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11.07.2013

Universal Audio UAD Pultec Passive EQ Collection Test

UAD Equalizer-Plug-Ins

Diese Collection schickt den Vorgänger nach zehn Jahren in den digitalen Ruhestand

Die Universal Audio Pultec Passive EQ Collection im bonedo-Test: Der Pultec ist und bleibt der Platzhirsch unter den passiven Entzerrern. Die Software-Emulation zählte zu den UAD-Plug-Ins der ersten Stunde – da wird es Zeit für eine Neubetrachtung dieses Themas.

Die Pultec Passive EQ Collection kann wohl als zentrales Element des soeben vorgestellten 7.1-Updates der UAD-Software betrachtet werden. Zusätzlich ist eine Plug-In-Version des Millenia-EQs NSEQ-2 neu im Programm, und auch das Apollo-Routing wurde weiter verfeinert.

Hier wollen wir uns aber voll und ganz auf diesen besonderen Klassiker unter den Vintage-EQs konzentrieren, welcher schon seit Anfang an zu den beliebtesten Software-Prozessoren auf der UAD-Plattform zählte. Während der Urvater der schlussendlich ziemlich großen Pultec-Familie, die auch Mischer, Mic-Preamps und weiteres Studioequipment umfassen sollte, bereits vor über 60 Jahren das Licht der Welt erblickte – und sich noch heute allergrößter Beliebtheit erfreut – ist die erste Version des UAD-Plug-Ins doch etwas schneller gealtert. Doch das ist kein Wunder, denn das digitale Rad dreht sich bekanntlich einfach viel schneller als das der analogen Studiotechnik, die seit langem im Prinzip als „ausentwickelt“ gelten kann. Während in der analogen Domäne größere Überraschungen eigentlich nicht mehr zu erwarten sind, schreiten die verfügbare Rechenleistung und die Leistungsfähigkeit von Software-Code immer noch mit Siebenmeilenstiefeln voran. Ganz klar: Zehn Jahre alter DSP-Code muss wohl als das Pendant zu Analogschaltungen aus der Vorkriegszeit gelten.

Grund genug also für Universal Audio, nun dem ehrwürdigen Pultec das gleiche Prozedere angedeihen zu lassen, das kürzlich bereits die Kompressoren 1176 und LA-2A auf ein neues digitales Level gehoben hat: Zeitgemäße DSP-Verfahren wie etwa Component Modeling können die Subtilitäten analoger Schaltungstechnik viel besser einfangen als das noch vor einigen Jahren möglich war, und davon, so die Theorie, sollte doch auch der Pultec-EQ profitieren können. Wird die Hardware für ihren seidigen, warmen Klang gerühmt, so geht es hier doch definitiv um signalverschönernde Feinheiten, bei denen sich zeitgemäßes Coding deutlich bemerkbar machen sollte. Nun ja, wir werden sehen...

Details

Greise Schaltung

Auch wenn der originale Pultec-EQ in Jahren gemessen bereits kurz vor dem Eintritt ins Rentenalter steht, erzählt dieser Fakt doch nur einen Teil der Geschichte. Die eigentliche Filterschaltung, das Herzstück des EQs, ist nämlich bald satte 100 Jahre alt. Entwickelt wurde dieses Filter von Western Electric zur Verbessung des Klanges von Telefonübertragungen. Die Pultec-Masterminds Eugene Shenk und Ollie Summerland nahmen das Western-Electric-Design, verpasssten ihm eine Röhrenausgangsstufe und bauten es in ein solides 19“-Gehäuse mit drei Höheneinheiten – und der Rest ist Geschichte.

Das aus heutiger Sicht etwas obskure Layout des Pultec-Filters erklärt sich mit Blick auf den damaligen Stand der Schaltungstechnik. Die Mitten waren in der analogen Welt noch nie ein Problem, schwieriger wurde es eher an den Rändern des hörbaren Spektrums. Kurz zusammenfassen könnte man das Prinzip des Pultec-Filters also so: Unten Fundament hinzugeben, oben etwas Frische, und ganz oben dann das Rauschen herausdrehen.

Von Pultec-Engineers studiotauglich gemacht

Nun ist dieses passive Filternetzwerk, dass zu einem Teil auf spulenbasierten LC-Schaltungen beruht, noch kein vollständiger, leicht handhabbarer Studioprozessor. Und das ist das Verdienst des Pultec-Teams: Sie betteten die Filterschaltungen ein in Ein- und Ausgangsstufen, die den damaligen Stand der Technik repräsentierten. Der EQP-1A verfügt über Ein- und Ausgangsübertrager sowie eine Röhren-Ausgangsstufe in Push/Pull-Konfiguration. Dazu kommt noch ein weiterer sogenannter Interstage-Übertrager zwischen dem eigentlichen Filter und der Röhrenstufe, welche für Unity Gain sorgt und den prinzipbedingten Pegelverlust eines passiven Filters ausgleicht.

Pultec in der DAW

In der Liste der UAD-Plugins tauchen der „alte“ Pultec und Pultec Pro nun mit dem Zusatz „Legacy“ versehen auf. Auf die zusätzliche Funktionalität des Pultec Pro, der den Midrange-EQ MEQ-5 integrierte, muss man aber in der neuen Pultec EQ Collection nicht verzichten: Der MEQ-5 steht als separates Plug-In zur Verfügung, und zusätzlich gibt es nun noch eine Plug-In-Version des im analogen Original rein passiven Filters HLF-3C, welches zwei schaltbare Hoch- und Tiefpassfilter anbietet.

Röhren und Übertrager werden nun ebenfalls emuliert

Die Oberflächen sind, ganz wie etwa bei der LA-2A-Collection, größer geworden, und sie glänzen mit mehr fotorealistischen Details. Die wahre Neuerung neben dem erweiterten Funktionsumfang gegenüber dem alten Pultec Pro liegt aber im DSP-Code: Dieser emuliert nun erstmals nicht nur das eigentliche Filternetzwerk, sondern auch das Klangverhalten der Ein-und Ausgangsstufen mit ihren Röhren und den fetten UTC-Übertragern.

Damit bieten die neuen drei Plug-Ins zusammen nun satte Funktionalität: Vier EQ-Bänder können boosten, drei können cutten, und obendrauf kommen noch die Highcut- und Lowcut-Filter des HLF-3C. Mehr Pultec geht sozusagen nicht.

Nicht so viele Versionen wie bei den Klassikern von Universal Audio

Interessant ist diese Auswahl aber trotzdem, denn anders als beim LA-2A oder beim 1176 hat Universal Audio darauf verzichtet, verschiedene Revisionen des EQP-1 zu emulieren. Davon gab es nämlich im Laufe der Jahre einige, darunter auch eine Version mit zwei Höheneinheiten, in deren Ausgangsstufe keine Röhren zum Einsatz kamen sondern diskrete Transistor-OpAmps von API. Aber mal sehen, vielleicht beschreitet ein künftiges Update diese Pfade ja doch noch?

 

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