Test
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14.06.2015

the t.bone GM 55 Test

Dynamisches Elvis-Mikrofon

King ohne Krone?

Das Elvis-Mikrofon the t.bone GM 55 ist zum Test der Rock'n'Roll-Klassiker erschienen. Das dynamische Mikrofon, das das Shure 55S mit dem „Baby“-Unidyne-Gehäuse als Vorbild hat, ist im Vergleich zum preiswertesten der derartigen Mikrofone des Originalherstellers für ungefähr ein Drittel zu haben. Das lässt natürlich aufhorchen, wirft aber auch die Frage auf, was das Mikro zu leisten vermag. Besonders: Kann man es sorglos auf jeder Bühne verwenden?

Auf den ersten Blick scheint das GM 55 dem Elvis-Klassiker nachgeahmt zu sein, doch das ist bei genauerem Hinsehen nicht komplett der Fall. Das Design ist nur angelehnt, im Direktvergleich ist das GM 55 deutlich eckiger und kantiger. Und auch im Innenleben ist nicht alles identisch.

Details

Klassisches Gehäuse

Das erste Mikrofon mit dieser Form war die „Mini“-Version des klassischen Unidyne 55, welches Shure momentan nur als Limited Edition anbietet. Das metallene Druckgussgehäuse besteht aus zwei Bauteilen, Front und Rückteil, die miteinander verschraubt sind. Anders als in der mattierten Shure-Optik ist das t.bone GM 55 in polierter Chromoptik gehalten und ist damit sehr auffällig – ein erstklassiger Bühnen-Hingucker also. Zwischen dem auffälligen Grill erkennt man keinen Schaumstoff, sondern ein feines Drahtgeflecht, um die Kapsel im Inneren vor Wind und Speichel zu schützen. Über ein Swivel-Mount, ein bewegliches Element, ist das Fußteil mit dem großen Korb verbunden. Dort befinden sich unten die männliche XLR-Buchse zum Anschluss des Mikrofonkabels und der Stativanschluss sowie auf der Vorderseite ein Ein/Aus-Schiebeschalter. 

Vorteil Superniere

Natürlich ist im t.bone GM 55 eine dynamische Kapsel verbaut, genauer: eine Tauchspulenkapsel. Diese richtet stärker als im historischen Vorbild, welche eine auffällig breite Nierencharakteristik erzielte. Dadurch ist dort einerseits der verfärbungsfrei besprechbare Bereich der Front sehr groß, was Elvis-esquen Umgang mit dem Mikrofon vereinfacht. Andererseits ist die rückwärtige Dämpfung dort recht gering und die Anfälligkeit für Rückkopplungen recht hoch – vor allem, wenn wie heute mit hohen Bühnenlautstärken gearbeitet wird. Das GM 55 ist hier konzeptionell im Vorteil, da es zwar einen etwas schmaleren frequenzkonstanten Bereich auf der Besprechungsseite besitzt, dafür aber eine höhere rückwärtige Dämpfung. Wie bei derartigen Supernieren üblich, liegt der Bereich der geringsten Empfindlichkeit nicht genau auf der Rückseite (bei 180 Grad), sondern links und rechts davon.

Frequenzgang: typisch Elvis-Mikrofon

40 Hz bis 17 kHz werden im Datenblatt als Grenzfrequenzen angegeben, jedoch ohne Nennung der dort eingetretenen Dämpfung. Prinzipiell zeigt der grafische Frequenzgang typische Eigenschaften eines Tauchspulenwandlers in einem derartigen Gehäuse. So sind die Präsenzen und Höhen recht wellig, was besonders auf Beugungseffekte des abgerundeten Gehäuses und Interferenzen durch die starren, recht großen und gleichmäßigen Gitterstäbe zurückzuführen ist. Schlimm? Nein: Das sorgt für einen Sound-Bestandteil, der bei einem Elvis-Mikrofon einfach dazugehört. Eine Absenkung im „Dröhnbereich“ zwischen 500 Hz und 1 kHz lässt sich auch ausmachen, bei näherer Besprechung wirkt natürlich der Proximity-Effekt, welcher den Bass anhebt. Mit 2,4 mV/Pa gibt das t.bone ordentlich Pegel aus. Der Grenzschalldruckpegel ist jenseits von dem, was das Mikro in seinem Einsatzzweck einschränken könnte, was für Tauchspulenmikros absolut üblich ist. 415 Ohm erscheinen viel und liegen noch deutlich über dem Wert der meisten Bändchenmikrofone. Ein niederohmiger Preamp (heute so gut wie nicht mehr zu finden) könnte mit Klangeinbußen reagieren und das Signal schal und dünn klingen lassen. Man kann den Spieß aber umdrehen: Durch die mittlerweile verbreitete Möglichkeit einiger Preamps, die Eingangsimpedanz bewusst abzusenken, erhält man eine nette Klangvariante. Das t.bone GM 55 kommt nicht solo, im Lieferumfang befindet sich ein kleines, einfaches Tischstativ.

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