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11.09.2015

Wege aus der Schreibblockade

Notfallkasten fürs Texten

Im Studio oder zu Hause. Mit Zeitdruck oder ohne. Texten ist so eine Sache für sich. Es gibt hier bei Bonedo schon einige gute Artikel und sogar einen ganzen Workshop rund um das Thema Texten. Und natürlich wird dort auch die Frage behandelt, was ihr tun könnt, wenn die Kreativität festhängt. Was mir bisher allerdings noch fehlte, ist ein konkreter Vorschlag für den Fall, dass es sofort weitergehen soll oder muss. Den möchte ich heute nachreichen.


Den Text weglegen, ruhen lassen und später fertig machen. Den Blickwinkel ändern, ins Detail reinzoomen oder den Text an Mitschreiber übergeben. An die frische Luft gehen oder einfach einen über den Durst trinken, um die Schleusen zu öffnen. Das sind die Tipps von Sascha, Simon Tribel (Juli) und Bosse im Workshop „Songtexte schreiben lernen“. Und Workshop-Autor Ruben Seevers kommentiert:

„Ein guter Text kann in der Regel nicht durch maximale Konzentrationsanstrengung „gelöst“ werden! Er entsteht vielmehr in einem spielerischen, kreativen Prozess, Inspiration lässt sich nicht erzwingen, allenfalls herauslocken.“

Ja, richtig meine Herren. Es gibt aber auch aktive Möglichkeiten, die Schreibblockade, am Anfang oder während des Textens, zu lösen. Und zwar durch Schreiben! Ich habe mich für die folgende Übung durch das Buch „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron von 1992 (!) inspirieren lassen. Hierin stellt sie dem Leser die Aufgabe, jeden Morgen nach dem Aufwachen vier ganze DinA4 Seiten lang, alles was in den Kopf kommt, aufzuschreiben.

Anleitung zur Lösung der Schreibblockade

Ich fand die Idee faszinierend, habe sie bei Textblockaden erfolgreich ausprobiert und benutze sie, mittlerweile leicht modifiziert, wie folgt:

  • Nehmt einen leeren Zettel und einen Stift.
  • Stellt euren Handy-Timer auf fünf Minuten.
  • Dann schreibt ihr einfach drauf los. Alles was ihr denkt. Egal, welches Thema die Sätze behandeln, oder ob das geschriebene Sinn macht. Wenn ihr bereits an einem Text arbeitet, oder das Thema, über welches ihr schreiben wollt, schon wisst, behaltet ihr dieses erstmal im Hinterkopf.
  • Wenn ihr nicht mehr weiterkommt, schreibt ihr trotzdem. „ Ich weiß nicht mehr weiter, das ist alles ganz schön doof hier, die Zeit geht auch nicht rum...“ und so weiter. Nicht aufhören. Irgendwann kommen schon wieder bessere Sätze.
  • Hört auf wenn die Zeit um ist, oder schreibt so lange weiter bis es von selbst aufhört.
  • Jetzt wird es spannend: Schaut euch das Geschriebene an und unterstreicht alle Sätze, Wendungen und Worte, die ihr toll findet.
  • Aus dieser Auswahl zieht ihr nun die Quintessenz: Den einen Satz, das eine Bild oder das Wort, das den Titel des Stücks oder die Hookline des Refrains bilden könnte.
  • Mit diesem Fundus textet ihr dann normal weiter oder wiederholt die Übung.

Ich war bisher immer überrascht, was für tolle Sätze oder Bilder dabei herausgekommen sind. Manchmal hat sich sogar das ganze Thema eines Textes geändert, weil mir die neuen Zeilen besser gefielen. Mit nichts habe ich bisher noch nie dagestanden.

„Wirkliche Größe...erreicht man nur in der Missachtung eines strategischen Songwritings“ wird Frank Spilker sinngemäß im Bonedo Artikel „Was macht Songtexte gut“ zitiert. Haben wir gemacht Herr Spilker. Das Texten bleibt frei. Allein der Vorgang des Schreibens hat ein paar temporäre Regeln für die Wiederbelebung des „Flows“ bekommen.


Mehr gibt's hier:

Bonedo Workshop Songtexte schreiben 

Was macht Songtexte wirklich gut? Ein Essay von Till Huber

Der Weg des Künstlers, Julia Cameron, Droemer Knaur, 1992

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