Anzeige

Schallwandler Podcast: Dr. Motte

Kaum ein Mensch hat die elektronische Musikszene so entscheidend geprägt und verändert wie Dr. Motte. Er gilt als der Vater der Loveparade und ist auch heute noch ein  Botschafter der elektronischen Musik weltweit. Sein Sound ist energetisch und vielschichtig. In seinen DJ-Sets verbindet Dr. Motte Acid mit treibendem Techno und nimmt sein Publikum mit auf spannenden Trips durch seinen Kosmos.

(Photo by Petrov Ahner)
(Photo by Petrov Ahner)

Noch bevor Techno die Tanzflächen der Welt eroberte, stand Dr. Motte als DJ hinter den Turntables. Auf der Suche nach neuen musikalischen Erfahrungen tauschte der Autodidakt 1985 Schlagzeug und Sticks gegen Vinyls und Plattenspieler. In seinem eigenen Club Turbine Rosenheim entwickelte er schon früh seinen Stil des Mixings, für den er aus einem umfangreichen Repertoire aus Jazz, Punk, Funk, Soul, Disco und EBM schöpfte. Wie kaum ein anderer schaffte er es, all diese Genres miteinander zu verknüpfen. In der Turbine Rosenheim veranstaltete er, nur zwei Jahre später, die ersten Acid House Partys in Berlin.
Dr. Motte ist Mitgründer des Kultlabels Space Teddy Recordings, auf dem er 1992 erstmalig unter dem Namen Dr. Mottes Euphorhythm sein erstes Album Chill Out Planet Earth veröffentlichte. Im selben Jahr erschien auf Tresor Records eine weitere Platte, durch die dem Berliner Techno endlich auch der internationale Durchbruch gelang und die bis heute als eine der wichtigsten Scheiben dieser Zeit gilt: 3Phase feat. Dr. Motte – Der Klang der Familie.
Dieser erfolgreichen Kooperation folgten noch viele weitere, unter anderem mit Robert Babicz, Gabriel Le Mar, Tom Wax, Westbam, Namito, 3 Phase, Johnny Klimek, Paul Browse, Marc Van Linden, DJ Dag und vielen mehr.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Als „Forscher“ auf der ständigen Suche nach neuem Sound gründete Dr. Motte 2010 sein Plattenlabel PRAXXIZ. Kompromisslos präsentiert er darauf in unregelmäßigen Abständen Musik, die seinen persönlichen Geschmack und sein Verständnis für qualitativ hochwertige elektronische Musik widerspiegelt. Das FAZEmag kommentierte die Best Of PRAXXIZ CD-Compilation mit dem Satz: „PRAXXIZ rettet das Gefühl von damals mit den Sounds der Moderne in die Zukunft.“
2015 feierte Dr. Motte sein 30-jähriges DJ-Jubiläum mit einer internationalen Tour unter dem Motto der ersten Loveparade: FRIEDE. FREUDE. EIERKUCHEN. // 30 Years Of Dr. Motte. Tour-Stopps gab es unter anderem in Australien, China, Italien, Indien, Polen, Österreich, Ungarn, den Niederlanden und natürlich in Deutschland.
Ehe Dr. Motte mit Musikproduktionen und Remixen erfolgreich wurde, hatte er 1989 im Jahr des Berliner Mauerfalls eine Idee in die Tat umgesetzt, die ein neues Kapitel in der Musikgeschichte schreiben sollte: eine Demonstration zur Darstellung der Gegenwartskultur der elektronischen Tanzmusik namens Loveparade.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Am 1.7.1989 fand die Loveparade erstmals in Berlin statt und war als politische Demonstration für „Friede, Freude, Eierkuchen“ angemeldet worden. Die Idee dazu hatte Dr. Motte sechs Wochen zuvor, am Morgen vor einer Party-Location in Berlin-Kreuzberg. Nachdem ihm Bekannte von illegalen Raves in England erzählt hatten und wie die Gäste nach deren Auflösung durch die Polizei einfach auf der Straße weitergetanzt hatten, war Dr. Motte inspiriert von diesem Bild. Er überlegte, wie dieser Spirit in Berlin Ausdruck finden könnte. Schließlich kam ihm die Idee, eine Demonstration anzumelden.
Was anfangs nur ein gemeinsames Tanzen auf der Straße sein sollte, wurde schnell politisch, als für die Anmeldung ein Demonstrationsgrund nötig wurde. Und so beschloss man eine Demonstration für „Friede, Freude, Eierkuchen“ durchzuführen. Dabei stand „Friede“ für Abrüstung, „Freude“ für Musik als Mittel der Völkerverständigung und „Eierkuchen“ für eine gerechte Nahrungsmittelverteilung.
Die Technokultur entwickelte sich zur wichtigsten Jugendbewegung der 90er Jahre, die Loveparade zu ihrem inoffiziellen Feiertag. Die Zahl der Teilnehmer stieg innerhalb von zehn Jahren von 150 auf sagenhafte 1,5 Millionen Raver, die gemeinsam friedlich auf der Straße des 17. Juni tanzten. Trotz des überwältigenden, auch kommerziellen Erfolges der Parade blieb Dr. Motte seiner klaren, musikalischen Linie und dem Spirit der ersten Stunde treu. Nach dem Verkauf der Marke Loveparade im November 2005 und der Parade im darauffolgenden Jahr distanzierte er sich aus inhaltlichen und idealistischen Gründen öffentlich.
Zum 30-jährigen Bestehen der Loveparade hat Dr. Motte 2019 eine Ausstellung in Berlin kuratiert: „30 Jahre Loveparade“, die erste Sonderausstellung zur Geschichte der Parade.
In Zusammenarbeit mit dem Berliner Kurator Michael Geithner aus den 90er Jahren gibt Dr. Motte persönliche Einblicke in die außergewöhnliche Geschichte der Berliner Loveparade. Sie zeigen, dass die Idee, Menschen in Vielfalt unter dem Dach der elektronischen Musik zu vereinen, in Berlin bis heute Bestand hat. Die Sonderausstellung ist eine Erweiterung der Dauerausstellung und die läuft noch bis zum 31. Januar 2020. Tickets und weitere Infos gibt es hier.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Schallwandler

Elektronische Musik Fans und Tänzer weltweit pilgern nach wie vor zu Dr. Mottes Auftritten. Wo der Doktor die Platten dreht, teilen sich Oldschool-Raver und die Generation Z die Tanzfläche und erleben dabei ein ganz besonderes Wir-Gefühl. Der Kult DJ ist immer noch ziemlich busy, egal ob er gerade auf großer Tour ist, wie jüngstens in Australien, Indien oder Japan, ob er die Bühnen großer nationaler und internationaler Festivals wie dem Antaris Project rockt oder kultige Clubs weltweit bespielt wie den Pepper Club in Shenzhen in China oder sich auf einer Charity-Veranstaltung engagiert. Mit fast 60 ist Motte so agil und voller Pläne wie eh und je.
Ich habe Dr. Motte erstmals als DJ Anfang der 90er Jahre in der Ständigen Vertretung im Tacheles in Berlin gesehen und gehört. Für mich eine der besten Partys ever. Ich war von Anfang bis Ende nonstop auf dem Dancefloor! Der Spirit zu dieser Zeit war einfach  besonders!
Obwohl ich häufig auf Partys von und mit Motte war, habe ich ihn jedoch bis heute nie persönlich kennengelernt. Darum habe ich mich ganz besonders auf diese Begegnung gefreut. Da Motte selbst gerade kein Studio nutzt, kam er einfach zu mir. Da er ganz in der Nähe wohnt, hatte er es nicht weit. Gewohnt lässig und stylish mit Basecap und coolen Sneakers stand er etwas verspätet vor meiner Tür und hatte große Lust zu erzählen. Besonders gefreut hat mich eine kleine Anekdote aus seiner Jugend über ein Projekt mit einem Freund, in dessen verlottertem Zimmer die beiden Spandauer Boys sehr kreativ waren.
Was die beiden gebaut haben und was Motte sonst noch zu berichten hatte, das alles gibt es in dieser Ausgabe vom Schallwandler zu hören. Viel Vergnügen!

Hot or Not
?
(Photo by Petrov Ahner)

Wie heiß findest Du diesen Artikel?

flame icon flame icon flame icon flame icon flame icon
Your browser does not support SVG files

von Krause Manuela (manou)

Kommentieren
Kommentare vorhanden
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Für dich ausgesucht

Schallwandler Podcast: Electric Indigo

DJ / Feature

Electric Indigo ist eine der Grande Dames des Techno, sowohl als DJ als auch als Produzentin. Ihre DJ Karriere begann 1989 in Wien. Danach arbeitete sie einige Jahre in Berlin im legendären Hard Wax Plattenladen und bespielte die Dancefloors sämtlicher angesagter Clubs und Festivals weltweit. Die Detroit-Musikszene hat die Künstlerin besonders stark geprägt. 2002 hatte Indigo die Gelegenheit, auf der Hauptbühne des Detroit's Electronic Music Fest aufzulegen. 2020 erhielt sie den Österreichischen Kunstpreis für Musik.

Schallwandler Podcast: Electric Indigo Artikelbild

Bevor Susanne Kirchmayr zur Musik kam, hatte sie zunächst einige andere Pläne. Als Teenager träumte die gebürtige Wienerin davon, Kunst zu studieren. Da sie wusste, dass ihre Eltern dass sicher nicht so toll fänden, entschied sie sich stattdessen für Architektur und begann erst mal ein Studium an der TU in Wien. Spaß gemacht hat es ihr nicht und sie überlegte, das Fach zu wechseln. Die Modeklasse von Jean-Charles de Castelbajac oder Vivienne Westwood reizten die junge Studentin wesentlich mehr. Zweimal versuchte sie auch die Aufnahmeprüfung zum Industrial Design, bevor sie Ausflüge in folgten Linguistik und Archäologie unternahm. Das war dann der letzter Studienversuch, bevor Susanne dem Universitätsbetrieb endgültig den Rücken kehrte. Musik war seit jeher ihre große Leidenschaft und sie hat schon früh damit begonnen, Schallplatten zu sammeln. In ihrem damaligen Wiener Stammlokal Trabant stand Susanne dann 1989 das erste Mal selbst hinter den Plattentellern. Sie spielte Funk, Jazz, Hiphop und den Leuten hatte es gefallen, so bekam sie ihren ersten fixen Abend als DJ. Ihre Schallplatten kaufte die österreichische Musikliebhaberin zu der Zeit im Black Market, wo u. a. Wiens erster House DJ Geb.el arbeitete. Als der ihr eines Tages Platten von DJ Rush und von Underground Resistance in die Hand drückte, war es um Susanne Kirchmayr geschehen: Sie war mit dem Chicago- und Detroit-Virus infiziert. Leider nicht unbedingt das, was Anfang der 90er in Wien gehört wurde. Als sie im Trabant Techno auflegte, flog sie hochkant raus. DJ Hell war es, der Susanne schließlich ermutigte, Wien doch einfach den Rücken zu kehren. München und Berlin wurden die Ausgangspunkte ihrer internationalen Karriere in der elektronischen Musik.

Schallwandler Podcast: Pantha du Prince

DJ / Feature

Hendrik Weber alias Pantha du Prince ist einer der Popstars der elektronischen Musikszene und hat sich definitiv seinen Ruhm verdient. Im Laufe der Jahre entwickelte er einen einzigartigen Signature-Sound. Wirbelnde Synthesizer, eine stets präsentierte Melancholie und sein Markenzeichen. Die Glocken bilden zusammen das, was heute als „Eiskristalltechno“ (Spex) bekannt ist. Seine Alben „This Bliss“ und „Black Noise“ gelten nach wie vor als zwei der schönsten elektronischen Alben der letzten Jahre.

Schallwandler Podcast: Pantha du Prince Artikelbild

Pantha du Prince ist das Soloprojekt von Hendrik Weber, der 1975 in Bad Wildungen, dem "hessischen Sibirien", geboren wurde. Als Teenager mit 13 Jahren entdeckte Hendrik für sich die Gitarre und so spielte er zunächst Bassgitarre in diversen Bands, wie z. B. ab 2000 bei der beliebten Hamburger Indie-Combo „Stella“, einer der Nachfolgebands der „Hamburger Schule“, die mit einer Mischung aus Rock, Pop und elektronischen Elementen bekannt wurde. Später wechselte Weber zur elektronischen Musik. Er startete mit  einem 16-Kanal-Studiomixer, der Drohnen mit Samples und einem Computer kombinierte.

Schallwandler Podcast: Robert Babicz

DJ / Feature

Seit den 90ern ist Robert Babicz mit seinen zahlreichen Pseudonymen wie Rob Acid, Acid Warrior, Atlon Inc., Department Of Dance, Dicabor, Sontec oder Twirl eine Institution in der Szene und einer der bekanntesten Vertreter des Acid Techno. Von der Love Parade über die Mayday bis hin zu zahlreichen Festivals weltweit hat Babicz alle wichtigen Techno-Events bespielt und rockt auch heute noch sämtliche Floors, inzwischen allerdings nur noch unter bürgerlichem Namen: Robert Babicz

Schallwandler Podcast: Robert Babicz Artikelbild

Als Anfang der 90er Jahre in Deutschland das Acid-Fieber ausbrach, erschien Robert Babicz auf der Bildfläche und war mit seinen fast 2 m Körpergröße nicht zu übersehen, geschweige denn zu überhören. Unter anderem als „Rob Acid“ verwandelte er seine Roland TR-303 in einen aggressiven Flammenwerfer, prügelte damit auf die verzückten Fans ein und wurde so eine der zentralen Figuren der Acid-Techno-Szene.

Bonedo YouTube
  • Roland T-8 Sound Demo (no talking)
  • Knobula Kickain Sound Demo (no talking)
  • Buchla Tiptop 245t and 257t Sound Demo (no talking)