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Test
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27.08.2016

Praxis

Tastatur und Lautsprecher

Die anschlagdynamische Tastatur des PSR-EW400 entspricht der des PSR-E453, hat hier aber 15 Tasten mehr. Mit über sechs Oktaven Umfang eignet sich das Keyboard besser für all jene, die pianistisch spielen möchten. Richtiges Klavier-Feeling kommt dennoch nicht auf, weil es sich ja um keine gewichtete, sondern eine leichtgängige Keyboardtastatur handelt. Für eine solche ist sie aber angenehm zu spielen und lässt sich gut kontrollieren. Wer hauptsächlich Klavier spielen möchte, sollte sich alternativ aber auch mit Digitalpianos mit gewichteten Tastaturen beschäftigen, die zum Teil bereits recht günstig zu bekommen sind (siehe Testmarathon Digitalpianos für Einsteiger). Wer eine Mischung sucht zwischen einer leichtgängigen, mit vielen verschiedenen Sounds kompatiblen Keyboardtastatur und einem größeren Umfang für gelegentliche pianistische Ausflüge, ist mit dem PSR-EW400 gut bedient.

Beim Lautsprechersystem gibt es ebenfalls einen Unterschied zum PSR-E453. Wie das Geschwistermodell besitzt das PSR-EW400 zwei zwölf Zentimeter große Speaker mit Bassreflexkanälen. Der Verstärkerleistung beträgt hier aber satte 2x 12 Watt gegenüber den 2x 6 Watt des PSR-E453, jedenfalls bei Verwendung des mitgelieferten Netzteils. Das heißt natürlich nicht, dass das Keyboard doppelt so laut wäre, aber es klingt deutlich souveräner als das PSR-E453 und hat für ein Einsteiger-Keyboard recht üppige Leistungsreserven, mit denen man vielleicht sogar eine kleinere Chorprobe bestreiten könnte. Die Lautsprecher klingen auch bei hoher Lautstärke ausgewogen und klar und verzerren kaum. Der integrierte Master EQ bietet sechs Presets, mit denen man den Sound an die persönlichen Vorstellungen und die räumlichen Gegebenheiten anpassen kann.

Voices

Wie das PSR-E453 besitzt das 48-stimmig polyphone PSR-EW400 insgesamt 758 Klangfarben. Hier ist der vierte und letzte wichtige Unterschied zwischen den beiden Keyboards zu finden: Passend zur Klavier-näheren Ausrichtung mit der größeren Tastatur verfügt das PSR-EW400 mit dem Live! Grand Piano über einen aufwändiger gesampelten und detailreicheren Flügelsound als das Geschwistermodell. Das Live! Piano klingt tatsächlich wesentlich natürlicher als alle Klaviersounds, die mir bei Keyboards dieser Klasse bisher begegnet sind. Es weist eine schöne Dynamik und Räumlichkeit auf und lässt sich nuancenreich spielen. Sicher ist es noch ein gutes Stück weit entfernt vom Realismus, den man aus den heutigen Oberklasse-Keyboards und Digitalpianos kennt, aber für ein Keyboard der 400-Euro-Klasse gefällt mir das richtig gut.

Das übrige Angebot umfasst wie üblich beinahe jedes erdenkliche Instrument. Von E-Pianos und Orgeln über Orchesterklänge, Gitarren und Bässe bis hin zu Synthesizer-Sounds und Klängen aus dem Bereich der Weltmusik ist alles dabei. Unter den Voices sind mit acht Sweet! Voices und drei Cool! Voices einige von Yamahas aufwändigeren Sounds, die sich durch ein detailreicheres Sampling auszeichnen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, ist die Qualität für ein Keyboard dieser Klasse in Ordnung, auch wenn sich für mein Empfinden im Vergleich zur vorherigen Generation (PSR-E443) nur wenig getan hat. Dennoch bietet das PSR-EW400 insgesamt einen hochwertigen Klangvorrat, der sich in dieser Klasse sehen lassen kann. Vor allem die in großer Zahl vorhandenen, modernen Synthesizer-Sounds und die Vielfalt der Drumkits hinterlassen einen guten Eindruck. Die unrühmliche Ausnahme bilden einmal mehr die verzerrten E-Gitarren, die sehr statisch und unnatürlich klingen und ihre Spuren leider auch im Klang einiger rockiger Styles hinterlassen. Das kann Yamaha eigentlich besser, wie man an den guten Gitarrensounds der höherklassigen Keyboards des Herstellers sieht.

Das PSR-EW400 ermöglicht es, bis zu drei Voices gleichzeitig auf der Tastatur zu spielen. Aktiviert man die Dual- und Split-Voices gleichzeitig, so stehen zwei Sounds in der rechten Hand und ein weiterer in der linken Hand zur Verfügung. Der Splitpunkt und das Lautstärkeverhältnis der Sounds lassen sich anpassen. Auch die Effektanteile können für die drei Parts einzeln reguliert werden.

Effekte

Je ein Chorus- und Reverb-Effekt stehen für das gesamte Keyboard zur Verfügung und können im Funktionsmenü den einzelnen Parts mit einstellbarer Stärke beigemischt werden. Der Chorus bietet fünf verschiedene Effekttypen, der Reverb neun. Hier hat sich gegenüber der vorherigen Generation nichts verändert. Neu ist jedoch der DSP-Effekt, der entweder den Keyboard-Parts oder dem Style zugewiesen werden kann. Er bietet zehn Effekttypen, darunter Chorus, Phaser, Flanger und Tremolo sowie zwei Verzerrer und sogar eine Rotary-Speaker-Simulation. Auch ein Tiefpass- und ein Hochpassfilter sind vorhanden. Die beiden Live Control Drehregler können zur Veränderung zweier Effektparameter verwendet werden, wodurch man zum Beispiel die Leslie-Geschwindigkeit oder den Grad der Verzerrung spontan regulieren kann. Klanglich sind die DSP-Effekte keine Offenbarung (vor allem der Leslie-Effekt kann nicht wirklich überzeugen), aber sie erweitern das Klangspektrum und bieten Raum für einige Experimente. Hier hört ihr einen Orgelsound mit der Rotary-Speaker-Simulation:

Styles

Die 220 Begleitrhythmen des PSR-EW400 decken eine große stilistische Bandbreite ab. Von Pop/Rock und Balladen über Dance und Hip Hop, Soul und Funk bis hin zu Jazz, Latin und Weltmusik bleibt kaum eine Lücke offen. Einige Styles erinnern stark an beliebte Hits der letzten Jahre, sodass man die entsprechenden Songs recht authentisch zum Besten geben kann. Für andere Songs sind sie dann natürlich nur eingeschränkt verwendbar. Die Rhythmen sind detailreich und musikalisch programmiert, wie man es von Yamaha gewohnt ist. Sie entstammen zumeist den “größeren” Yamaha Keyboards, wurden hier aber für die eingeschränktere Soundpalette des Keyboards angepasst. Den gleichen Realismus wie etwa bei der PSR-S Serie darf man also nicht erwarten, aber der Sound der Begleitautomatik ist insgesamt lebendig und rund. Alle Styles bieten zwei Variationen mit den passenden Fills sowie je ein Intro und Ending. Außerdem gibt es zu jedem Rhythmus ein OTS (One Touch Setting), wodurch man direkt eine passende Klangfarbe einstellen kann. Zehn freie Style-Speicherplätze stehen bereit, die man per USB-Stick oder der von Yamaha kostenlos erhältlichen MusicSoft Downloader Software mit Styles im STY-Format füllen kann.

Style Filter und DSP

Wie das PSR-E453 bietet das PSR-EW400 einen Style Filter, mit dem man den kompletten Style mit einem Filtereffekt bearbeiten kann. Damit lassen sich zum Beispiel typische Filterfahrten realisieren, wie man sie aus House-Tracks kennt. Zur Verwendung des Style Filters weist man die Funktion den Live Control Drehreglern zu und kann dann an Cutoff und Resonance “schrauben”.

Der DSP-Effektblock lässt sich nicht nur den Keyboard Parts, sondern alternativ auch dem Style zuweisen, wodurch man die Begleitrhythmen zum Beispiel mit Phaser-Effekten versehen kann:

DJ Patterns

Zusätzlich zu den “normalen” Styles enthält das PSR-EW400 25 sogenannte DJ Patterns. Dabei handelt es sich um vorgefertigte Begleitmuster in verschiedenen Stilistiken der elektronischen Musik, die man über die Klaviatur transponieren kann. Mit den fünf Section-Tastern A-E kann man zwischen fünf Teilmustern wechseln und einen Track dynamisch aufbauen. Wie bei den Styles lassen sich einzelne Elemente wie Drums, Bass und Chords über die Track Control Taster stummschalten, was gerade bei den DJ Patterns viel Spaß macht. Außerdem gibt es eine Retrigger-Funktion, mit der man die Dance-typischen “Buildups” umsetzen kann. Dazu hält man den jeweiligen Section-Taster gedrückt und kann dann mit einem der Drehregler die Wiederholungsrate regulieren. Die DJ Patterns sind ein Versuch, die Funktionen eines klassischen Arranger Keyboards mit der Arbeitsweise eines DJs zu verbinden und das Keyboard für Freunde elektronischer Musik attraktiv zu machen. Das funktioniert auch ganz gut und das Jammen mit den Patterns macht eine Menge Spaß. Letztlich ist man mit den Patterns aber zu festgelegt, um sie wirklich in eigenen Tracks nutzen zu können, weshalb sie in meinen Augen eine nette Spielerei bleiben.

Aufnahmefunktion

Das PSR-EW400 bietet einen integrierten MIDI-Recorder mit sechs Spuren (fünf plus eine Spur für die Style-Begleitung). Insgesamt lassen sich bis zu zehn Songs im internen Speicher aufzeichnen. Der Speicherinhalt kann bei Bedarf auf einen USB-Stick exportiert werden. An die aufwändigen Sequencer höherklassiger Keyboards und Workstations reicht der Recorder nicht heran, aber er erfüllt seine Funktionen zum Festhalten von Ideen und zur Kontrolle des eigenen Spiels gut. Einen Audio-Recorder bietet das PSR-EW400 nicht, aber dank der direkten USB-Audio-Verbindung kann man das Ausgangssignal unkompliziert auf dem Computer als Audiospur aufnehmen.

Registrierungsspeicher und Music Database

Der Registrierungsspeicher kann 32 Kompletteinstellungen des Keyboards sichern. Das ist nicht besonders viel, aber auch hier kann man den Speicherinhalt bei Bedarf auf einen USB-Stick kopieren. Die Music Database enthält 378 vorgefertigte Settings für viele populäre Songs. Während einige davon tatsächlich an das Vorbild erinnern, braucht man für einige andere etwas Fantasie, um einen Zusammenhang zu erkennen. Leider lässt sich die Datenbank nicht mit eigenen Einträgen erweitern, wie es bei Yamahas “großen” Keyboards möglich ist.

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