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Workshop
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20.03.2017

Drums

In diesem Workshop möchte ich versuchen, den Instrumentalpart von Aviciis Hit nachzubauen, also den Teil mit der Synthesizer-Hookline. Dafür brauchen wir natürlich zunächst ein paar Dance-Drums. Traditionell liegt die Drumspur in einem MIDI-File auf Kanal 10. Das ist nicht in Stein gemeißelt, aber es hat sich so eingebürgert und aus Gründen der Kompatibilität bleiben wir dabei. Wir müssen dem Keyboard also mitteilen, dass auf Kanal 10 der Sound “Dance Kit” ausgewählt werden soll. Das geschieht mit einer Kombination aus einem “Program Change”-Befehl und zwei speziellen Controller-Messages namens “Bank Select MSB” und “Bank Select LSB”. Die entsprechenden Nummern der vielen hundert Sounds des Keyboards sind in den Soundlisten im Anhang zur Bedienungsanleitung zu finden. Die Tabelle listet für jeden Klang eine Programmnummer sowie die richtigen Werte für die beiden Bank Select-Befehle „MSB“ und „LSB“ („Most/Least Significant Bit“). Das Hantieren mit Bankwechsel-Kommandos ist so ungefähr das Unpraktischste und Nervigste, was der MIDI-Standard zu bieten hat, aber um mehr als 128 Klänge anwählen zu können, kommt man leider nicht darum herum. Für das Dance Kit sind die Programmnummer 112, ein Bank-MSB-Wert von 127 und der Bank-LSB-Wert 0 gelistet.

Jetzt müssen wir die entsprechenden MIDI-Events erzeugen, um diese Daten am Anfang des Songs zur Klangauswahl an das Keyboard zu senden. Dazu erzeugt man am besten auf der betreffenden Spur ganz am Anfang mit dem Stiftwerkzeug eine leere MIDI-Region, setzt die Songpositionsliste auf die Position 1 1 1 1 und öffnet dann die Eventliste (cmd-7). Um den Programmwechselbefehl zu erzeugen, wählt man aus der Liste neben dem Plus-Symbol Progr. Change aus und klickt dann auf das Plus. Es wird ein Program-Change-Event an der aktuellen Songposition erzeugt, in diesem Fall also bei 1 1 1 1. Nun kann man doppelt auf den Eintrag in der Spalte Val klicken und die gewünschte Programmnummer eingeben, also 112 für die Dance-Drums. Dabei muss man darauf achten, dass die Programmnummern bei Yamaha mit „1“ beginnen, in Logic aber mit „0“. Sie sind also jeweils um den Wert 1 verschoben. Bei den beiden Bankwechselbefehlen handelt es sich um vordefinierte Control Change (CC) Events, die nach dem gleichen Prinzip erzeugt werden: Aus der Liste neben dem Plus wählt man hierfür Controller aus und erzeugt zwei Befehle – einen für MSB und einen für LSB. Bank MSB ist der Controller Nr. 0, während die Funktion Bank LSB im MIDI-Standard dem Controller Nr. 32 zugewiesen ist. Für den Bank LSB Befehl müssen wir also den Eintrag in der Spalte Num auf 32 setzen, woraufhin in der Info-Spalte auch „Bank LSB“ angezeigt wird. In der Spalte Val werden die entsprechenden Werte aus der Soundliste eingegeben, also 127 für Bank MSB und 0 für Bank LSB.

Wenn man jetzt auf Play drückt, werden diese drei Kommandos an das Keyboard geschickt. Auf Kanal 10 sollte nun das Dance Kit ausgewählt und auch zu hören sein, wenn man die Spur 10 im Sequencer selektiert und auf dem Keyboard spielt.

Die Kickdrum ist eine typische, synthetische Dance-Kick, die Viertelnoten spielt. In der Mitte und am Ende des Teils setzt sie für einen bzw. für zwei Takte aus. Die Kickdrums des Dance Kit vom PSR-E343 klingen zwar alle nicht ganz so druckvoll und mächtig, wie es ein moderner Sound eigentlich erfordern würde, aber mit der Bassdrum auf der Note B0 kommen wir ganz gut hin.

Die Kickdrum wird von einem Ride-Becken gedoppelt. Bei MIDI-Drumspuren gehe ich immer so vor, dass ich für die Einzelinstrumente (Kick, Ride, Snare, Hi-Hat usw.) einzelne Spuren erzeuge, die auf das gleiche Instrument bzw. den gleichen MIDI-Kanal zeigen. So kann ich später zum Beispiel die Hi Hat einzeln muten. Um in Logic eine zweite Drumspur mit den gleichen Einstellungen zu erzeugen, selektiert man die Drumspur und drückt die Tastenkombination Shift-crtl-Return. Programmwechselbefehle müssen wir hier nicht erneut erzeugen, da diese Spur den gleichen MIDI-Kanal des Keyboards anspricht, auf dem das Dance Kit ja schon ausgewählt ist.

Nun folgt die Hi-Hat, die in Aviciis Hit ganz Dance-typisch auf den Offbeats aufgeht. Die Hi-Hat aus dem Dance Kit ist für unsere Zwecke nah genug am Originalsound. 

Der Clap stammt auch aus dem gleichen Kit (Dance Kit) und spielt auf 2 und 4. Um ihn etwas knackiger zu machen, habe ich zusätzlich eine geschlossene Dance-Hihat (Note G#1) darauf gelegt.

Mit zwei Shaker- bzw. Maracas-ähnlichen Sounds habe ich den Groove noch etwas verfeinert:

Sounds

Für die Auswahl der weiteren Sounds bietet sich die folgende Vorgehensweise an, damit man nicht jeden einzelnen Sound mühsam aus der Liste heraussuchen und sich schon zum Ausprobieren mit Program Change / Bank Select Befehlen herumschlagen muss. Die Main (Upper) Voice des PSR-E343 liegt auf MIDI-Kanal 1. Die Spur 1 wird also idealerweise als “Klangausprobierspur” reserviert und freigehalten. Immer, wenn wir jetzt einen weiteren Sound brauchen, können wir im Sequencer die Spur 1 auswählen, direkt am Keyboard durch die Sounds steppen und auf der Tastatur spielen, bis wir etwas Brauchbares gefunden haben. Danach sucht man den betreffenden Sound in der Soundliste der Bedienungsanleitung, nimmt eine andere freie Spur und legt dort die entsprechenden Program Change / Bank Select Events an.

Der Bass ist bei Avicii nicht besonders präsent – untenherum ist die Kickdrum der Boss. Wir brauchen einen unauffälligen, fast E-Bass-artigen und trotzdem synthetischen Sound, der Achtelnoten spielt. Das müsste das kleine Yamaha doch ganz passabel hinbekommen. Ich habe mich für den Sound „Modular Synth Bass“ entschieden.

Um die Lautstärken der einzelnen Spuren einzustellen, sendet man Volume-Befehle per MIDI-Controller an das Keyboard. Wie bei den Program Changes ist es sinnvoll, einen Lautstärkebefehl am Anfang jeder Spur einzufügen, denn so stimmt das Lautstärkeverhältnis gleich von Anfang an, wenn man den Song öffnet und abspielt. Gleiches gilt für das Panorama, also die Position der Spur im Stereobild.

Per Definition im MIDI-Standard ist der Controller Nr. 7 für die Lautstärke zuständig und Controller Nr. 10 für Pan. Und wo wir schon dabei sind, erzeugen wir auf jeder Spur noch zwei weitere Controllerbefehle, die den Hall- und Chorusanteil für diese Spur auf Null regeln. Dafür ist die Controllernummer 91 vorgesehen, die das PSR-E343 auch versteht und umsetzt. In der Standardeinstellung geizt das Yamaha nicht gerade mit Hall, wodurch der Mix von Anfang an matschig klingen könnte. Deshalb stellen wir ihn zunächst überall auf Null und können ihn später in der Mix-Phase je nach Bedarf wieder hinzufügen.

Weiter geht's mit zwei Akustikgitarren und einem Piano, die dem Dance-Hit ein leicht Country-artiges Flair geben. Vor allem die Gitarren können wir mit dem Keyboard natürlich nur sehr vage simulieren. Ich habe zwei Spuren mit dem Sound „Folk Guitar“ (Bank MSB: 0 / Bank LSB: 112 / Program: 26) belegt, nach links bzw. rechts gepannt, das Gitarren-Akkordpattern halbwegs originalgetreu eingespielt und – wichtig – nicht hart quantisiert, damit es nicht ganz so statisch klingt. Wenn man versucht, Gitarrenakkorde auf einem Keyboard zu spielen, ist es außerdem ratsam, sich bewusst zu machen, welche Voicings ein Gitarrist wahrscheinlich spielen würde. Klavier-typische Closed Voicings sind auf der Gitarre fast unmöglich. Man erreicht einen etwas authentischeren Sound, wenn man die Akkorde so greift, wie sie auch auf der Gitarre spielbar wären. Die Akkorde werden auf einer weiteren Spur von einem Piano gedoppelt.

Den Synth-Leadsound habe ich aus zwei Elementen zusammengebaut. Eine Spur ist mit dem Sound “RSTecSaw” belegt, dem „modernsten“ Synth-Lead des Yamaha. Er spielt die Melodie oktaviert:

Dazu packen wir eine zweite Spur mit dem Sound „PortTone“, der eine weitere Klangfarbe hinzufügt.

Und um alles etwas „zusammen zu kleben“ kommt zum Schluss noch ein leise gemischter Flächensound hinzu. Hierfür habe ich den Sound „Poly Synth Pad“ genommen. Wichtig ist dabei, dass die Fläche nicht zu laut ist, denn sonst erzeugt sie Klangmatsch und man erreicht das Gegenteil des gewünschten Effekts.

Damit haben wir das Klangmaterial parat. In der nachfolgenden Tabelle habe ich die verwendeten Sounds noch einmal aufgelistet:

MIDI-Kanal Sound Bank MSB Bank LSB Program Verwendung
1 frei „Ausprobierspur“
2 Modular Synth Bass 0 40 40 Bass
3 Folk Guitar 0 112 26 Gitarre 1 (L)
4 Folk Guitar 0 112 26 Gitarre 2 (R)
5 Grand Piano 0 112 1 Piano
6 RSTecSaw 0 108 82 Lead 1
7 Portatone 0 112 85 Lead 2
8 PolySynthPad 0 0 91 Pad
10 Dance Kit 127 0 113 Drums

Und so klingt das Arrangement im Rohbau, wenn wir jetzt auf Play drücken:

Spice it up!

Im Original von Avicii werden einige Filtereffekte verwendet. Um das nachzubauen, können wir uns die Tatsache zunutze machen, dass das PSR-E343 über resonanzfähige Filter verfügt. Die sieht man dem Keyboard zwar nicht an – am Instrument selbst kann man die Filter nicht einstellen – aber mittels der SoundControl-App oder via MIDI vom Sequencer oder einem Hardware-MIDI-Controller aus lassen sie sich ansteuern. Dabei verwendet der Cutoff die Controllernummer 74 (Brightness) und die Resonanz spricht auf CC#71 an. Indem wir die entsprechenden Controllerdaten in der DAW programmieren, können wir die einzelnen Spuren des Arrangements nach Gusto filtern.

Als erstes sollen die Filter auf den beiden Gitarrenspuren und beim Piano zum Einsatz kommen, die alle etwas dumpfer gefiltert werden. In der Mitte und am Ende des Teils (dort, wo die Kickdrum aussetzt) gibt es jeweils kurze Passagen, in denen das Filter geöffnet und wieder geschlossen wird. In den meisten Sequencer-Programmen kann man solche Verläufe von MIDI-Controllern mit der Maus einzeichnen. In Logic X heißt die Funktion „MIDI Draw“ und funktioniert ähnlich wie die Spurautomation. Ich habe mir also die erste Gitarrenspur geschnappt und MIDI-Draw für den Controller Nr. 74 aktiviert. Mit einem Startwert von 26 wird die Gitarre dumpfer gefiltert. Als nächstes wird MIDI-Draw auch für MIDI CC#71 (Resonanz) aktiviert und die Resonanz auf den Wert 69 gesetzt. Das gleiche passiert auch auf der zweiten Gitarrenspur, und dann klingen die Gitarren so:

Um die Filterverläufe in der Mitte und am Ende des Teils zu realisieren, habe ich die entsprechenden Kurven per MIDI-Draw eingezeichnet. Dabei springt der Cutoff zunächst auf einen tieferen Wert, wird dann auf- und wieder zugedreht und landet am Ende des Breaks wieder auf dem „normalen“ Wert von 26. Um den Verlauf hervorzuheben, wird die Resonanz für die Dauer der Breaks erhöht, und auch das Volume der beiden Gitarrenspuren habe ich mit einer solchen „MIDI-Automation“ an den beiden Stellen etwas erhöht (CC#7).

Einen ähnlichen Verlauf habe ich auch dem Pad verpasst, um den Effekt noch etwas zu verstärken.

Effekte

Das PSR-E343 bietet zwar keine besonders umfangreiche Effektsektion, aber es stehen je ein Hall- und ein Choruseffekt zur Verfügung, mit denen wir das Arrangement noch etwas aufpimpen können. Beide Effekte sind Send-Effekte, d.h. sie sind je einmal vorhanden und für jede Spur kann gesondert eingestellt werden, welcher Anteil des Signals den Effekt durchlaufen soll. Es ist also z.B. leider nicht möglich, zwei Spuren mit unterschiedlichen Chorus-Effekten zu bearbeiten. Trotzdem kann man mit den Effekten noch ein bisschen Leben in den Sound bringen.

Beginnen wir mit dem Hall. Das Keyboard hat neun Halleffekte zur Auswahl: Hall 1-3, Room 1/2, Stage 1/2 und Plate 1/2. Theoretisch lassen sie sich auch über MIDI umstellen, aber das Hantieren mit den entsprechenden SysEx-Messages würde hier etwas den Rahmen sprengen. Begeben wir uns also ins Function-Menü des Keyboards und suchen uns einen passenden Halltyp aus – ich habe mich für „Stage 1“ entschieden. Nun können wir für jede Spur den gewünschten Hallanteil einstellen, indem wir die zu Beginn gesetzten Controllerwerte entsprechend abändern – ihr erinnert euch, zu Beginn hatten wir den Hallanteil für jede Spur auf Null gesetzt. Ich habe den beiden Gitarren und dem Piano jeweils einen kleinen Hallanteil von etwa 40 gegeben und den beiden Leadsounds den Wert 60. Einen Sonderfall bildet die Drumspur. Das Drumkit ist so vorkonfiguriert, dass nur bestimmte Einzelinstrumente vom Hall betroffen sind, darunter der Clap. Die Kickdrum bekommt hingegen keinen Hall, egal wie weit man den Hallanteil für die Spur aufdreht. Das ist in diesem Fall sehr praktisch, denn Hall auf der Bassdrum können wir natürlich gar nicht gebrauchen. Mit einem Hallanteil von 100 erhält der Clap etwas Raum, während der Rest der Drums trocken-knackig bleibt. Der Bass und das Pad bekommen ebenfalls keinen Hall, um keinen Matsch entstehen zu lassen. So klingt das Arrangement mit Hall:

Den Chorus habe ich anders eingesetzt: Statt ihn auf bestimmten Instrumenten permanent zu verwenden, habe ich am Keyboard den Chorus Typ 4 (Flanger 2) eingestellt und ihn per MIDI-Draw (CC#93) auf allen Spuren außer Bass und Drums in den beiden Breaks hinzugefügt. So werden die Filterfahrten durch einen Flanger-Effekt unterstützt. Der Effektanteil liegt jeweils bei etwa 50.

Das Endergebnis klingt jetzt so:

Gar nicht mal so übel für ein Keyboard für unter 200 Euro, finde ich. Dass Yamaha auch die Einsteigerinstrumente inzwischen mit ein paar Sounds ausrüstet, die sich für aktuelle Produktionen eignen, trägt zusätzlich dazu bei. Bis hierhin kommt das Arrangement ja ausschließlich aus dem Keyboard, und man merkt an einigen Stellen, dass das MIDI-Timing wegen der vielen Controller-Messages etwas ins Stocken gerät. Um das zu vermeiden und um bessere Mix-Möglichkeiten zu haben, wäre der nächste Schritt, die Spuren einzeln in die DAW zu überspielen und dort mit Effekten wie EQs, Kompressoren, Delays und einem besseren Hall zu versehen. Die Möglichkeiten zum Abmischen sind mit den Bordmitteln des Keyboards schon recht eingeschränkt – hier ist man am Computer einfach viel flexibler. Nichtsdestotrotz kann man auch aus einem so günstigen Keyboard inzwischen eine Menge Sound herausholen, wenn man die Möglichkeiten ausreizt und ein bisschen kreativ wird.

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