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Gewa G9 Pro L6 Walnut E-Drumset Test

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Kräftiger Sound und hoher Detailgrad

Die Gewa G9 Drum Workstation kommt mit 40 Factory-Kits und über 400 Instrumenten, setzt dabei einen Schwerpunkt auf akustische Drums, bietet aber auch eine stattliche Auswahl an Percussion-, Electro- und Hybridsounds. Der akustische Anteil wurde im Funkhaus Berlin aufgenommen und zeigt eine große klangliche Geschlossenheit, ohne dabei an Abwechslungsreichtum zu verlieren. Der Grundklang wirkt definitiv nicht vollständig roh, sondern teilweise sogar recht kräftig nachbearbeitet, was den Kits auch ohne viel Drehen und Schrauben an den Effekten einen durchsetzungsfähigen und mixfertigen Klang verleiht. Im Video ist eine Auswahl der Kits zu hören. Im Audio-Player folgen die gleichen Beispiele noch einmal separat.

Audio Samples
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Kit 01: American Vintage (akustisches Kit) Kit 04: Basic Rock (akustisches Kit) Kit 05: Jazz_Kit (akustisches Kit, offenes Tuning) Kit 08: Fat_Boy (akustisches Kit, stark bearbeitet) Kit 09: (akustisches Kit) Kit 15: Neo_Soul (Hybrid-Kit) Kit 25: Electronix (elektronisches Kit)

Nach Rückfrage bei Gewa zum Detailgrad, der zu großen Teilen von der Anzahl der Samples pro Instrument abhängt, wurden mir einige beeindruckende Zahlen genannt. Jede Snare kommt alleine für die Center-Artikulation (ein normaler Schlag in der Mitte des Fells) auf 70 bis 100 Dynamik-Layer. Für jeden dieser Layer gibt es mindestens fünf Round-Robin-Samples, die für leichte klangliche Variationen bei schnellen Schlagfolgen sorgen. Eine so enorme Anzahl von mindestens 350 einzelnen Audioschnipseln für nur eine einzelne Artikulation stellt auch die meisten virtuellen Drumstudios im Rechner in dieser Disziplin in den Schatten und sollte auch nur den leisesten Hauch eines Machinegun-Effekts vollständig ausschließen. Tatsächlich ließ sich dieser Effekt in der Praxis bei einigen Kits aber doch ansatzweise erkennen – wenn natürlich auch nicht in der offensichtlichen Form, wie man es vom Löwenanteil der aktuell erhältlichen E-Drums kennt. Wie man im Video bzw. in den separaten Audios hört, bewegt sich das G9 in dieser Hinsicht auf einem sehr hohen Niveau und kann sich problemlos mit den aktuellen Top-Produkten messen. Und um es noch einmal explizit zu sagen: Einen Vergleich mit vielen virtuellen Drumstudios für den Rechner (z.B. Toontrack EZdrummer 2 oder XLN Audio Addictive Drums 2) muss unser Testkandidat in dieser Disziplin keineswegs scheuen.

Ein im MIDI-Editor der DAW-Software Cubase programmierter Velocity-Check für die Snare gibt Aufschluss über das dynamische Verhalten und den Detailgrad des Moduls.
Ein im MIDI-Editor der DAW-Software Cubase programmierter Velocity-Check für die Snare gibt Aufschluss über das dynamische Verhalten und den Detailgrad des Moduls.
Audio Samples
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Velocity-Check Snare (American Vintage Kit)

Ein im Rechner programmierter und über MIDI ins Modul gespielter Velocity-Check zeigt, dass man tatsächlich nicht von einem echten Machinegun-Effekt sprechen kann. Die Übergänge zwischen den Layern sind im gesamten dynamischen Spektrum zudem wirklich weich wie Butter. Was jedoch auffällt ist, dass die frühen Attack-Phasen der Samples sich bei manchen Instrumenten sehr ähneln und durchaus etwas technisch wirken, was vermutlich einer sehr akribischen nachträglichen Klangbearbeitung geschuldet ist. Dieses Thema ist bei Gewa bereits bekannt, und es ist davon auszugehen, dass es in der nächsten Zeit Updates geben wird, nach denen sich die betroffenen Instrumente in einer Art und Weise verhalten, wie es dem herausragenden Detailgrad des Sample-Pools gerecht wird. Es steht zu erwarten, dass dadurch auch die aktuell noch nicht ganz einheitlichen Lautstärken verschiedener Instrumente und Artikulationen angeglichen werden, wobei sich dies auch schon jetzt von Hand lösen lässt.

Gutes Triggerverhalten

Meiner Ansicht nach muss man sich beim Spiel auf einem E-Drumset immer ein wenig an die Gegebenheiten des Instruments anpassen, und das gilt auch für das Gewa G9. Ein Vorteil ist in diesem Fall jedoch, dass die Triggereinstellungen ausgesprochen tiefe Eingriffe erlauben. Dies setzt eine gewisse Einarbeitungszeit voraus, wird aber übersichtlich vom Modul präsentiert. Die Möglichkeit, für jede Zone eine Veloctykurve zu wählen und diese sogar selbst bearbeiten zu können, ist dabei Gold wert.

Das Soundmodul des Gewa G9 im Kit.
Das Soundmodul des Gewa G9 im Kit.

Nach einigen Anpassungen an den richtigen Stellen spielen sich die Pads sehr gut. Die Dynamik wird hervorragend umgesetzt, und auch mit Übersprechern zwischen verschiedenen Zonen gibt es keinerlei Probleme. Auch in dieser Hinsicht bietet das Modul übrigens eine regelbare Crosstalk-Unterdrückungsfunktion für jede Zone. Auf der Beckenfläche gibt es einen Bereich, der dazu vorgesehen ist, bespielt zu werden, allerdings ist dieser auf den ersten Blick nicht direkt erkennbar. In anderen Bereichen reagieren die Pads nicht mehr so gut auf Details. Eine arretierbare Aufhängung erlaubt es glücklicherweise, die Becken davon abzuhalten, sich beim Spielen zu drehen.
Die Hi-Hats gehören wegen ihrer Komplexität naturgemäß zu den größten Herausforderungen für ein E-Drumset. Das Gewa G9 bietet stolze acht Öffnungsgrade und verhält sich damit durchaus revolutionär. Grundsätzlich reagieren die Pads nach einer unkomplizierten Kalibrierung sehr gut. Wie bei jedem System, dessen Sensor eine direkte Verbindung zum Beckenpad hat, lässt sich die Erkennung bei sehr kräftigem Spiel hin und wieder etwas irritieren, wobei der hohe Detailgrad die Herausforderung natürlich deutlich steigert. Anders gesagt: Könnte das Modul nur zwischen offen, halboffen und geschlossen unterscheiden, wie das bei vielen E-Drumsets der Fall ist, dann wären die Anforderungen an die Hardware auch nicht so hoch. Wenn man die vielfältigen Möglichkeiten miteinbezieht, über die sich das Triggerverhalten anpassen lässt, und bereit ist, den Umgang mit dem System ein wenig zu üben, dann handelt es sich bei den Hi-Hats des G9 wohl um das Beste, was der Markt derzeit zu bieten hat.
Anders ist es beim Poisitional-Sensing für Snare und Toms. Das Script, das zwischen Schlägen in der Mitte und im äußeren Bereich der Trommel unterscheidet und den Klang entsprechend umsetzen soll, ist momentan standardmäßig deaktiviert und funktioniert in der Praxis auch noch nicht wirklich überzeugend. Auch hier wird möglicherweise noch ein Update des Systems helfen, wobei in dieser Hinsicht natürlich auch das Tuning der Mesh-Heads eine große Rolle spielt.

Akzeptable Latenzwerte

Ein Schlag auf ein Pad soll natürlich in möglichst kurzer Zeit vom Modul in hörbaren Klang umgesetzt werden. Dass dabei eine geringe Verzögerung entsteht, die auch als Latenz bezeichnet wird, ist bei Systemen, die digitales Audio in analoges Audio wandeln, vollkommen normal. Die schnellsten Vertreter unter den E-Drum-Modulen benötigen drei bis vier Millisekunden für diese Aufgabe, während die allgemein anerkannte Schmerzgrenze bei zehn Millisekunden liegt.

Das Soundmodul des Gewa G9 schaffte bei der Messung eine Latenz von acht bis neun Millisekunden.
Das Soundmodul des Gewa G9 schaffte bei der Messung eine Latenz von acht bis neun Millisekunden.

Das Gewa G9 schaffte in der Messung acht bis neun Millisekunden. Damit liegt es in einem noch akzeptablen Bereich, den man je nach Wahrnehmungsgabe durchaus ein wenig erfühlen kann. Zum Vergleich: Schall breitet sich in der Luft in drei Millisekunden um etwa einen Meter aus.

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