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Play-Alike Nick Johnston – E-Gitarren Video-Workshop

Nick Johnston ist einer der jungen Ausnahmegitarristen, die ihren Bekanntheitsgrad in hohem Maß dem Internet zu verdanken haben. In dieser Hinsicht war das weltweite Netz ein “Gamechanger”, der einerseits die Verkaufszahlen der Plattenindustrie drastisch zurückgehen ließ, aber andererseits vielen jungen Künstlern die Chance eröffnete, sich selbst zu promoten und eine eigene Fanbase aufzubauen. Der kanadische Saitenwizzard gehört auf jeden Fall zu den neuen “Young Guns” der Gitarrenszene und hat sich mit seiner Spielweise, aber auch mit der intelligenten Selbstvermarktung seiner CDs, auf denen solche Größen wie Guthrie Govan oder Marco Minnemann vertreten sind, einen festen Platz in der Gitarrenwelt sichern können.

(Bild: © Meinl)
(Bild: © Meinl)


Jüngst erst würdigte ihn die Firma Schecter mit einem eigenen Edel-Stratmodell und auch hier in Deutschland ist der in Ontario ansässige Musiker regelmäßig auf Clinictour anzutreffen. Wir haben uns die Chance nicht nehmen lassen, mit Nick im Zuge seiner D´Addario Workshoptour ein kleines Interview mitsamt Masterclass zu führen, bei dem er uns Einblicke in seinen sehr eigenen Spielstil offenbart und aus dem Nähkästchen plaudert.

(Bild: © Meinl)
(Bild: © Meinl)

Das Interview:

Hi Nick, wie bist du zur Musik gekommen?
Mein Vater war ein großer Musikliebhaber und zuhause lief quasi ständig Musik. Damals hat mich das Spielen eines Instruments noch nicht wirklich interessiert, aber als ich mit 14 Jahren den Nachbarsjungen kennenlernte, der Gitarre spielte, war ich von dem Instrument so fasziniert, dass ich es auch lernen wollte und übte ab dem Zeitpunkt wie ein Besessener.
Und du hast auch tatsächlich direkt mit E-Gitarre begonnen?
Ja genau, und habe mich auch anschließend nicht wirklich mit klassischer Gitarre beschäftigt. Ich weiß, dass das auch oft kulturell bedingt unterschiedlich gehandhabt wird und man in anderen Ländern gerne mit Konzertgitarre beginnt, aber um ehrlich zu sein wollte ich von Anfang an Rockgitarrist sein. Ich hatte eine Squier Bullett, einen Fender Amp und einen DOD-Verzerrer, den ich zwar heute grauenhaft finde, der mir aber damals die ganzen Sounds ermöglichte, auf die ich stand und ich war glücklich damit.
Ich hatte auch zuvor nie etwas in meinem Leben gefunden, auf das ich mich intensiv konzentrieren konnte wie Sport oder ähnliches. Das Gitarrenspiel war zum ersten Mal etwas, worin ich gut war und bei dem es mich nicht störte, Zeit alleine zu verbringen. Obendrein bemerkte ich, dass ich schnell besser wurde und das bestätigte auch mein Selbstbewusstsein in Teenagerzeiten. Außerdem merkt man bei einem Instrument schnell, wie viel es zu entdecken gibt und wie tief der “Brunnen” ist. Man könnte eine Münze hineinwerfen und sie würde nie unten ankommen.
Du sagst in Interviews, Yngwie Malmsteen ist eines Deiner Idole und doch basiert dein Spielstil sehr stark auf Legatotechnik und kaum auf Alternate Picking. Wie ist das entstanden?
Ja, viele Sounds meiner Idole habe ich nicht wirklich übernommen wie z.B. Jeff Beck, Eddie Van Halen, Stevie Ray Vaughan oder Django Reinhardt, die ohnehin unmöglich zu kopieren sind. Aber ich habe mir gewisse Spielweisen oder Elemente angeeignet, auch wenn ich nie so klingen würde.
Was ich an Yngwie bewundert habe, war diese Kühnheit und Unerbittlichkeit. Er spielte diese wahnwitzigen Dinge mit wenig Hilfsmitteln, um sein Spiel zu kaschieren, sondern ging direkt mit Booster in den Amp. Was man hörte, war immer ehrlich und eben Yngwie. Das gleiche gilt für Eddie. Das habe ich immer bewundert und versucht, in mich aufzunehmen – alle spielen dasselbe Instrument und klingen doch vollkommen unterschiedlich, und alle sind schlichtweg nicht imitierbar und großartige Improvisateure.

(Bild: © Meinl)
(Bild: © Meinl)

Du improvisierst auch alle Soli auf Deinen Platten. War es jemals für Dich eine Option, ein Solo vorher auszuchecken und festzulegen?
Ich habe festgestellt, dass ich die Aufnahmen später nicht mehr mag, wenn ich zu viel Zeit mit dem Komponieren von Soli verbringe oder zu sehr und zu strikt den Changes folge, und sogar den Gitarristen hasse, der ich zu dem Zeitpunkt war. Ich will die Solosektion nutzen um das zu spielen, was ich in dem Moment fühle – nur so entstehen die wirklich interessanten Dinge und die Magie.
In einer Studioumgebung kommt man auch mit einem schlechten Take weg, da man ja mehrere Versuche hat. Live ist das etwas anderes und sehr aufregend: “Wird das heute Abend funktionieren? Wenn nicht, auch o.k., dann eben am Abend darauf.”
Hast Du auch viel Fusion gehört? Du verwendest viel Chromatik und Melodisch- oder Harmonisch-Moll-Tonleitern?
Nicht wirklich. Ich bin kein großer Fusion-Fan, weil ich die Musik sehr entfremdend finde. All die bizarren Harmonien und Kompositionen haben mich nie berührt. Ich mag allerdings viele Fusiongitarristen wie z.B. Scott Henderson, der allerdings auch sehr starke Bluesroots hat oder den Australier Brett Garsed, der wiederum mehr im Rock beheimatetet ist. Vieles von der Chromatik in meinem Spiel habe ich aus einer Zeit, als ich in einer Worldmusic Band gespielt habe und mir viele Gypsy-Gitarristen angehört habe. Sowohl das Timing als auch das Tonmaterial fand ich faszinierend und sehr inspirierend.
Hast Du nach deiner Schulzeit Musik studiert oder dich zumindest privat mit Jazz oder jazzverwandten Musikrichtungen beschäftigt?
Nein, ich war nicht sonderlich gut in der Schule und je schneller ich aus dem Schulalltag wegkommen konnte, umso besser (Lachen)! Ich war auch froh über diese Entscheidung, denn ich kenne viele, für die das Musikstudium nicht wirklich das erwünschte Resultat erbracht hat und für meinen persönlichen Weg habe ich es als irrelevant betrachtet. Das ist jedoch sehr persönlich und es gibt keinen richtigen oder falschen Weg.

Haiko Heinz with Nick Johnston
Haiko Heinz with Nick Johnston

Als du deine intensive Übephase hattest, wie bist du das Üben angegangen? Hattest Du ein Konzept oder Struktur für Dich?
Ich war nie ein sehr strukturierter Über. Viel von dem, was ich übte, war auf Harmonien, Harmonielehre und Songwriting fokussiert, einfach, um ein Gefühl für Sounds zu bekommen, die ich mag. Ich wollte zwar Rockplayer sein, der Blues und Gypsy-Swing und Jazz verbinden konnte, aber die Musik sollte zugänglich, melodisch und einfach sein. Ich mochte den Gedanken, simple Melodien mit interessanten Akkorden zu unterlegen.
Was das Improvisieren angeht, habe ich einfach nur gespielt und die Technik kam erst danach. Ich hab niemals wirkliche “Übungen” im herkömmlichen Sinne gespielt.
Wie gehst du deine Kompositionen an?
Hier wechsle ich oft das Instrument und setze mich ans Klavier, weil ich mich nicht zu sehr auf “Griffbrettautomatismen” verlassen will. Ein anderes Instrument verleiht einen anderen Zugang dazu. Auch Melodien versuche ich eher zu singen, als sie auf der Gitarre zu komponieren. Viele Ideen kommen jedoch auch direkt aus der Improvisation und wenn mir etwas besonders gefällt, gehe ich der Idee nach.
Kommen wir zu Deinem Equipment. Du verwendest keine Effekte und schwörst auf dein Schecter Modell und den Mesa Boogie Triple Crown?
Manchmal setze ich etwas Delay oder Reverb ein, ansonsten gehe ich direkt in einen Mesa Boogie Triple Crown. Mein Custom-Modell von Schecter ist im Prinzip eine Strat, besitzt jedoch einen Wenge-Hals und eigens für mich gewickelte Custom Tonabnehmer. Das Tremolo ist das Schecter Fulcrum, das ich jedoch ohne Tremoloarm einsetze!

(Bild: © Meinl)
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Der Workshop:

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Ok, kommen wir nun zu Deinen Spielweisen.
Du bist bekannt für Deinen Einsatz von Hybrid-Picking-Technik (bei der der Upstroke durch den Mittelfinger der Pickhand ersetzt wird) und Legatospiel. Wie gehst Du Deine Lines an? Hast Du kleine Chunks, die Du aneinanderhängst?

Ja, da ich Linkshänder bin, der aber rechtshändig spielt, war das für mich stets viel natürlicher als Wechselschlag, und Alternate Picking ist mir immer extrem schwer gefallen. Vieles von den ganz schnellen Sachen kommt natürlich aus dem motorischen Gedächtnis, denn man kann beim Improvisieren nicht in so einem hohen Tempo denken.
(Anmerkung: Nick stimmt seine Gitarre einen Halbton tiefer, die Tabulatur ist jedoch in Standard Tuning. D.h., wer mitspielen will, muss sein Instrument auf Eb stimmen! Der Buchstabe M in der Tabulatur kennzeichnet den Mittelfinger der Pickhand, der zum Anschlagen verwendet wird. Die jeweiligen Beispiel sind im Video unten gekennzeichnet)
Eines meiner Rudiments wäre z.B.

Example 1
Example 1

Oder auch mit einer größeren Dehnung, bzw. kann man dieses Rudiment auf alle Saiten übertragen:

Example 2
Example 2

Spielt man das über alle sechs Saiten in einer Skalenposition, erhält man folgende Line:

Example 3
Example 3

Manchmal addiere ich auch Noten aus melodisch oder harmonisch Moll, die ich dann auch etwas perkussiver spiele und betone:

Example 4
Example 4

Solche Scales lassen sich auch gut chromatisch auffüllen:

Example 5
Example 5

Andere Intervalle erhält man, wenn man den kleinen Finger abrollt:

Example 6
Example 6

Kombiniert man das nun mit Chromatik, entstehen solche Pattern:

Example 7
Example 7

Was wäre Dein Ratschlag, um eine gute Legatotechnik zu bekommen?
Zum einen benutze ich eine relativ niedrige Saitenlage und stimme meine Gitarre auf Eb, das vereinfacht bereits Einiges. Ansonsten gilt natürlich: Langsam Üben und das Wichtigste ist, Lines zu finden, die für Dich persönlich funktionieren. Shawn Lane-Lines haben für ihn funktioniert, Allan Holdsworths Lines wiederum für ihn usw – nicht für jeden Spieler gilt das Gleiche!
Vielen Dank für das Interview!

Wer sich näher mit der Musik von Nick Johnston beschäftigen will, der findet auf seiner Website seine komplette Discographie zum Kauf bzw. Download und Tabulaturen zu seinen Releases:
https://nickjohnstonmusic.com/
Zum Promoten seiner CDs hat Nick auch einiges auf seinem Youtube-Kanal kostenlos zur Verfügung gestellt:
https://www.youtube.com/user/nickjohnstonguitar/videos

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von Haiko Heinz

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