Hersteller_Numark
Test
5
30.01.2013

Praxis

Genug der Außenbetrachtung! Höchste Zeit, den Electrowave da zu platzieren, wo er hingehört, nämlich auf den Kopf des erwartungsfrohen Testers. Direkt nach dem Aufsetzen überkommt einen ein Gefühl, das sich am ehesten mit dem Hineinfallenlassen in ein kuscheliges Velours-Sofa vergleichen lässt. Dank kräftig gepolstertem Kopfbügel, anschmiegsamen Ohrmuscheln und guter Außengeräuschabschirmung fühlt man sich hier angenehm „loungig“ umschmeichelt.

Im Bereich des „beatgoutierenden“ Kopfnickens liegt auch der angemessene Bewegungsrahmen, um den Kopfhörer souverän auf dem Schädel zu tragen. Headbanging dagegen verursachte bei mir zwar kein Abrutschen, aufgrund des hohen Gewichts und der nicht allzu stramm anliegen Hörmuscheln tendiert der Kopfhörer dabei aber zu nervigem Wackeln. Ein kurzer Blick in den Spiegel sagt mir, dass ich persönlich (kleine Kopfform) diesen Kopfhörer bei DJ-Sets wohl nicht tragen würde, da er proportional schlicht zu groß wirkt. DJs, deren Schädelvolumen größer ist, dürfte der Electrowave dagegen gut zu Gesicht stehen. Das ist allerdings höchst subjektiv und immer auch eine Geschmacksfrage – wer beispielsweise sein gesamtes Setup (Mixer, Vinyl, Notebook) in balearisch hellem Weiß gestaltet hat, kann mit dem Numark natürlich einen weiteren stylischen Akzent setzen.

Nun aber Strom aufs Kabel! Den verwertet der Electrowave in Anbetracht von 22 Ohm Impedanz übrigens recht effizient. Drehe ich den Kopfhörerausgang meines iPads auf Vollleistung, lässt er sich auch am Mobilrechner mit zufriedenstellender Lautstärke-Ausbeute betreiben. Wohlgemerkt ist mein erstes Hörstück auch der Dirtyloud-Remix von Felguks „Whatever Clever“ – ein Track, der bis zum Anschlag komprimiert und maximiert ist und entsprechend subjektiv sehr „laut“ klingt. Der erste Eindruck beim Hören ist grundsätzlich positiv: Der Electrowave liefert einen erstaunlichen Bassschub und erzeugt in Verbindung mit der guten Dämpfung von Außengeräuschen und dem plüschigen Tragegefühl eine überzeugende „Kleiner-Club-im-Kopf“-Inszenierung. Dieser Eindruck wird dann aber beim direkten Vergleich mit meinem persönlichen, eine Preisklasse höher angesiedelten Favoriten Beyerdynamic DT 770 Pro etwas zurechtgestutzt. Denn in Bezug auf den wahrgenommenen „Punch“, also die Knackigkeit, mit der Transienten auf das Trommelfell treffen, gibt sich der Numark dann leider doch einen Ticken zu zahm.

Als Nächstes wandert Suzanne Vegas 1992-er Album „99.9F°“ auf den Plattenteller. Ein Longplayer, den ich während der stillen Weihnachtstage mit großer Begeisterung wiederentdecken durfte. Der trockene, aufgeräumte, leicht artifiziell „elektronisierte“ Akustik-Sound, den Mitchell Froom hier produziert hat, wirkt auch heute (zwanzig Jahre später) immer noch erstaunlich frisch und zeitgemäß. Und macht das Album zu einem meiner persönlichen All-Time-Classics im Bereich der anspruchsvollen Pop-Musik. Direkt im namensgebenden Titelsong öffnet sich in der Bridge ein weiter, ätherischer Hallraum, der die Stimme Suzanne Vegas wie aus unwirklichen Entfernung an das Ohr wehen lässt, nur um dann im Vers wieder durch einen gänzlich „trockenen“ Vocal-Sound kontrastiert zu werden. Ich höre zuerst einen meiner persönlichen Favoriten in Bezug auf Ausgewogenheit und Neutralität – zugegeben ein Kopfhörer, der sich eher für das Studio und weniger für die DJ-Booth empfiehlt: den Audio Technica ATH-Pro500 MK2, dann den Numark Electrowave. Im direkten Vergleich arbeitet der Audio Technica den Kontrast zwischen verhalltem und trockenem Signal weitaus deutlicher und prägnanter heraus. Überhaupt scheint die gesamte Stereobasis beim Numark etwas enger zu sein, als beim Vergleichskopfhörer. Wo der Electrowave allerdings punktet, ist in Bezug auf den frequenztechnischen „Hörspaß“. Während sich der Audio Technica sachlich und nüchtern mit der Klangreproduktion beschäftigt (besonders in den Mitten), hat der Numark hörbar die Zielsetzung, dem ihm zugeführten Material zu schmeicheln. Das, was er an Schlagkraft und Transienten-Abbildung in den Mitten vermissen lässt, erzeugt in der Summe eine entsprechend höhere Gewichtung der Höhen und Bässe – mit dem bekannten, für das Ohr wohlklingenden Ergebnis.

Nach so viel Pop-Behaglichkeit verlangt mein Ohr nach Abwechslung, die ich ihm gerne in Form von Feed Me’s, mit einem extrem bösen, trocken-knarzigem Bassmonster ausgestattetem „Trichitillomania“ liefere. Das auch, um den Numark langsam an seine Zerrgrenze heranzuführen. Es zeigt sich, dass der Electrowave eine ganze Menge Strom wegstecken kann, bevor die Membran sich überfordert fühlt. Tatsächlich verkehrt sich bei hohen Lautstärken der Nachteil des Numark, nämlich die etwas träge Transienten-Abbildung in einen Vorteil: Wo der Audio Technica mit seinen Tiefmitten bereits anfängt, im Ohr wehzutun, verteilt der Numark die ankommende Energie in die Höhen und Bässe – die Bereiche also, in denen das Ohr weitaus weniger lautheitsempfindlich ist (Stichwort für den Fachmann: Fletcher-Munson-Kurven).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Numark Electrowave weniger dem Bereich „Neutrales Arbeitsgerät“, sondern mehr der Kategorie „Klangschmeichler“ zuzurechnen ist. Besonders Bass-Freunde sollten dem Kopfhörer durchaus einen Hörtest gönnen. Gerade in Verbindung mit den „plüschig-fetten“ Trageeigenschaften macht der Electrowave – entgegen seinem Namensbestandteil „Electro“ – nämlich besonders beim Hören von Hip-Hop-Beats recht viel Spaß. Als Defizit muss man dagegen die leichte Trägheit im Punch und der Transienten-Abbildung und die enge, wenig differenzierte Stereo-Auflösung werten, was ihn nicht unbedingt zur Idealbesetzung im Recording-Bereich macht. Dort wirkt er aber ohnehin aufgrund seines auffälligen Designs eher deplatziert, obgleich er dank seiner guten Dämmeigenschaften nach außen wie nach innen, das Zeug zu einem guten Monitor-Kopfhörer hätte.

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