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Millenia Twin Direct TD-1 Test

PRAXIS 

Wem nun nach der ausufernden Vorstellung der einzelnen Komponenten die Spucke weggeblieben sein sollte, der sei beruhigt. Der TD-1 ist superleicht zu bedienen und reiht sich bequem in die Palette der hochwertigen Preamp D.I. Boxen ein.

Für den Bassisten lautet natürlich ebenso wie bei den anderen Kandidaten die entscheidende Frage, wie der Bass klingt, wenn er über den Preamp direkt ins Pult gespielt wird?

Für die Verwendung mit Instrumenten wie dem E-Bass gibt Millennia die Eingangsempfindlichkeit von 2M Ohm an, was man dadurch erreicht, dass man den entsprechenden roten Schalter auf der Vorderseite aktiviert. Für alle Testsounds wurde der Millennia über den Balanced Transformer XLR Out mit dem Mischpult verbunden.

Schließt man nun einen Bass an, erschließt sich die hohe Qualität des TD-1 sofort und ohne dass die Klangregelung eine Rolle spielt. Der Ausgangspegel kann über den Gainregler stufenlos angepasst werden und hat enorm viel Headroom. Man ahnt, dass auch für empfindlichste Signale wie zum Beispiel eines Piezotonabnehmers ausreichend Spielraum zur Verfügung steht.

Schon im Standalone-Betrieb mit der FET-Transistorschaltung und ohne EQ klingt der Bass sensationell klar, druckvoll und präzise. Natürlich drängt sich jetzt die Frage auf, wie im Vergleich dazu die Röhrenschaltung punktet. Über den Druckschalter TT (Twin Topology) wechselt man vom Transistor zum Röhrenbetrieb. Dabei hört man deutlich ein Relais klacken, anschließend gibt es einen Aussetzer von etwa einer Sekunde, der laut Hersteller normal ist, und voila, die Röhre ist aktiviert. Der Unterschied zwischen FET- und TUBE-Schaltung ist beim Bass eher subtil und längst nicht so drastisch hörbar, wie man es vermuten würde. So klingt die Röhrenschaltung subjektiv nicht wärmer als die FET-Schaltung – eher ein wenig voluminöser, leicht komprimiert, aber stets ungeheuer klar.

Nimmt man nun die zwei Bänder des parametrischen EQs in Betrieb, so kann man sehr gezielt in das Klanggeschehen eingreifen. Ganz gleich, wie extrem man hier vorgeht, es bleibt stets eine hohe Transparenz erhalten – der Sound wird nie steril oder Hi-Fi-mäßig. Das Besondere an dieser Klangregelung sind die zwei Frequenzbereiche, die jede der beiden parametrischen Sektionen per Druckschalter zur Verfügung stellt. So kann man im parametrischen Low Frequency Bereich die Frequenzen von 20 Hz bis 250 Hz bearbeiten, oder nach Betätigen des x10-Schalters die von 200 Hz bis 2,5 kHz. Das Gleiche gilt für die zweite parametrische Sektion, die Frequenzen von 250 Hz bis 2,5 kHz oder alternativ von 2,5 kHz bis 25 kHz abdeckt. Auch hier ergibt sich ein ungeheuer breiter Anwendungsbereich, der weit über den E-Bass hinausgeht. Jede parametrische Einheit besitzt zudem einen Q-Regler, der bestimmt, wie breit der manipulierbare Frequenzbereich um die gewählte Zentralfrequenz sein darf.

Audio Samples
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Flat FET Flat Tube EQ FET EQ Tube

Den Sound kann man generell als „clean“ bezeichnen. Wer am Bass mit extremen Charaktersounds arbeiten will, der wird mit dem TD-1 allerdings kaum weiterkommen – es sei denn, er schließt das Ausgangssignal eines Verstärkers am Speaker-Soak an. Auf diese Weise kann man speziell bei einem Vollröhrenverstärker nicht nur die Klangeigenschaften seiner Vorstufe, sondern eben auch die Färbung der Endstufe nutzen, und das Signal direkt ins Pult einspeisen. Das funktioniert auch sehr gut, wenngleich es immer noch ein riesiger Unterschied zu einem Signal ist, das per Mikrofon vom Speaker abgenommen wird. So kann man den Speaker Soak zwar durchaus als Alternative oder Ergänzung betrachten, aber nicht als Ersatz für das Speaker-Mikrofonsignal.

Bei der Verwendung des Speaker-Soak Eingangs ist äußerste Sorgfalt und Vorsicht angesagt. Der Instrumenten-Klinkeneingang transportiert sowohl den Linepegel als auch per Umschalter das bis zu mehreren 100 Watt starke Endstufensignal. Ist der Umschalter nicht auf Speaker-Soak gestellt, kann der TD-1 Schaden nehmen. Ebenfalls muss parallel zum angeschlossenen Verstärker oder dessen Endstufe eine Box angeschlossen sein, da der TD-1 lediglich das Signal abnimmt, für die Endstufe aber keinen Lastwiderstand darstellt. Ohne angeschlossene Box könnte die Endstufe also unter Umständen zerstört werden. Wer also glaubt, mit dem Speaker-Soak große Lautstärken umgehen zu können, indem er nur den TD-1 an den Verstärkerausgang anschließt, der muss enttäuscht werden. Für diese Anwendung wäre eine so genannte „Loadbox“ notwendig, die den Lastausgleich zu einer fehlenden Lautsprecherbox leistet. Das sind allerdings Maßnahmen, die vorrangig im Gitarrenbereich Verwendung finden. Für den Bassisten gibt es weitaus weniger aufwendige und ebenso effektive Methoden, wie zum Beispiel die Verwendung parallel geschalteter Röhrenvorstufen oder Simulationen.

Ein weiteres Feature des TD-1 ist die patentierte Reamping-Option. Wie unter „Details“ bereits erwähnt, wurden dem Gerät zwei spezielle Ausgänge mit Schaltungen spendiert, die die Soundeigenschaften von Gitarrentonabnehmern imitieren oder simulieren. Dieses Feature habe ich nicht gesondert getestet, da es nur dann zum Tragen kommt, wenn man bereits aufgenommene Signale erneut bearbeiten will. Zudem wurden in unserem Testmodell ausschließlich Gitarrentonabnehmer simuliert. Hier beginnt das hohe Einmaleins der Produktionstechnik. Dennoch ist das Feature natürlich erwähnenswert und lädt zum Experimentieren ein. Naturgemäß erfordert es eine gewisse Studioperipherie, will man wirklich für den Bass Kapital daraus schlagen und es als Alternative zur direkten Bearbeitung des Signals im Computer nutzen.

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