Anzeige
ANZEIGE

Novation Ultranova Test

Details

Wow, wie blau kommt der denn da um die Ecke, der kleine Synth mit den blau leuchtenden Spielhilfen! UFO-Optik, gefällt mir! Das Gehäuse ist komplett aus Kunststoff, was das Keyboard mit ganzen 3,6 kg sehr leicht macht, aber dennoch wirkt hier nichts billig oder zerbrechlich. Die Tastatur ist von Fatar und trägt die Bezeichnung TP7/BA. Sie fühlt sich gut an, ist gut zu spielen und bewährt sich bereits seit Jahren in vielen anderen Keyboards, unter anderem im Virus Polar, Blofeld Keyboard oder Korg Radias. Sie ist ungewichtet und verfügt über Aftertouch. Und schon haben wir etwas gefunden, was der Ultranova kann und die eingangs erwähnten Kollegen nicht: Aftertouch hat nämlich sonst keiner der aufgezählten Synths.

Die Bedienelemente fühlen sich gut an und strahlen eine gewisse Wertigkeit aus, wobei auch Grobmotoriker mit den großen Buttons und den gerasterten Encodern zurechtkommen werden.

Ultra_CloseUp_HR

Rückseite
Der Ultranova verfügt über folgende Anschlüsse: Audio Input (Klinke L/R), Audio Out 1 (Klinke L/R), Audio Out 2 (Klinke L/R), Kopfhörer, SPDIF, Foot Switch, Foot Controller (Expression), MIDI Trio und Netzteil (Stromversorgung ist auch über USB möglich). Audio Output 2 spielt nur eine Rolle, wenn der Synth in Verbindung mit einem Computer als Soundkarte in Betrieb ist. In diesem Fall stehen vier Ausgangskanäle zur Verfügung. Interne Sounds können leider nicht auf diese Outputs geroutet werden. Eigentlich schade, denn das könnte live ab und zu ganz nützlich sein, wenn man z.B. mit externen Effekten arbeitet und nur bestimmte Sounds durchschicken möchte. Auf der Gehäuseoberseite finden wir die XLR-Buchse für das zum Lieferumfang gehörende Schwanenhalsmikro. Das ist übrigens qualitativ durchaus in Ordnung und nicht Marke „Kinderspielzeug“, wie bei einem der erwähnten Vocodersynth-Kollegen.

Ultra_Rear_HRFIN
Ultra_Rear2_HRFIN

Bedienkonzept
Auffälligstes Merkmal auf dem Bedienpanel ist das lange Display und die acht oberhalb liegenden Drehregler.Diese Kombination ist eines der zentralen Features der Ultranova. Sowohl bei der Programmierung zu Hause oder im Studio als auch bei der Liveperformance möchte man generell auf möglichst viele Parameter eines Synthesizers unmittelbar zugreifen können.Im Idealfall hätte man für jede Funktion einen eigenen Knopf. Da Potis, Fader und Buttons aber teuer sind und der Platz auf dem Panel begrenzt ist, braucht man einen intelligenten Kompromiss zwischen Menü- und Controllerbedienung.Beim MicroKORG und beim Waldorf Blofeld sind das z.B. vier Drehregler, deren unterschiedliche Belegungen man in einer Tabelle auf dem Gehäuse ablesen kann. Der Korg R3 hat vier Controller mit jeweils einem kleinen Display, das die aktuellen Funktionen anzeigt.Beim Ultranova zeigt das lange Display die Parameter an, mit denen die acht Drehregler momentan belegt sind.
Wählt man z.B. das Menü „Oscillator“ mit dem dafür vorgesehenen Button an, der dann rot aufleuchtet, erscheinen im Display die ersten acht Parameter dieses Menüs. Mit „next“ lässt man sich die nächsten acht anzeigen, und mit „select“ wechselt man zwischen den drei Oszillatoren hin- und her.
Obwohl es hier alleine 16 Parameter pro Oszillator gibt, erreicht man jeden einzelnen doch recht schnell. Ich finde dieses System sehr gelungen und vermute, dass dieser Synth damit schneller programmiert ist als seine Kollegen mit vier Knöpfen. Selbst gegenüber einem Virus oder Radias, die beide deutlich teurer und mit viel mehr Bedienelementen ausgestattet sind, steht man insgesamt mit dem Ultranova gut da. Bei den Konkurrenten muss man für bestimmte Parameter trotz der vielen Knöpfe in Menüs umhertauchen, während man beim Ultranova jede Funktion auf die gleiche Art und Weise anwählen kann. Außerdem sind hier alle Potis als Endlos-Encoder ausgelegt, sodass es keine lästigen Sprünge der Parameterwerte gibt. Und deren Rasterung hilft dabei, den richtigen Wert genau zu treffen. Wem die acht Encoder zu klein und fummelig sind, der kann den gewünschten Regler berühren (touched Funktion) und den Wert anschließend mit dem großen Knopf ganz rechts einstellen. Alternativ dient dieser per Knopfdruck auch als Filter Cutoff Controller.
Aber nicht nur beim Programmieren, sondern auch bei der Liveperformance bewährt sich diese acht Poti/ Display-Kombi, denn jedem Drehknopf lässt sich ein beliebiger Parameter zuweisen, der dann selbstverständlich im Display angezeigt wird. So kann sich der User im Vorfeld überlegen, welche Parameter ihm bei den einzelnen Sounds wichtig sind, und sich diese auf die acht Potis legen. Da immer alles angezeigt wird, entfällt das mühsame Auswendiglernen der Belegungen, was viele von anderen Synthesizern her kennen dürften. Und mit acht Controllern lässt sich auch schon eine Menge anstellen.

ultranova_tweakFINFIN

Aber die Encoder haben noch eine weitere Betriebsart. Sie sind berührungsempfindlich und können als Umschalter zwischen zwei Zuständen eingesetzt werden. So könnte man z.B. zwei Filterfrequenzen voreinstellen und dann per Berührung und Loslassen zwischen den beiden Werten hin -und herspringen. Dies eröffnet sicher einige musikalisch neuartige Performancemöglichkeiten.

Einen großen Nachteil bei der Bedienung finde ich die Tatsache, dass die Programme nur über Drehregler oder über Plus-/Minus-Taster, aber nicht über eigene Bank- und Programm-Buttons abgerufen werden können. Das ist leider bei vielen aktuellen Synthesizern so (NordLead, Blofeld, Virus, Dave Smith etc.) und stellt für mich im Livebetrieb immer wieder ein Ärgernis dar. Wer je versucht hat, in drei Sekunden von Programm A1 nach C97 zu springen, der weiß, was ich meine. Für acht Bank- und acht Programmtaster wäre auf dem Panel auf jeden Fall noch Platz gewesen. Die Sounds reißen übrigens beim Umschalten ab, was aber bei einem monotimbralen Synth zu erwarten ist.

Automap
Der Ultranova ist ja nicht nur ein Synthesizer, sondern kann in der Betriebsart „Automap“ auch als DAW-Controller arbeiten. Ist die Novation Automap-Software auf dem Computer installiert und man öffnet in der DAW ein Plug-In, wird dieses sofort erkannt und im Ultranova-Display erscheinen dessen Parameter, die sich mit den acht Drehreglern steuern lassen. Hat das Plug-In mehr als acht Einstellmöglichkeiten, so findet sich diese mittels des „next“-Buttons. Sehr praktisch!

Soundsynthese
Der Ultranova hat pro Stimme drei Oszillatoren plus Noisegenerator und zwei Ringmodulatoren, zwei Filter, sechs Hüllkurven, drei LFOs, 20 (!) Modulations- und fünf Effektslots. Damit ist er auch im Vergleich mit größeren und teureren Kollegen sehr gut aufgestellt. Die Stimmenzahl wird mit 18 angegeben. Allerdings ist er monotimbral, Splits, Layers und verschiedene Sounds auf unterschiedlichen MIDI-Kanälen sind also nicht möglich.

Jeder Oszillator verfügt über 72 Wellenformen. Neben den üblichen Sine, Saw, Square, Pulse und Triangle gibt es einige Digitalwaves wie E-Piano und Digi-Bell sowie diverse Wavetables. Die Pulse-Welle lässt sich in ihrer Breite modulieren und die Wavetables können Wavetable-Synthese-typisch dynamisch durchfahren werden. Mittlerweile hat sich ja die sogenannte SuperSaw-Welle als Standard in neuen Synthesizern etabliert. Dies ist ein vervielfachter Sägezahn, der in sich selbst verstimmt werden kann. Damit werden z.B. die typischen „Staubsauger“-Techno-Sounds erzeugt. Früher musste man dafür im Unisono-Mode viele Stimmen benutzen, mit Supersaw können also Stimmen eingespart werden. Das Besondere beim Ultranova ist, dass nicht nur die Saw-Welle, sondern auch alle anderen Waves vervielfacht werden können. So etwas habe ich bisher noch in keinem anderen Synthesizer gefunden.
Ein weiterer interessanter Parameter ist der Oscillator Drift, der die Stimmungsungenauigkeiten alter Vintage Synths simuliert. Auch dieser Parameter ist nicht alltäglich und längst nicht in jedem virtuell-analogen Synth implementiert.

Für die beiden Filter lassen sich 14 verschiedene Betriebsarten wählen, von 6dB bis 24dB Lowpass, Highpass und Bandpass, also eigentlich alles, was man so braucht. Interessant ist die Möglichkeit, die Filter zu übersteuern und so schon an diesem Punkt der Synthesekette Verzerrungen zu generieren. Diese Möglichkeit vermisse ich bei manch teurerem Instrument.

Auch über die große Anzahl an Hüllkurven freue ich mich, auch das ist alles andere als üblich. In den meisten Synths findet man nur Amp- und Filter-Envelope, was für speziellere Sounds schon zu wenig sein kann. Außerdem sind sie beim Ultranova sehr schnell, sodass man schön perkussive und „clickige“ Sounds schrauben kann.

Echter Luxus sind die 20 Modulationsslots, mit deren Hilfe sich sämtliche verfügbaren Quellen wie Modulationsrad, Aftertouch oder Fußpedal mit jedem Parameter, hier Destination genannt, verknüpfen lassen. Dass bei den Destinations wirklich jeder Parameter auftaucht, finde ich super, denn bei vielen Synths in dieser Preisklasse findet man hier nur eine beschränkte Auswahl vor. Der Ultranova kann bis zu fünf Effekte gleichzeitig betreiben, auch das ist in dieser Preisklasse bemerkenswert. Zur Verfügung stehen Delay, Hall, Chorus, Distortion, EQ, Kompressor und ein rhythmischer Zerhacker namens „Gator“

Und selbstverständlich verfügt der Synth auch über einen Arpeggiator. Aber wo wir gerade bei Delay, Gator und Arpeggiator sind: Der Ultranova hat keinen Tap Tempo-Knopf! Das ist echt schade und wäre für diese drei Funktionen natürlich wichtig gewesen. Leider setzt sich die Erkenntnis, dass Tap Tempo für den Livebetrieb wichtig ist, bei den Herstellern erst so langsam durch. Immerhin hat der neue Yamaha Motif jetzt endlich einen, nachdem das bei den Vorgängermodellen vergessen wurde, auch der letzten Virus-Generation und dem Roland GAIA hat man einen spendiert, aber beim Novation wurde er leider vergessen. Wenigstens kann man sich zur Not mit dem Tap-Fußpedal 34one von Ploytec behelfen, das per Fuß Tap MIDI-Clock Signale generiert und so den Ultranova syncen kann. Allerdings kostet der Spaß um die 100 Euro.

Ultra_Front_HRFIN
Kommentieren
Profilbild von microbug

microbug sagt:

#1 - 17.10.2017 um 10:28 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Die Tastaturbezeichnung ist nicht korrekt, in der Ultranova steckt eine Fatar TP/9S, ungewichtet mit Aftertouch. Die genannte TP/7BA ist nicht mit Aftertouch zu haben, auch nicht optional.
Im den 37er Viren (außer dem Indigo 1, der hatte wirklich die TP/7BA drin) und dem Blofeld Keyboard steckt ebenfalls die TP/9S, genau wie in allen DSI-Synths, nur in unterschiedlichen Varianten.

Kommentare vorhanden
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.