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Image-Line FL Studio 10 (Producer Edition) Test

PRAXIS

Für jemanden der von einer typischen, linearen DAW wie Cubase, Logic oder Pro Tools auf FL Studio umsteigt, ist die Lernkurve zunächst steil. Komplette Anfänger dürften es vielleicht sogar leichter haben, denn sie müssen nicht um-, sondern erlernen. FL Studio bricht schließlich an vielen Stellen mit lieb gewonnen DAW-Konventionen, was im Ergebnis sogar sehr praktisch sein kann. Man muss sich als Umsteiger aber schlicht und ergreifend erst einmal daran gewöhnen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Wege am Bildschirm mit dem Mauszeiger lang und die Icons sehr klein sind, weshalb dringend anzuraten ist, möglichst schnell die entsprechenden Tastatur-Shortcuts auswendig zu lernen. Und dann wäre da noch der Umstand, dass die Benutzerführung in FL Studio nicht immer konsistent ist, es also keine zentrale Anlaufstelle gibt, wo alle Features erreichbar sind, denn mal verstecken sich die gerade gebrauchten Funktionen in der oberen Aufklapp-Leiste, dann wieder in einem Kontext-Menü oder schlicht und ergreifend hinter einem Icon – das ist nicht unlogisch, muss aber zunächst einmal in Fleisch und Blut übergehen, bevor man es richtig nutzen kann.
Hat man erst diesen steinigen Überhang genommen, entfaltet die Software ihre ganze Magie und ein nicht unerheblicher Adrenalin-Kick macht sich beim Produzieren breit: Wie im Rausch zieht man einen Klangerzeuger nach dem anderen vom Browser in das Kanal-Fenster, klickt sich in Sekunden ein Pattern zusammen, schraubt an den unzähligen Parametern, die fast immer automatisierbar sind und sich mit einem einfachen Rechtsklick einem Automations-Clip zuweisen lassen (das funktioniert übrigens auch mit VST-Plugins).
Aufgrund der offenen Konzeption von FL Studio lassen sich viele Werkzeuge und Editoren an verschiedenen Stellen im Programm verwenden. So kann beispielsweise der geniale Envelope-Sequenzer mit dem sich rhythmische Controller-Daten in der Art eines Step-Sequenzer programmieren lassen sowohl im Pianoroll- als auch im Audio-Editor und in der Playlist angewendet werden.

Fotostrecke: 2 Bilder Der Envelope-Sequenzer kann fast an jeder Stelle zur Modifikation Daten dienen
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Wirklich ins Staunen kommt man, wenn man sich im Menü den Projekt-, beziehungsweise Plugin-Picker hervorholt. Hier werden in grafisch sehr appetitlicher Art und Weise alle auswählbaren Plugins anbietet und im Fall des Projekt-Pickers die verwendeten Audio- und Video-Schnipsel direkt beim Überfahren mit der Maus angespielt.

Fotostrecke: 2 Bilder Plugin- und Project-Picker machen nicht nur optisch mächtig was her
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Falls man am Ende zu dem Entschluss gelangt, sich geistig komplett in FL Studio verlieren zu wollen, stehen mit dem SynthMaker und dem in Edison integrierten Pax Compiler (interpretiert die Scriptsprachen Basic, Pascal und JavaScript) alle Möglichkeiten offen, sich komplett aus der diesseitigen Welt zu verabschieden. Und sich fortan mit nichts anderem als dem Entwerfen abgefahrener Klänge und Geräte zu beschäftigen.

Fotostrecke: 3 Bilder Wer an den Anfang von Allem gehen möchte, programmiert Wellenformen selbst
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Wer FL Studio lediglich als Kreativabteilung innerhalb seiner angestammten DAW nutzen möchte, hat die Möglichkeit, die Software als DX-/VST-Plugin oder als Rewire-Slave einzubinden. In meinem Testsetup tauchte FL Studio nach der Installation ordnungsgemäß in den Plugin-Listen von Cubase 5 und 6 auf. Zur Auswahl stehen hier sowohl eine einfach Stereo-, wie auch eine 16-Kanal-Version. Auf meinem System schien sich das FL-Studio-Plugin allerdings entschieden besser mit der 5er-Version des Steinberg´schen DAW-Flaggschiffs zu verstehen, denn die VST-Bridge der neuen Cubase-Version beendete das Plugin regelmäßig mit der Fehlermeldung: „Das Handle ist ungültig“.

Fotostrecke: 2 Bilder FL Studio als 16-Kanal-VST-Plugin in Cubase 6
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