere Tests von weniger aufwändigen Mic-Screens hinein, wie den Aston Mircophones Halo oder den sE Electronics Space.
Wer denkt, dass die Vocal Head Booth nahezu ausschließlich Close-Miking ermöglicht, liegt überraschenderweise falsch. Das liegt zum einen daran, dass sich das Mikrofon samt Halterung im Inneren der Kabine mühelos verschieben lässt. Und das bis hin zu einer Reichweite, in der der Nahbesprechungseffekt (und damit die Basslastigkeit) des verwendeten Mikrofons zumindest nicht mehr ganz so stark ist. Zum anderen ist es mit geöffneter Rückwand durchaus möglich aus einiger Entfernung einzusingen/einzusprechen, sodass bei vielen Mikrofonen kein relevanter Nahbesprechungseffekt mehr greift. Hier können Sänger und Sprecher also gut variieren und die Kabine für ganz unterschiedliche Zwecke einsetzen. Eine mobile Kabine wie die Vocal Head Booth bringt aber auf jeden Fall Platzprobleme für Sänger und Sprecher mit sich. Wer auf große Gesten vor dem Mikrofon nicht verzichten kann oder eine energiegeladene Performance auch bei Aufnahmen benötigt, wird hier doch stark eingeschränkt. Auch das Gefühl, „abgekapselt“ zu sein, gefällt sicher nicht jedem dauerhaft.

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