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Test
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12.12.2017

Praxis

Bedienoberfläche

Das Thomann DP-51 bietet eine zentrale Bedienoberfläche mit einem großen dreistelligen LC-Display auf einer angeschrägten Ebene hinter den Tasten und vor dem Oberbau, auf dem dann der Notenständer seinen Platz findet. Das Lautsprechersystem befindet sich an der Unterseite der Klaviatur, verfügt aber noch über zwei kleine Durchlässe links und rechts neben der Bedienoberfläche. Leider verbergen sich hinter diesen Durchlässen keine üblichen Hochtonlautsprecher, die Öffnungen leiten lediglich einen Teil des Direktschalls der beiden 15 Watt Lautsprechern zum Spielenden. Klanglich schlägt sich das in einem dumpferen, an Brillanz fehlenden Klangs nieder. Aber dazu später mehr.

Bedienung 

Die Bedienoberfläche ist sehr übersichtlich angeordnet und trotz des nur dreistelligen Displays findet man sich gut und schnell zurecht. Es gibt durch die vielen Taster nur wenige doppelt belegte Tasten. Auch ist die Benutzerführung logisch aufgebaut. 

Gehen wir an dieser Stelle kurz auf die auf der Bedienoberfläche gelegenen Funktionen des Thomann DP-51 ein: Neben dem Volumenregler, befindet sich ein Brillianceregler, mit dem man den Höhenanteil regeln kann. Obwohl das Thomann DP-51 für diesen Test in einem professionellen Tonstudio auf einem Holzboden zu stehen kam, war man sehr geneigt, den Brillianceregler ganz nach rechts, also auf zu drehen.

Weiterhin kann die Anschlagsempfindlichkeit in drei Stufen justiert werden oder aber auch ganz weggenommen werden. Die Feinstimmung des Instruments erfolgt in Cent und transponieren kann man die Klaviatur in Halbtonschritten bis zu einer Oktave hinauf oder herunter. Das Metronom besitzt nur einen fest eingestellten Klang und die Taktlänge lässt sich dabei von 2 - 9 Schlägen oder auch ganz ohne Signal voreinstellen.

Modalitäten und Effekte

Die Klaviatur kann frei in zwei Bereiche aufgeteilt werden, auf der man dann mit unterschiedlichen Klangfarben spielen kann (Splitmodus). Auch ist es möglich zwei Klangfarben gleichzeitig zu spielen (Dualmodus). Zusätzlich lässt sich die Tastatur in zwei gleiche Bereiche aufteilen, so dass beispielsweise Lehrer und Schüler gleichzeitig im identischen Tonbereich spielen können. Der Reverb bietet drei unterschiedliche Raumgrößen, die man allerdings auch durch zwei verschiedene Delays ersetzen kann. Auch der Choruseffekt bietet drei verschiedene Stufen. Dieser lässt sich wahlweise auch auf einen Flanger oder einen Rotaryeffekt umstellen. Der Equalizer liefert fünf verschiedene fixe Einstellungen. Zuletzt lässt sich auch noch die Pedal-Resonanz zu- und abschalten, was schon auf besondere Eigenschaften für einen noch realistischeren Klavierklang hinweist.

Eigene Aufnahme und Begleitautomatik

Weiterhin kann man sich mit dem Thomann DP-51 auch selber aufnehmen. Hierfür stehen fünf Aufnahmeplätze zur Verfügung. 60 Musikstücke aus dem allgemeinen „Klavierschülerrepertoire“ sind im Gerät gespeichert, die man in verschiedenen Tempi abspielen kann. Bei diesen lässt sich auch zum Üben die rechte oder linke Hand einzeln abspielen. Das wird aber in der Praxis kaum eine Rolle spielen, denn es ist tatsächlich ziemlich schwer, zu einer vorgefertigten Aufnahme zu spielen, vor allem, wenn keine rhythmische Begleitung mit einem permanenten Tempo vorgegeben wird. Auch werden die Wenigsten tatsächlich den Equalizer öfter verwenden, denn ein Digitalpiano ist ja vor allem ein Klavierersatz und das will man einfach einschalten und dann sofort losspielen. Und hier punktet das Thomann DP-51, denn schon zwei Sekunden nach dem Einschalten ist das Instrument spielbereit. Ungeduldige werden es danken und nicht ständig daran erinnert, dass man ja eigentlich vor einem Computer sitzt. Zuletzt gibt es auch noch Styles, hinter denen sich eine Begleitautomatik mit Klaviersound versteckt. Das können speziell dafür vorgesehene, moderne Keyboards mit Rhythmusbegleitung allerdings besser.

Möglichkeiten

Zwei Kopfhörerausgänge befinden sich an der Unterseite der Klaviatur. Das ist zwar beim Einstecken ein bisschen lästig, hat aber den Vorteil, dass die Stecker und Kabel dann nicht mehr stören. Beim Einstecken in den einen Kopfhörerausgang werden praktischerweise auch die Lautsprecher automatisch abgeschaltet, was nicht bei allen Digitalpianos der Fall ist. Auf der Rückseite finden wir dann noch MIDI Ein- und Ausgang, einen Mono Ausgang, einen Audio Eingang sowie einen USB-Port zum Anschluss des Pianos an den Computer. Vor allem der Audio Eingang ist dabei sehr praktisch, denn Übungsstücke zum Mitspielen befinden sich ja nicht nur in dem Piano selbst, sondern zusätzlich noch in Klavierschulen mit beigelegter CD und im Internet. Statt also auf die 60 fest programmierten Stücke zurückzugreifen, können auch andere Musiktitel über einen, mit dem Audio-Eingang verbundenen Zuspieler, abgespielt werden, zu denen man dann selbst spielt. Das macht die Sache sehr flexibel und ein Abspielgerät, wie z. B. ein Mobiltelefon ist schnell zur Hand. Leider sind alle Anschlüsse ungünstig an der Rückseite des Digitalpianos platziert. Das Thomann DP-51 wird in den meisten Fällen nicht mitten im Raum, sondern eher wie ein echtes Klavier, an der Wand stehen. Somit sind die Anschlüsse für wechselnde Vorhaben schlecht erreichbar.

Klang

Kommen wir zum alles Entscheidenden, dem Klang des Thomann DP-51 Digitalpianos. Wie schon vorher beschrieben ist der Klang über das interne Lautsprechersystem nur als mäßig zu bezeichnen: Das Digitalpiano klingt dumpf und der Gesamtklang hat keinen echten Körper. Über den Kopfhörerausgang ist das eine ganz andere Sache. Hier wird der über die verbauten Lautsprecher eher dumpf wirkende Klang ohne die von den Lautsprechern einschränkende Klangentfaltung brillanter vermittelt, sogar die korrekte Aufteilung von tiefen und hohen Tönen im Panorama ist gegeben. Die Audiobeispiele - Mozart mit wenig Pedal im Mittenbereich, Debussy mit viel Pedal über die ganze Tastatur und ein Jazzstandard - sind in den Aufnahmen sowohl mit speziellen Mikrofonen direkt an den Ohren des Testers, um den Klang der DP-51 Lautsprecher im Raum aufzuzeigen, als auch aus dem "Line-Signal des Kopfhörerausgangs zu hören.

Wer ein geübtes Ohr hat wird schnell hören, dass der zur Verfügung stehende Sample-Vorrat offensichtlich recht klein ausfällt, denn gehaltene Klänge gestalten sich in der Abklingphase recht schnell unnatürlich und wirken statisch. Im Detail kann man das sehr gut im Ausklang des Audiobeispiels „Akkorde mit Pedal“ hören. Auch die Hallsimulation ist nicht auf dem neuesten Stand, wie man im Audiobeispiel „Reverb“ hört. Hier ist die Abklingphase der Raumsimulation nicht als hochwertig zu bezeichnen. Zudem bleiben manche Töne gefühlt länger stehen als andere, resultierend aus Eigenresonanzen bestimmter Frequenzen im nicht hoch auflösenden Halleffekt. Zum Vergleich übrigens noch zwei Aufnahmen der gleichen Stücke auf zwei echten A-Flügeln, einem Kawai aus den 1980er Jahren und einem Steinway aus dem Jahr 1926. Auch hier waren die Mikrofone an den Ohren des Testers angebracht, genauso wie bei der Aufnahme des Thomann DP-51.

Beim Durchspielen der 40 Presets wird deutlich, dass die Klangerzeugung auf einem nicht wirklich aktuellen Stand ist. Fraglich ist allerdings, ob und wie viel von den bisher geäußerten Anmerkungen ein Anfänger überhaupt hört. Festzustellen bleibt, dass sich - anders als zum Beispiel bei der Genauigkeit von Digitaluhren – bei Digitalpianos klangliche Qualitätsunterschiede durchaus bemerkbar machen. Bei einem niedrigen Preis muss man hier sowohl bei der Art des verwendeten Lautsprechersystems als auch bei der Qualität der Klangerzeugung Abstriche machen.

Tastatur

Nachdem der Klang des Thomann DP-51 jetzt kritisch beleuchtet wurde, kommt aber noch ein Highlight, und das ist die Tastatur. Bei der überzeugenden Nachahmung von echten Klaviertastaturen werden zum Teil wirklich große Aufwände bis hin zur Simulation von eigentlich nicht erwünschten Eigenschaften ihrer analogen Vorbilder getrieben (link zum Artikel über Tastaturen). Es ist anzunehmen, dass das Thomann DP-51 über eine eher einfach aufgebaute Tastatur verfügt. Überraschenderweise ist es aber eine der besten Digitalpiano-Tastaturen die mir unter die Finger gekommen ist. Nicht zu schwer, nicht zu leicht, nicht schwammig, nicht federnd, sondern eine Tastatur, die sich gut spielen lässt, so wie man es von einem Klavier oder Flügel erwartet. 

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