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Open Tuning / Altered Tuning – Gitarren-Workshop

Open Tunings / Altered Tunings Warum zur Hölle sollte ich mich nach Jahren mühseliger Arbeit mit Skalen und Akkorden, Umkehrungen, Fingerpositionen und dergleichen mehr in ein neues Tuning stürzen, das alles Erlernte wieder über den Haufen wirft? Das tue ich mir nicht an, dafür habe ich nun wirklich nicht auch noch Zeit. So habe ich lange gedacht, und einige von euch bestimmt auch, oder?

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Unser bekanntes Standard-Tuning hat sich wohl vor allem deswegen durchgesetzt, weil es tonartenmäßig die flexibelste Stimm-Variante darstellt. Zwar kann man theoretisch auch in jeder der anderen Stimmungen irgendwie alle Akkorde und Skalen jeder Tonart spielen, in der Praxis ist das aber teilweise sehr schwer und auch nicht unbedingt sinnvoll. Aber warum sollte ich mich dann trotzdem auf unbekanntes Terrain begeben? Nun ja, mal ganz abgesehen davon, dass es natürlich eine Menge Arbeit ist, sich das KnowHow im Standard-Tuning draufzuschaffen, gibt es natürlich gute Gründe, sich auch mit anderen Stimmungen auseinanderzusetzen.
Grund Numero 1: Sie klingen toll! Mir persönlich gefallen Open-Tunings auf guten Westerngitarren am besten. Bei den neuen Akkorden und Klangfarben mit offenen Saiten geht hier richtig die Sonne auf. Aber natürlich kann man auch aus offen gestimmten E-Gitarren viel Neues herausholen.
Grund Numero 2: Es ist enorm inspirierend, und zwar vor allem deswegen, weil man zu Beginn eben noch keine Fingersätze, eingefahrene Akkorde und Licks abrufen kann. Stattdessen erinnert das Spielen ein wenig an das schon etwas zurückliegende Entdecken der Gitarre – nur dass man mittlerweile technisch schneller vorankommt und ein geschulteres Gehör sein eigenen nennen kann. Viele gestandene Gitarristen empfanden die Begegnung mit anderen Stimmungen geradezu als befreiend. In einem Interview sagte zum Beispiel der Jazzgitarrist Kurt Rosenwinkel einmal, dass ihm das Spielen in offenen Stimmungen aus einer tiefen gitarristischen Krise geholfen hat. Aufgrund der neuen Stimmung war er nun nicht mehr in der Lage, eingeübte Licks abzufeuern und freute sich, das Instrument noch einmal neu und auf andere, eigene Weise erforschen zu können.
Ein weiterer Grund, der für das Beschäftigen mit Open und Altered Tunings spricht, ist das einfache Erzeugen neuer Akkorde und Klangfarben, die in der Standardstimmung teilweise so nicht möglich sind oder geradezu fingerbrecherische Akrobatik erfordern würden. Ein kleiner Tipp noch zum Equipment: Offene Stimmungen funktionieren im Prinzip auf allen Gitarren. Es ist aber zu empfehlen, einen stärkeren Saitensatz zu wählen, damit tief gestimmte Saiten nicht anfangen zu schlabbern. Manche routinierte Altered-Tuning-Nutzer nehmen für die hohe E-Saite auch gerne einen dickeren “Draht” aus einem stärkeren Satz. Saiten reißen übrigens leider auch etwas häufiger, wenn man oft die Stimmungen wechselt.
Es hilft etwas, wenn man beim Aufziehen neuer Saiten der Mechanik vorsorglich ein bis zwei Umdrehungen an zusätzlicher Saitenlänge gönnt. Als Autor eines equipmentbegeisterten Musikmagazins kann ich natürlich auch ungeniert dazu aufrufen, sich am besten für jede Stimmung eine neue Gitarre zu kaufen! Das wäre natürlich auch eine Möglichkeit, aber ein Satz stärkerer Saiten und eventuell ein chromatisches Stimmgerät sollten fürs Erste reichen.
Jetzt aber los in die Praxis:

Weitere Folgen dieser Serie:

Open Tuning / Altered Tuning - Gitarren-Workshop - Drop D Artikelbild

Open Tuning / Altered Tuning - Gitarren-Workshop - Drop D

Offene Stimmungen für die Gitarre lernen - Drop D. Den Einstiegen in das Thema machen wir mit einer Reihe von Tunings, die allesamt mindestens vier Saiten der Gitarre in der Standardstimmung lassen. Der Orientierungssinn wird also noch nicht über Gebühr strapaziert.

25.06.2012
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von lars.dahlke

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