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Test
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04.11.2013

Steinberg HALion Sonic 2 Test

Virtuelle Workstation

Hansdampf in allen Gassen

Mit HALion Sonic 2 hat Steinberg eine All-In-One Workstation im Angebot, die sich vornimmt, die klanglichen Grundbedürfnisse von Keyboardern, Komponisten, Produzenten und allen anderen Anwendern abzudecken, die Musik am Computer machen und dabei eine möglichst flächendeckende und Genre-unabhängige Auswahl an Sounds zu schätzen wissen. Der virtuelle Multi-Instrumentalist geht gleichzeitig auf Steinbergs Haus-Sampler HALion und das Alleskönner-Urgestein Hypersonic aus dem Jahr 2003 zurück und ist nicht nur ein reiner Sample-Player, sondern lässt den Sound inzwischen auch von mehreren Synth-Engines unterstützen. 

Als Benutzer einer aktuellen Version von Cubase hat man höchstwahrscheinlich schon Bekanntschaft mit dem dort enthaltenen HALion Sonic SE gemacht und schielt somit eventuell auf die weit umfangreichere Vollversion, aber auch als Anwender einer konkurrierenden DAW-Software wie Logic oder Live darf man sich sicherlich als Teil der von Steinberg angesprochenen Zielgruppe empfinden. Ob HALion Sonic 2 wirklich auf allen Hochzeiten tanzen kann, und ob neben den erwartungsgemäß zahlreich vorhandenen Brot- und Butter-Sounds auch hin und wieder ein echter klanglicher Gaumenschmaus zu finden ist, werden wir in diesem gewohnt detaillierten bonedo-Test in Erfahrung bringen!

Details

Umfang und Installation

HALion Sonic 2 kann als 32-Bit oder 64-Bit Version installiert werden und läuft als Standalone-Anwendung oder VSTi- bzw. AU-Plug-in. Die Software bringt 15 Gigabyte auf die Datenwaage und wird bei Auslieferung auf zwei DVDs untergebracht. Neben den Datenträgern beinhaltet die Verpackung auch eine gedruckte Kurzanleitung zum Einrichten der Software. Das ausführliche Benutzerhandbuch wird bei der Installation als PDF-Dokument mit auf den Rechner kopiert und liegt in einer mehrsprachigen Version vor – unter anderem natürlich auch auf Deutsch.

Als Kopierschutz verwendet Steinberg wie auch bei Cubase den eLicenser, einen USB-Stecker, der separat dazugekauft werden muss, falls er noch nicht vorhanden sein sollte. Die Aktivierung des Lizenz-Codes läuft online über die eLicenser Control Software von Syncrosoft und vollzieht sich problemlos innerhalb von wenigen Minuten.

Selbstverständlich gibt es für Anwender von HALion Sonic 1 auch ein Update-Angebot, dieses ist aber ausschließlich als Download im Web-Shop von Steinberg erhältlich. 

HALion 5 für Otto-Normalmusiker

HALion Sonic 2 bietet Zugriff auf die gleiche Klangerzeugung und Library wie der zeitgleich veröffentlichte große Bruder HALion 5 und ist in dessen Lieferumfang sogar als eigenständig lauffähige Software enthalten. HALion Sonic reduziert aber die sehr tiefen Eingriffsmöglichkeiten des Sound-Design-Boliden HALion 5 auf ein für den allgemeinen Anwender erträgliches Maß. Hauptunterschied ist, dass man bei der Arbeit mit HALion Sonic auf die Bedienoberflächen (bzw. Macro-Ansichten) der einzelnen Instrumenten-Module beschränkt ist und keine vollständig eigenen Instrumente kreieren kann. Die abgründig tiefer gehenden Verbindungen in den Eingeweiden des komplexen Hybrids HALion 5 aus Synthesizer und Sampler bleiben für den Anwender somit im Verborgenen. 

Im Vergleich zum direkten Vorgänger wurde das Instrumenten- und Effekt-Arsenal deutlich aufgestockt, und man darf sich über eine Fülle von über 2500 Presets freuen, die von Steinberg in Kooperation mit Yamaha erstellt wurden. Die Werksausstattung von HALion Sonic 1 wurde also mehr als verdoppelt. Zu verdanken ist das neben einem vergleichbar geringen Zuwachs an Sample-Content (etwa 3 GB) vor allem den drei neuen Synth-Modulen und einer ebenfalls auf Synthese basierenden Emulation einer Hammond-Orgel. Damit bei dieser Fülle an Sounds der Überblick gewahrt  bleibt, hat Steinberg eine eigenständige MediaBay als Browser in die Software integriert, die es ermöglicht, einzelne Presets nicht nur schnell zu finden, sondern bei Bedarf auch umfassend selbst zu kategorisieren und zu bewerten. Alternativ können Cubase-Nutzer natürlich auch die dort integrierte MediaBay verwenden. Viel übersichtlicher geht es nicht, und das ist auch gut so. 

HALion Sonic 2 ist 16-fach multitimbral und bietet dementsprechend die Möglichkeit, 16 Instrumente gleichzeitig zu laden und diese natürlich auch über getrennte MIDI-Kanäle anzusteuern. Cubase-Nutzer können zudem von der Kompatibilität zu VST Expression 2 profitieren und Controller-Daten nicht nur über einen MIDI-Track, sondern auch als separate Zusatzinformation zu jeder einzelnen MIDI-Note senden. Im Standalone-Modus kann jedem der Slots ein eigener Ausgang des Audio-Interfaces zugewiesen werden, als Plug-in beschickt HALion Sonic den Mixer der Host-Anwendung über ebenfalls bis zu 16 getrennte Stereo-Kanäle. Eine Möglichkeit, diskrete Mono-Ausgänge einzurichten, wäre für die Arbeit mit Mono-Material sicher hilfreich gewesen, da sich auf diesem Weg Rechenleistung beim nachträglichen Bearbeiten sparen ließe. Am letztendlichen Klang verändert das aber natürlich nichts, und dieser Punkt ist vor allem zu verschmerzen, da HALion Sonic 2 zumindest mit seinen Presets größtenteils Stereo-Material liefert.

Die entsprechenden Routing-Einstellungen lassen sich im internen Mixer vornehmen, und natürlich bietet diese Oberfläche zusammen mit der Effects-Page auch Möglichkeiten, den Klang schon innerhalb des Plug-Ins grundlegend anzupassen. So gibt es neben den obligatorischen Lautstärke-Reglern auch Kontrolle über das Panning, vier frei bestückbare Send-Wege, denen selbst wiederum eigene Ausgänge zugewiesen werden können, und vier Insert-Slots für Master-Effekte. Insert-Effekte für die einzelnen Instrumente werden dagegen über den Bearbeitungsbereich des jeweiligen Patches hinzugefügt.

Alle instrumentenspezifischen Parameter können über eine MIDI-Learn Funktion kinderleicht einem MIDI-Controller zugewiesen werden, in der Praxis macht es aber Sinn, stattdessen dauerhaft die acht Quick Controls zur Fernsteuerung zu verwenden und diesen wiederum die je nach Patch kritischen Parameter zuzuweisen oder einfach die Voreinstellungen der Presets zu verwenden. So können die Parameter für die Steuerelemente der Controller-Hardware beim Wechsel von Presets unangetastet bleiben und stattdessen die Verbindungen innerhalb der Software komfortabel eingerichtet werden. Das gleiche gilt für das HALion Sphere, das in der charakteristischen Optik eines orangefarbenen Kameraauges die simultane Steuerung von zwei Parametern erlaubt und vor allem in Verbindung mit einem zusätzlichen Joystick auf dem Masterkeyboard gute Dienste verrichten kann. 

Für den Bühnenbetrieb ist es zudem sehr hilfreich, dass einzelne Sounds problemlos gelayert oder über unterschiedliche Bereiche eines oder mehrerer Controller-Keyboards verteilt werden können. Für Live-Sets lassen sich Multi-Chains vorkonfigurieren, die es ermöglichen, zwischen den kompletten Setups von bis zu 128 Songs hin und her zu schalten. Schade, dass in der Standalone-Version nicht auch das Tempo mit abgespeichert wird, vor allem auch da es sich bei der ebenfalls enthaltenen Tap-Tempo Funktion um eines der wenigen Bedienelemente handelt, die nicht über MIDI-Learn einem Controller zugewiesen werden können. Steinberg arbeitet aber offenbar bereits an diesem Punkt, und so darf man auf künftige Updates gespannt sein. 

So viel zur grauen Theorie! Im folgenden Praxis-Teil werfen wir ein Auge und natürlich auch ein Ohr auf die neuen Soundmodule im Einzelnen.

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