Hersteller_Yamaha EK_Einsteiger_Keyboard EK_Anschlagdynamik EK_76_Tasten
Test
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06.11.2018

Praxis

Tastatur und Lautsprecher

Die 76 leichtgewichteten, anschlagdynamischen Tasten des PSR-EW410 bieten ein gutes Spielgefühl und lassen mehr Raum für beidhändiges, pianistisches Spiel, als es bei üblichen 61-Tasten-Keyboards möglich ist. Die Anschlagdynamik lässt sich gut kontrollieren. Mit seiner größeren Tastatur bietet sich das PSR-EW410 für alle an, die viel Piano- und E-Piano-Klänge spielen. Allerdings handelt es sich nicht um eine gewichtete Tastatur mit einem Klavier-ähnlichen Spielgefühl, sondern um eine recht leichtgängige Keyboardtastatur, die jedoch einen guten Kompromiss für viele verschiedene Klänge und die Nutzung der Begleitfunktionen darstellt.

Die Lautsprecher sind zwar nicht größer als beim PSR-E463, bieten aber die doppelte Leistung. Das merkt man durchaus: Im Vergleich mit dem Geschwistermodell klingt das PSR-EW410 deutlich satter und voller. Es kann ziemlich laut werden und gibt sich klanglich auch bei hoher Lautstärke keine Blöße, sodass man durchaus auch eine kleinere Chorprobe damit bestreiten könnte. Für größere Räume sollte man aber dennoch auf eine externe Verstärkeranlage setzen.

Klangfarben (Voices)

Die insgesamt 758 Voices des PSR-EW410 decken ein weites Spektrum ab. Sie entsprechen denen des PSR-E463, mit einem wichtigen Unterschied: Voice Nr. 1 ist hier das aufwändigere Live! Grand Piano, während man sich beim Geschwistermodell mit einem einfacheren Flügelklang begnügen muss. Das passt zum Konzept des Keyboards, das sich mit der größeren Tastatur an Keyboarder mit pianistischen Ambitionen wendet. Das Live! Grand Piano klingt detailreicher und lässt sich ausdrucksstärker spielen, als der Flügelklang im PSR-E463. Die übrige Klangpalette hält wie üblich alles bereit: Von E-Pianos und Orgeln über zahlreiche Gitarren, Bässe, Streicher und Blasinstrumente bis hin zu Synthesizer-Sounds und Klängen aus dem Bereich der Weltmusik ist alles dabei. Auch 24 Drum- und SFX-Kits liegen im Speicher, ebenso wie 40 spezielle Arpeggio-Voices und die 457 Klangfarben umfassende XGlite-Klangpalette, die vor allem zur Wiedergabe von MIDI-Files gedacht ist. Erfreulich ist die große Zahl von modernen Synthesizer-Sounds, mit denen sich auch aktuelle Hits aus den Bereichen EDM und Hip-Hop authentisch intonieren lassen.

Insgesamt können die Klangfarben für ein Keyboard dieser Klasse überzeugen. Einige Sounds verfügen über mehrere Velocity-Layer, sodass man den Klang bzw. verschiedene Spielweisen mit der Anschlagstärke steuern kann. Allerdings muss ich auch feststellen, dass sich bei den Yamaha-Keyboards der PSR-E-Serie nun schon seit einigen Generationen in Sachen Klangfarben kaum wirklich etwas getan hat. Gerade erst hat der Konkurrent Casio mit der CT-X-Serie klanglich stark aufholen können, und auch Korg hat mit dem EK-50 ein hervorragend klingendes Keyboard im Einsteiger-Bereich herausgebracht. Es ist also zu hoffen, dass Yamaha hier in der nächsten Generation ein größeres Update bringt.

Mit den Live-Control-Drehreglern kann man einige Klangparameter während des Spielens verändern. Man hat Zugriff auf Filter Cutoff und Resonanz, Attack und Release der Hüllkurve sowie die Effektanteile für Reverb und Chorus und zwei Parameter des DSP-Effekts. Das schafft Raum für klangliche Experimente und macht eine Menge Spaß. Allerdings kann man veränderte Klänge nicht abspeichern, wie es beispielsweise bei den Casio-Keyboards CT-X3000 und CT-X5000 möglich ist.

Split und Layer

Das PSR-EW410 verfügt sowohl über einen Layer-Modus (Dual) und eine Split-Funktion, die gleichzeitig genutzt werden können. Insgesamt lassen sich so bis zu drei Sounds simultan auf der Tastatur spielen: Zwei übereinander geschichtete Klänge in der rechten und ein weiterer Sound in der linken Hand. Der Splitpunkt ist einstellbar. Im Funktionsmenü kann man die Lautstärke, das Panning, die Oktave und die Effektanteile der drei Sounds separat regeln. Bei den Main- und Dual-Voices besteht hier außerdem eine Regelmöglichkeit für Cutoff, Resonanz sowie Attack und Release der Hüllkurve.

Effekte

Das PSR-EW410 bietet einen Halleffekt mit 12 verschiedenen Effekttypen, sowie einen Chorus mit fünf Typen. Die Effektanteile lassen sich für die Main-, Split- und Dual-Voices getrennt einstellen. Weitere Regelmöglichkeiten bestehen allerdings nicht. Mehr Flexibilität bietet der zusätzliche DSP-Effekt. Er bietet 10 Effekttypen, darunter zwei Verzerrer, Rotary Speaker, Chorus, Phaser, Flanger, Tremolo, Auto Pan sowie Tiefpass- und Hochpassfilter, die sich mit den Drehreglern in je zwei Parametern anpassen lassen. Toll ist die Möglichkeit, den DSP-Effekt statt den Keyboard Voices der Begleitung zuzuweisen, wodurch man zum Beispiel Styles oder Groove-Creator-Patterns filtern oder durch einen Phaser oder Verzerrer schicken kann.  Zu guter Letzt bietet das PSR-EW410 einen Master EQ, mit dem sich der Klang der internen Lautsprecher an den persönlichen Geschmack oder die räumlichen Anforderungen anpassen lässt. Er verfügt über sechs Presets.

Sampling

Das PSR-EW410 verfügt über eine „Quick-Sampling-Funktion“, mit der man das Signal vom Audioeingang sampeln kann. Das ist bei einem Keyboard dieser Klasse sehr selten und verspricht viel Raum für Kreativität. Das Sampling erfolgt in Stereo mit einer brauchbaren Auflösung von 44,1 kHz und 16 bit. Leider beträgt die maximale Sample-Länge aber magere 9,6 Sekunden, was den praktischen Nutzen gleich wieder ziemlich einschränkt. Die Sample-Verwaltung ist eigenwillig: Eine Sample Voice kann aus bis zu sieben Samples bestehen, gegenüber fünf beim Geschwistermodell PSR-E463. Eines davon lässt sich in einem großen Tastaturbereich chromatisch spielen. Die übrigen sechs belegen jeweils wenige Tasten im oberen Tastaturbereich und können entweder Loops oder One-Shot-Samples sein. Im internen Speicher ist Platz für eine solche Sample Voice mit sieben Samples von insgesamt bis zu 9,6 Sekunden Länge. Das Ganze lässt sich dann auf einem USB-Stick sichern, um den internen Speicher für eine neue Sample Voice freizumachen.

Die Sampling-Funktion macht eine Menge Spaß und ermöglicht es (mit Einschränkungen), einen eigenen Sound aus selbst aufgenommenem Material zu kreieren, zumal die regelbaren Parameter (Filter, Hüllkurve) und die Effekte natürlich auch auf eine Sample Voice angewendet werden können. In der Praxis überwiegen aber doch die Einschränkungen. Nicht nur ist die Sampling-Zeit arg kurz; es gibt auch keinerlei Bearbeitungsfunktionen für aufgenommene Samples, wenn man von einer rudimentären Automatik zum Wegschneiden von Stille absieht. Das Erstellen von wirklich exakten Loops wird damit zu einer beinahe unmöglichen Aufgabe. Außerdem wäre es toll, wenn das Keyboard auch einen Mikrofoneingang hätte, womit man unkompliziert akustische Instrumente oder Gesang sampeln könnte. Unter dem Strich ist das „Quick Sampling“ also eher als Experimentierfeld zu sehen, denn als wirkliches Werkzeug zum Erstellen von Klängen. Trotzdem ist es eine schöne Sache, dass Yamaha das in einem Keyboard dieser Klasse anbietet.

Styles

Die Begleitautomatik des PSR-EW410 ist mit 235 Styles aus vielen verschiedenen Genres gut aufgestellt. Die Rhythmen entstammen zum größten Teil höherklassigen Yamaha-Keyboards wie der PSR-S-Serie und dem Tyros und sind entsprechend detailreich und stilsicher programmiert. Wegen der im Vergleich eingeschränkten Klangpalette des PSR-EW410 klingen sie hier etwas weniger ausgefeilt, aber immer noch frisch und druckvoll. Beim Gesamtsound der Begleitautomatik kann Yamaha nach meinem Empfinden in dieser Klasse nach wie vor gut mithalten.

Allerdings gilt auch hier, dass das Angebot seit einigen Generationen der PSR-E-Serie bis auf einige Ergänzungen unverändert ist. Die Konkurrenz bietet in dieser Klasse inzwischen vermehrt vier Variationen pro Style, während man sich beim PSR-EW410 mit zweien begnügen muss. Dazu gibt es selbstverständlich die passenden Fill-Ins sowie ein Intro und ein Ending. Jeder Style bietet außerdem ein „One Touch Setting“ (OTS), das automatisch passende Keyboard-Voices auswählt.

Während der Performance mit einem Style kann man mit den Track-Control-Buttons einzelne Elemente wie Drums, Bass und verschiedene Akkordspuren stummschalten. Auch die Möglichkeit, Styles mit DSP-Effekten zu bearbeiten oder zu filtern, sorgt für klangliche Vielseitigkeit. Hingegen ist es leider nicht möglich, das Lautstärkeverhältnis der einzelnen Begleitspuren zu verändern. Auch bietet das PSR-EW410 leider keine Möglichkeit, Styles zu verändern und neu abzuspeichern, wie es etwa beim Casio CT-X3000 oder beim Korg EK-50 möglich ist. Immerhin gibt es aber 10 Speicherplätze für User-Styles, die über einen USB-Stick mit kompatiblen Styles gefüllt werden können. 

Groove Creator

Der „Groove Creator“ tritt beim PSR-EW410 und dem Geschwistermodell PSR-E463 an die Stelle der „DJ Patterns“ der Vorgänger. Es handelt sich um 35 vorgefertigte Begleitmuster in verschiedenen Stilen aus Dance, EDM und Hip-Hop, die jeweils fünf verschiedene Patterns bzw. Variationen beinhalten. Diese schaltet man mit den Section-Buttons um und kann so eine variantenreiche Performance hinlegen. Neu ist, dass das fünfte Pattern nun „Musical Climax“ heißt und eine Dance-typische Steigerung enthält, die sich insbesondere für den Übergang zu einem anderen Muster eignet.

Beim Jammen mit den Groove-Creator-Patterns kann man die Drehregler nutzen, um Patterns zu filtern oder mit DSP-Effekten zu verfremden. Auch lassen sich einzelne Elemente wie Drum-Spuren, Bass und Synth mit den Track-Control-Buttons stummschalten. Interessant ist auch die Retrigger-Funktion, mit der sich typische „Buildups“ erzeugen lassen. Leider ist es aber eine echte Glückssache, die Geschwindigkeit des Retrigger-Effekts mit dem dazugehörigen Drehregler rhythmisch exakt zu kontrollieren.

Unter dem Strich bietet der Groove Creator einen anderen Ansatz zum Spielen mit einer automatischen Begleitung als die herkömmlichen Styles, und sorgt für viel gute Laune. Die Patterns decken viele Club-Trends der letzten Jahre ab und klingen sehr gut. Letztlich bleiben sie aber vorgefertigte Muster, die sich musikalisch doch recht schnell erschöpfen.

Songs und Aufnahmefunktionen

Das PSR-EW410 enthält 30 interne Songs; weitere 70 können von der Yamaha Website heruntergeladen und mittels eines USB-Sticks in den Flash-Speicher des Keyboards übertragen werden. Auch ein dazu passendes Songbook ist als Download verfügbar. Außerdem kann das Keyboard Standard MIDI-Files direkt von einem USB-Stick abspielen. Während der Wiedergabe lassen sich einzelne Spuren mit den Track-Control-Buttons stummschalten und es gibt eine Wiederholungsfunktion, mit der z. B. ein Refrain verlängert oder ein Abschnitt zum Üben wiederholt werden kann.

Zum Aufnehmen des eigenen Spiels bietet das PSR-EW410 zwei Möglichkeiten. Zum einen steht ein MIDI-Recorder zur Verfügung. Dieser ermöglicht die Aufnahme von bis zu sechs Spuren im Overdub-Verfahren. Eine Spur ist für den Style bzw. das Groove-Creator-Pattern reserviert, während die anderen fünf für die Keyboard Voices genutzt werden können. Bearbeitungsfunktionen gibt es kaum; lediglich das Löschen von aufgenommenen Spuren ist möglich. Im Speicher ist Platz für bis zu 10 auf diese Weise aufgenommene User-Songs. Sollte das nicht ausreichen, so kann man die User-Songs auf einem USB-Stick archivieren.

Zum anderen bietet das Keyboard die Möglichkeit, Audioaufnahmen direkt auf einem USB-Stick zu machen. Dabei wird das gesamte Ausgangssignal des Keyboards (inkl. des Signals vom Audio-Eingang) als WAV-Datei aufgenommen (44,1 kHz, 16 bit). Diese ausgesprochen praktische Funktion ist in dieser Klasse keine Selbstverständlichkeit und macht das Erstellen von Demos zu einem Kinderspiel. Alle Hörbeispiele dieses Tests wurden auf diese Weise erstellt. 

Registrierungsspeicher

Das PSR-EW410 bietet die Möglichkeit, bis zu 32 Kompletteinstellungen des Keyboards zu sichern und wieder abzurufen, was leider nicht besonders viel ist. Wenn der Platz nicht ausreicht, dann kann man den Inhalt des Registrierungsspeichers auf einen USB-Stick kopieren. Leider ist es aber nicht möglich, einzelne Registrierungen auf dem Stick zu speichern und auch direkt von dort wieder aufzurufen. Um Registrierungen vom Stick zu laden, muss man immer den kompletten Satz mit allen 32 Plätzen wiederherstellen, wobei der interne Speicher des Keyboards überschrieben wird. In der Praxis ist das also nur eine Notlösung.

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