Anzeige

Remo Powerstroke P3 Fiberskyn und Hazy Felt Tone Bassdrum Felle Test

Willkommen im Gestern! Die Schallplatte ist zurück, Retro-Drumsets sowieso, und jetzt erweitert der amerikanische Fellhersteller Remo seine Produktpalette um Bassdrum-Felle mit integrierten Filzstreifen. Pionier ist man damit allerdings nicht, bei Aquarian sind ähnlich konstruierte Felle bereits seit ein paar Jahren im Sortiment. Powerstroke P3 Hazy und Fiberskyn Felt Tone heißen unsere heutigen Testexemplare mit vollem Namen, erhältlich sind die Modelle zusätzlich auch in einer „coated“ Variante, welche jedoch nicht Teil des Reviews ist. Da stellt sich natürlich die Frage, warum man in Zeiten einer kaum noch überschaubaren Zahl vorgedämpfter Felle und Muffling-Methoden noch eine weitere braucht?

Remo_FeltTone_BD_Fell_TotaleFIN


Der Ansatz, den Ausklang der Bassdrum mithilfe eines Textilstreifens zu begrenzen, ist fast so alt wie das moderne Drumset selbst. Wer historische Fotos von Schlagzeugen betrachtet, wird häufig auf den sich hell hinter dem Resonanzfell abzeichnenden Sustain-Dämpfer stoßen, Trommler aller Stile haben damals damit gearbeitet. Vorgedämpfte Felle gab es noch nicht, und auch die Ventilierung der Trommel mittels Öffnung im Resonanzfell setzte sich erst durch, als die Musik lauter wurde und man für rockige Stile mehr „Kick“ im Bassdrumsound und die Möglichkeit der internen Mikrofonierung benötigte. Obwohl der Filzstreifen mit dem Aufkommen von Spezialfellen wie dem Remo Powerstroke, dem Evans Emad oder dem Aquarian Superkick aus der Rock- und Popmusik nahezu verschwunden ist, schwören besonders Anhänger einer natürlich klingenden Bassdrum nach wie vor auf die etwas schrullige Textil-Lösung. Ob Remos komfortabel zu handhabende Neuzugänge den klassischen Sound erzeugen, lest ihr auf den folgenden Zeilen. 

Details & Praxis

Die Filzstreifen sind nicht mit der Folie verklebt

Meine beiden Testobjekte messen jeweils 20 Zoll und sind – abgesehen von den Folien – identisch gefertigt. Ihre Basiskonstruktion ohne Felt Tone Feature findet sich auch bei anderen Produkten wieder. So entspricht die Fiberskyn Felt Tone Version dem Fiberskyn 3 FD Diplomat Bassdrum-Fell, welches über eine spezielle, einem Naturfell nachempfundene Struktur verfügt. Das Hazy-Modell hingegen teilt sich seine Folie mit einem Smooth White Ambassador, also einer glatten, semi-transparenten Ausführung mittlerer Stärke. Wer angesichts des Powerstroke P3-Labels beider Testfelle den charakteristischen, breiten Dämpfring am Rand erwartet hat, wird bei der näheren Inspektion der Innenseiten eines Besseren belehrt. Um die Membranen nicht zu überdämpfen, haben die Remo-Entwickler den Felt Tones nur einen 1,3 Zentimeter breiten, durchsichtigen Innenring spendiert, welcher etwa auf einem Drittel des Fellrundes zudem eine Art Trägerbrücke von knappen 5,5 Zentimetern Breite bildet. Mit der Unterseite dieser Brücke sind die Filzstreifen vollflächig verklebt, das Fell selbst berühren sie zwar, sind aber nicht mit ihm verbunden. Das verwendete Filzmaterial ist etwas fester und dicker ausgeführt als mein eigener, separater Bassdrum-Dämpfungsfilz. Die Verarbeitung der Testexemplare ist gut, wobei zu erwähnen ist, dass der Filzstreifen beim Hazy Modell nicht besonders passgenau eingesetzt wurde und sich daher auf einer Seite etwas von der Folie abwölbt.  

Fotostrecke: 5 Bilder Die Filzstreifen berühren nicht den Kessel…
Fotostrecke

Im Handling sind die Felt Tones der klassischen Lösung klar überlegen

Wer mal mit einem Filzstreifen als Dämpfung gearbeitet hat, der weiß, dass das Einlegen, Straffen und Stimmen des Fells eine etwas knifflige Angelegenheit sein kann. Sie geht so: Streifen an der gewünschten Position über den offenen Kessel legen, Fell darüber platzieren und gleichzeitig darauf achten, dass der Filz darunter gespannt und faltenfrei bleibt. Bei Kesseln, die nicht unterdimensioniert gefertigt sind (also bei fast allen alten Bassdrums) gilt es zudem, dem korrekten Sitz des Fellkragens mit etwas Druck nachzuhelfen, denn der Filzstreifen erzeugt eine Verdickung des Kessels. Ist das geschafft, gilt es, dem Fell eine passende Stimmung zu entlocken, was oft gar nicht so einfach ist, denn die Modifikation wirkt wie eine absichtlich herbei geführte Gratungsbeschädigung. All diesen Malaisen wird der Anwender der Remo Felt Tones nicht ausgesetzt, denn die Filzstreifen berühren die Gratung nicht, und die Konstruktion gewährleistet zudem immer eine passende Spannung der Textileinlage. Bei der Handhabung gibt es also schonmal Pluspunkte, die Felt Tones lassen sich wie konventionelle Felle verwenden.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Im Einsatz geben sich die Felt Tones trocken und kontrolliert

Um heraus zu finden, was die beiden Testkandidaten klanglich so drauf haben, habe ich sie in verschiedenen Anwendungen an meiner 20×13 Zoll großen Wahan Buche Bassdrum ausprobiert und aufgenommen. Dabei habe ich versucht, möglichst konstante Tunings zu erzielen, um eine gute Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Eines wird schon beim Klopftest ohne Bassdrum klar: Die beiden Felt Tones tragen das P3-Label zu Recht, denn sie erzeugen trockene Sounds mit sehr kurzem Sustain. Daran dürfte nicht nur der eingebaute Filzstreifen selbst einen großen Anteil haben, sondern auch der schmale Dämpfring. Im Vergleich mit meinen beiden Referenzfellen, dem Fiberskyn FD sowie dem Ambassador Smooth White fällt auf, dass der Grundcharakter beider Felle weitgehend erhalten bleibt, insgesamt aber eben deutlich kontrollierter ausfällt. Ich habe euch einige Soundfiles aufgenommen, wobei ich komplett auf weitere Dämpfung im Bassdrum-Inneren verzichtet habe. In den ersten vier Beispielen hört ihr die beiden Testobjekte einmal einzeln und einmal im Groove, wobei der erste Teil jeweils mit aufgelegtem Fuß gespielt ist, der zweite mit „versenktem“ Beater. Vor dem Resonanzfell ist die Bassdrum ist mit einem Sontronics DM1-B Mikrofon abgenommen, ein Kondensator Bassdrum-Mikrofon mit tendenziell neutralem Klang. Auf der Schlagseite kommt ein auf den Auftreffpunkt des Beaters gerichtetes Shure SM57 zum Einsatz und für  den Gesamtklang ein Mojave MA201fet Großmembrankondensator-Mikrofon in etwa einem Meter Entferung zum Resonanzfell. Im Video könnt ihr euch zusätzlich anhören, wie die Testfelle auf der Batter-Seite klingen.

Fotostrecke: 3 Bilder Im Praxistest wurden beide Felle als Schlag- (siehe Video) und …
Fotostrecke
Audio Samples
0:00
Felt Tone Hazy als Resonanzfell – Einzelsounds Felt Tone Hazy als Resonanzfell – im Set Felt Tone Fiberskyn als Resonanzfell – Einzelsounds Felt Tone Fiberskyn als Resonanzfell – im Set

In puncto Flexibilität sind die Felt Tones begrenzt 

Die folgenden vier Klangbeispiele habe ich mit dem Ambassador Smooth White aufgenommen, einmal ohne und einmal mit manuell angebrachtem Filzstreifen. Hier wird besonders deutlich, dass die Felt Tone Konstruktion ziemlich radikal in das Obertonverhalten der Basisfelle eingreift. Wer also einen natürlichen Bassdrumsound mit „atmendem“ Resonanzfell-Anteil sucht, wird vielleicht nicht unbedingt glücklich mit den fest installierten Streifen, wobei ich davon ausgehe, dass größere Bassdrums ein etwas längeres Sustain begünstigen, weil der Filzanteil im Verhältnis zur Membranfläche geringer ausfällt. Als Sound-Bastler vermisse ich auch die Flexibilität, welche die traditionelle Lösung mit separatem Filzstreifen mit sich bringt. Dies gilt allerdings auch für die anderen vorgedämpften Fell-Modelle und kann den Felt Tones nicht als Nachteil angekreidet werden.  

Audio Samples
0:00
Remo Smooth Ambassdor, ohne Filz – Einzelsounds Remo Smooth Ambassdor, ohne Filz – im Set Remo Smooth Ambassdor, mit Filz – Einzelsounds Remo Smooth Ambassdor, ohne Filz – im Set
Kommentieren
Profilbild von Felix

Felix sagt:

#1 - 02.11.2017 um 07:18 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Wie verhält es sich mit der Kontrollierbarkeit beim Spielen? Muss ich zwingend offen spielen bzw. wie hast Du gespielt? Beater aufgelegt oder nicht?
Liebe den Sound von geschlossenen Kicks, schnelle Doppelschläge oder ähnliches klingen bei mir aber einfach nicht "sauber".Danke für den guten Beitrag!

    Profilbild von Max Gebhardt

    Max Gebhardt sagt:

    #1.1 - 02.11.2017 um 18:59 Uhr

    Empfehlungen Icon 0

    Hi Felix, danke für deinen Kommentar, guter Punkt! Im Video habe ich den Rimclick-Part immer mit aufgelegtem Fuss und zurückkommendem Beater gespielt, den kräftigeren Backbeat-Teil mit Beater im Fell und Heel Up. Geschlossene Kicks haben ja den Vorteil, dass die darin befindliche Luft länger zwischen den Fellen hin- und her wandern kann. Dadurch verändert sich zwangsläufig auch die Kontrollierbarkeit. Wenn du diesen ploppigen, atmenden Sound magst, wirst du nicht umhin kommen, den Beater vom Fell zu nehmen. Und da braucht es einfach Training. Du musst aber dafür nicht automatisch mit aufgelegtem Fuss spielen, ich selbst verwende eine Kombination aus Heel Up und schnellem "Zurücklegen" der Ferse. Dadurch kann der Beater zurück, ich bekomme aber auch Power. Diese Technik ist bei größeren Bassdrums sehr effektiv, wie ich finde. Aber auch hier gilt: üben :-) beste Grüße Max

    +1
Kommentare vorhanden
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.