Hersteller_Yamaha
Test
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20.11.2018

Praxis

Performances

Wie beim großen Bruder gibt es nur diesen einen Modus für Klänge. Die Zeiten von Voices oder Master-Dateien sind vorbei. Es gibt drei verschiedene Arten von Parts: Normale Parts nutzen die klassische subtraktive AWM2-Synthese der Motif-Serie, die aus maximal acht Oszillatoren, den sogenannten Elements zusammengesetzt sind. FM-X-Parts erzeugen ihre Klänge mithilfe der modernisierten Frequenzmodulation mit acht Operatoren, und Drum-Parts sind meist Percussion- oder Schlagzeugsounds, die einzelnen Tasten auf der Tastatur zugewiesen sind. 

Eine Performance besteht wiederum aus maximal acht Parts, die aufs Keyboard gelegt und beliebig gelayert oder gesplittet werden können. Die Parts 9-16 können als zusätzliche „Mixing-Parts“ bei Bedarf (z. B. bei einer MIDI-Aufnahme mit dem internen Sequenzer oder bei Recordings mit einer DAW) hinzukommen. Die beiden getrennten Sound-Engines AWM2 und FM-X verfügen über 128 bzw. 64 Stimmen, sodass man insgesamt von einer 192-stimmigen Polyphonie sprechen kann. Beim MONTAGE ist die FM-X-Engine mit 128 Stimmen doppelt so leistungsfähig. Auch das komfortable SSS (Seamless Sound Switching), bei dem ein gespielter Sound beim Umschalten auf einen anderen Sound nicht abbricht, sondern ohne Veränderung ausklingt, ist beim MODX vorhanden. Allerdings funktioniert das nur bei Klängen, die aus maximal vier Parts bestehen. Beim MONTAGE liegt diese Grenze bei acht Parts.

Der MONTAGE bietet zwar mehr Stimmen-Power, trotzdem sind alle Performances des MONTAGE im MODX vorhanden, lediglich die Polyphonie ist geringer und SSS funktioniert nur bei weniger komplexen Perfomances. Für eine detailliertere Beschreibung der Klangerzeugung verweise ich auf den Test des MONTAGE und auch auf den aktuellen Testbericht des Betriebssystem-Updates 2.5. Eine Besonderheit der Sound Engine ist die Motion Control, mit der Klänge manuell und automatisiert, tiefgreifend moduliert werden können. Das „Motion Control“-System bietet mehrere Funktionen: Den Super Knob, den Motion Sequenzer, den Arpeggiator und den Envelope Follower. Die Ergebnisse dieser Klangmodulationen will ich auch in den folgenden Klangbeispielen deutlich machen. Auch Beats sind Teil vieler Performances, die auch durch den leistungsstarken Arpeggiator erzeugt werden. 

Soundbeispiele

Im Testbericht des MONTAGE hatte ich bereits viele Sounds in einem Video angespielt. Alle diese Klänge sind auch im MODX verfügbar. Die Pianos sind natürlich bei einem 88-Tasten-Instrument wie dem MODX8 sehr wichtig. Die akustischen und elektrischen Pianos lassen keine Wünsche offen und sind in vielen Variationen vorhanden. Das CFX-Piano ist sehr dynamisch spielbar und klingt einfach großartig. Das ebenfalls vorhandene S700-Sample klingt dagegen sachlicher. Beim Rhodes-Sound und beim Morph-Klang „CFX + FM EP“ habe ich den Super Knob mit einem angeschlossenen Fußpedal gesteuert, so blieben beide Hände frei für´s Spielen.  Die Performance „Clavi Amp Gallery“ besteht aus unterschiedlichen Sounds, die durch die Scene-Taster angewählt werden. Den DX5-Sound habe ich bei „Soundmondo“ gefunden, dazu später mehr.

Bei den Orgeln gibt es die Möglichkeit, eine Art Zugriegel-Simulation zu verwenden. Einige Sounds sind aus AWM2-Parts so aufgebaut, dass jedes Element einem Drawbar entspricht. Ein Part wird daher für die ersten acht Fußlagen verwendet, ein zweiter Part erzeugt die neunte Fusslage und die verbleibenden 7 Elements sind mit Wellenformen für Percussion, Key-Klick und Nebengeräuschen belegt. Mithilfe der Fader kann man dann die Lautstärken der einzelnen Elements regeln, das klingt dann zusammen mit einem guten Leslie-Effekt wirklich echt. Der Overdrive erzeugt einen recht dreckigen Hammond-Sound. Im folgenden Video wähle ich die Performance „All 9 Bars“ aus. Durch das dauernde Umschalten der Fader kommt leider kein echtes Drawbar-Feeling auf.

Yamaha MODX8 organ Sound Demo (no talking)

Viele Performances im MODX nutzen Motion Control und enthalten auch Beats und Arpeggios. Ich denke, dass Yamaha dem User damit Inspiration für eigene Musikproduktionen mit dem Instrument geben will. Bei Aufnahmen mit einer DAW können die Arpeggios und Beats ja leicht eingebaut und auch nachträglich verändert werden. Einen Nutzen für die Live-Performance auf der Bühne sehe ich eher weniger. Hier im Video habe ich solche Klänge angespielt, bei denen die Beeinflussung durch den Super Knob wichtig ist.

Yamaha MODX8 super knob Sound Demo (no talking)

Hier noch ein paar ausgewählte Klänge. Die Qualität ist beeindruckend und die Beeinflussungsmöglichkeiten sinnvoll und weitreichend. Die hervorragenden Filter und Effekte des MONTAGE sind auch im MODX vorhanden und lassen keine Wünsche offen.

Rhythm Pattern

Wie gehört, sind bei einigen Performances Rhythmus-Patterns unterlegt, die automatisch starten, wenn man spielt. Der Beat wird mit dem Arpeggiator erzeugt, der ja parallel auch andere Parts ansteuert und z. B. Basslinien oder Gitarren-Licks generiert. Im Gegensatz zum MONTAGE kann beim MODX sehr schnell ein - zum gerade benutzten Sound passender - Beat gefunden und in die Performance eingebaut werden. Nach Betätigen der RHYTHM PATTERN-Taste öffnet sich sofort ein Category Search-Fenster, in dem ein Drum-Kit ausgewählt werden kann. Der Performance wird automatisch ein Drum-Part zugefügt und acht zum Drum-Kit passende Rhythmus-Patterns in den Arpeggiator geladen. 

Beginnt man auf der Tastatur zu spielen, startet der Beat, und man kann über Soft-Buttoms auf dem Touch-Display zwischen den verschiedenen Rhythmen wechseln. Hat man einen passenden Groove gefunden, kann man die Performance auch mit dem neu gebildeten Drum-Part abspeichern. Im folgenden Video reduziere ich zunächst den Hallanteil des Sounds und wähle anschließend einen Beat.

Yamaha MODX8 rythm Sound Demo (no talking)

Recorder und DAW-Anbindung

Der eingebaute MIDI- und Audio-Recorder ist kein vollwertiger Sequenzer, sondern dient eher dem Festhalten eigener Ideen direkt am Keyboard. Es können 16 MIDI-Spuren Realtime aufgenommen werden. Die Soundbeispiele für diesen Test habe ich mit dem WAV-Recorder gemacht, der das live gespielte Audio-Signal auf einen USB-Stick aufnimmt. 

Für Musikproduktionen aller Art kommt man mit der kostenlos beiliegenden DAW-Software Cubase AI wesentlich komfortabler ans Ziel, denn im MODX sind ein USB-MIDI- und ein Audio-Interface integriert. Es genügt ein USB-Kabel um den MODX MIDI- und Audio-seitig mit dem Computer zu verbinden. Dabei können dann bei 44,1 kHz Audio-Daten hin- und hergeschickt werden. Zwei Stereo-Kanäle werden vom Computer empfangen und fünf Stereokanäle werden zur DAW geschickt. Beim MONTAGE können auch höhere Samplingraten bis zu 192 kHz eingestellt werden. Der MODX ist auch class compliant beim Anschluss eines iPads oder iPhones. Schließt man ein iOS-Device an den USB-Port des MODX an, so werden dessen Audio-Signale digital in das Instrument übertragen und können direkt verwendet werden. Der USB VOLUME Drehregler ist sehr praktisch. Damit lässt sich die Lautstärke der USB-Signale schnell anpassen. Beim MONTAGE ist ein solcher Hardware-Regler nicht vorhanden, der Pegel muss in einem Untermenü verändert werden. Im Gegensatz zum MONTAGE ist mit dem MODX keine DAW-Fernsteuerung möglich.

Sonstiges

Der Samplespeicher des MODX ist etwas kleiner als der des großen Bruders: 1 GB umfasst das Flash ROM, beim MONTAGE sind es 1,7 GB.  An Werks-Wellenformen stehen auch 5,97 GB zur Verfügung. Das Speicher-Konzept ist wie im MONTAGE aufgebaut. Es gibt die überaus praktischen Live Sets um Performances für die Bühne griffbereit zu haben und acht Library-Bänke, um komplette Klang-Archive zu laden und sofort aufrufen zu können. Das noch im September erschienene Update auf Betriebssystem 1.10 entspricht übrigens - was die Neuerungen angeht - exakt dem Update 2.5 des MONTAGE. Damit ist also auch der kleine MODX auf dem neuesten Stand. Auch die mit der vollautomatischen Software SampleRobot 6 Montage Edition erstellten Libraries können in den MODX geladen werden.

Hinweis:  Die für den Yamaha MONTAGE erhältliche Gratis-Version der SampleRobot6 Software ist für den MODX leider nicht kostenlos erhältlich. Wo man die sehr praktische Software erhält, zeigt dieser Link.

Mithilfe der App „FM Converter“ können originale DX7 Sound Libraries in MODX-kompatible MONTAGE-Libraries übertragen werden. Die kostenlose Software MODX Connect vereinfacht die Nutzung des MODX in Verbindung mit einer DAW. Alle Klänge des Synthesizers werden damit in einem Projekt abgespeichert, sodass sie beim nächsten Mal wieder genauso aufgerufen werden können. Besonders interessant finde ich die App Soundmondo, eine „Social Sound Sharing“ Software von Yamaha, mit der User ihre Performances online stellen und Klänge von anderen Usern downloaden können. Das funktioniert erstaunlich gut, man benötigt dafür lediglich den Browser „Google Chrome“ und ein USB-Kabel. 

Per MIDI-Dump werden dann die Sounds transferiert. Natürlich geht das nur, wenn auf Preset-Wellenformen zurückgegriffen wird. Hoffentlich setzt sich dieses System des kostenlosen Sound-Tauschs durch, denn das würde Usern viel Arbeit ersparen, die sich andere Keyboarder schon gemacht haben. Ich habe beispielsweise mit Soundmondo in kurzer Zeit ein paar wirklich gute FM-Sounds gefunden.

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