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Mackie Onyx 820i Test

Praxis

Auch wenn meinem elitären Presse-Package des Onyx 820i eine Version von Digidesign ProTools M-Powered 8 (inkl. iLok-Key) beilag, so muss ich doch erwähnen, dass man als „normaler“ Kunde leider nicht in den Genuss kommt, dass diese Software mitgeliefert wird. Es gibt auch keine Bundles mit ProTools und dem Onyx-Mixer. Wer mit ProTools arbeiten möchte, muss dieses separat käuflich erwerben – oder eben mit einer anderen Recording-Software arbeiten (Logic, Cubase, Sonar, Live). Mit diesen letztgenannten Softwares ist dann auch ein echter Plug&Play-Betrieb möglich – Pult per Firewire mit dem Rechner verbinden, das war´s. Bei ProTools sieht es natürlich mal wieder anders aus: Man benötigt den „Mackie Universal Driver (USD)“, dessen aktuellste Version man sich auf der Mackie-Homepage für 49,99 Dollar downloaden kann. Ich lasse dies mal unkommentiert, damit hier nicht der Eindruck erweckt wird, ich könnte etwas gegen ProTools haben. Im Gegenteil. Eigentlich bin ich bekennender ProTools-Fan, denn mit keiner anderen Software lässt sich mit Audio-Material so intuitiv, schnell und professionell arbeiten wie mit ProTools. Die Geschäftspolitik der Firma Digidesign (gegenüber dem User) schafft es jedoch immer wieder, mir ein großes Fragezeichen über den Kopf und tiefe Stirnfalten zu zaubern. Naja, da ist es so wie mit manchem Fußballclub – man ist zwar Fan, muss aber nicht unbedingt jede Transferpolitik seines Lieblingsvereins nachvollziehen können. Nun aber genug der kritischen Worte und zurück zur Praxis. Da ProTools eben wie erwähnt nicht unmittelbar zum neuen Onyx i-Pult dazu gehört, werde ich auch nicht en Detail auf die Software eingehen – schließlich ist es ja ein Test des Onyx-Mixers.

Fotostrecke: 4 Bilder Diesen Screen mit “einer Minute Restzeit” kann man sich auch mal gerne 15 Minuten lang anschauen…
Fotostrecke

Einen kurzen Exkurs in die Installationsroutine des 820i mit ProTools M-Powered 8 möchte ich euch aber an dieser Stelle nicht vorenthalten. Der Rechner sollte als Mindestvoraussetzung entweder über Windows XP (SP 2) oder Vista (32/64), einen Pentium 4, Celeron oder Athlon XP-Prozessor und 512MB RAM verfügen – für Mac-User sollte es mindestens Mac OS 10.4.11, ein G4-Prozessor und ebenfalls 512MB RAM sein. Als Testrechner habe ich einen aktuellen iMac (Intel Core 2 Duo, 2,93GHz, 4GB RAM) verwendet. Als erstes habe ich ProTools M-Powered 8 installiert – laut „Zeitansage“ des Installers sollte die Installation 10min dauern, bei einer Minute Restzeit tat sich allerdings 15 Minuten lang gar nichts mehr, so dass ich zuerst dachte, der Rechner hätte sich verabschiedet. Danach ging es dann aber doch weiter, und ProTools befand sich also nach ca. 25 Minuten auf meinem Rechner. Es folgte ein Neustart des Rechners. Als nächstes habe ich das Onyx 820i über Firewire mit dem iMac verbunden und den Installer des Mackie Universal Drivers gestartet – das dauert keine Minute. Es folgt ein weiterer Neustart. Leider gibt es am Pult keine Status-LED, die eine aktive und funktionierende FW-Verbindung anzeigt – man muss also davon ausgehen, dass die Verbindung „ok“ ist. Nun habe ich den iLok-Key in einen USB-Port des Rechners gesteckt und ProTools gestartet. Soweit, so gut – alles wunderbar, die Software startet und ich rufe eine ProTools-Session auf. Play! Ups, was ist das denn? Nach einer Sekunde bekomme ich stetig die Meldung, meine CPU sei überlastet und ich solle die Einstellungen der Hardware Buffer-Size in der Playback-Engine ändern. Aber auch hier brachten sämtliche Änderungen kein anderes Ergebnis. Das kann doch nicht sein, dass mein neuer iMac diese kleine Session nicht packt (es handelte sich um eine wirklich kleine ProTools Demo-Session mit wenigen Plug-Ins). Was macht man in solch einem Fall…? Richtig, Neustart. Gesagt, getan, und alles lief wunderbar. Wie man sieht, ist ProTools manchmal eine kleine Diva – aber auch bei Diven ist es ja so, dass wenn sie dann erst einmal am Start sind, die Leistungen absolut top sind. So auch hier. Als das System einmal lief, war es auch nicht mehr in die Knie zu zwingen. Soweit zu ProTools und der Installation. Mit Apples Logic Studio funktionierte übrigens von Anfang an alles tadellos. Ok, zurück zum Onyx-Pult.

Das Handling des Mixers ist absolut intuitiv und selbsterklärend – ein Blick in die  Bedienungsanleitung erübrigt sich eigentlich komplett. Wer aber nun doch etwas Hilfe benötigt, findet ein sehr verständlich geschriebenes und mit vielen Skizzen bebildertes Manual. Ich schloss ein Neumann TLM-103 an und nahm ein paar Akustikgitarren auf. Die Mic-Preamps des 820i klingen, wie man es bereits von den „älteren“ Onyx-Pulten her kennt. Für Preamps, die in einem Gerät dieser Preisklasse verbaut sind, gibt es nichts, aber auch überhaupt nichts zu meckern. Der Sound ist angenehm offen, präsent und nahezu verfärbungsfrei. Die Mitten werden fein aufgelöst und haben einen eher warmen Charakter, der sich aber mit den meisten Signalen sehr gut verträgt. Es rauscht nichts, und man bekommt die Preamps eigentlich nicht zum Übersteuern (natürlich schafft man es, aber das ist dann echte Mutwilligkeit). Auch die Dynamik der Preamps geht mehr als in Ordnung, wenngleich man bei sehr lauten Signalen (in meinem Fall ein voll durchgezogenes Strumming der Akustikgitarre) eine leichte, aber nicht unangenehme Kompression vernehmen kann – eben so, als würde ein Pompressor mit sehr moderaten Einstellungen eingreifen. Sehr gut hat mir die Offenheit der Höhen gefallen, die das Neumann TLM-103 ja bekanntlich sehr gut überträgt, und durch die Preamps auch nicht geschmälert wurde. Hier erhält man wirklich schöne Brillanzen.

Auch die Equalizer des Onyx-Pultes verrichten einen super Job – es sind übrigens die Perkins-EQs, die man auch vom Ur-Onyx kennt. Mit den EQs lässt sich sehr feinfühlig, musikalisch und schnell arbeiten. Die Signale klingen nicht „geschraubt“, vielmehr kann man einzelne Nuancen (z.B. den Attack der Gitarre oder die Silbrigkeit der Diskantsaiten) sehr gut herausarbeiten. Ebenso lassen sich übertriebene Frequenzen schnell in die Grenzen weisen – im Fall meiner Akustikgitarre (eine Dreadnought mit sehr voluminösem Klang) waren es die tiefen Mitten bis Bässe, die ein weinig überrepräsentiert waren. Doch schnell ein bisschen bei ca. 200Hz runtergenommen und auch per Low-Shelf eine Prise gecuttet, und schon war alles im grünen Bereich. Ich muss sagen, dass ich ehrlich begeistert von der Qualität des Mixers war – sowohl, was den Sound angeht, als auch die Verarbeitung. Einen ebenfalls nachhaltig positiven Eindruck haben die Möglichkeiten, die dieser kleine Mixer bietet, bei mir hinterlassen. Für kleine Live- und/oder Recording-Anwendungen auf hohem semiprofessionellen Niveau bleiben eigentlich keine Wünsche offen. Prima. Ich überlege ernsthaft, ob ich mir als zusätzliches und flexibles Audio-System ein Onyx 1640i zulege. 16 Kanäle, 4-Bus, 16×16 Firewire-Streaming, ProTools-Anbindung und (wie ich gehört habe) die gleichen Wandler, wie sie in Digidesigns HD-Interfaces vorkommen – und das alles für unter 2000 EUR!!! Wahnsinn.

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Profilbild von david

david sagt:

#1 - 21.10.2013 um 13:54 Uhr

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Danke für den netten Bericht/Test. Er hat meine Kaufentscheidung zu Mackiegunsten beeinflusst. Man sollte erwähnen, dass es Sinn macht die ANleitung zu lesen. Wer dies macht wird merken wie lustig die Leute bei Mackie sind.ABER - ich kann die guten Vorverstärker beim besten willen nicht heraushören. Bzw sind meine Level in der DAW wirklich kümmerlich. Der Onyx zeigt mir 0db aber in der DAW kommt nix an. Entweder hattest du bessere Mikros oder ich habe event ein defektes Teilchen.

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