Hersteller_Yamaha DP_Digitalpiano DP_Home DP_Bluetooth DP_LineOut
Test
3
05.02.2019

Praxis

Bedienung

Basale Bedienvorgänge wie das Einschalten mit dem Power-Taster, das Regeln der Lautstärke mit dem Volume-Slider oder das Abspielen der 50 Demo-Songs, gehen ohne ein Blick ins Handbuch von der Hand. Auch das Auswählen der Klänge gelingt auf Anhieb: Einfach die entsprechende Kategorie (Piano, E-Piano, Organ, etc.) wählen und dann mit dem Cursor-Links/Rechts durch die Sounds blättern. 

Auch das Erstellen von Split- und Dual-Sounds ist einfach gelöst: Split-Taster ein (für dualen Split) oder drei Mal (für Split + Dual-Layering) kurz hintereinander drücken, dann einfach den Sound für den entsprechenden Tastaturbereich einstellen. Rechts neben der Split-Taste sitzen die Funktionstasten „Sound-Boost/EQ“ und Reverb. Erstgenannte sorgt für eine milde, dynamische Anpassung der Dynamik.

Beim Equalizer handelt es sich um einen einfachen Dreiband-Klangentzerrer (Bass, Mitte, Höhen), mit dem sich der Gesamtklang an die persönliche Präferenz anpassen lässt. Im Bereich „Reverb“ stehen die Optionen „Off, Recital Hall, Concert Hall, Chamber, Cathedral, Club und Plate“ zur Auswahl. Auffällig ist, dass alle Hallprogramme ab einem bestimmten Schwellwert (ca. -65 dB) relativ abrupt aufhören. Das ist im normalen Spiel allerdings nahezu unhörbar. Nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass man einen Piano-Part aufnimmt, der auf einen Stakkato-Akkord endet, dabei den internen Hall appliziert und danach noch Kompression zum Einsatz bringt, sollte man doch über eine externe Hallberechnung nachdenken.

Die Benutzerführung innerhalb des Funktionen-Menüs ist nicht immer stringent und einfach nachzuvollziehen. So befindet sich beispielsweise der Parameter für den Hall-Anteil im Menüpunkt „Voice Edit“, während sich die Einstellmöglichkeit für das Hall-Programm im darüber liegenden Menüpunkt „Voice“ versteckt. Irritierend ist auch, dass dieselben Menüpunkte an verschiedenen Stellen auftauchen.

So finden sich fast alle Parameter der Funktionstaste „Piano Room“ (beispielsweise die Stellung des Piano-Deckels) auch im Funktionen-Menü – dort dann allerdings mit anderer Darstellung. Das ist zwar so gewollt - Yamaha möchte im Konzept des "Piano Room" gewisse Effekte anschaulicher und einfacher zugänglich machen - übersichtlich ist es trotzdem nicht. Unkomfortabel sind auch die zahlreichen, nicht auf der Frontplatte beschrifteten Zusatzfunktionen, die sich nur über das gedrückt halten bestimmter Tasten erreichen lassen. Möchte man beispielsweise eine simple Audiodatei seines Spiels anfertigen, gilt es, die Record-Taste gedrückt zu halten, bis der Aufnahme-Dialog erscheint und dort dann „New Audio (USB)“ auszuwählen.

Das ist grundsätzlich nicht weiter schlimm und Anwender, die einfach nur das Gerät einschalten, um darauf zu spielen, werden damit wohl nie Bekanntschaft machen, Power-User hingegen werden jedoch eine ganze Reihe von Funktionen auswendig lernen müssen. Darunter auch die Eigenheit, dass man – will man, dass Einstellungen am Klang (u. a. Reverb, VRM, EQ) beim Ausschalten erhalten bleiben – tief in das Menü eintauchen muss. Und zwar gilt es folgendem Pfad zu folgen, wenn man direkt am Instrument arbeitet: Funktionen → System → Backup → Backup-Settings → Voice: On. Das hätte man für das direkte Arbeiten am Instrument sicherlich einfacher lösen können. Einfacher geht es nur, wenn man seine Lieblingseinstellungen als Registration mithilfe der "Smart Pianist" App ablegt, was bedeutet, dass man für solche Vorhaben die "Smart Pianist" App auch im Zugriff haben muss.

Spielgefühl

Yamaha bringen beim P-515 deren NWX-Tastatur zum Einsatz. ‚NWX‘ steht für „Natural Wood X“ und tatsächlich verfügen die weißen Tasten über einen Echtholzkern. Die schwarzen Tasten sind aus Elfenbeinimitat und mit einer leicht angerauten, Ebenholz-artigen Textur überzogen. Sie gibt den Fingern tatsächlich eine angenehme taktile Orientierung und sorgt für einen guten Grip, der sich positiv auf die Sicherheit beim Spielen auswirkt. Überhaupt macht das Bedienen der Klaviatur Freude: Die Tasten halten eine gute Balance aus Trägheit und Agilität und ermöglichen ein Nuanciertes Spiel. Es lässt sich sehr schön gegen und mit dem gewichtigen Rebound der Tasten arbeiten, der die Trägheit eines realen Hammers simuliert. Beim Spiel nicht störend, der Vollständigkeit halber aber dennoch erwähnenswert: Ein subtil schmatzendes Klicken beim Loslassen der Tasten. Ich gehe davon aus, dass man hier den Mikroswitch hört, der für das Auslösen des Key-Off-Samples verantwortlich ist.

Rhythmus/Metronom

Natürlich verfügt ein derartig leistungsfähiges Instrument wie das P-515 auch über ein Metronom. Dieses klickt mit wählbarem Tempo, Metrum und auf Wunsch mit einer durch einen Glockenklang hörbar gemachten „schweren“ Eins vor sich hin. Unterhaltsamer wird es, wenn man eines der insgesamt vierzig Rhythmus-Playbacks wählt. Das Spektrum umfasst hier gängige Standards wie '8Beat, Shuffle, 6-8-Ballad und Bossa Nova' und wird durch die XG-Klangerzeugung brauchbar wiedergegeben. Dabei ergänzt das P-515 automatisch einen tonal stimmigen Bass, der sich an der tiefsten Note der linken Hand orientiert. Diese Funktion kann man auch deaktivieren.

Klang

Grundsätzlich gilt es in Bezug auf den Klang - beim P-515, wie bei allen Digitalpianos - zu differenzieren. Nämlich zwischen der eigentlichen Klangerzeugung und dem Soundsystem des Instruments. Denn es passiert gar nicht selten, dass die Klangerzeugung eines Digitalpianos am Kopfhörer-Ausgang eine hervorragende Inszenierung abliefert, die Lautsprecher diesen aber nur unzureichend an die Außenwelt weitergeben. Daher führe ich die erste Klangbeurteilung immer mit Kopfhörern durch (in meinem Fall sind dies die Beyerdynamik DT-1990 Pro) und gleiche das im Anschluss mit dem Klangbild der integrierten Lautsprecher ab.

Die Qualität der Samples kann überzeugen: Das CFX gibt sich drahtig und durchsetzungstark, das Bösendorfer ein bisschen organischer und lyrischer und das C7 ausgewogen und höhenreich. Alle Klänge profitieren sehr von der VRM-Technologie (Virtual Resonance Modeling). Gerade in der Phase nach dem Anschlag (bei gehaltenem Pedal), merkt man, wie sich hier die Obertöne anreichern und der Klang anfängt zu „schweben“.

Die Komplexität eines realen Instruments wird hier natürlich nicht erreicht und während der Effekt im Diskant durchaus deutlich hervortritt, bleibt die Ausklingphase in tieferen Lagen weitgehend statisch. Dennoch steigert der Algorithmus die Authentizität deutlich und ermöglicht mit seinen umfangreichen Parametern (Dämpfer-, Saiten-, Aliquot-, Body-Resonanz und Key-Off-Sample) eine präzise Anpassung des Klangverhaltens.

Positiv vermerke ich auch, dass es eine binaurale Version des CFX-Pianos gibt. Eine Version also, die über Kopfhörer den räumlichen Eindruck einer Kunstkopf-Aufnahme vermittelt. Um sie zu aktivieren, gilt es wieder einmal tief ins Menü abzutauchen und zwar 'System → Sound → binaural' und dort „on“ zu wählen. Ein einfaches Preset mit der Bezeichnung „Binaural CFX“ wäre an dieser Stelle praktischer.

Im direkten Vergleich mit dem „Avantgrand N3“ aus gleichem Hause, hört man allerdings, dass das P-515 zu einer etwas „bauchigen“ und Klangdarbietung neigt. Das macht sich natürlich bei mehrstimmigen Jazz-Akkorden in mittlerer Oktavlage ziemlich gut.

Abgesehen von den „Premium“-Sounds CFX-Grand, Bösendorfer (Imperial) und Studio Grand (Yamaha C7), findet sich hier ein umfassendes Spektrum an zusätzlichen Klängen jeglicher Art. Neben der Kategorie finden sich die Gruppen: „E-Piano, Organ, Clv./Vib. Strings, Other und XG“. Geboten wird hier solide Standard-Kost, die sich im Band-Kontext hervorragend einfügt. 40 Sounds sind es insgesamt, dazu 18 Drum-Kits und noch mal 480 XG-Voices. Hören wir einmal in eine kleine Auswahl der Klänge rein:

Das integrierte Soundsystem mit seinen Stereo-2-Kanal Lautsprechern (15/5 Watt) kommt in der Gesamtleistung auf 40 Watt. Der Wert ist gut gewählt, denn damit ließ sich unser 20-Quadratmeter Testzimmer ausreichend bespielen. Natürlich sind dem klanglichen Spektrum und der Dynamik eines solchen Systems, physikalisch sehr enge Grenzen gesetzt. Auch und besonders im Bass, da Yamaha wohl aus Platzgründen auf eine Bassreflex-Anordnung verzichten mussten. Da die Höhen in der Relation entsprechend mehr Präsenz haben, wird der Klang im Diskant über die integrierten Lautsprecher auch schnell mal etwas „klimperig“. Der Unterschied wird im direkten Vergleich natürlich am deutlichsten – hier der erstaunliche Raumklang-Vergleich des Yamaha mit meinem ziemlich bassstarken „Waldorf Zarenbourg“.

Konnektivität

Das Yamaha Digitalpiano ist ein in jeder Hinsicht sehr kommunikationsfreudiges Instrument. Es kennt dazu grundsätzlich vier Wege: DIN-MIDI, USB-Host-Verbindung, Bluetooth-Anbindung und mit optionalem WLAN-Stick sogar Wi-Fi.Über die integrierte USB-Buchse können MIDI-Songs (SMF) und Stereo-Audiodateien (16-Bit, 44,1 kHz) aufgenommen und wiedergegeben werden.

Das P-515 beherbergt neben der eigentlichen CFX-Klangerzeugung also auch einen vollwertigen MIDI-Player, der multitimbral das Standard-XG-Repertoire abdeckt. Und das mit unterschiedlichsten Wiedergabe-Variationen: Neben simplem Vor- und Zurückspulen ist so auch das Wiederholen (A-B) bestimmter Abschnitte möglich – ideal zum Üben.

Auch andere Tricks beherrscht das P-515 Digitalpiano: So kann ein MIDI-Song auch direkt in eine Audiodatei umgewandelt oder eine Aufnahme in linke und rechte Hand gesplittet werden, sodass ein Schüler nachträglich die eine oder andere Hand solo üben kann.

Verbindet man die rückseitige USB-Buchse mit einem Rechner, gibt sich das P-515 sowohl als Audio-, wie auch als MIDI-Gerät zu erkennen. Die Möglichkeiten, die sich im Computer-Verbund ergeben, sind ausgesprochen vielfältig: Zunächst einmal beherrscht das P-515 natürlich den bidirektionalen Audio- und MIDI-Verbund.

In der Praxis lassen sich also zunächst einmal MIDI-Noten- und Controller-Daten aufnehmen und über das Piano wiedergeben. Selbiges gilt für Audiodaten: Einfach eine Spur in der DAW scharf schalten und das Gespielte findet den direkten Weg in die Audiosoftware (und umgekehrt). Das ist natürlich ein idealer Workflow, wenn es darum geht Piano-Parts aufzunehmen: MIDI-Daten einspielen und editieren, Sound anpassen und am Ende den ganzen Part als Audiofile „printen“. Hier noch ein paar Beispiele der internen XG-Klangerzeugung.

Versetzt man das 'P-515' in den Bluetooth-Pairing-Modus, kann es als Lautsprecher für das gekoppelte Gerät dienen. MIDI via Bluetooth geht allerdings (noch) nicht. Schließt man an die USB-Buchse auf der Oberseite einen USB-WLAN-Adapter an (beispielsweise den Yamaha UD-WL01), stehen die gleichen Funktionen, die eine Bluetooth-Verbindung bietet (Audio/MIDI) auch im WLAN zur Verfügung. Diese Funktionsweise dient vor allem der Kommunikation mit der „Smart Pianist“ App, die in Verwendung mit dem Piano das Funktionsspektrum des Instruments unterstützt und erweitert.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare