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Test
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27.04.2015

Thomann DP-26 Test

Digitalpiano

Frischzellenkur für Thomanns Budget-Klavier

Das Thomann DP-26 Digitalpiano fällt durch seinen sehr günstigen Preis auf: Gerade einmal 319 Euro verlangt Deutschlands größter Musikalienhändler für den Nachfolger des DP-25. Hinzu kommen noch einmal 75 Euro für den optionalen Ständer mit integrierter Pedaleinheit. Damit zählt das Thomann DP-26 Digitalpiano zu den günstigsten Alternativen auf diesem hart umkämpften Markt. In diesem Testbericht gehen wir den Fragen nach, ob das Thomann DP-26 auch mit seinem Sound überzeugen kann, ob die Tastatur etwas taugt und was sonst noch darin steckt.

Das Vorgängermodell Thomann DP-25 konnte in unserem Testmarathon Digitalpianos – Budgetklasse mit seinem sehr günstigen Preis punkten. Die Sounds und die Qualität der Tastatur überzeugten uns jedoch nicht restlos. Mit dem DP-26 liegt nun ein Nachfolger vor, der zudem nach Angaben von Thomann aus einer anderen Fabrik stammt als das DP-25. Ob der Neuling besser abschneidet und damit vom Billigheimer zum echten Schnäppchen aufsteigen kann, soll dieser Test klären.

Details

Gehäuse

Das Thomann DP-26 ist wie der Vorgänger ein kompaktes Digitalpiano, das sich sowohl mobil als auch stationär einsetzen lässt. Das Gehäuse besteht aus schwarzem Kunststoff, der nicht gerade besonders edel wirkt. Die Lautsprecherabdeckungen sind mit grauem Stoff überzogen. Zwar erwartet sicherlich niemand, dass bei einem so günstigen Instrument Premium-Materialien zum Einsatz kommen, aber das Plastik des DP-26 erscheint doch ein bisschen fragil. Alles ist etwas wabbelig, so kann man beispielsweise das Bedienfeld problemlos in Richtung Tastatur herunterbiegen und die Leiste vor der Tastatur eindrücken. Was das Material angeht, kann das DP-26 seinen günstigen Preis also nicht verbergen und erinnert ein wenig an günstige Keyboards. Allerdings wiegt es ohne Ständer auch nur knapp 13 kg, was für ein Instrument mit 88 Tasten und Hammermechanik ein bemerkenswert geringer Wert ist. Damit wird das DP-26 – ganz wie der Vorgänger – auch als mobiles Instrument für den Bühneneinsatz interessant, wobei man angesichts des etwas empfindlich erscheinenden Gehäuses auf jeden Fall in ein stabiles Case investieren sollte.

Am Gehäuseboden befinden sich große Gummifüße, sodass man das DP-26 auf einen Tisch stellen kann. Auch die Verwendung eines gewöhnlichen Keyboardständers ist kein Problem. Wenn das Instrument in den heimischen vier Wänden eingesetzt werden soll, empfiehlt sich die Anschaffung des optional erhältlichen, passenden Ständers, der neben einem stabilen Unterbau eine Pedaleinheit mit den drei Flügelpedalen umfasst.

Im Lieferumfang befinden sich neben der Bedienungsanleitung (auf Deutsch und Englisch) ein Notenhalter zum Anstecken und ein Sustainpedal. Das Notenpult besteht aus einem einfachen Drahtbügel und wirkt ebenfalls recht billig. Immerhin verhindert eine Querstrebe das Durchrutschen loser Blätter, aber besonders stabil oder attraktiv ist das nicht. Das Pedal ist mit großen Gummiauflagen gegen Wegrutschen gesichert und vielleicht sogar etwas schwerer als vergleichbare No-Name-Sustainpedale.  

Bedienfeld

Für ein Digitalpiano ist das Bedienfeld des Thomann DP-26 schon fast verschwenderisch mit Knöpfen ausgestattet. Das lässt auf eine vergleichsweise einfache Bedienung ohne komplizierte Tastenkombinationen hoffen und deutet auch ein bisschen auf einen recht großen Funktionsumfang hin. Auf der anderen Seite leidet das Erscheinungsbild etwas darunter, aber durch Eleganz zeichnet sich das DP-26 ja ohnehin nicht gerade aus. Die Taster sind von der gummiartigen Sorte und wabbeln etwas hin und her, arbeiteten im Test jedoch zuverlässig.

Ganz links befinden sich der Netzschalter und ein Drehregler für die Lautstärke. Im mittleren Bereich ist ein dreistelliges LED-Display platziert, um das sich diverse Knöpfe für die verschiedenen Funktionen des Digitalpianos gruppieren. Links findet man Buttons für die Demosongs, das Tempo, das Metronom und zur Steuerung der integrierten Begleitpatterns. Im MIDI-Modus, dem wir uns gleich noch widmen werden, sind diese Taster anders belegt, was durch eine rote Beschriftung kenntlich gemacht wird. Rechts vom Display gibt es Knöpfe zur Auswahl von Klängen, Begleitpatterns und Songs sowie einen Taster für den Duett-Modus. Darunter findet man zwei Plus/Minus-Taster zum Einstellen von Werten, einen Knopf für die Transposition und einen Shift-Button, der in Verbindung mit anderen Tastern und bestimmten Tasten der Klaviatur diverse weitere Einstellungen zugänglich macht. Die Sonderfunktionen der Keyboardtasten sind deutlich aufgedruckt und beim Drücken einer solchen Tastenkombination gibt das DP-26 einen Bestätigungston von sich.

Ganz rechts sind beim DP-26 zehn Buttons zur direkten Anwahl von Klängen platziert. Das ist vor allem im Livebetrieb sehr praktisch und bei einem Digitalpiano eher ungewöhnlich. Die Knöpfe sind alle doppelt belegt und schalten jeweils zwischen zwei Klängen um. Maximal muss man also zweimal drücken, um den gewünschten Sound auszuwählen.

Links von der Tastatur hat der Hersteller dem DP-26 ein Pitchbend-Rad spendiert. Auch das ist bei einem Digitalpiano eher selten und wird für Klaviersounds auch nicht benötigt. Da das DP-26 aber auch einige MIDI-Funktionen besitzt und sich zum Ansteuern externer Klangerzeuger eignet, ist das Rad hier durchaus willkommen.  

Anschlüsse

Die beiden Kopfhörerausgänge sind gut zugänglich vorne links platziert. Praktisch: Eine der beiden Buchsen schaltet die internen Lautsprecher ab, wenn ein Kabel eingesteckt ist, die andere lässt sie jedoch weiter spielen. Die übrigen Anschlüsse befinden sich an der Rückseite. Hier findet man einen USB-Anschluss zur Verbindung mit einem Computer, einen MIDI-Ausgang und die Buchse für das mitgelieferte Sustainpedal. Daneben verfügt das DP-26 über je eine Stereo-Klinkenbuchse als Audioausgang und -eingang (Aux Out / Aux In), wobei der Ausgang bei unserem Testgerät leider recht stark rauscht. Ein in den Eingang eingespeistes Signal wird dem Piano beigemischt, der Eingangspegel ist nicht regelbar. Versenkt im Gehäuseboden findet man noch einen Anschluss für die Dreifach-Pedaleinheit des optionalen Ständers.

Klänge, Split und Layer

Das Thomann DP-26 bietet 20 Sounds. Darunter sind zwei Flügelklänge, drei E-Pianos, Cembalo, Clavinet und fünf Orgeln. Die beiden Flügel sind mit Saitenresonanz-Samples ausgestattet, die den Klang mitschwingender Saiten bei getretenem Haltepedal simulieren sollen. Der Rest der Sounds umfasst das übliche Standardprogramm eines Digitalpianos: Vibraphon, Bass, Streicher und ein paar Extras.

Das DP-26 verfügt sowohl über einen Splitmodus (hier „Lower“ genannt) als auch über eine Layer-Funktion („Dual“), die auch gleichzeitig verwendet werden können. Der Splitpunkt ist einstellbar. Maximal kann man drei Sounds gleichzeitig spielen – zwei übereinander geschichtete in der rechten und einen in der linken Hand. Anders als bei manchem Konkurrenzmodell, wo für die Splitfunktion mitunter nur die Basssounds verwendet werden können, lässt sich beim DP-26 jeder der 20 Klänge dafür auswählen. Darüber hinaus gibt es einen Modus mit dem klangvollen Namen „Twinova“. Diese Funktion teilt die Tastatur in zwei Hälften, die jeweils mit dem gleichen Tonumfang desselben Sounds belegt werden. Das eignet sich insbesondere für den Unterricht.

Begleitfunktionen und Übungsstücke

Das DP-26 verfügt über eine Begleitfunktion mit 50 Begleitmustern in verschiedenen Stilen. Es handelt sich dabei nicht um eine komplette Begleitautomatik wie in einem Keyboard mit Drums, Bass und weiteren Spuren, sondern um Klavier-Begleitmuster. Darunter sind Pop-Rhythmen, Walzer und Balladen sowie einige Jazz-Patterns und lateinamerikanische Grooves. Jeder Style bietet zwei Variationen und Fill-Ins, aber keine Intros und Endings.

Eine weitere Möglichkeit der Begleitung ist die „Duet“-Funktion. Dabei erzeugt das DP-26 kleine Begleitfiguren in Abhängigkeit vom in der linken Hand gespielten Akkord – als würde jemand daneben sitzen, der auf die Tastatur greift und ein bisschen mitspielt. Diese Muster sind unabhängig von der Style-Begleitung und wechseln mit dem gewählten Sound.

Das integrierte Metronom beherrscht verschiedene Taktarten, lässt sich aber leider nicht in der Lautstärke regeln. Neben gewöhnlichen Klicks kann man auch eine menschliche Stimme zählen lassen: „One, two, three, four ...“ 

Die 60 integrierten Übungsstücke umfassen größtenteils Klassiker der einfachen Klavierliteratur. Viele der unvermeidlichen Gassenhauer sind dabei: Für Elise, Menuett in G, Türkischer Marsch ... Außerdem sind einige Traditionals, Kinderlieder und Weihnachtslieder darunter. Beim Abspielen der Songs kann man das Tempo regeln und die linke und rechte Hand getrennt an- und abschalten, um sie zu üben. Leider liegt dem DP-26 aber kein Notenheft mit den passenden Noten bei – diese muss man sich woanders besorgen.

Recorder

Die integrierte Aufnahmefunktion des DP-26 zeichnet bis zu fünf Songs als MIDI-Daten auf. Für ein so günstiges Digitalpiano ist das beinahe luxuriös – viele Konkurrenten in dieser Preisklasse bieten höchstens einen Song, wenn überhaupt. Zusätzlich zum Spiel auf der Tastatur kann der Recorder auch die Style-Begleitung aufnehmen. Das funktioniert aber nur gleichzeitig – man kann also nicht zuerst die Begleitung aufzeichnen und dann die Melodie.  

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