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Superlux HA3D Test

Praxis

Schalter nichts für Grobmotoriker

Im Studio ist der Superlux HA3D schnell einsatzfertig. Meine vorhanden XLR-Zuleitungen zum bisherigen Kopfhörerverstärker stecke ich um und schon kann es losgehen. Die beiden Miniatur-Schiebeschalter für On/Off und Mono-/Stereobetrieb sind ein bisschen fummelig zu bedienen. Definitiv nichts für Grobmotoriker! Die Drehregler für die Lautstärke sind gerade noch weit genug voneinander entfernt, dass man sie gut bedienen kann. Viel Funktion auf wenig Raum, das ist immer eine Herausforderung – hier wurde sie ganz gut gemeistert.

Fotostrecke: 2 Bilder Die Art der Stromversorgung muss am Schiebeschalter ausgewählt werden: „INT“ mit Batterien oder „EXT“ mit Netzteil.
Fotostrecke

Reserve, Reserve, Reserve

Was erwartet man vom einem Kopfhörerverstärker? Vor allem, dass er laut macht, und zwar Kopfhörer verschiedenster Impedanzen. Zum Glück habe ich die Potis für die erste Inbetriebnahme alle auf Null runtergedreht! Mit Linelevel aus meinem RME-Interface befeuert, genügt nur ein kleines Aufdrehen des Lautstärkereglers und der angeschlossene Kopfhörer donnert los, als gäbe es kein Morgen! Soviel ist schon mal sicher: Leistung ist ausreichend vorhanden! Und Leistung ist im Studio immer wichtig, ich hab schon Schlagzeuger gesehen, die unterm Kopfhörer mit Gehörschutz trommeln! Da braucht es Reserven und die bietet der HA3D ohne Ende.
Ich schließe nach und nach alle Kopfhörer an, die so rumliegen, vom 250-Ohm-Studioboliden von Beyerdynamic, einen AKG-DJ-Kopfhörer und meine 32-Ohm-In-Ear-Hörer von Ultimate Ear und der HA3D läuft ohne zu mucken. Jenseits der 10-Uhr-Stellung komme ich mit dem Lautstärkeregler übrigens während des gesamten Tests nicht, egal welcher Kopfhörer am HA3D hängt. Es wird mir dann einfach zu laut! Viel Leistungsreserve ist eine gute Sache, aber für den mobilen Einsatz am Smartphone werden heute viele Hörer mit sehr geringen Impedanzen gebaut. Für einen hochempfindlichen In-Ear-Hörer ist die Lautstärkeregelung des HA3D nicht feinfühlig genug. Ständig bewegt man sich im unteren Regelbereich und ein halber Millimeter macht schon den Unterschied zwischen zu leise und zu laut. Erschwerend kommt hinzu, dass die verwendeten Potenziometer gerade auf den ersten Millimetern keinen sauberen Stereogleichlauf haben. Möchte man also ein sauberes Stereobild und etwas mehr Regelweg zum Einstellen der Lautstärke, hilft nur noch, den Kopfhörerverstärker mit weniger Pegel zu füttern.
Und noch einen Kritikpunkt zur Betriebssicherheit habe ich: Es gibt keinerlei optische Verbindung, welche Ausgangsbuchse zu welchem Lautstärkeregler gehört. Klar, sind die alle durchnummeriert, aber gerade weil der HA3D solch massive Lautstärken erzeugen kann, tut man gut daran den unerfahrenen Künstler in die Bedienung einzuweisen, um ein versehentliches „ver-stecken“ auf einen zufällig aufgedrehten Ausgang zu vermeiden.

Wie klingt der Headphone Amp?

Nach dem Probehören mit verschiedenen Kopfhörern kristallisiert sich nach und nach eine Tendenz heraus: Der Superlux HA3D klingt ausgewogen mit einem Hang zum Bass und einer leichten HiFi-Badewanne. Dass die tiefen Frequenzen trotz der moderaten Betonung immer noch transparent und mit trockenem Punch wiedergeben werden, ist im Tonstudio sicherlich hilfreich. Die Mitten, vor allem die oberen Mitten, sind etwas zurückgenommen. Das ist für entspanntes Musikhören ab und an gut, nicht aber für das Monitoring, zum Beispiel bei Vocal-Aufnahmen. Man sollte also bei Verwendung des HA3D in Recording-Studio die Möglichkeit haben, einen EQ in den Abhörweg einzuschleifen, um etwaige Klangwünsche der Musiker erfüllen zu können. In den Höhen spielt der HA3D ebenfalls eher defensiv auf. HiFi-Freundentränen kommen einem da nicht, aber der HA3D ist ein Arbeitstier und lassen mal wir die Kirche im Dorf: Was brauche ich Höhen jenseits der 12 kHz, wenn neben mir ein Drummer auf seine Trommeln und Becken einhämmert?

Klingen die Kanäle unterschiedlich?

In den Tiefen des Internets finden sich Berichte, in denen von unterschiedlich klingenden Ausgängen beim Superlux HA3D die Rede ist. Meine Vermutung: Die Nutzer haben sich an den Markierungen der Regler orientiert. Die Potis hinter den Reglern haben ziemliche Toleranzen und generell glänzen solche kleinen Stereo-Potenziometer nicht mit sauberem Stereogleichlauf. Sprich: Die Ausgänge lieferten bei gleicher Potistellung nicht zwingend identische Lautstärke – und klingen dann natürlich anders! Ich wollte es genau wissen und hab im ersten Schritt die Drehknöpfe (mechanisch) auf eine einheitliche Nullstellung justiert und die Ausgänge dann mit bei einem Kilohertz eingemessen. Dabei standen die Regler am Ende doch an deutlich unterschiedlichen Stellen. Aber ich kann zumindest die genannte Befürchtung entkräften: Die Ausgänge klingen bei identischer Lautstärke auch identisch.

Nach dem Einmessen stehen die Regler an deutlich unterschiedlichen Positionen. Die verbauten Potis weisen also deutliche Toleranzen auf.
Nach dem Einmessen stehen die Regler an deutlich unterschiedlichen Positionen. Die verbauten Potis weisen also deutliche Toleranzen auf.

Fehlendes Befestigungsgewinde

Was ich vermisse ist, ein Schraubgewinde, um den Superlux HA3D auf einem Mikrofonstativ befestigen zu können. Das wäre sehr sinnvoll, weil die ganzen Anschlüsse und Regler ja auf drei Seiten des Gehäuses verteilt sind. Ein fester Einbau in ein 19“-Rack ist also wenig praktikabel. Auf einem Stativ könnte man den Kopfhörerverstärker jedoch bequem zwischen den Musikern platzieren und jeder käme einfach an seinen Lautstärkeregler ran.

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