Software
Test
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12.10.2018

u-he Colour Copy Test

Delay-Plugin

Bucket-Brigade aus der Dose

Urs Heckmanns Firma u-he ist allseits bekannt für detaillieren Emulationen vorzugsweiser analoger Klangeigenschaften, sei es nun Repro-1, Repro-5, die liebliche Diva oder auch die Kostenlosen wie Zebralette, Podolski bzw. Protoverb. Da darf ein u-he Colour Copy Test natürlich nicht fehlen.

u-he weiß, wie man Nicht-Linearitäten von Transistor-Schaltkreisen in den Computer bringt! Das Ergebnis sind moderne Kreationen mit authentischem Klang, toller Bedienung und ohne nüchterne, digitale Kälte. Auch Colour Copy macht da keine Ausnahme. Laut Handbuch ist dieses übrigens aus dem Lyrebird-Modul des Repro-Synths entstanden, was so gut klang, dass man es nicht dort verkümmern lassen wollte. Und so wurde es kurzerhand noch mal weiter entwickelt und stand-alone verfügbar gemacht. Gesagt, getan.

Details

Allgemeines


Das u-he Colour Copy ist ein Plug-in, das den Klang alter sogenannter Bucket-Brigade-Delays reproduziert, welche ehemals mit Unmengen kapazitiven Einheiten arbeiteten. Das Plug-in ist für VST2, VST3, AU, RTAS und NKS-Schnittstellen sowie in 32 und 63 Bit ab OSX 10.7 und Windows 7 verfügbar. Es handelt es sich um ein recht pfiffiges Delay, was aber natürlich nicht ohne den speziellen u-he-Touch auskommt.

Colours, nicht nur Color


Fangen wir in unserem u-he Colour Copy Test bei der ersten Besonderheit an, immerhin ist sie Namensgeber. Unter der Rubrik FEEDBACK COLOURATION lassen sich die Wiederholungen mit COLOUR „einfärben“ – zwar stufenlos zwischen den fünf Grundfarben: RESO, SPARKLE, FUZZ, SNAP und DUSK. Hierbei handelt es sich um Variation der intern arbeiteten Variablen für die Filter, Distortion und Compression, auf die wir aber besser später mit Klangbeispielen eingehen wollen.

Das Ganze kann mit BRIGHTNESS nachgewürzt sowie mit analoger SATURATION abgeschmeckt werden. Das trockene Signal bleibt davon unbeeinflusst, die genannten Colour-Effekte beziehen sich ausschließlich auf das Feedback. Hinzu kommt ein FLORR-Switch, welcher in Vintage-Stellung unnötig den Noisefloor erhöht – der SSL-„Analog“-Button lässt grüßen. Authentisch, aber für mich sinnlos.

Mixing

Das zurückgeführte Signal wird mit dem trockenen Signal im oberen Bereich der GUI zusammengeführt. Los geht es mit dem INPUT-Gain, der sogar einen praktischen MAKEUP-Button besitzt und dafür sorgt, dass der OUTPUT invertiert mitgedreht wird. Zum Schluss kann nach dem Processing die Stereoweite des Feedbacks und das Mixing von dry/wet geregelt werden.

Ich wiederhole mich, gerne

Die Kernkompetenz eines Delays wird anhand seiner Wiederholungs-Optionen gemessen. Und da zeigt der u-he Colour Copy Test: Hier wird u-he-mäßig bewusst geklotzt anstatt gekleckert: Zusätzlich zu allen möglichen „synced“ Notenwerten – angefangen bei 1/32 bis 2/1 in Tripplets und Punktierungen – sind auch freie Zeiteinstellungen bis maximal 4s (1s x 400 %) möglich.

Ferner lässt sich die TIME BASE mit MIDI-Befehlen ändern, sodass wildes Spiel möglich wird. Im Gegensatz zu den meist knackenden oder kratzenden digitalen Delay-Artefakten sowie abgehackten Delay-Fahnen treten Parameteränderungen hier mit den typischen Tonhöhenänderungen aka dem „leiernder Band“-Effekt auf.

Und weil das so schön ist, kann man bei den gesyncten Werten zusätzlich am Rate-Regler von 25 % bis 400 % kurbeln, ja sogar die Tap-Postionen lassen sich verschieben. Und das alles geschieht wirklich äußerst „smooth“ und ohne jegliche Aussetzer, sodass man den Missbrauch wirklich ordentlich kreativ betreiben kann.

Wie bei einem alten Tape-Delay verändert sich bei u-he Colour Copy quasi der Abstand zwischen Schreib- und Lesekopf nicht. Gelöst wird das über eine variable Abtastrate. Dadurch gibt es auch keine sprunghaften Tonhöhenverschiebung, sondern das Delay-Signal wird gleichmäßig schneller oder langsamer. Ferner entfallen die „unmusikalischen“ Glitches vorangegangener Delay-Durchläufe, die sich nicht im richtigen Tempo befinden

Es regnet, die Erde wird nass


Das Feedback des Delays wird mit REGEN eingestellt, was für Regeneration und nicht etwa für flüssigen Niederschlag steht. Sollte man es übertreiben, kann sich das Delay aber auch mächtig aufschaukeln und dann entsprechend ordentlich verzerren, wobei auch das hier sehr gut und analog klingt. Einen PANIC-Button gegen zu viel Suppe gibt es trotzdem, genau wie einen FREEZE-Taster, um das Feedback auch gen unendlich einzufrieren. Gains und Filter werden dann zwar umgangen werden, die Modulation bleibt dennoch aktiv.

Ebenfalls am Start ist eine INVERT-Funktion, die bei kurzem REGEN (Sorry, ich kann es nicht lassen) durchaus auch zu schaurigen (…) Pitch-Effekten führt.

Duck dich, ich modulier dich


Mit der Ducking-Option lässt sich der Pegel via Hüllkurvenverfolger ab einem einstellbaren THRESHOLD unterdrücken, sodass die Summe nicht zu laut wird. Ziel können das gesamte Signal oder auch das Feedback (AMP oder FB) sein. Das Zeitverhalten kann mit FAST, MEDIUM oder SLOW bestimmt werden.

 

Die Modulationsmöglichkeiten sind umfangreich und bieten zu den sonst üblichen FREQUENCY RATE und DEPTH Einstellungen zusätzlich sogar Möglichkeiten, die beiden LFO-Parameter jeweils anhand des Eingangspegels zu variieren. Die Regler wurden deshalb von kleineren Reglern ergänzt, die mit DYNamik beschriftet sind. Optisch erinnern die äußerst kleinen Regler an Madenschrauben. 

Folgende Modulationsziele sind möglich:

  • Rate: Das LFO moduliert die Frequenzrate. Depth ist aber dennoch von der Länge des Delays abhängig, sodass die Modulationstiefe weitestgehend konstant bleibt, auch wenn die Zeitbasis verändert wird.
  • Rate+: Das LFO moduliert die Frequenzrate, aber immer mit voller Modulationrange.
  • Tap: Das LFO moduliert die Tap-Postionen, was eine Art Chorus erzeugt.
  • Amp: Das LFO moduliert die Amplitude, sodass ein Pan- oder Tremolo-Effekt entsteht.

Die Modulationsfrequenz reicht übrigens von 0.05 Hz bis 20 Hz, was 20 s bis 50 ms entspricht. Die Phasenverschiebung zwischen linkem und rechtem Modulator kann außerdem mit STERO PHASE geregelt werden sowie die LFO-Form mit SAW und TRIANGLE bestimmt werden.

En Route


Neben allen bereits genannten Möglichkeiten kommen noch umfangreiche Routing-Optionen hinzu. Aufgeteilt sind diese in Input sowie Feedback und per Sekundär-Klick im Display einstellbar.

  • Stereo Input: Die Eingänge werden auf die gleichen Delays geroutet (R zu R und L zu L). 
  • Cross Input: Die Eingänge werden auf die anderen Delays geroutet (R zu L und L zu R).Mono Input: Die Eingänge werden summiert auf beide Delays geroutet (R zu L und L zu R).
  • Mono L Input: Die Eingänge werden summiert und auf das linke Delay geroutet.
  • Mono R Input: Die Eingänge werden summiert und auf das rechte Delay geroutet.
  • Stereo Feedback: Die Delay-Ausgänge werden in die gleichen Eingänge zurückgeführt (R in R und L in L).
  • Cross Feedback: Die Delay-Ausgänge werden in die anderen Eingänge zurückgeführt (R in L und L in R).
  • Mix Feedback: Die Delay-Ausgänge werden summiert und beiden Eingänge zugeführt.

Ebenfalls bemerkenswert ist der umfangreiche attributierte Browser, welcher hervorragende Presets sowie eine umfangreiche Beschreibung und Suchfunktion bieten. Die Möglichkeit Skins zu ändern, das GUI zu zoomen und äußerst unkomplizierte MIDI-Routings vorzunehmen, runden unseren Überblick beim u-he Colour Copy Test ab.

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