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Test
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07.10.2021

Vochlea Music Dubler 2 Test

Audio to MIDI in Echtzeit!

VSTs mit der Stimme über das eigene Mic steuern!

In Echtzeit Audio in MIDI umzuwandeln – das versprach Vochlea Dubler bereits 2019. Das schlug Wellen in der Produzentenszene. Ganz ohne Tücken war die Software, die es damals nur mit einem eigens entwickelten Mikrofon zu kaufen gab, aber nicht. Nun erscheint Dubler 2: Es soll eine bessere Stimmerkennung sowie runderneuerte Software mitbringen und mit jedem Mikrofon genutzt werden können! Wir haben Vochlea Dubler 2 getestet. 

Die Idee hinter Dubler 2 ist so simpel wie genial: Gesang in Echtzeit in MIDI-Noten und MIDI-Kontrolldaten umwandeln. Wo MIDI und Piano Roll einen bereits davon befreien, für das Songwriting Klavierspielen können zu müssen und Tuning-Plugins auch schiefen Gesang (nicht den Ausdruck!) geradebiegen, versucht Dubler das Musikmachen noch weiter zu demokratisieren. Wie oft hat man eine Melodie oder einen Rhythmus im Kopf, aber nicht die Geduld oder das nötige Know-how, um die Idee schnell in der eigenen DAW einzufangen?  

Eins ist klar: Das Beherrschen von Instrumenten sowie grundlegende Kenntnisse in Harmonielehre und Recording werden jede noch so gute Softwarelösung immer übertrumpfen. Nicht, dass wir uns falsch verstehen – für alle, denen die Hürde zum Musikproduzieren zu hoch ist, weil genau diese Kenntnisse fehlen, ist Dubler 2 ein Werkzeug, um Ideen einzufangen. Beatbox-Artists und Multi-Instrumentalisten profitieren hingegen davon, weil sie vollkommen neue Soundwelten auf der Bühne erzeugen können. Und das Potenzial dahinter ist enorm.

Details

Sing meinen Synth! – von Audio zu MIDI mit Dubler 2

Die menschliche Stimme ist das vielseitigste Instrument, das uns zur Verfügung steht, – und oft die Quelle unserer musikalischen Ideen. Wir summen Melodien, wir trällern in der Dusche, wir schnalzen und beatboxen uns durch den Tag. Und scheitern oft dabei, diese spontanen Ideen einzufangen. So ist der größte Struggle aller Produzierenden der Weg vom Kopf in die DAW. Da bleibt man bei der Presetauswahl hängen, technische Probleme müssen erst gelöst werden, die Notenfolge im MIDI-Clip klingt schief. Dem Problem, Aufnahmen in MIDI-Noten umwandeln, kommen einige DAWs zwar bereits entgegen, allerdings nicht in Echtzeit. 

Dubler 2 schickt sich an, dieses Problem zu lösen. Die erste und gleichwohl wichtigste Neuerung im Vergleich zur ersten Version: Jedes Mikrofon kann eingesetzt werden! Damit öffnet sich die Software einem weitaus größeren Publikum, als sie es bei Dubler 1 mit dem Kaufzwang zum firmeneigenen Mikrofon getan hat. Alle, die wie ich Version 1 von Dubler ihr Eigen nennen, können das besonders fein eingestellte Mikrofon aber auch in Version 2 nutzen.  

So funktioniert Dubler 2

Dubler 2 ist kein Plugin, sondern ein eigenes, neben der DAW laufendes Programm. In eurer DAW wird Dubler 2 dann als MIDI-Controller erkannt und kann zum Spielen von Drum Machines, Software Synthesizern und sogar zur Erzeugung von Automation genutzt werden. Grundsätzlich gibt es zwei Modi: Trigger und Pitch. Dazu kann beim Pitch-Mode noch eine Chords-Funktion aktiviert werden, dank der auch mit einzelnen gesungenen Tönen ganze MIDI-Akkorde erzeugt werden können. Um beim Einrichten und Ausprobieren nicht ins Leere zu singen oder zu beatboxen, sind bei Dubler 2 ein Drumkit und sieben Synth-Sounds direkt mit dabei. So muss nicht erst das MIDI-Routing in der eigenen DAW eingestellt werden und man kann erst einmal ausprobieren.

Beim Trigger-Mode geht es um das Triggern von Drumsounds. Dafür bietet die Software bis zu acht Triggerpads. Jedes Pad verbindet man mit einem anderen Beatbox-Geräusch, das man mit dem Mund macht. Dazu braucht es keine Beatboxweltmeisterqualitäten. Solange sich Kick, Snare und Hi-Hat gut genug voneinander unterscheiden, kann Dubler sie einzelnen Triggerpads zuweisen. So wählt man im „Train“-Bereich eines der Pads aus, beispielsweise das erste für die Kick, und geht dann in der Mitte auf „Record Takes“.  

Der Trigger-Mode für Beatboxing in Dubler 2

Dann macht man bis zu zwölfmal ein für sich passendes Geräusch für die Bass-Drum. Es ist ratsam, diese zwölf Testaufnahmen für jeden Drum Trigger durchzuführen. Damit erkennt die Software bei kleinen Abweichungen besser, welcher Trigger gerade gemeint ist. Dubler 2 wandelt im Trigger-Modus standardmäßig die Kick zu C1, die Snare zu D1 und die geschlossene Hi-Hat zu F#1 um. So sind auch die meisten Drum-Sampler-VSTs eingestellt. Falls man aber eine eigene Verteilung seiner Samples wünscht, kann diese im „Train“-Modus bei jedem der acht Trigger-Pads angepasst werden. 

Der Pitch-Modus, der separat zum Trigger-Modus aktiviert werden kann, wandelt gesungene Töne in MIDI-Noten um. In Dubler 2 selbst gibt es sieben verschiedene Synth-Sounds (Pad, Boards, 8 bit Lead, Bass Pluck, Wobble Bass, Trumpet Lead und Trap Bass), um direkt das Stimme-zu-Synth-Prinzip auszuprobieren. Die gute Nachricht für alle Schiefsinger und Musiktheoriefeinde: Im „Key“-Bereich von Dubler 2 gibt es eine automatische Tonarterkennung. Aktiviert man diese und singt einige Töne ins Mikrofon, schlägt die Software mehrere passende Tonarten vor. Dazu kann jede vorgeschlagene Tonart per Klick angespielt werden.

Der Pitch-Modus: Tonarterkennung und Pitch-Bend-Modi 

Vierzehn verschiedene Färbungen wie beispielsweise Dur und Moll (natürlich und harmonisch), die anderen fünf Kirchentonarten und sogar eine Ganztonleiter sind dabei. Auch ein einfacher chromatischer Modus, in dem jede der zwölf Noten dabei ist, kann angewählt werden. Ist nun eine Tonart erkannt und der Vorschlag von Dubler 2 angenommen, korrigiert die Software tonleiterfremde gesungene Töne automatisch. Im „Play“-Bereich kann noch eingestellt werden, ab welchem Pegel Dubler 2 reagiert (Input) und wie schnell sie von einem Ton zum nächsten springt bei Abweichungen (Stickiness).

Im „Play“-Bereich kann außerdem eingestellt werden, ob „Pitchbend“ aktiv ist. Dazu wird dann im „Assign“-Tab zwischen zwei Pitchbend-Modi gewechselt: „TruBend“ und „IntelliBend“. Den Unterschied zwischen beiden: „TruBend“ verschiebt den Ton sofort, selbst kleine Tonabweichungen sind direkt zu hören. „IntelliBend“ wartet, bis sich der Gesang auch wirklich auf der nächsten Note in der gewählten Tonart befindet. Außerdem kann der Bend-Bereich bestimmt werden. Standardmäßig sind zwölf Halbtöne eingestellt, hier kann zwischen einem Halbton nach oben und unten und achtundvierzig (als vier Oktaven!) eingestellt werden. Wer möchte, kann dann auch noch das Bending auf die Chord-Funktion anwenden. 

Sing meinen Chord – Akkorde singen in Dubler 2 

Das Bending kann im „Play“-Bereich oder im eigenen „Chords“-Bereich zugeschaltet werden. Basierend auf der eingestellten oder erkannten Tonart erzeugt Dubler 2 nun automatisch die sieben einer Tonart zugehörigen Akkorde. Ist C-Dur als Tonart eingestellt und ein F wird gesungen, erzeugt Dubler 2 einen passenden F-Dur-Akkord. Dazu gibt es weitere Optionen, die die Akkorde interessanter gestalten. 

Links gibt es drei Presets: „Triads“ (Dreiklänge“), „Pop“ und „Pop Advanced“. Bei „Triads“ werden schlicht die sieben zur ausgewählten Tonart passenden Dreiklänge ausgewählt. „Pop“ und „Pop Advanced“ verschieben die Akkordverteilung. So liegt in der C-Dur-Tonart im „Pop“-Modus auf einmal G-Dur auf dem Ton D. Auch alle anderen Töne bekommen nicht zum gesungenen Ton passende Akkorde. Bei „Pop Advanced“ geht die Verteilung noch weiter auseinander. So liegt auf der Note D nun der Akkord E-Moll. „Pop“ und „Pop Advanced“ stehen nur bei Dur- und Moll-Tonarten zur Option. Bei allen anderen sind nur „Triads“ anwählbar. 

Erweiterte Einstellungsmöglichkeiten im Chord-Mode 

Wer individueller arbeiten möchte, kann bei jedem der sieben Akkorde aus je vier Färbungen auswählen. So gibt es für die Taste C bei der Tonart C-Dur die Akkorde C-Major, Cmaj7, Csus2 und Csus4. Bei Moll-Akkorden gibt es die gleiche Auswahl, bei verminderten keine. Wählt man eine der sieben Töne aus, werden unten alle sieben Optionen für Akkorde angezeigt. Dazu ist links praktischerweise ein Quintenzirkel zu sehen, der beim Auswählen passender Akkorde hilft. Eigene Akkordfärbungen oder Akkorde aus anderen Tonarten auszuwählen, erlaubt Dubler 2 zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Laut Pressestelle sei das aber für ein zukünftiges Update vorstellbar. 

„Root Note Bassline“ erzeugt zum Dreiklang noch den jeweiligen Grundton in einer Oktave tiefer. Auf Wunsch kann dieser Ton aber auch bis zu vier Oktaven unter dem erzeugten Akkord liegen. Mit den drei „Voicing“-Optionen „Block“, „Cluster“ und „Spread“ ist zumindest eine rudimentäre Stimmführung möglich. „Spread“ verteilt die Noten der Drei- und Vierklänge über mehrere Oktaven. „Block“ und „Cluster“ liefern im Test identische Akkorde. Auf Nachfrage teilte mir Vochlea mit, dass der „Block“-Modus wohl in der finalen Version nicht mehr vorhanden sein wird. 

Besser Beatboxen in Battery – mit Dubler 2 Software Instrumente spielen

Alle drei Modes erzeugen fast in Echtzeit MIDI-Noten. Dubler 2 wird von der eigenen DAW (getestet bei Ableton Live 11, Logic Pro, Bitwig 4 und Reaktor 12) als MIDI-Controller erkannt. Will man dann endlich den Lieblings-Synth per Gesang steuern oder den Drum-Sampler der Wahl triggern, empfiehlt es sich, die Engine für die mitgelieferten Sounds in Dubler 2 unter „Inbuilt Audio“ zu deaktivieren und das Senden der MIDI-Noten zu aktivieren (MIDI Out). Nun kommt es sehr darauf an, welches Instrument man mit der Stimme steuern möchte: Drums (Trigger), ein monophones Instrument wie Sampler mit Blasinstrumenten bzw. Bass/Lead-Synths (Pitch) oder polyphone Instrumente wie ein Klavier, Streich-Ensembles oder Synth-Pads (Chords).

Für den Anfang empfiehlt es sich, nur einen der drei Modi aus Dubler zu nutzen, um sich erst einmal mit der Funktionsweise vertraut zu machen. Aber auch das gleichzeitige Senden von Drum-Noten, Melodie-Noten und Chords ist möglich. Dubler 2 bietet die Option, jeden der drei Modi auf einem eigenen MIDI-Kanal zu senden. Ist die eigene DAW entsprechend eingestellt, können auch mehrere Instrumente gleichzeitig gespielt werden. 

A – E – U – Mit Vokalen in Dubelr 2 modulieren

Zu guter Letzt kann Dubler 2 aus Gesang auch MIDI-CC-Daten erzeugen. Man kann mit der Software und einem entsprechenden Mapping in der DAW also auch Effekte modulieren und Automationen steuern. Vier MIDI-CC-Signale kann Dubler 2 senden. Wie das aus der Stimme geht? Das Programm erkennt, ob eher ein „Ah“-, ein „Uh“- oder ein „Ih“-Laut gesungen wird. Je nach Laut wird dan ein anderes CC-Signal gesendet. Die Sounddesignmöglichkeiten im Studio und auf der Bühne sind damit immens. 

Wird beispielsweise ein „Ah“ laut gesungen, sendet Dubler 2 dem MIDI-CC-Controller (??) entsprechend einen hohen Wert. Je lauter ich „Ah“ singe, desto mehr Reverb-Effekt ist zu hören. Je mehr ich „Uh“ singe, desto stärker ist der Octaver-Effekt zu hören. Jedes „Ih“ erzeugt einen kurzen Delay-Effekt auf meiner Snare-Spur. Das vierte Modulationssignal basiert rein auf der Lautstärke der Stimme. So kann lauter Gesang dann unter Umständen das Panning des Pad-Sounds nach rechts verschieben, während ein Flüstern ihn eher nach links zieht. 

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