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31.08.2018

Vergleichstest Cajon (2018)

Die besten Modelle und Add-ons für Einsteiger, Fortgeschrittene und Profis

Worauf ihr beim Kauf eines Cajons achten solltet und welches Zubehör ihr braucht

Das richtige Cajon für deine Musik und deinen Geldbeutel finden – welches Cajon ist preiswert und trotzdem uneingeschränkt zu empfehlen? In der Übersicht unserer Testberichte über Cajons, Cajon-Bausätze und das passende Cajon-Zubehör, wie zum Beispiel Cajon-Pedale, spezielle Shaker und Cajon-Besen und -Ruten, bekommst du alle Informationen, die du brauchst.

Die handliche Kiste aus Schichtholz ist auch nach vielen Jahren am Markt omnipräsent: Ob für die Trommelgruppe, als mobiler Schlagzeug-Ersatz für den Akustik-Gig oder zum Klopfen im stillen Kämmerlein – Cajon spielen liegt immer noch schwer im Trend. Im Folgenden erklären wir euch alles, was ihr zum Thema Cajon wissen müsst und haben euch eine Art „Best Of“ aus der Vielzahl der von bonedo getesteten Cajons zusammengestellt.

Das Cajon: Quick Facts

  • Was bedeutet das Wort Cajon?

Das Wort Cajon kommt aus dem Spanischen und bedeutet Kiste, Kasten oder Schublade. 

  • Wo und von wem wurde das Cajon erfunden?

Seinen Ursprung hat das Cajon in Peru. Dort wurde es der Legende nach im 17. Jahrhundert von afrikanischen Sklaven entdeckt, die Transportkisten für Lebensmittel als Schlaginstrumente zweckentfremdeten, nachdem ihnen das Spielen ihrer traditionellen Trommeln verboten wurde. 

  • Aus welchem Material besteht ein Cajon?

Cajons bestehen im Allgemeinen aus Holz, wobei für die dünne Schlagfläche der Vorderseite häufig Birkenholz, aber auch Buche, Wurzelholz oder exotische Hölzer verwendet werden. 

  • Sind alle Cajons gleich groß?

Das Standard-Cajon ist etwa 48x30x30 Zentimeter groß, es gibt aber speziell für Kinder auch etwas kleinere Modelle sowie diverse Abwandlungen wie Cajonitos, Cajintos, Bass-Cajons oder Slap-Top Cajons. 

  • Kann man ein Cajon auch mit Stöcken oder Schlägeln spielen?

Herkömmliche Trommelstöcke würden die dünne Schlagfläche zerstören, aber weiche Filzschlägel, Mallets oder Besen eignen sich durchaus zum Spielen des Cajons.

Welche Cajon-Typen gibt es?

Die ursprüngliche afro-peruanische Bauart des Cajons enthielt keinen Schnarr-Mechanismus. Allerdings wurde dieser, nachdem in den 1970er Jahren der Flamenco-Gitarrist Paco de Lucia das Cajon nach Spanien mitbrachte, schließlich nachgerüstet. Durch das Anbringen von Gitarrensaiten hinter der Schlagfläche entstand so der raschelnde Snare-Sound, der das prägende Merkmal der in Europa sehr populären Flamenco-Cajons darstellt. Im Laufe der Zeit entwickelten verschiedene Hersteller unterschiedliche Methoden, die Kisten zum Rascheln zu bringen. So entstanden neben denen mit Gitarrensaiten (String-Cajons) auch solche mit Snare-Teppichen, wie sie bei Snaredrums verwendet werden (Snare-Cajons).

String-Cajon oder Snare-Cajon? Ein Vergleich

String-Cajon Snare-Cajon
sensible, gleichmäßige Ansprache Ansprache variiert je nach Anschlagposition
Feinjustierung möglich keine Justierungsmöglichkeit
Saiten müssen ggfs. nachjustiert werden unkomplizierte Handhabung
Schnarreffekt nicht vollständig unterdrückbar Abschalten des Snare-Effektes möglich

Wie finde ich das für mich passende Cajon?

Ein passendes Cajon zu finden, ist angesichts der Fülle von Cajons auf dem Markt keine leichte Aufgabe. Zunächst solltest du natürlich festlegen, wie viel Geld du auszugeben bereit bist. Damit fallen in den meisten Fällen schon mal eine ganze Reihe an Cajons aus dem Rennen. Als nächstes solltest du dir klar darüber werden, wie und wo du das Cajon einsetzen möchtest. Für Gigs mit einem peruanischen Folklore-Ensemble suchst du am besten nach einem traditionellen Cajon ganz ohne Snares, in einer Flamenco-Band solltest du dagegen am besten mit einem String-Cajon auflaufen. Für alles andere gibt es außer deinem Geschmack jedoch keine Regeln. Am besten versuchst du, zum Beispiel bei Freunden oder im Musikgeschäft, so viele unterschiedliche Cajons wie möglich auszuprobieren, um ein Gespür dafür zu bekommen, was dir selber wichtig ist und was deiner Spielweise entgegenkommt.

Um die Suche weiter einzugrenzen, stelle dir die folgenden Fragen, wenn du verschiedene Cajons zum Testen unter dem Hintern hast.

Checkliste Cajon

  • Brauchst du die Option, den Snare-Sound auch mal abzuschalten?
  • Legst du mehr Wert auf einen lebendigen Snare-Sound oder eine klarere Trennung von Bass und Snare?
  • Möchtest du ausgefeilte Techniken beim Spielen einsetzen oder reicht dir ein bisschen rudimentäres Buff-Zack schon aus?
  • Stehst du auf einen Bass-Sound, der die Wände zum Wackeln bringt?
  • Gefällt dir eine eine eher dezente, natürliche Optik oder magst du es gerne bunt?

 

Auch wenn es nicht immer gleich klare Antworten gibt, wirst du mit der Zeit deine eigenen Vorlieben immer deutlicher formulieren können und somit auch besser sagen können, welches Cajon dir aus welchem Grund gefällt – und welches nicht.

Worin unterscheiden sich preisgünstige und teure Cajons voneinander?

Neben hochwertigeren Hölzern und aufwendigerer Optik haben die Cajons ab der oberen Mittelklasse aufwärts zumeist mehr Justierungsmöglichkeiten an Bord. So kann beispielsweise durch die Veränderung der Saitenspannung das Ansprechverhalten der Snares beeinflusst werden. Wer nur wenig Geld ausgeben möchte und das Instrument Cajon zunächst nur ausprobieren will, kann aber auch schon für einen zweistelligen Betrag akzeptable Ergebnisse erzielen oder sogar mit einem Cajon-Bausatz das eigene Instrument direkt selbst anfertigen.

Welches ist das beste Cajon für Anfänger?

In der Einsteigerklasse bis 100 Euro sind natürlich keine klanglichen Highlights zu erwarten, trotzdem sollte auch ein Anfänger-Cajon zumindest so gut klingen, dass Bass- und Snare-Schläge auch als solche zu erkennen sind. Dass man für kleines Geld auch Cajons bekommt, die diese klanglichen Grundanforderungen mit links bewältigen, konnten die folgenden drei Kisten im Test beweisen: Das Millenium Black Box Cajon für 49 Euro und die etwa doppelt so teuren Schlagwerk X-One und Sela Varios Cajons.

Millenium Black Box Cajon

Auch wenn man zunächst denkt, 100 Euro für eine schnöde Holzkiste auszugeben sei ganz schön bekloppt, so hieß es doch auch lange Zeit, dass man für ein ordentliches Cajon mindestens 120 Euro oder mehr investieren muss. Dass es schon für die Hälfte ein durchaus spielbares Cajon gibt, überraschte auch unseren Autor beim Testen des Millenium Black Box Cajons, welches für 49 Euro bei Thomann angeboten wird. Sein überaus günstiger Preis, die gute Verarbeitung, das ansprechende Design sowie ein justierbarer Snare-Mechanismus bescheren dem Cajon eine Wertung von 4,5 Sternen und somit eine klare Kaufempfehlung für preisbewusste Anfänger.

Schlagwerk X-One Cajon

Am oberen Ende der Fahnenstange überzeugt die Cajon-Serie X-One von Schlagwerk. Die Cajon-Bauer aus Gingen an der Fils sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass das Cajon in Deutschland so beliebt geworden ist, und ihre Instrumente setzen hierzulande immer noch Maßstäbe im Cajon-Bau. Mit der X-One Serie gibt es Qualität “Made in Germany” nun auch knapp unter der magischen 100-Euro-Marke. Für 99 Euro Straßenpreis erhält man ein solides und hochwertig verarbeitetes Cajon, das druckvolle Bässe und knackige Slaps liefert. Minimale Abstriche gibt es wegen der fest installierten und etwas unpräzise agierenden Snares, was einer 4-Sterne-Bewertung und einer Kaufempfehlung jedoch nicht im Wege steht.

Sela Varios Cajon

Wie schleichend die Übergänge in die nächste Preisregion sind, zeigt das Sela Varios Cajon. Ebenfalls in Deutschland hergestellt und qualitativ sowie optisch über jeden Zweifel erhaben, liegt es zwar normalerweise etwas über der 100-Euro-Marke, ist je nach Farbe der Schlagfläche aber auch schon für einen zweistelligen Betrag zu haben. Im Test konnte es mit satten Bässen und sensibler Snare-Ansprache voll überzeugen. Da sich das Snare-System bei den Sela Cajons dämpfen und sogar ganz herausnehmen lässt, bietet das Varios zudem weitere klangliche Möglichkeiten. 4,5 Sterne sind eine deutliche Kaufempfehlung – nicht nur für Anfänger.

Welches ist das beste Cajon für Fortgeschrittene?

In der Preisklasse zwischen 100 und 200 Euro werden auch höhere Erwartungen an die verwendeten Materialien und klanglichen Eigenschaften der Cajons erfüllt. Die Schlagflächen erhalten edlere Furniere, und die Snare-Mechanismen werden sensibler in der Ansprache und teilweise auch justierbar. Im Bassbereich spielen diese Cajons erwachsener und zumeist etwas trockener und fokussierter auf. Bei der Suche nach einem Mittelklasse-Cajon solltet ihr auf jeden Fall einen Blick auf die Modelle 2inOne von Schlagwerk, Chanela Cajon Blue von DG De Gregorio und CaSela Pro von Sela werfen.

Schlagwerk CP404 2inOne Cajon

Auf gar keinen Fall darf in dieser Liste das CP404 2inOne von Schlagwerk fehlen. Mit ihm wurde 2005 erstmals ein Cajon vorgestellt, das statt Gitarrensaiten zwei halbe Snare-Teppiche für den Schnarr-Effekt enthält, die sich mit einem Griff ins Innere an- und abschalten lassen. Der Cajon-Bestseller ist so etwas wie der VW Golf unter den Kistentrommeln und erreicht dank seiner Top-Verarbeitung, der klanglichen Vielfalt und seines auffälligen Überseekisten-Design 4 Sterne. Zum Punktabzug führte lediglich die etwas zurückhaltende Snare-Ansprache sowie die fehlende Möglichkeit, diese noch feiner justieren zu können. Je nach Ausführung sind ab 148 Euro dafür zu berappen.

DG De Gregorio Chanela Cajon

Liebhaber von extra viel Snare-Sound kommen bei DG De Gregorios Chanela Cajon zum Preis von rund 180 Euro voll auf ihre Kosten. Hinter der Schlagfläche verbergen sich gleich vier justierbare Saitenpaare, die schon bei leichtem Spiel ansprechen und für einen prägnanten Snare-Sound mit viel spanischem Charakter sorgen. Die absolut tadellos verarbeiteten Korpusse dieser Cajons sind ebensolche Hingucker wie ihre edel furnierten Schlagflächen. Für die sensible und kontrollierte Snare-Ansprache, den professionellen Gesamtsound und die hervorragende Qualität gab es 4,5 Sterne im Test.

Sela CaSela Pro Cajon

Eine ganz eigene Art, den Snare-Effekt zu erzeugen, hat man bei Sela erfunden. Auf einer Traverse ist ein Snare-Teppich angebracht, der mit einem Schaumstoffkeil gedämpft werden kann. In den CaSela Pro Modellen, derzeit für rund 190 Euro erhältlich, lässt sich diese Traverse durch Drücken eines roten Knopfes von außen an- und abschalten. Die absolut tadellos verarbeiteten Korpusse dieser Cajons sind ebensolche Hingucker wie ihre edel furnierten Schlagflächen. Für die sensible und kontrollierte Snare-Ansprache, den professionellen Gesamtsound und die hervorragende Qualität gab es 4,5 Sterne im Test.

Welches ist das beste Profi-Cajon?

Wer über 200 Euro für ein Cajon auszugeben bereit ist, erwartet zu Recht, in puncto Qualität und Sound keine Kompromisse eingehen zu müssen. Auch in der Profiliga tummeln sich etliche Modelle, sodass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Das beste Cajon gibt es natürlich nicht, wohl aber einige, die uns beim Testen besonders aufgefallen sind. Darunter finden sich das Pur Vision SP aus Österreich, Schlagwerks Super Agile Cajons und DG De Gregorios Siroco Plus.

Pur Vision SP Cajon

Wenn ein Instrument 5 Sterne im bonedo Test einheimst, muss es schon etwas ganz Besonderes sein. So konnte das Pur Vision SP aufgrund seiner makellosen Verarbeitung und einiger besonderer Features voll und ganz überzeugen. Neben seinem professionellen Sound bietet es ein variables Schalloch, extra Spielflächen an den Seitenwänden und ein ausgereiftes, sensibles Snare-System. 369 Euro muss man derzeit für das Cajon mit der edlen Nuss-Schlagfläche hinblättern. Dafür kommt man aber in den Genuss eines erstklassigen Instrumentes.

Schlagwerk Super Agile Cajon

Auch bei diesem Cajon gibt es eine Besonderheit, die im Inneren verborgen liegt. Gleich zwei unterschiedliche und individuell justierbare Snare-Mechanismen sorgen für die besondere Klangvielfalt der Super Agile Serie, die ab 205 Euro erhältlich ist. Die hervorragende Verarbeitung, tolle Sounds, große Flexibilität und das sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis führten nach Meinung unseres Testpiloten zu einer hochverdienten 4,5 Sterne-Wertung.

DG De Gregorio Siroco Plus Cajon

Etwas ganz Besonderes ist auch der dritte Kandidat, den wir euch an dieser Stelle kurz präsentieren wollen. Dass man ein ohnehin schon kleines Instrument wie ein Cajon noch kompakter machen kann, beweisen die Spanier mit dem Siroco Plus, das sich mit wenigen Handgriffen auf ein Drittel seiner ursprünglichen Größe zusammenfalten lässt und so auch im Flugzeug als Handgepäck durchgeht. Klangliche Einbußen gibt es dabei nicht. Das rund 385 Euro teure Cajon besitzt viel spanischen Flamenco-Charakter mit hochsensibler und spritziger Snare-Ansprache. Lediglich die Plastikschrauben auf der Rückseite passen nicht ganz in das hochwertige Gesamtbild.

Was sind Cajon-Add-ons und was kann ich damit anstellen?

Neben einer überwältigenden Auswahl an Cajons werden auch etliche Add-ons feilgeboten. Das sind kleine Instrumente und mehr oder weniger aufwendig konstruierte Apparaturen, die direkt am Cajon oder am Körper befestigt werden können. Meistens erfolgt die Montage mit selbstklebenden Klett- und Flauschstreifen, die auf das Cajon geklebt werden, oder Gummibändern, die über die Finger oder die Füße gezogen werden. Sehr verbreitet sind Kastagnetten- und Schellen-Sounds oder auch Kombinationen der beiden. Add-ons sind von vielen Firmen erhältlich. Getestet haben wir sie zum Beispiel von Schlagwerk, Sela und Guthschmidt.

Was ihr damit anstellen könnt, zeigt euch unser Autor David Kuckhermann in diesem Video-Workshop.

Kann ich mir mit Cajon-Pedalen ein Mini-Schlagzeug bauen?

Ein weiteres interessantes Extra (besonders für diejenigen unter euch, die vom Drumset kommen) sind Cajon-Pedale. Das sind speziell konstruierte Fußmaschinen, die es ermöglichen, den Bass-Sound mit dem Fuß zu spielen. Auch ganze Schlagzeug-Setups lassen sich mit solchen Pedalen realisieren, wie ihr in unserem Workshop erfahren könnt.

Grundsätzlich gibt es drei Konstruktionsweisen, um die Kraft vom Fuß auf den Beater zu übertragen. Der Direktantrieb über eine Stange ist am einfachsten, bietet aber wegen einer fehlenden Trittplatte am wenigsten Komfort. Eine ebenso direkte Kraftübertragung bietet eine Kardanwelle, doch die Positionierung des Pedals ist dabei sehr eingeschränkt. Mehr Flexibilität bieten Pedale mit Bowdenzug, die jedoch wegen des etwas höheren Widerstandes auch weniger direkt ansprechen.

Pedale mit Direktantrieb gibt es ab unter 100 Euro von Meinl oder Ortega. Ebenfalls unter 100 Euro liegt das Millenium CP-777 mit Kardanwelle.

Die Varianten mit Kabel sind preislich etwas höher angesiedelt. Im Test konnten besonders drei Modelle von DWMeinl und Schlagwerk überzeugen.

Cajon spielen lernen

Die ersten Basics auf dem Cajon lernt ihr in unserem Video-Workshop. Hier geht es von der richtigen Sitzhaltung über die korrekte Spielhaltung der Hände bis hin zu den ersten Schlägen: Nach und nach lernst du, interessante Sounds und Cajon-Grooves aus deinem Cajon hervorzulocken.

 

Wenn dir das Video gefallen hat, findest du hier die weiteren Videos des Workshops.

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