Feature
3
30.07.2009

Details

Unterschiede zwischen Matrix 12 und Xpander

Den Matrix 12 trennt vom Xpander neben der Anwesenheit der eher mittelmäßigen anschlagdynamischen Tastatur mit Aftertouch (baugleich mit Korgs DS8, aber etwas anders verschaltet):
• Der Matrix 12 hat 12 Stimmen und enthält zwei komplette Voice-Platinen aus dem sechsstimmigen Xpander, er ist also technisch gesehen „fast zwei Xpander“.
• Der Xpander besitzt CV/Gate-Eingänge mit Volt-pro-Oktave „Logik“.
• Der Xpander hat Einzelausgänge pro Stimme, die sich im Matrix 12 relativ leicht nachrüsten lassen.
• Der Matrix hat eine Listendarstellung aller Modulations-Verbindungen, daher auch der Name. Beim Xpander gibt es nur die normale Verschaltungsanzeige, jeweils direkt beim modulierten Parameter. Wie die aussieht folgt im weiteren Text noch genauer.
• Der Xpander kam 1984 auf den Markt, der Matrix erschien 1985.

Wesentlich dürften da die Polyphonie und die CV/Gate-Eingänge sein, die seinerzeit auch wegen der erst wenige Jahre alten MIDI-Schnittstelle von Profimusikern im Studio durchaus oft verwendet wurden. Selbst heute ist das nicht uninteressant, besonders im modularen Kontext. Man kaufte einen solchen Synthesizer auch als Ersatz für JEDEN anderen Synthesizer. Er war daher fürs Studio gedacht. Man dachte damals wirklich eher an wenige teure Maschinen, schon weil die Preise so hoch waren. Die Hochzeit superteurer Systeme wie Fairlight und Synclavier brach damals gerade an.

Die Oberheims sind nicht modular, auch wenn Oberheim das so bewarb. Modular ist ein Synthesizer, wenn man seinen Audio-Signalweg komplett frei gestalten kann. Das kann man nur mit den langsamen Modulatoren, nicht aber das generelle Routing der beiden VCOs, Filter oder VCAs. Man kann aber sicher sagen, dass der Steuerungsbereich modular ist. Das System ist heute noch das beliebteste und üblichste. Deshalb ist der Matrix in jedem Falle DER Prototyp nahezu aller moderner Modulationskonzepte von Access bis Waldorf.

Damit sind wir jetzt im Nerd-Bereich angekommen.Tech-Talk ist angesagt: Während im kleinen und preisgünstigen Spross Matrix 6/1000 bereits DCOs als Oszillatoren werkeln, so sind in den großen Oberheims zwei VCOs vor den Mixerkarren gespannt. Die Annahme, DCOs seien komplett digital ist allerdings falsch: es sagt lediglich aus, wie die Oszillatoren angesteuert werden – und nichts über die eigentliche Technik des Oszillators selbst. Heute wird der Begriff DCO überwiegend mit analoger Technik und digitaler Ansteuerung verbunden, was eine sehr gute Stimmstabilität garantiert.

Die VCOs klingen sehr kräftig und voll und sind noch vollständig analog. Das Gerücht VCO ist besser als DCO würde sich hier subjektiv bestätigen. Eigentlich ist „besser“ auch relativ, aber diese Spitzfindigkeit werde ich nur erwähnen und um Prüfung durch den Leser selbst bitten. Die Wellenformen Rechteck (mit Pulsbreiteneinstellung), Sägezahn und Dreieck können jeweils einzeln zugeschaltet werden. Der zweite VCO bietet auch Rauschen an. Dieses weiße Rauschen ist eigentlich künstlich dort „eingebastelt“ worden, denn der Rauschgenerator ist technisch separat vorhanden und hätte auch an anderer Stelle eingefügt werden können. Da die Lautstärken der einzelnen Schwingungsformen nur pro Oszillator regelbar sind, ergibt sich, dass das Rauschen einen Tick unflexibler umgesetzt ist als in der heute und sonst üblichen Form der „Einmischung“.

Übrigens gibt es auch eine Modifikation (genannt „Mod“), die externe Signale über diesen Rauscheingang einschmuggelt und statt diesem eingeleitet werden kann. Rein technisch ließe sich über diesen Umweg auch eine Regelung zwischen den Signalen oder auch der des Rauschens erreichen. Dann wäre das ohne Frage nicht speicherbar. Viele so gemoddeten Geräte wurden jedoch nicht gesichtet. Vermutlich aus Respekt vor der alten Technik?

Die Oszillatoren bieten harte Synchronisation für schneidende „Sägesounds“ und Leads zwischen Goa/Psytrance-“Standards“, DAF's „Verschwende deine Jugend“ und Prodigy's Album „Fat of the Land“ und natürlich alles in Richtung „Oldschool“. Auch lässt sich die Tonhöhensteuerung pro VCO vom Keyboard abkoppeln oder unterschiedlich schnell verzögern. Bei Oberheim nennt sich die Baugruppe LAG. In anderen Synthesizern nennt sich das Slew Limiter oder Glide. 

Eine große Stärke der Oberheimer ist ihre FM-Tauglichkeit. Das bedeutet, dass ein VCO den anderen modulieren kann und somit tolle Obertonspielereien basteln kann. Nennen wir das mal „metallisch“ oder auch „Dreck“. Ebenso kann jener VCO auch das Filter modulieren, jedoch nicht zur gleichen Zeit, sondern nur alternativ. Zudem ist unabhängig von der Wahl der VCO-Schwingungsform die Dreieckswelle immer die Modulator-Wellenform für FM. Aber (ein großes ABER): Die Frequenzmodulation (FM) ist über die gesamte Spanne und auch bei Maximalpegel oktavrein. Viele andere Synthesizer lassen sich nur minimal auf FM ein und klingen schon bei wenig Intensität nur auf wenigen Oktaven wohltemperiert, und das ist eher untertrieben.

Deshalb ist für Melodien mit FM-Klängen der Oberheim-Clan eine sehr gute Wahl, auch wenn die FM nur einfache lineare FM ist, sonst würde das nämlich nicht funktionieren. FM ist bei Weitem nicht nur ein Krach- und Dreckerzeuger, sondern eine Geheimwaffe für alle geräuschhaften Sounds. Bei Erscheinen bestach der Matrix/Xpander durch sehr feine Anblasgeräusche für die damals obligaten Bläsersounds. Auch das war FM in der Pre-Techno-Ära. Man traute sich auch, bei den Werksklängen eher akustische Nachbauten zu präsentieren. Das wird zwar heute anders gemacht und die „Emulation“ von akustischen Instrumenten überlässt man anderen Synthesizer-Gattungen, aber die FM klingt wie zu erwarten warm und schön und ist eben für sehr melodische Sounds zu gebrauchen, nicht „nur“ für Noodles, perkussives Gedengel und Effekte. Die obertonreichen Klänge aus FM-Spektren sind zwar vergleichbar mit anderen Analogen, jedoch oft eben lange nicht so spielbar.

Wegen der speziellen Schaltung des Rauschgenerators als VCO-Wellenform ist eine Modulation durch VCO2 übrigens eine FM, in der Rauschen genutzt wird und die Modulation über besagte Dreieckswelle stattfindet. In dem Falle kann man also trickreich Oszillator-FM machen und das Rauschen über den Pegel von VCO2 regeln. Noch effektiver kann die Modulation des Filters sein. Bei hohen Resonanzwerten verwandelt sich das Filter bekanntlich in einen von sich aus schwingenden „Oszillator“, der naturgemäß einer (fast-)Sinuswelle entspricht. Sie besitzt freilich ein paar Restfrequenzen um die Grenzfrequenz (Cutoff) herum. Da die FM-Intensität modulierbar ist, findet man allein mit der FM und hohen Resonanzwerten ein großes Feld von spannenden Sounds vor.

Filter  sind ein großes Thema bei Oberheim.

Wie schon gesagt, basieren diese auf dem CEM 3320 Chip. Die vier Tiefpass-Filter werden bei Oberheim so geschickt verschaltetet, dass sie eine Menge Filtertypen generieren können. Unter anderem auch durch Phasenauslöschung. Es gibt insgesamt 15 Filter-Modes, in denen mehrere Filter-Typen kombiniert werden können, aber auch „pure“ Typen sind möglich:?

  • Tiefpässe von 1 bis 4 Pol, Hochpässe bis 3 Pol, Bandpässe mit 2 oder 4 poligen Filtern, Notches mit 2 Polen oder auch ein Allpassfilter (Phasenschieber) mit 3 Polen, der extrem gut für Flächenklänge mit FM funktioniert.
  • Als Kombinationen gibt es Tief/Hochpass-Pärchen, Phasen/Tiefpass oder Notch/Tiefpass mit 1-3 poligen Flankensteilheiten.

In damaliger und fast noch heutiger Zeit war das ein absoluter Luxus. Man konzentriert sich bei sehr neuen Synthesizern oft eher auf bestimmte Charaktere verschiedener Firmen, aber Phasenschieber findet man immer noch selten an. Manche nennen dies übrigens Allpass-Filter, da alle Filter generell auch phasenverschiebende Wirkung haben, so wie hier auch. Die Anwendung dieser Filter liegt im Bereich Pads und klingt frisch und hell, da ja keine Filterung stattfindet, bei den Kombinationen finden sich entsprechende Kompromisse für mehr Bewegung im üblicheren Sinne.

 

Wer hier nichts Passendes findet, ist dann einfach 'ne „arme Sau“ oder ziemlich verwöhnt. Wer vom kleinen Matrix 6/1000 umsteigt, der stellt eine sahnig-sämig-seidige Weite fest, die alle Filter-Modi ausmachen, die schlicht und einfach mit teurer beschrieben werden könnte. Auch für die Oszillatoren gilt diese Beschreibung. Das Ergebnis würde auch für überzeugende Covers von LFO's „Frequencies“ Album reichen, oder anders gesagt: 1 VCO – Acid-Rechteck-Holzbässe mit Resonanz klingen überzeugend, allerdings nicht böse oder verzerrt, der Oberheim ist alles andere als LoFi. Eigentlich schreien diese Filter sogar nach der Möglichkeit, externe Signale zu verarbeiten.

Wer drüber nachdenkt, sollte sich im Netz die „Oddernmart“ Mod als PDF ansehen. Die Resonanz ist übrigens ebenfalls modulierbar. Es sind faktisch alle Parameter modulierbar. Dazu aber gleich mehr. Die Auflösung des Cutoff ist 7 Bit (0-127), während die Resonanz mit 63 auskommt. Das ist sicher nicht weiter tragisch. Die Resonanz ist lediglich etwas seltsam skaliert, denn der letzte Schritt von 62 nach 63 ist weit größer und drastischer als die anderen Schritte. Übrigens sind einige Filtertypenangebote mit, andere ohne Selbstresonanz. Bei den Tiefpässen sind die 2- und 4-Pol-Filter selbstresonierend, die anderen beiden Typen (1- und 3 Pol) nicht.

 

Und nein, nicht alle 18 dB/Oktave Filter klingen automatisch nach Rolands TB303, zumal diese auch nur ein schlecht „gematchtes“ 4-Pol-Moogfilter enthielt, dessen Eigenleben bekanntlich in die Geschichte einging. Bei den Hochpässen gibt es leider keine Selbstresonanz, bei den Phasenschiebern ebenfalls  systembedingt nicht. Abgesehen von der letzten oberen Stufe ist der Bereich wie und wann eine Färbung zu hören ist und damit Skalierung der Resonanz gut gelungen. Und als absoluten Pluspunkt wird bei allen Modellen die Resonanz niemals den Bass wegnehmen!

Die VCAs, also die Steuerung der Lautstärke haben zwei Einträge im Menü. Der VCA1 tut, was man von ihm verlangt. Der VCA2 ist ein „Initial Level“ und bewirkt Dauertöne für Dauergedröne. Also für polyphone Drones eventuell eine Idee – sicher eine absolut spezielle Anwendung, aber „es geht halt auch“.

Es leuchtet grün..
Die Synthese-Struktur ist damit eigentlich schon komplett, es fehlen nur unzählige „langsame“ Modulationsquellen, also LFOs und Hüllkurven. Diese werden bei den Oberheims per Software erzeugt und über die Modulationsmatrix am Zielparameter eingestellt. Dazu gibt es Wahlpages für die einzelnen Baugruppen, wie Filter, Oszillatoren, FM und mehr. Das wird über neun Baugruppen-Hauptseiten realisiert, die jeweils einen Taster ganz rechts auf dem Bedienfeld haben. Zwei lange Displays zeigen jeweils Parameter (oben) und deren Werte (unten) an. Diese kann man über Taster und Endlos-Drehregler mit Rastung (klickt bei jedem Wertesprung) direkt verändern. Die Encoder sind heute relativ selten. Sie lassen sich aber relativ einfach reinigen, was nach einigen Jahren Gebrauch oft sogar ausreicht. Sie müssen daher nicht immer getauscht werden, wenn etwas hakt. Noch seltener sind jedoch die grün leuchtenden Displays. Übrigens sehen diese grünen Dinger rattenscharf aus, sofern man selbst den elektronischen Lebensstil für sich reklamiert. Ansonsten wirkt das Schlachtschiff äußerlich fast etwas unspektakulär, es fehlen eben die langen Knopfreihen.

take the red pill...
 Eine Offenbarung war die absolute Sensation und Namensgeber dieses Konzeptes. Heutige Synthesizer kommen selten ohne sie aus: Die Modmatrix. Witzigerweise ist sie in der so bekannten Listenform erst im Matrix 12 integriert. Hier sieht man die berühmten 20 Einträge, welche Quellen zu welchem Grade welche Ziele steuern. Wer hat's erfunden? Die Oberheimer! Beispielsweise steuert „LFO 5“ als Quelle das Ziel „Resonanz“ mit der Intensität „-53“. Ja, die Matrix ist bipolar, sie reicht von -63 über 0 bis +63, also eine 7 Bit Auflösung (128 Schritte). Wesentlich intuitiver als die Matrix ist jedoch die Arbeitsweise über die Zielparameter-Anwahl. Hat man beispielsweise die Filterpage gewählt und will die Resonanz modulieren, so tippt man einfach den Taster über dem Parameternamen (RES) an und es öffnet sich eine Liste aller Modulationsquellen für diesen Parameter, sofern dort schon eine Verbindung geschaltet ist. Ansonsten ist die obere Displayzeile zunächst leer und man kann sich austoben. Sieht man vorher im Display einen kleinen Punkt (RES.) hinter dem Parameter-Namen, so gibt es mindestens eine Modulation dieses Parameters. Man muss also nicht erst drücken, um festzustellen, ob ein Parameter moduliert wird oder nicht. Es gibt maximal sechs gleichzeitige Quellen, die ein Ziel modulieren können. Durch ein Q neben der Modulationsquelle kann man zwangsweise Stufen einbauen (genannt Quantize/Quantisierung). Das hat hier und da seinen Reiz, auch wenn böse Zungen vielleicht sagen könnten, dass 63 Stufen für viele Parameter schon stufig genug sei. Die Quellenwahl erfolgt über eine beachtliche Reihe Taster ganz oben über dem Display. Hier finden sich so viele Quellen, dass selbst aktuelle Software-Synthesizer dagegen auch schon mal schlechter aussehen können. In Zahlen sind das ein Globaler LFO, fünf LFOs, fünf Hüllkurven, vier Minihüllkurven (Ramp), drei Tracking-Generatoren mit fünf Punkten und fünf „freie Controller“, Anschlagdynamik (inklusive Release-Velocity).

Wow? Ja, wow! Das ist viel. Die Ausstattung ist ebenfalls wirklich reichhaltig, insbesondere für eine Maschine aus dieser Zeit. Vieles wirkt fast aktuell. Auch die MIDI-Implementation. Wagen wir uns mal an die einzelnen Modulatoren-Baugruppen:Tracking : Anhand von fünf Punkten lässt sich nicht nur das Keyboard neu skalieren. Grundsätzlich sind alle Modulations-Quellen als Basis für eine Verformung anhand einer kleinen Tabelle aus besagten fünf Werten einstellbar. Die sich aus diesen Punkten ergebenden Kurve verbiegt das eingestellte Signal, ähnlich der Funktionsweise des Waveshapings. Man kann es so verstehen wie beim DX7 oder FM8, mit dem Tracking könnte man Microtuning (Ziel: Gesamttonhöhe) aber auch verschiedene Filter- oder Lautstärke-Verläufe auf der Tastatur „verteilen“, die mehr als nur „oben lauter/heller“ umsetzen kann. Will man sich eine ungewöhnliche LFO-Welle basteln, so geht das ebenfalls mit dem Tracking-Generator, nur wird als Quelle dann einer der LFOs 1-5 angegeben. Faktisch ist dieser kleine Trick eher ein halber kleiner Modulations-Sequencer. Man könnte auch „Nichtlinearer Verbieger“ dazu sagen. Würde man das Modulationsrad als Quelle dafür verwenden und eine Zahlenreihe wie 0, 31, 63, 0, 33 einstellen, so würde dieser Tracking-Generator beim Hochdrehen des Rades bis zur Hälte bereits vollständig „geöffnet“ sein und erneut eine Steigung bis zur Hälfte bis zum Anschlag oben erzeugen. Weitere Anwendung gefällig? Neben dem berühmten Öffnungsauftrag des Filters bei höher gespielten Tasten (dann muss man keinen der fünf Werte ändern, sie steigen einfach nur 0, 15, .. 63) gibt es auch etwas kompliziertere Anpassungsversuche. Sagen wir mal, ein LFO (LFO 4) soll

  1. innerhalb der ersten Oktave mittelschnell,
  2. dann sehr schnell in der nächsten
  3. ...und ziemlich langsam in der dritten Oktave laufen,
  4. um dann erneut fast das Maximum zu erreichen.

Dann würde man einen Tracking-Generator auf LFO 4 als Quelle stellen und die Punkte müssten etwa auf 35 – 63 – 10 - 59 - X gestellt werden, also einfach die Geschwindigkeiten als Wert, X steht für irgendeinen Wert der nächsten Oktave für den noch fehlenden 5. Punkt in dieser Liste. Wäre da erneut Maximaltempo angesagt, würde das erste X eine weitere 63 enthalten. Bisher gibt es nur wenige Synthesizer, die etwas in der Art anbieten. Der Andromeda hat 16 solcher Punkte, aber nur einen Tracking-Generator. Ansonsten gibt es noch die fest auf Lautstärke installierten Trackings in den Yamaha FM-Synthesizern.

LFOs – Ein globaler LFO namens VIB ist ursprünglich für Vibrato gedacht, um alle Sounds mit einem gemeinsamen, gleich schnellen Modulator für die Gesamttonhöhe zu versorgen. Er ist als eigene Quelle bei den VCOs jeweils getrennt vorhanden und dafür konzipiert, per Wheel eingeblendet zu werden. Wheels heißen bei Oberheim „Levers“ (Hebel), erfüllen aber die gleiche Funktion wie die beiden Hand-Räder bei anderen Synthesizern, bieten aber für beide Levers zwei Richtungen an und rasten und rutschen in die Mittelstellung zurück. Der VIB-LFO hat nur einen begrenzten Bereich bis etwa 10 Hertz maximal.

 

Es gibt aber fünf weitere identisch aufgebaute LFOs für den eigentlichen Sound. Dabei hat jeder LFO auch eine Sample&Hold-Funktion, die auch andere Quellen „belauschen“ kann. Damit sind auch Treppenspannungen und andere komplexe Verläufe erzeugbar. Natürlich könnte sogar einer der Tracking-Generatoren eine Quelle sein. Das Klischee wünscht sich natürlich die LFO-Wellenform des gleichen LFOs als Quelle und Rauschen als weitere Quelle. Daraus würde die übliche, getaktete Zufallsmodulation resultieren. Die LFO-“Wellenformen“ sind Sägezahn (auf- und abwärts), Rechteck, besagter „Zufall“ und Rauschen. Dabei ist das Rauschen ungetaktetes Chaos, Zufall ist vom LFO getaktet und entspricht dem, was Synthesizer-Hersteller heute gern als „S/H (Sample & Hold)“ bezeichnen. Neben einer Retrigger-Funktion, einer Phasenangabe und einigen anderen Standardfunktionen, die man sicher damals sonst eher selten fand, ist lediglich eine Tatsache etwas schade: Die maximale Geschwindigkeit ist eher im unteren Bereich, nämlich maximal 25 Hertz. Das ist zwar bei vielen anderen Synthesizern auch so, aber das dürfte der Tribut an den Acht-Bit Industrie 6809 Prozessor sein, der diese netten Modulatoren alle generieren muss. Übrigens hat der Oberheim zwei davon, der andere 6809 tut aber andere Dienste (MIDI). Die Taktfrequenz liegt bei 16 MHz, was ebenfalls damals Spitzentechnik war. Nur MIDI-Clock ist kein Thema für die LFOs, aber das Thema wurde erst viele Jahre später überhaupt das erste Mal eingebaut.

Die fünf Hüllkurven sind nicht weniger gut ausgestattet. Es handelt sich um DADSR-Typen, also Standard ADSR mit Vorverzögerung D (Delay) bis zum Einsatz der eigentlich ADSR-Hüllkurve. Wie die LFOs, haben auch die Hüllkurven eine Intensität. Deshalb können auch deren Pegel insgesamt übergeordnet moduliert werden. Eine Hüllkurve könnte so einen LFO steuern und diesen einfaden und ausfaden, indem er dessen Amplitude steuert. Richtig genial ist auch die Möglichkeit der Neutriggerung über LFOs (inkl. VIB). Sie berücksichtigen auch, ob eine Taste gedrückt ist (Gated Mode). Es gibt auch alternative Abspielmodi, zum Beispiel Freilauf und DADR-Modus. Single- und Multi-Trigger sind selbstverständlich auch integriert. Auch kann man die Hüllkurven wahlweise zwingen, ganz von vorn zu beginnen, wenn man eine Taste spielt. Auch extern lassen sich Hüllkurven antriggern - dafür gibt es einen speziellen Trigger-Eingang. Ähnlich wie die LFOs sind auch die Hüllkurven eigentlich ziemlich perfekt, nur nicht wirklich schnell und zackig. Trotzdem kann man Bassdrums und halb-schnappige Blip-Sounds bauen, jedoch ist es eben sicher kein Minimoog oder Jupiter 4 Zapp, sondern gemütlich.

Es fehlen noch die vier Ramp-Generatoren. Sie sind einfachste Decay-Hüllkurven, die ebenfalls über LFOs neu getriggert werden können. Sie können zuweilen ausreichen, um ein Rauschen zu steuern oder LFOs sowie Hüllkurven ein- oder auszufaden.

Oberheim spendierte auch noch einen LAG-Prozessor, ein Verzögerungselement für eine beliebige Quelle. Andere nannten diese Schaltung Glide, Portamento oder Slew Limiter (Glättungsstufe). Er kann frei geschaltet werden und nicht nur „Tonhöhen-Ziehen“  wie Glide oder Portamento erzeugen. Über den LAG-Taster in den VCOs erzeugen sie zusätzlich Glide pro VCO, jedoch ist das Glide-Modul für alle Anwendungen gleich schnell, es gibt eben nur eine Zeiteinstellung. Man kann jedoch VCO-Pitches oder/und eine der vielen Modulationsquellen glätten. Er ist auch in den LFOs als Option aktivierbar. Dort ist es allerdings je ein eigener LAG pro LFO.

Was übrigens möglich ist, ist die Aufaddierung der Modulationsquellen, um die Hüllkurven etwas schneller zu bekommen oder schlicht den Modulationshub zu verdoppeln. Es ist möglich, das Decay negativ zu modulieren, um es ein wenig schneller zu bekommen. Die LFOs bekommt man damit allerdings auch nicht über die 25 Hertz hinaus beschleunigt. Modifikationen in dieser Hinsicht sollte man sich aber gleich aus dem Gedächtnis schlagen, da das eine Nachprogrammierung erfordern würde, also ein so genanntes Re-Engineering.

„About Tom“
Der heutige Besitzer der Marke Oberheim ist Gibson und wird sich vermutlich nicht bewegen lassen, im Synthesizer-Segment aktiv zu werden oder etwas wie einen neuen Matrix/Xpander zu bauen. Übrigens ist das auch der Grund dafür, dass es keine Software-Emulationen mit „Oberheim“-Namen geben kann, denn bisher ist Gibson ein No-to-everyhing-Sager. Tom Oberheim selbst baut seine neuen alten SEMs als Tomoberheim.com, nicht als „Oberheim“ mit dem netten Notenlogo. Auch die italienische Firma Viscount hat den Namen nur als Lizenz, unter der der OB12 erschien. Technisch und klanglich stammen deshalb der OB12 und der Ob-Mx von einem anderen Hersteller als Tom Oberheim. Auch mit Hilfe Don Buchlas bei der Entwicklung des OB-Mx war Herr O. nicht mehr dabei. Er ging zu Zeiten der Produktion des Xpanders und des Matrix 12 von Bord, es folgten noch die kleinen Matrix 6 und 1000. Tja, und jetzt kommt’s: Der Matrix und der Xpander ist auch kein ganz echter Oberheim. Drückt man ein paar Geheimtasten an den beiden, geben sie die Namen ihrer Entwickler preis: Marcus Ryle, Michael Doidic (der heute bei Line6 arbeitet), Anna Graham, Jim Letts und Ale Silverman. Mit „Hey Dad“ bzw. „Hey Mom“ begrüßt der Matrix 12, bzw. der Xpander seinen Nutzer, wenn er die passende Tastenkombination kennt, um diese Namensliste einzusehen. Wie dem auch sei - ein Instrument, welches sich zum SEM in etwa so verhält wie der Memorymoog zum MiniMoog.

Kann der was?
MIDI beherrscht der Oberheim in fast aktuellem Stil. Alle Parameter versenden SysEx-Echtzeitbefehle, jedoch darf man hier nicht erwarten, dass alles über Controller zu steuern ist. Das konnten noch Instrumente 10 Jahre danach nur selten in Echtzeit. Controller kann man jedoch definieren. Es gibt zwei Pedale, zwei Lever und die Aftertouch-Funktion. Da man damals noch nicht so klar wusste, was man damit machen wird, kann man nun die beiden Hebel (Lever) und die anderen Controller einer MIDI-Bedeutung zuweisen. So werden die meisten Matrix-Musiker wohl Lever 1 dem Pitch-Bender zuweisen und Lever 2 dem Modulationsrad (Controller #0) anvertrauen. Heute wären auch die Pedale wohl den ihnen vorgedachten Controllern zugewiesen. Sie alle lassen sich Pressure (Aftertouch), Pitchbender oder den Controller-Nummern 0-121 zuordnen. Somit sind die genannten Basis-Controller zwar nicht viele, jedoch für die meisten Anwendungen ausreichend. Wer mehr braucht, nutzt SysEx. Auch in Echtzeit spielt der Matrix die gewünschten Änderungen ab, sogar wenn man sie einfach nur aufnimmt und am Regler dreht. Man muss nur die richtige Parameterseite öffnen und dann am passenden Encoder drehen. Selbst im Multi-Mode kann jeder Parameter per MIDI-SysEx gesteuert werden, allerdings sollte man nicht zu viel gleichzeitig aufnehmen, da die Verarbeitung durchaus Zeit braucht und deutlich länger ist. Die Micro-Controller damals waren nun einmal auch langsamer. Insgesamt ist das schon eine ausreichend flexible Automation. Man sollte dem Oberheim einen eigenen MIDI-Port spendieren, da er sicher nicht noch die Controller-Beschüsse irgendwelcher virtuell-analoger Synthesizer unzerschreddert durchschleifen kann. Dann ist er aber auch ein unkompliziert zu nutzender Synthesizer - und grade auch in heute üblichen USB-Computerstudios.

Der Multi-Mode erlaubt Dinge, die man von einem Synthesizer dieses Alters nicht gewohnt ist. Panorama, Verstimmung und Zuweisung zu den Einzelausgängen ist kein Problem. Auch die Schichtung mehrerer Klänge mit entsprechenden Tastatur-Zonen über ein Multi-Programm von  unterschiedlichen Klängen ist eine leichte Übung. Programmwechsel-Befehle beziehen sich im Multi-Mode allerdings auf die Multi-Programme selbst. Umschaltungen der einzelnen Sounds pro Multi-Slot sind per SysEx möglich. Man sollte dann allerdings auch der Maschine eine kleine Zeit zur Umschaltung lassen. Die Zwangsstille ist kurz. Übrigens ist der Multi-Mode auch zum Doppeln geeignet. Man wird in der Praxis auch selten mehr als zwei Sounds doppeln wollen, weil es sonst einfach nur zu fett würde. Lever 1 und 2 erlauben zwei Richtungen, in denen man sie biegen kann. Das ist einerseits toll, aber leider sendet er in die Richtung nach unten kein MIDI aus. Vermutlich ist das nur dazu da, den Pitch-Bender frei zuweisen zu können, jedoch ist bei der Performance so ein freier Controller trotzdem nett. Übertragen werden jedenfalls nur Bendings (beide Richtungen) und andere Controller in eine Richtung (nach oben).

Der Vibrato-LFO (VIB) ist auf 10 Hertz begrenzt. Er ist als Gemeinschafts-LFO für Multiprogramme gedacht, damit alle Sounds mit einer einzigen Vibrato-Geschwindigkeit versorgt werden können, ohne die anderen LFOs zu belasten, die in einem Multiprogramm unterschiedlich schnell wären und einen Kompetenz-Streit verursachen würden – ganz wie in der Politik. Deshalb findet man dort den VIB-LFO. Auch die Panorama-, Detune- und Zonen-Infos werden dort angegeben (blaue Schrift). Die Zonen sind für Keyboard-Teilung (Split) und Stereolage zuständig. Wie üblich ist das Panorama zwar einstellbar, aber wirklich Stereo ist bisher kaum ein analoger Synthie je gewesen. Es ist einfach nur die Mischung am Hauptausgang und besitzt den üblichen Pseudostereo-Verbreiterungseffekt durch leichte Phasenverschiebungen gegeneinander. Es gibt deshalb auch einen Mono-Ausgang zusätzlich zum Stereo-Ausgang (drei Klinkenbuchsen). Gespeichert wird in 100 Speicherplätzen. Das war damals auch eher überdurchschnittlich viel - auch für Multis gibt es 100 Speicher.

Software Klang-Editoren gibt es heute kaum noch. Es gibt jedoch MIDI-Quest (squest.com), welches noch heute erhältlich ist (Win XP/Vista, Mac OS X 10.5). Man kann sich sonst noch mit dem alten Sounddiver behelfen, wenn man einen alten Apple OS 9-Mac nutzt oder sich der ziemlich verbugten Beta für OS X herumschlagen oder die PC-Version für das auslaufende Windows XP einsetzen möchte. Sounddiver stammt von Emagic, die heute Apple gehören. Audio war damals das Schlagwort, MIDI hält man bis heute für eine eher nutzlose und veraltete Sache. Deshalb hat es bisher auch keiner geschafft, einen Ersatz zu basteln. Versuche, wie das eher umständliche JsynthLib und Programme von Einzelkämpfern tauchen hin und wieder auf. Langfristig wird man sich daran gewöhnen müssen, dass MIDI-Patchdaten-Editoren Mangelware sind.

Augen auf beim Matrixkauf
Wer heute einen Matrix 12 oder Xpander sucht, sollte auf die Tune-Page gehen und dort „ALL“ antippen. Nach einer Weile sollten alle Baugruppen ein „PASSED“ anzeigen. Bei diesem Tuning werden VCOs, Filter, Pulsbreiten, VCAs und die Resonanzen kalibriert. Das wird von Zeit zu Zeit benötigt, damit alle Stimmen identisch gestimmt sind und klimabedingte Schwankungen ausgeglichen werden. Andere Analoge kommen leider auch nicht ohne eine ähnliche Funktion aus. Die Master Page enthält einige Menüs für die Entstellungen des MIDI-Kanals, Controllerzuweisungen und einer Liste von Sounds, die bestehenden Klangprogrammen anderen Programmwechselbefehlen zugeordnet werden können, damit man sie per Pedal einfach „weiterschalten“ kann. Damit bekommen die Klänge eine andere Reihenfolge, es ist also nichts weiter als eine Merkliste.


Unter dem Punkt „Service“ im Page 2-Menü gibt es eine Funktion, die LEDs oder auch das Display komplett aufleuchten lässt. LEDs wären ersetzbar, wenn mal eine nicht arbeiten sollte, das Display leider nicht. Es gibt niemanden mehr, der etwas Ähnliches herstellt, und sie werden auch selten angeboten. Diese Tests sollten daher unbedingt positiv ausgehen und alles aufleuchten. Alle Stimmen durchhören ist ebenfalls keine schlechte Idee. Dafür stellt man die aktuelle Stimmenzuweisung am besten auf „rotate“ und spielt den gleichen Ton sechs bzw. 12 mal. Ein kleiner Dezimalpunkt wandert im Display und zeigt die gespielte Stimme an.

 

Wenn diese Dinge laufen, kann man noch schauen, ob man ein Japan-Modell oder eine US-Produktion erworben hat. Einige Hinweise gibt es, dass die US-Modelle „besser“ sein sollen, aufgrund der Paniklage für die Mitarbeiter in den USA in der Zeit davor und der Umstellung auf Produktion in Japan, was damals noch ein „Billigland“ war. So soll es auch vereinzelt thermische Probleme mit dem Doppelstock-Burger-artigen Doppel-Xpander Board im Matrix 12 geben, welches jedoch Instrumente in meinem Umfeld ausnahmslos nicht hatten. Deshalb ist das eher als Gerücht zu werten, denn die Modelle aller Serien sind ganz offensichtlich nicht schlechter als andere und funktionieren gleich gut.

Die Aktualität der Software und der Hardware-Revision lässt sich ebenfalls über die schon erwähnte Funktion namens „Versions“ erreichen. Sie ist wie die „Service“-Page über die Master und anschließendes Betätigen von Page 2 zu finden. Unter „Service“ bietet Oberheim neben dem LED/Display-Test auch das Un-Tune und Speichertests an. Damit kann man prüfen, ob die Kalibrierung wirklich funktioniert. Bei den Versionsnummern darf man nicht heutige Maßstäbe anlegen. Sie unterscheiden sich vergleichsweise wenig. Sehr frühe Versionen haben im Matrix 12 noch nicht die zusätzliche Matrixdarstellung, sie sind zudem nur per EPROM-Wechsel zu ändern, und deshalb sollte man einen willigen Besitzer eines EPROM-Brenners in seiner Nähe haben, der auch über das Wissen verfügt, wo man die Software herbekommt und wie man sie in den Siliziumkäfer hinein bekommt.

 

Die aktuellsten Versionen sind:

  • Xpander: Processor: 1.2, Voice 1.4, Cassette 1.0
  • Matrix12: Processor: 1.1, Voice 1.6, Cassette 1.0

Neuere Modelle sind japanische Modelle. Cassette? Ja, vielleicht erinnert sich die Ü40-Generation noch schemenhaft an die Speicherung von Computerdaten Anno 1982? Da schloss man einen Mono Cassetten-Recorder an und sicherte das Gepiepse auf ein Band und notierte sich die Position mittels Zählwerk, welche der Hardbitrock-Nummern welches Soundset ist. Wer das heute noch tun will, kann das auch über eine Audio-Software tun, es dürfen nur keine Klangreglungen oder Effekte auf dem Signal liegen und der Pegel sollte etwas mehr als ¾ der Maximallautstärke sein. Beim Mono-Recorder diente ein Schraubendreher dazu, den Tonkopf so anzupassen, dass der Klang so hell und klar wie möglich zu hören ist. Wie sinnvoll das heute noch ist? Eher nicht mehr, aber es geht halt auch. Ansonsten sichert und verwaltet man das „heute“ per SysEx über MIDI mit einem Soundmanager. Da diese heute leider auch rar sind, kann man auch rudimentär mit SysEx (Mac) oder MIDI-Ox einen manuell ausgelösten Dump aufnehmen.

Die Art und Weise, wie die Stimmen verteilt werden, ist ebenfalls vielfältig. Neben der, für das Testen idealen, rotierenden Verteilung gibt es Unisono-Modi mit allen bekannten Prioritäten (höchste, niedrigste und letzte Note). Dazu gesellen sich auch Reset und Re-Assign. Die nächstgespielte Stimme wird dann nicht stets von Anfang an loszählen, sondern für jede Taste die jeweils nächste Stimme nutzen, die von Stimme 1 aus gesehen noch frei ist. Re-Assign versucht, bestimmte Stimmen bestimmten gespielten Tasten zuzuweisen. So bekommt das erste C die erste Stimme zugewiesen, das Cis die nächste und so weiter. Das wiederholt sich über alle spielbaren Oktaven hinweg. Auch kann man mittels sechs Zones (beim Xpander drei Zones) angeben, ob die betreffende Zone vom internen Keyboard (sofern vorhanden) oder/und via MIDI gespielt wird. Neben der MIDI-Kanal-Wahl bestimmt die Option „Stimmenklau“, wann eine Stimme wiederverwendet werden darf. Genauer wäre, ob sie eben beklaut werden darf oder ob sie immer ausgespielt werden muss. Immerhin gibt es ja auch sehr langsame Ambient-Sounds, die nicht unterbrochen werden sollen – in dem Fall schaltet man den Klau einfach ab. Beim Xpander sind die Funktionen fast identisch, jedoch wegen der sechs Stimmen dementsprechend reduziert.

Polizei, sofort aufmachen
Das Innenleben der Oberheims ist ordentlich und aufgeräumt, aber auch randvoll mit Chips. Immerhin sind 12 Stimmen das zweitgrößte, für Analog-Synthesizer bekannte Maximum, sofern man von üblichen Synthesizern ausgeht. Nur der Alesis Andromeda, der Waldorf Wave als Hybrid und der nie produzierte EMu Audity und sehr wenige Exoten hatten mehr zu bieten. Etwas mehr als die Hälfte der rechten Seite wird für die beiden Voiceb-Boards verbraten. Man kann die Stimmen recht gut erkennen.

Auf der rechten Seite befindet sich ein Netzteil, was leider auch ziemlich bekannt für mechanisches Brummen ist, aber keinen Einfluss auf den Audio-Ausgang hat - der ist brummfrei. In den USA betriebene Maschinen stecken das Brummen besser weg. Die 60 Hertz machen den alternden Trafos nicht so viel aus wie unsere 50 Hz. Er lässt sich leicht austauschen. Am oberen „Deckel“-Teil, also auf der Rückseite des Bedienfeldes, ist oberhalb der Netzteilplatine die Hälfte der digitalen Abteilung untergebracht. Dort sind einige Logikbausteine und der Prozessor, der u.a. die Hüllkurven generiert. Ein weiterer Prozessor befindet sich links unter einer weiteren Platine für das Display und dient der Verwaltung und als „Sachbearbeiter“ für MIDI-Angelegenheiten.

 

Direkt rechts an beiden Voice-Platinen befinden sich die EPROMS mit der aktuellen Betriebssoftware, also dem Herzen der Klangerzeugung neben dem eigentlichen Analog-Board, welches auch darunter identisch aufgebaut ist - auch die EPROMs sind dort noch einmal enthalten. Das Keyboard ist fast identisch mit dem Korg DS8, einem damals günstigen Synthesizer einer deutlich niedrigeren Preisklasse. Die Aftertouch-Sensorik erfolgt über Graphit-Kontakte, die in kleinen Gummihütchen sitzen und mit der Taste heruntergedrückt werden. Es ist nicht ganz leicht, diese Tastatur zu reinigen, aber mit wenigen Schrauben links und rechts kommt man sehr schnell an das Innenleben heran. Das Keyboard ist mit wenigen weiteren Schrauben ausgebaut.

 

Heute könnte man auch den Ein-/Umbau eines MIDI-Remotekeyboards erwägen, der mittels MIDI-Merger intern verkoppelt wird. Die Beschaltung des DS8-Keyboard-Boards ist übrigens anders. Man muss daher einiges umstrukturieren und umlöten. Es reicht nicht, einen DS8 nur auszuschlachten. Die Qualität des Keyboards ist leider auch nur mäßig und daher sind kreative Lösungen gefragt und vielleicht zu bevorzugen. Auch wenn ein DS8 zur Zeit unter 150 € zu haben ist – der Zustand ist nämlich auch dort oft nicht besonders vielversprechend. Notenhänger sind durchaus möglich, wenn die Tastatur wenig gespielt wurde.

Reicht der Xpander nicht?
Braucht man wirklich einen Matrix 12, wo doch ein Xpander auch das „Tastaturproblem“ elegant umschifft? Die Antwort hängt sehr von der Arbeitsweise des Nutzers ab. Sicher kann man mit sechs Stimmen gut leben, jedoch ist es schon spannend einige Sounds zu schichten oder einfach zwei total oder auch nur leicht unterschiedliche Sounds einzusetzen. Richtig spannend ist es auch mehrere  Einzelereignisse „additiv“ zu schichten und als einzelne Sounds zu einem Gesamtklang zu verkoppeln. Diese Methode wird auch heute noch in Workstations gern verwendet. Man stelle sich nur ein Multi-Patch vor, in dem man Nebengeräusche und Attack-Phasen jeweils in einem eigenen Patch realisiert. Dabei hat man ein Riesenarsenal an Baugruppen (LFOs, Hüllkurven, usw.) zur Verfügung. Auch, weil verschiedene Filtertypen verwendet werden könnten, hat das einen hohen Reiz, den der Xpander mangels Stimmenmenge schon bald nicht mehr hinbekommen wird. Natürlich gibt es heute Computer und Recording. Aber es ist schon bequemer, alles auf einmal zu spielen und zu steuern – in der Praxis schichten die Wenigsten wirklich, wenn sie die Sounds alle nacheinander aufnehmen müssten.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare