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27.02.2013

Details

Technische Daten

Auch wenn sich die Bits in mancher Hinsicht technisch leicht voneinander unterscheiden (siehe unten), haben sie eines gemeinsam: einen wunderbar warmen, analogen Sound. Wer mal eine Alternative zum typischen Roland- oder Korg-Sound sucht, wird beim Crumar schnell fündig. Uns ist es schon öfter passiert, dass wir uns am Jupiter oder Propheten dumm und dämlich schraubten, und beim Bit auf Anhieb „den“ bis dahin vergeblich gesuchten Sound bekamen. Ein Bit-Sound schmiegt sich oft wunderbar in das allgemeine Klangbild und wirkt sich fantastisch auf den gesamten Mix aus. Dabei ist das beim Blick auf die Ausstattung eher verwunderlich. Denn sein Innenleben lässt zunächst eher gewohnte Kost vermuten.

Die Crumar Bit One, Bit 01 und Bit 99 sind 6-stimmige, analoge Synthesizer, die zweifach multitimbral arbeiten. Sie besitzen pro Stimme zwei Oszillatoren (also insgesamt 12 DCO!), einen Filter, zwei LFO (Sägezahn, Rechteck, Dreieck und Noise), zwei Hüllkurvengeneratoren (jeweils ADSR) und eine je nach Modell mehr oder weniger brauchbare MIDI-Implementierung. Damit waren die Bits die ersten echten MIDI-Synthesizer der Firma Crumar. Zwar hatte man schon beim Spirit eine MIDI-Buchse eingebaut, die lief aber im Inneren des Instruments ins Leere. Sie war also eher Show, als von echtem Nutzen. Bit One und Bit 99 dagegen verfügten nicht nur über MIDI-Buchsen – sie waren sogar angeschlossen (!) und die Instrumente ließen sich in ein MIDI-Setup einbinden. Der Bit 99 erkennt – anders als sein Vorgänger Bit One – alle 16 Kanäle und ist damit schon ziemlich vielseitig einsetzbar.

Was den Crumar ein wenig aus der Masse herausragen lässt, sind z.B. die Anschlagdynamik und die Stereo-Funktion: Mit der Anschlagdynamik lassen sich verschiedene Werte über den Tastaturanschlag regeln, etwa die Geschwindigkeit von LFO 1, die Pulsweite von DCO 1, Amount und Attack jeweils für Filter und VCA. Rechnet man das alles zusammen, dann ist das schon eine ganze Menge. Ein Roland Juno 60 muss in dieser Hinsicht eindeutig passen.

Hier eine Sounddemo mit unterschiedlicher Anschlagstärke bei hoher Keyboard Sensitivity. Der erste Ton ist leicht angeschlagen, der zweite mittelstark und der dritte stark:

Der Stereo-Modus erlaubt darüber hinaus sehr schöne klangliche Effekte. Einfach den Sound einstellen, die Stereotaste einschalten und ab geht die Post. Der Bit 99 gibt eigenständig vor, welche Tasten auf den linken Kanal und welche auf den rechten Kanal geroutet werden. Auch wenn in dieser Betriebsart die Stimmenanzahl halbiert wird, lassen sich so sehr interessante Effekte erzielen. Der Zufalls-Stereo-Modus ist übrigens ein Feature, das schon von Mario Maggis Elka Synthex bekannt war. Mit einem ähnlichen Effekt kann auch der Sequential Circuits T8 aufwarten. Ein weiterer schöner „Effekt“ ist der Double Modus, bei dem man zwei verschiedene Sounds übereinander legen kann. Besonders schön ist das, wenn der gleiche Sound bei minimal verstimmten Oszillatoren traumhaft schwebende Flächen erzeugt.

Hier hört ihr Sounddemos mit Mono-, Double-, Stereo sowie Stereo- und Double-Einstellungen. Zunächst Sounds vom Bit 99:

Und nun einige Sounds vom Bit One:

Einen Sequencer oder einen Arpeggiator sucht man bei diesem Synthesizer vergebens. Allerdings setzen wir den Bit genau für solche Anwendungen gern ein, MIDI macht’s möglich. 

Bit 01, Bit One und Bit 99 – Die grundlegenden Unterschiede der Bits

Es gibt insgesamt drei verschiedene Versionen des Bits, den Bit One (Mitte 1984), die Rackvariante Bit 01 (1984) und den Bit 99 (1985). Grundsätzlich haben alle drei Bits die gleiche bzw. eine ähnliche Architektur. Die Unterschiede baulicher Art liegen zum Beispiel darin, dass für die ersten Bit One noch SSM-Chips (SSM2044) verwendet wurden, während die späteren Modelle mit Curtis Chips (CEM3328) ausgestattet sind. Ich konnte leider bisher noch keinen SSM-Bit mit einem Curtis-Bit im direkten Vergleich testen. Darum kann ich auch nichts darüber sagen, welche Version besser klingt oder ob es überhaupt spürbare Unterschiede gibt. 

Wenn ich alle uns zur Verfügung stehenden Bits nacheinander spielen lasse, dann sind die Unterschiede nur marginal (der Bit One ist etwas rauer) und wohl am ehesten darauf zurück zu führen, dass der eine Bit mal etwas mehr „verstimmt“ und schwingender ist, als der andere. Aber die Erfahrung habe ich bereits mit anderen Synthesizern gemacht. So hatten drei Yamaha CS5 aus unterschiedlichen Jahrgängen zwar den gleichen Soundcharakter, klangen aber alle leicht verschieden. Das ist halt eine Eigenschaft von analogen Synthesizern: sie sind alle Unikate und in diesem Sinne vergleichbar mit Geigen oder Flügeln.

Der grundlegende Unterschied zwischen Bit One und Bit 99 ist die verbesserte MIDI-Implementierung des 99ers (der Bit 01 verfügt „nur“ über einen MIDI IN). Darüber hinaus wurden auch einige Bedienelemente geändert. So hat der Bit One noch zwei Schieberegler, mit denen Detune und Noise direkt auf dem Panel geregelt werden konnten. An dieser Stelle finden wir beim 99er einen Drehregler für Keyboard Sensitivity und einen Schalter für Program Chain. Der Bit One lässt sich per Druckschalter in den Unison-Modus umschalten. An der gleichen Stelle liegt beim 99er der Stereo-Out Druckschalter. Das ist wirklich schade, denn an den Unison-Modus kann man sich leicht gewöhnen und beim Bit 99 vermisst man ihn.

Auch die Bedienung über die Menüführung hatte sich geändert. Das zeigt sich bereits an der aufgedruckten Matrix. Beim Bit 99 sind vor allem eine Sektion zur Einstellung von Split und Double hinzugekommen (Verstellung des Split-Punktes, Transpose-Funktion für die Upper Sektion (!) und getrennte Volume-Regelung für Upper und Lower). Die getrennten Einstellungen für Upper und Lower ließen sich außerdem auch als „Performances“ speichern. Beim Bit 99 gibt es dafür 24 gesonderte Speicherplätze.

Darüber hinaus finden sich auf dem Panel des Bit 99 noch zwei Sektionen für die MIDI-Programmierung: MIDI-Receive und MIDI Transmit. Empfangene MIDI-Daten können so auf Pitch Bend, Modulation, Release und Programmwechsel geroutet werden. Zudem kann man hier den Omni-Mode und den Kanal einstellen. Die MIDI-Transmit-Funktion erlaubt Einstellung für die gesendeten Daten: Kanalwahl, Keyboard-Mode und Programmwechsel.

In ihren Funktionen lassen sich die Bits am ehesten aufteilen in Bit One auf der einen Seite und Bit 01/Bit 99 auf der anderen Seite, wobei der Bit 01 über eine schlechtere MIDI-Implementierung verfügt als der Bit 99.

Bedienfeld

Das Panel ist, wie das in jener Zeit eben gerne gemacht wurde, extrem schlicht gehalten. Es gibt weder die gewohnten Dreh-, noch irgendwelche Schieberegler (mit Ausnahme von Volume bzw. Detune/Noise beim Bit One). Dafür präsentiert sich das Instrument als nahezu glatte, pflegeleichte Fläche. Das kennen wir auch von einem Roland JX8P, einem Sequential Circuits Sixtrak, einem Akai AX-73 oder eben einem Yamaha DX7. Der Crumar Bit ist also definitv kein Schraubersynthesizer. Nahezu alle Parameter sind ausschließlich über die Matrix programmierbar, die glücklicherweise ganz groß auf das Panel gedruckt wurde. 

Beim Spielen muss man sich mit nur wenigen Reglern zufrieden geben. Beginnen wir dabei ganz links. Hier findet man ein Mod- und ein Bend-Wheel. Daneben liegen die Lautstärkeregelung für Lower- und Upper-Voices. Es folgt die Programmiersektion, die aus vier LED-Displays besteht. Hier gibt es zwei Fensterchen, die den Status für die Lower- und für die Upper-Sektion anzeigen. Daneben sind das Address-Display, das anzeigt, welchen Parameter man gerade verändert und das Value-Display, das darüber informiert, in welchem Umfang man die Veränderung vornimmt.

Unterhalb dieser Fenster befinden sich die Wahltasten für die Presets und darunter die zu den Displays gehörenden Wahltasten für Address, Upper und Lower. Möchte man einen Sound einstellen, wählt man z.B. ein vorher gespeichertes Preset für die Lower-Sektion. Über Address kann man nun einen Parameter auswählen. Angenommen, man möchte LFO1 auf Sägezahn umschalten, dann wählt man mit dem Address-Schalter die auf der Matrix angezeigte Nummer 1 und schon kann man über Value den Wert verändern (+/- oder „On“ und „Off“). Genauso geht es mit dem Upper-Sound.

Beim Bit One und beim Bit 99 folgt dann eine Reihe von vier Schaltern:

Park / Write, über den man Sounds speichern kann (auch extern)
Compare, eine sehr nützliche Funktion, mit der man Parameter-Veränderungen ganz einfach hörbar machen kann. Ab der ersten Soundveränderung kann man über Drücken der Compare-Taste den abgespeicherten Sound im Vergleich zum veränderten anhören. Auf diese Weise ist man sicher, dass man keinen guten Sound aus Versehen überschreibt.
Split / Load. Diese Taste splittet die Tastatur in zwei Bereiche auf. Die doppelte Funktion der Taste dient dem Empfang von Sounddaten über die „Tape“-Input-Buchse auf der Rückseite.
Double / Save. Hier können Upper- und Lower-Sounds übereinander gelegt werden oder im Stereo-Modus getrennt auf die beiden Ausgänge gelegt werden. Die Save-Funktion dient dem Abspeichern der Sounds auf ein externes Medium.

Je nach Modell befinden sich rechts davon entweder die Regler für Detune, Noise, Unison und Tape (Bit One) oder Keyboard Sensitivity, Program Chain, Stereo Out und Tape (Bit 99). Den Großteil des Panels nimmt die aufgedruckte Matrix ein, die leicht verständlich und überschaubar ist. 

Rückseite

Ein Blick auf die Rückseiten des Bit One und des Bit 99 zeigt die Unterschiede (von links nach rechts):

Bit One: Lower Out - Upper Out (Mono) - 3xMIDI - Trigger Out - Pitch - Dynamic Sens - Tape In - Tape Out - Memory Protect Schalter - Release Pedal - Phone

Bit 99: Lower Out - Upper Out - 3xMIDI - Pitch - Tape In - Tape Out - Memory Protect Schalter - Release Pedal - Program Advance - Phone

Es gibt also beim Bit 99 keinen Trigger Out mehr (dank MIDI verzichtbar) und kein Dynamic Sens, was hier ja unter Keyboard Sens auf dem Panel zu finden ist. Dafür besitzt er eine Buchse für das Program Advance Pedal, mit dem man die Program Chain weiter schalten kann.

Bedienung

Wie gesagt, ein echter Schraubersynthesizer ist der Bit nicht. Aber die gesamte Bedienung ist sehr intuitiv und manchmal verständlicher als ein Synthesizer mit Drehreglern, da man die Routingmöglichkeiten hier schwarz auf weiß bzw. weiß auf schwarz vor sich liegen hat. Zudem sieht man im Display immer die exakten Werte, so dass man Sounds sehr leicht rekonstruieren kann. Die – meines Wissens – für die damalige Zeit einzigartige Compare-Funktion vereinfacht die Arbeit ungemein.

Als Studio-Instrument ist der Bit eine Wucht: In kurzer Zeit lassen sich herrliche Sounds aus dem Biest herausholen. Im Live-Setup haben wir haben den Bit dagegen noch nicht eingesetzt. Das Schrauben auf der Bühne würde meiner Ansicht nach weder Sinn noch Spaß machen. Es sei denn, man hat vorab die gewünschten Sounds programmiert und ruft sie im Live-Betrieb per Program-Chain ab.

Die einzige Möglichkeit, den Bit-Synthesizer live-tauglich zu machen, wäre eine Modifikation, bei der benötigte Parameter als Dreh- oder Schieberegler verfügbar gemacht werden.

Modifikationen

Wir selbst haben noch nicht an einem Bit gewerkelt. Aber wir haben mal einen modifizierten Bit One erstanden. Der Vorbesitzer hatte einen Cutoff- und einen Resonance-Regler auf dem Gehäuse anbringen lassen. Das sind die naheliegendsten Eingriffe in ein Bit-Panel, denn mit diesen Reglern lassen sich Sounds bereits deutlich beeinflussen. Alternativ kann man natürlich den gewünschten Parameter im Adress-/Value-Feld aufrufen und ihn im Spielbetrieb verändern. Allerdings lassen sich die Werteveränderungen über die Druckschalter nicht so fein abstimmen, wie dies bei Drehreglern möglich ist. Das merkt man vor allem beim Filtersweep. Dazu eine Sounddemo, wie sich der Sweep mit dem Drehregler unseres modifizierten Bit One anhört. Übrigens gespielt im Unison-Modus:

Im Vergleich dazu zwei Sweeps vom Bit 99:

Mit dem Stereo- und Double-Mode oder über eine Modulation kann man den 99er noch ein wenig variieren:

Natürlich kann man sich noch weitere sinnvolle direkte Regelmöglichkeiten vorstellen, wie z.B. eine ADSR-Steuerung. Es wäre bestimmt interessant, einen Bit zu spielen, auf dem alle wesentlichen Parameter als Drehregler umgesetzt sind. Doch mal ehrlich: dann wäre es kein Bit mehr und bei der Vielzahl an Routingmöglichkeiten ist es durchaus denkbar, dass dies auf Kosten der Übersichtlichkeit ginge. Ein Bit ist eben ein Bit.

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