Test
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28.09.2015

Vergleichstest Iso Cabinets

Test in sieben verschiedenen Sound-Disziplinen

Aufnehmen zu Hause ist mittlerweile so erschwinglich geworden, dass wohl wenigstens jeder zweite Gitarrist sein kleines Homestudio besitzt. Riesen-Bandmaschinen braucht man keine mehr, Effektracks hat man im Rechner und auch ein Mischpult kann man sich sparen, wenn man nicht gerade eine fünfköpfige Band auf einmal aufnehmen möchte. Wer einfach seine Gitarrentracks in der Ruhe des heimischen Wohnzimmers einspielen möchte, der kommt mit relativ überschaubarem Werkzeug ans Ziel. Aber auch hier gibt es immer noch kleine und feine Unterschiede. Amp oder Ampsimulation? Hardware oder Software? Wenn man seinen Lieblingsamp benutzen möchte, dann stellt sich wiederum die Frage, ob man eine Box anschließt, das Ganze mit einem Mikrofon abnimmt oder den bequemen Weg geht und einen Speakersimulator benutzt. Meist erübrigt sich diese Frage, denn viele Gitarristen können ihren Amp zuhause nicht voll ausfahren, daher wäre dann die zweite Variante die einzige Möglichkeit. 

Aber es gibt da noch eine Alternative, mit der wir uns in einem kleinen Testmarathon auseinandersetzen wollen: Isolation Cabinets. 

Details

Was sind Isolation Cabinets?

Das Prinzip ist eigentlich recht einfach: Man baut einen Kasten um seinen Lautsprecher, der den Schall nach draußen so gut wie möglich isoliert. Das Ganze kann relativ unterschiedlich ausfallen. Metallica benutzt zum Beispiel auf der Bühne zur Abnahme der Gitarrensounds ein riesiges Flightcase, in dem eine 4x12 Box untergebracht ist. Dieses Teil wird von den Roadies liebevoll als Coffin-Case bezeichnet. Bevor ich auf einen vernünftigen Aufnahmeraum zurückgreifen konnte, hatte ich mir vor längerer Zeit eine solche Vorrichtung selbst gebaut. Prinzipiell funktionierte das auch, meine Marshall 4x12 Box war inklusive zweier Mikrofone fest eingebaut. Der Innenraum war mit Noppenschaum ausgelegt, sodass Reflexionen ausgebremst wurden. Allerdings eliminierte es Bassfrequenzen nicht richtig und das Ganze klang immer etwas mumpfig. Und das Ganze war so schwer und groß, dass es beim Umzug weit und breit keine Helfer mehr gab, als die Kiste an der Reihe war. 

Aber es gibt auch kompaktere Lösungen, und das sind die Teile, die jetzt zum Test bereitstehen. Die meisten Isolation Cabinets sind mit einem Lautsprecher ausgestatte, in der Regel einem 12“ Speaker. Dieser strahlt nach oben, die 1x12 Box liegt quasi auf dem Rücken und eine aufgesetzte Haube reduziert den Lärm. So lapidar lässt sich das Konzept der Isolation Boxen beschreiben, und je nach Speaker und Bauweise fällt das Ganze in Größe und Gewicht unterschiedlich aus. Im „Aufnahmeraum“ befindet sich in der Regel eine Halterung für ein Mikrofon zur Lautsprecherabnahme, nach dessen Ausrichten die Klappe geschlossen wird. Mikrofonkabel zur Weiterleitung des Signals zum Mixer und den Amp-Anschluss findet man außen angebracht.

Schalldämmung

Mit das wichtigste Kriterium für die Isolation Cabinets, denn darum geht es ja in erster Linie. Man will den Amp zum Klingen bringen, ohne die entsprechende Lautstärke nach draußen dringen zu lassen. Bei der Bewertung spielt das neben dem Sound natürlich die Hauptrolle. Die Zielsetzung sollte sein, dass man in Zimmerlautstärke bis ca. 75 dB ein amtliches Gitarrenbrett aufnehmen kann. 

Sound

Der Klang macht die Musik! Das hängt natürlich zum einen vom Lautsprecher ab, der den größten Teil des Sounds bestimmt. Man kennt das von unterschiedlich bestückten Boxen, von denen die einen weich klingen, die anderen in den Mitten sehr hart usw. Aber auch die Resonanzen und die Dämmung des Innenraums sind ausschlaggebend, denn wir nehmen das Signal ja mit dem Mikrofon ab und dafür sollte er auch optimiert sein. 

Der Amp

Damit wir den optimalen Vergleich haben, wurde bei allen Beispielen derselbe Amp benutzt. Ein The Valve 3|100 Top mit drei Kanälen, der eine große Bandbreite an Sounds anbietet, selbstverständlich in sehr guter Qualität. 

Das Mikrofon

Ich habe mich beim Vergleichstest für das meistbenutzte Mikrofon entschieden, das SM57, damit man auch einen optimalen 1:1 Vergleich der Sounds aus den Lautsprechern erhält. Einige werden die Nase rümpfen und auch ich benutze im Studio eher andere Typen, aber viele Gitarristen besitzen ein SM57 und auch bei den PA-Verleihern steht dieses Mikrofon immer noch hoch im Kurs. Deshalb ist es auch für unseren Siebenkampf erste Wahl. In den einzelnen Tests werde ich auch andere Typen zusätzlich einsetzen, um herauszufinden, welche Kombination von Speaker und Mikrofon gut funktioniert. 

Die Testberichte

Bevor wir uns um die einzelnen Sound-Disziplinen und den Direktvergleich der Boxen kümmern, wollen wir euch jetzt zunächst einmal die drei Testberichte präsentieren. Natürlich könnt ihr sie auch später lesen und euch direkt den Vergleichsaudios widmen. Ganz, wie ihr wolt!

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Die Disziplinen

Wir haben sieben verschiedene Sounds heraus gesucht, die wir im Rahmen unseres Testmarathons auf ihren "Klanggenuss" überprüfen wollen. Folgende Sounds aus dem alltäglichen Leben eines Gitarristen, sind in unserem Direktvergleich am Start:

Clean Channel

Clean Strat - Unverzerrter Strat-Sound, mit Picking und Strumming gespielt

Clean Jazz - Typischer Semi Akustik Sound mit wenig Höhen

 

Crunch Channel

Crunch Stones - Leicht angezerrter Ton mit der Tele, wie es Mr. Keith Richards gerne hat

Crunch Classic Rock - Britische Mitten und Overdrive, AC/DC stand Pate

 

Lead Channel

Lead Powerchords - Mehr Gain und Powerchords mit der Les Paul

Lead Baritone - Es geht nach unten, Bariton Les Paul mit ordentlicher Verzerrung

Lead Metal - Mid Scoop Sound mit der SG

Amp-Einstellungen

Hier sind die Einstellungen des Verstärkers für die Beispiele, der Master am Amp steht immer auf 10 Uhr.

Clean Strat Picking

Gitarre Channel Presence Volume Treble Middle Bass
Strat Clean 14 14 14 10 12

Clean Jazz Chords

Gitarre Channel Presence Volume Treble Middle Bass
ES-335 Clean 9 14 10 13 12

Crunch Stones

Gitarre Channel Gain Volume Treble Middle Bass Presence
Tele Crunch 10 12 13 11 13 10

Crunch Classic Rock

Gitarre Channel Gain Volume Treble Middle Bass Presence
SG Crunch 12 11 12 15 12 9

Lead LP Rhythm

Gitarre Channel Gain Volume Treble Middle Bass Presence
Les Paul Lead 12 10 13 13 12 9

Lead Baritone

Gitarre Channel Gain Volume Treble Middle Bass Presence
Baritone Lead 12 10 14 14 12 9

Metal

Gitarre Channel Gain Volume Treble Middle Bass Presence
SG Lead 16 10 14 12 15 14

Der Vergleich

Gleich zu Anfang muss ich natürlich sagen, dass man diesen Vergleich nur als Annäherung sehen darf, denn jeder Speaker reagiert anders auf eine gewisse Ampeinstellung. Ihr werdet merken, dass es in dieser Hinsicht gravierende Unterschiede gibt, der eine klingt sehr höhenbetont, der andere etwas muffiger. Auch auf die Einstellung der Klangregelung am Amp gibt es unterschiedliche Reaktionen. Um den Unterschied zu einer „normalen“ 4x12 Box ebenfalls direkt zu hören, habe ich jedes Beispiel auch mit meiner Greenback-bestückten Marshall Box aufgenommen, selbstverständlich ebenfalls mit einem SM57.

 

Clean Channel - Strat Picking

Clean Channel - Semi Akustik Jazz

Crunch Channel - Tele Stones Crunch

Crunch Channel - SG Classic Rock

Lead Channel - Les Paul Powerchords

Lead Channel - Baritone

Lead Channel - Mid Scoop Metal 

Fazit

Für mich war die Grossmann SG Box eindeutig der Testsieger. Verarbeitung, Konzeption, Schallreduktion, Sound - alles erstklassig. Ich wüsste nicht, was man bei ihr noch besser gestalten könnte. Außerdem bietet sie die Möglichkeit, die Speaker schnell zu wechseln und den Sound sogar mit zwei Mikrofonen abzunehmen. Bei den drei anderen Boxen ging es eher mittelmäßig zu. Zwar können auch sie mit Vorteilen aufwarten, aber zum Teil auch mit gravierenden Mängeln. Die Randall Box beispielsweise klingt mit dem Vintage 30 Speaker ganz gut, hat aber wenig Schalldämmung und eine schlecht positionierte Mikrofonhalterung . Die Jet City hat eine gute Schalldämmung, aber den Speaker finde ich zu bissig. Die Grossmann liegt zwar mit Vollausstattung und Celestion Greenback und 673 Euro preislich an zweiter Stelle, aber das Geld ist gut investiert und die Kiste jeden Cent wert. Dahingegen rechtfertigt die Randall Iso 12 meines Erachtens nicht den hohen Preis von 712 Euro. Die Frage stellt sich, ob die Kompromisse, die man bei den verschiedenen Boxen eingehen muss, eine Anschaffung trotzdem erlauben, ob man vielleicht mit etwas Handarbeit noch zur Optimierung beitragen kann, oder ob man gleich tiefer ins Portemonnaie greift und sich eine Box leistet, bei der man keine Kompromisse machen muss.

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