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SSL X-Limit Test

Praxis

Bedienung immer top, unentschlossen beim Design

Hinsichtlich der Parameter und ihrer Nutzung gibt es beim SSL X-Limit erwartungsgemäß keine negativen Überraschungen. Im Gegenteil, SSL zeigt seit rund einem halben Jahr und der Abkehr vom Slogan „SSL Native“, wie moderne Plugins auszusehen haben. 

Es funktioniert zunächst mal alles selbsterklärend und wie erwartet, sieht dabei angenehm nüchtern-modern aus und bleibt jederzeit übersichtlich. Bemerkenswert sind die vielfältigen Optionen, die man hat, um einige ausgewählte und wichtige Parameter an unterschiedlichen Stellen gleichzeitig im Plugin zu ändern: Threshold, Ceiling und Chan-Link beispielsweise.

SSL Bundle
Ein Lob an die aktuellen GUI-Designer, die neuen Plugins, oben, sehen alle dope aus. Der Rest wirkt im Vergleich schon etwas dated: Werte sind schlechter zu lesen, Schriftarten mittlerweile teils zu klein etc.

Ebenfalls nicht unwichtig: die Numerische Eingabe von Werten mittels Tastatur sowie die Unterstützung von Option und Command auf Klick. Dass das Memo noch immer nicht bei allen Plugin-Erstellern angekommen ist, schockiert mich immer wieder aufs Neue. Dass der Threshold hier explizit vom Reset-Click ausgenommen ist, zeigt hingegen Liebe zum Detail – denn das könnte ganz schnell sehrt laut werden.

Auf Nummer sicher

Die Nutzung an sich ist sehr simpel: Charakter wählen, Gain rauf bringen auf kurz vor 0 dB, Threshold anpassen, fertig! Je nach Ausgabemedium sollte noch die passende Ceiling festgelegt werden. Voreingestellt sind sind „sicherheitshalber“ – 0,1 dB, die auf Grund des integrierten True-Peak-Algos hier auch nicht überschritten werden.

Ob das auf dem finalen Wiedergabegerät des Kunden der Fall ist, steht auf einem ganzen anderen Blatt. Faustregel: -0,3 dB besser -0,5 dB für CDs. Hinsichtlich Streaminganwendungen orientiert man am Brachenprimus: Spotify empfiehlt mittlerweile -1 dB TP, um nicht in den Genuss ihres Limiters zu kommen – das könnte man gleich dauerhaft über das Default Preset speichern. Da letztlich mittlerweile alles auf Streaming und nachträgliches Leveling hinausläuft ist auch das meine neue Marke.

Unklarheiten beseitigen

Anfänger aufgepasst: Gain und Threshold gehen hier durchaus Hand in Hand, die Relation zueinander ist nur wichtig. Ob ihr den Threshold also auf -15 dB stellt und den Gain bei Null belasst oder aber den Gain um 10 dB anhebt und dafür den Threshold um 10dB nach oben auf -5dB korrigiert – es kommt aufs Gleiche raus, zumindest vom Limiting und dem Sound. Klar, der Ausgang wird natürlich 10 dB lauter, nur: Tappt nicht in die Falle und dreht das eine rauf und das andere wieder runter, um euch einen Unterschied einzubilden. 

Nulltest SSL X-Limit
Der Nulltest (Master) beweist, beide Einstellungen – +10/-5 und 0/-15 – löschen sich gegenseitig aus.

Gesagtes gilt hauptsächlich für den Master-Einsatz. Wer Limiter auf Spuren oder Gruppen nutzt, kann natürlich sich auch gänzlich unkonventionell austoben – und freut sich dann ggf. darüber, True-Peak ausschalten zu können, um CPU-Ressourcen zu sparen. Besonders mit den beiden Modes Punch und Glue kann man durchaus auch etwas „Sound“ machen. Grundsätzlich würde ich immer erstmal mit einen Compressor starten, für manche Art Vocals braucht es aber durchaus mal einen knallharten Limiter auf den Einzelspuren. Ob man dafür jetzt extra den SSL X-Limit braucht sei dahingestellt.

In folgenden Beispielen sind zunächst alle Werte gleich, ich ändere nur den Mode. Punch peakt dabei rund 3dB leiser und Glue ein halbes dB leiser als der Rest, welcher sich sonst recht identisch um -0,5 dB einpendelt. Deswegen gibt es da jeweils eine +3dB bzw. + 0.5dB Variante, um das auszugleichen. Etwas komisch, aber nun gut. Nutzt unseren HQ Mode um WAV zu hören, bei der MP3 Konvertierung passieren ansonsten auch noch mal eigene Dinge …

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Auto Transparent Glue Punch Punch +3 dB Glue +0,5 dB

Mir persönlich hat jedenfalls der Transparent Mode und auch der Glue im kurzen Testzeitraum am besten gefallen. Die Zeit und der Einsatz auf vielen verschiedenen Musikstilen können hier erst ein richtiges Fazit liefern. Aber selbst an unseren paar Beispielen kann man schon etwas Charakter im Vergleich zu anderen heraushören. Da sollten wir doch bald mal ein noch umfangreicheres Feature hinterher schieben!

Transparenter als andere

Bemerkenswert war jedenfalls die hervorragende Transparenz des X-Limit, vor allem im Vergleich zu den anderen typischen Vertretern. Der X-Limit behielt den Klang sowohl frequenztechnisch als auch – und das find ich besonders bemerkenswert – im Zeitbereich bei. Achtet mal besonders in den folgenden Rough-Mix-Beispielen drauf, wie die anderen Limiter den „Groove“ ändern.

Audio Samples
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Rough-Mix – Ableton Live 11 Limiter Rough-Mix – Apogee Soft Limit Rough-Mix – PA BX true peak limiter Rough-Mix – Fabfilter Pro l2 Rough-Mix – Ozone 9 Maximizer Rough-Mix – Softube Weiss MM-1 Rough-Mix – SSL X-Limiter

Teilweise klingen diese, als sei ein Gate auf den Drums oder der Beat schlecht quantisiert. Wir reden natürlich über Nuancen, aber ein Limiter sollte dem Mix nicht die Seele rauben. Auf der anderen Seite konnte man mit ausgewählten Alternativen das Master deutlich krasser aufblasen, ohne dass es mies, aber eben schon deutlich bearbeitet, klingt. Ob man einen Mix nun so gegen die Wand fahren muss, sei mal dahingestellt. 

Audio Samples
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Techno – Ableton Live 11 Limiter Techno – Apogee Soft Limit Techno – PA BX true peak limiter Techno – Fabfilter Pro l2 Techno – Ozone 9 Maximizer Techno – Softube Weiss MM-1 Techno – SSL X-Limiter
Fotostrecke: 5 Bilder Kein Hexenwerk: Weiss und Apogee klingen verdammt gut und machen keine Wissenschaft draus.
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Weiterhin empfand ich den X-Limit im Vergleich zum Weiss MM-1, meine nun zweite Wahl, gut um wichtige Features ergänzt. Der iZotope Maximizer ist ebenfalls gut, genau wie der BX True Peak, allerdings mit der Tendenz zum Komplizierten. Über das Fabfilter lässt sich das Gleiche sagen: Es macht ꞌnen schönen Bass, sieht mir aber wie alle Fabfilter-Sachen etwas zu sehr nach Computerspiel aus.

Der Apogee Soft Limit kost‘ gerade nix, ist allerdings etwas zickig, was den finalen Peak betrifft, dafür klingt er auch sehr angenehm. Tja, und der Ableton Limiter klingt im direkten Vergleich vielleicht etwas langweilig, macht seine Sache aber ebenfalls verdammt gut – und ist mit Abstand am einfachsten zu bedienen. Im Alltag wird man sowieso noch an den vorgelagerten Plugins rumspielen, bis das Ergebnis passt. 

Audio Samples
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Drums – Ableton Live 11 Limiter Drums – Apogee Soft Limit Drums – PA BX true peak limiter Drums – Fabfilter Pro l2 Drums – Ozone 9 Maximizer Drums – Softube Weiss MM-1 Drums – SSL X-Limiter

Äpfel und Birnen

Aber auch bei SSL sind nicht alle Trends vollständig angekommen. Skalierbar sind die Plugins alle nicht, was bei hohen Auflösungen und ohne Apple-Retina nerven kann. Schlimmer ist tatsächlich aber der fehlende Support von „M1 native“ bei den „älteren“ SSL Plugins: Was nutzt es einem, wenn nur ein paar Plugins auf dem neusten Stand sind? Außer Bitwig ist meines Erachtens nach dahingehend aber auch keine DAW dazu in der Lage, alt und neu zu mischen. Somit hoffe ich, dass auch die restlichen Plugins des Bundles bald den neuen Look erhalten und vor allem schleunigst vollständige M1-Kompatibilität bieten. Ach ja: und so eine Anzeige der LUFS in einem Limiter-Plugin hätte irgendwie auch Sinn gemacht.

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